Medienmitteilung
Zur Förderung der Gleichstellung und Erwerbstätigkeit, gegen Versorgungsengpässe und den Fachkräftemangel, für den Zusammenhalt der Generationen: Eine breite Allianz aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik mit Vertreter:innen der Mitte, Grünen, GLP, SP, EVP, FDP, alliance F und Travail.Suisse hat heute 112‘517 gültig bescheinigte Unterschriften für die Eidgenössische Volksinitiative «Starke Gesellschaft und Wirtschaft dank Elternzeit (Familienzeit-Initiative)» bei der Bundeskanzlei eingereicht. Die Allianz hat die grosse Schluss-Mobilisierung und den grossen Zuspruch in der Bevölkerung heute mit einem fröhlichen Fest für Familien, Kinder, über alle Generationen hinweg gefeiert.
Die Schweiz verändert sich und mit ihr müssen sich auch ihre Infrastrukturen wandeln: Die Bevölkerung wird immer älter, es leben mehr Menschen in Rente als früher – gleichzeitig werden immer weniger Kinder geboren, die Geburtenrate sinkt auf rekordtiefe 1.3 Kinder pro Frau. In vielen Bereichen drohen Arbeitskräftemangel und Versorgungslücken. Unsere Nation muss Infrastrukturen neu denken und Rahmenbedingungen schaffen, welche die Generationen stützen, zusammenhalten und in Nation in die Zukunft tragen.
Eine Investition, die sich lohnt!
Dominik Blunschy (Nationalrat Mitte/SZ) sagt: «Mit der Familienzeit verhält es sich wie mit grossen Infrastrukturbauten: sie bringen langfristig einen vielfachen Nutzen von dem, was sie am Anfang kosten.» Eine klug ausgestaltete Elternzeit schafft Rahmenbedingungen für Familien und macht Elternschaft attraktiv. Die Hauptlast für das Erwirtschaften des Wohlstands dieses Landes trägt die mittlere Generation: Sie ist in hohen Pensen erwerbstätig, finanziert die Sozialwerke, zieht die künftige Generation gross und betreut oft gleichzeitig pflegebedürftige Eltern oder Angehörige. So Blunschy weiter: «Familien brauchen bestmögliche Unterstützung in einer vulnerablen Zeit, nach der Geburt eines Kindes, wenn Weichen in Erwerb und Familie neu gestellt werden. Hier müssen wir heute investieren: In die Ermöglichung von Familie und Erwerbstätigkeit, um den Wohlstand unserer Nation für Generationen zu sichern.»
Kathrin Bertschy (Nationalrätin GLP/BE und Co-Präsidentin alliance F) sieht die Familienzeit als ein Generationenwerk: «Ein Land, das Kinder und Arbeitskräfte will, muss in dieses Generationenwerk investieren. Es lohnt sich. Die Familienzeit trägt unsere Gesellschaft in die Zukunft.» Eine Studie, welche die Allianz beim unabhängigen ökonomischen Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Ecoplan in Auftrag gegeben hat, zeigt, dass sich die Familienzeit auch für den Staat auszahlt: Nach 20 Jahren ist die Investition über höhere Steuern und Sozialversicherungsabgaben refinanziert. Jedes Jahr werden 2’500 Vollzeitbeschäftigte mehr im Arbeitsmarkt tätig sein, nach 10 Jahren bereits 25’000. Das sind Mütter, die überhaupt, früher und in höheren Pensen in den Beruf zurückkehren. Viele davon sind in Berufen tätig, in denen aufgrund der demografischen Alterung Versorgungslücken drohen (Altenpflege, Spitäler). Die Familienzeit-Initiative komme allen Generationen zugute.
Florence Brenzikofer (Nationalrätin GRÜNE/BL) betont, dass Elternschaft eine gemeinsame Verantwortung ist. Die heutige Gesetzgebung fördere aber stereotypische Normen und werde der gesellschaftlichen Realität nicht gerecht. Mütter trügen einseitig das Risiko des Erwerbsausfalls bei Elternschaft, was ihnen Hürden und Vorurteile, häufig unbewusste, in Karriereentwicklung und Entlöhnung einbringe. Damit müsse Schluss sein: «Eine gleich lange Familienzeit für beide Elternteile ist die logische und konsequente Fortsetzung der Gleichstellung der Geschlechter und der Ehe für alle», so Brenzikofer, «sie anerkennt die Vielfalt der Familien als gleichwertig an, der Staat verzichtet auf die Zuschreibung von Geschlechterrollen und gibt allen Eltern dieselbe Verantwortung und Möglichkeiten: Sowohl erwerbstätig zu sein, als auch 18 Wochen in Elternzeit zu gehen.»
Für Léonore Porchet (Nationalrätin GRÜNE/VD) ist die Familienzeit-Initiative die beste Chance, die Schweizer Familienpolitik voranzubringen: «Mütter, Väter und Kinder verdienen etwas Besseres als die aktuelle Situation. Die Familienzeit ist eine Investition in eine Gesellschaft, die für alle funktioniert.» Zu oft starte man zwar als modernes Paar in die Elternschaft, komme dann aber als traditionelle Familie wieder heraus. Die Mutterschaft bedeute für Frauen in der Schweiz häufig einen Einschnitt im Berufsleben, der mit einer deutlichen Reduzierung der Arbeitszeit verbunden ist – was sie finanziell bis zur Rente benachteiligt. Man tue dies als Privatsache ab, obwohl die Bedingungen, unter denen man diese persönlichen Entscheidungen treffen kann oder nicht, die gesamte Gesellschaft betreffen.
Deutliche Verbesserung für Arbeitnehmende mit tiefem Einkommen
Adrian Wüthrich (Präsident von Travail.Suisse) hat bereits an vorderster Front für den Vaterschaftsurlaub gekämpft und sieht in der Familienzeit eine selbstverständliche Weiterführung dieses Engagements: «Die Familienzeit-Initiative verbessert die Situation gerade für Arbeitnehmende mit tiefen Einkommen erheblich, denn sie sieht für diese einen Erwerbsersatz von 100% vor – damit niemand aus finanziellen Gründen auf die Familienzeit verzichten muss.» Mit der Familienzeit tragen wir der Gesundheit von Kindern und Eltern Sorge. Das lohne sich für alle: Familie, Gesellschaft und Wirtschaft. «Jeden Franken, den wir hier investieren, erhält unsere Wirtschaft und Gesellschaft um ein Vielfaches zurück: weil wir Familien entlasten, Kinder stärken und es Eltern erleichtern, langfristig berufstätig zu bleiben.»
Gleich lange Spiesse für KMU
Matthias Samuel Jauslin (Nationalrat GLP/AG und KMU-Unternehmer): «Als Inhaber eines KMU finde ich es besonders wichtig, dass die Elternzeit gemeinsam finanziert werden soll. Auf diese Weise sichern wir dem Gewerbe attraktive Arbeitsplätze und Fachkräfte.» KMU gerieten heute im Wettbewerb um Fachkräfte zunehmend ins Hintertreffen, weil urbane Zentren und Grossunternehmen ihren Mitarbeitenden attraktivere familienfreundliche Arbeitsbedingungen bieten könnten. Die Familienzeit ermögliche den Unternehmen Planbarkeit und Berechenbarkeit rund um die Elternschaft ihrer Mitarbeitenden. «Eine vernünftige, gemeinsam finanzierte Familienzeit schafft für KMU und ländliche Regionen gleiche Chancen im Wettbewerb um Fachkräfte».
Unterstützung für Mütter und Familien in vulnerablen Phase
Min Li Marti, SP-Nationalrätin SP/ZH und Vorstandsmitglied von alliance F, sieht in der Familienzeit-Initiative eine markante Verbesserung für Frauen: «Wenn wir die heute geltenden Urlaube verlängern und eine echte Elternzeit schaffen, entlasten wir insbesondere die Mütter. Sie erhalten mehr Unterstützung und können freier ihre Erwerbstätigkeit entscheiden.» Die Entlastung im Alltag senkt das Risiko von Müttern, an einer Wochenbettdepression oder einem Eltern-Burnout zu erkranken. Eine psychisch stabile Bezugsperson wirkt sich direkt und unmittelbar positiv auf das emotionale Wohlbefinden des Kindes aus. Aus diesen Gründen unterstütze nicht nur die SP Schweiz die Familienzeit-Initiative, sondern unter anderem auch der Schweizerische Hebammenverband und der Schweizerische Berufsverband der Pflegefachpersonen.
Auskünfte
Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, 079 287 04 93, wuethrich@travail.suisse.ch
Léonore Porchet, Nationalrätin und Vize-Präsidentin Travail.Suisse, 079 350 67 43, leonore.porchet@parl.ch