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Sessionsrückblick: Klimaschutz ist auch Arbeitnehmendenschutz

5. Oktober 2026
Léonore Porchet
Léonore Porchet
Vizepräsidentin und Nationalrätin

In der Herbstsession wurden verschiedene wichtige Themen debattiert. Léonore Porchet, Vizepräsidentin von Travail.Suisse und Nationalrätin VD, wirft einen Blick auf einige der wichtigsten Entscheide:

SVP-Bundesrat Albert Rösti hat uns in diesem Hitzesommer alle im Stich gelassen. Statt einen Klimaaktionsplan vorzulegen und Massnahmen zum Schutz vor Hitze zu ergreifen, erklärte er: «Man darf es auch nicht übertreiben!» Was für ein Zynismus! Während alle Lebewesen unter der Hitze litten, zog es der SVP-Umweltminister vor, die Situation herunterzuspielen. 

Dabei hat diese Hitzewelle alle Rekorde übertroffen, die in der Schweiz seit Beginn der Messungen im 19. Jahrhundert verzeichnet wurden. Die UNO hat zudem kürzlich einen Bericht veröffentlicht, dem zufolge wir die 1,5-Grad-Grenze früher als erwartet überschreiten werden. Es ist deshalb höchste Zeit für einen wirksamen und gerechten Klimaschutz! 

Ja, zahlreiche Arbeitnehmende waren von diesen Hitzewellen stark betroffen. Deshalb müssen die Arbeitsbedingungen, insbesondere der Gesundheitsschutz und die Sicherheit, unbedingt in die politischen Strategien zur Anpassung an den Klimawandel aufgenommen werden. Im Travail.Suisse-Aktionsplan für eine auf dem gerechten Übergang basierende Klimapolitik weisen wir darauf hin, dass Branchen, in denen im Freien gearbeitet wird – etwa das Baugewerbe und die Landwirtschaft – von Hitzewellen besonders betroffen sind. Müdigkeit und nachlassende Aufmerksamkeit bei der Arbeit infolge grosser Hitze erhöhen das Risiko von Berufsunfällen, etwa durch Stürze oder Einschlafen. Hinzu kommt das erhöhte Hautkrebsrisiko durch die Sonneneinstrahlung. 

Auch andere Branchen sind betroffen, etwa der Verkehr und der Service public (insbesondere die Notfall- und Rettungsdienste). Auch die Gesundheitsbranche  bleibt nicht verschont, unter anderem wegen des möglichen Auftretens neuer Infektionskrankheiten. Die Covid-19-Pandemie, die die ganze Welt erfasst hat, wurde zwar nicht unmittelbar durch den Klimawandel verursacht. Dennoch kann sie hier angeführt werden, weil Zusammenhänge zwischen der Entwicklung von Viren und Veränderungen der Ökosysteme bestehen. 

Es gibt jedoch Lösungen, um diesen Problemen zu begegnen. So müssen beispielsweise die Arbeitszeiten angepasst werden. Bei extremer Hitze kann es sogar notwendig sein, die Arbeit einzustellen oder auf bestimmte Tätigkeiten wie das Asphaltieren von Strassen zu verzichten. Hier kommt den Sozialpartnern eine wichtige Rolle zu: Mit Gesamtarbeitsverträgen auf Branchen- oder Betriebsebene können sie die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Arbeitsbedingungen und die Gesundheit am Arbeitsplatz begrenzen. 

Künftig wird es wichtig sein, Arbeitnehmende, die durch extreme Wetterereignisse besonders gefährdet sind, zu schulen, damit sie sich besser daran anpassen können. Ebenso müssen sie mit geeigneter Ausrüstung ausgestattet werden, um ihre Gesundheit zu schützen und ihre Sicherheit zu gewährleisten. Bislang haben die staatlichen Strategien zur Anpassung an den Klimawandel und die daraus abgeleiteten Aktionspläne der Arbeitswelt leider nur wenig Raum eingeräumt. Das ist mehr als bedauerlich … 

In dieser Session haben mehrere Fraktionen eine aktuelle Debatte über «Hitzewelle und Dürre» erwirkt, um die Folgen der Untätigkeit angesichts der Klimaerwärmung aufzuzeigen und Lösungen vorzuschlagen. Ich meinerseits habe die Motion « Objectif zéro mort de la canicule » («Keine Hitzetoten») eingreicht. Damit soll der Bundesrat eine Strategie erarbeiten, um Todesfälle und schwere gesundheitliche Folgen von Hitzewellen zu begrenzen. Auf unsere Kritik hin spielte Albert Rösti die Situation weiterhin herunter und erklärte zugleich, sein Departement unternehme das Nötige zur Bekämpfung des Klimawandels… Diese Haltung ist eines Bundesrates unwürdig. Er müsste das Problem ernsthaft angehen und sich der Realität stellen. Als ich ihn fragte, wie viele Menschen 2026 infolge der Hitzewellen gestorben seien und ab welcher Zahl von Todesfällen er die Hitze als nationale gesundheitspolitische Priorität betrachte, wich er schlicht aus. Er erklärte, er werde mir keine Zahl nennen und habe bereits sämtliche Massnahmen aufgezählt, die sein Departement ergreifen...

Leider werden solche Hitzewellen immer häufiger auftreten. Wir müssen damit rechnen, diese neue Art von Sommer künftig sehr regelmässig zu erleben. Um die Arbeitnehmenden in diesem Land zu schützen, werden die Gewerkschaften weiterhin ihre zentrale Rolle wahrnehmen! Wir dürfen nicht zulassen, dass die untätige Mehrheit im Parlament und im Bundesrat so tut, als sei nichts geschehen. Wir müssen uns weiterhin gegenseitig unterstützen und uns auf der Strasse wie auch in unseren Institutionen für bestmögliche Arbeitsbedingungen angesichts des Klimawandels sowie für eine ambitionierte Politik zur Senkung unserer Emissionen einsetzen. 

Über Travail.Suisse

Travail.Suisse ist der wichtigste unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden in der Schweiz, er ist parteipolitisch und konfessionell unabhängig. Travail.Suisse vertritt die Interessen der 130’000 Mitglieder seiner Mitgliedsverbände und aller Arbeitnehmenden in Politik und Öffentlichkeit. Travail.Suisse ist einer der vier nationalen Sozialpartnerdachverbände, ihm gehören zehn Mitgliedsverbände an.

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