Medienmitteilung
Der Ständerat hat heute die Motion der WBK-N zur präventiven Weiterbildung und Umschulung bei Struktur- und Technologieunterbrüchen angenommen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, begrüsst diesen Entscheid, bedauert jedoch, dass die Motion gegenüber der im April vom Nationalrat verabschiedeten Fassung abgeschwächt wurde. Die Schweiz muss weiter gehen: Sie muss den Wandel der Arbeitswelt vorausschauend angehen und den Arbeitnehmenden ermöglichen, die notwendigen Kompetenzen zu erwerben, bevor ihr Arbeitsplatz gefährdet ist.
Die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt betreffen längst nicht mehr nur einzelne besonders exponierte Branchen oder geringqualifizierte Personen. Sie erfassen mittlerweile alle Bildungsstufen und zahlreiche Berufsfelder. Der technologische Fortschritt, die allgegenwärtige künstliche Intelligenz und der wirtschaftliche Wandel beschleunigen die Veränderungen der Berufe und der gefragten Kompetenzen. Berufliche Laufbahnen verlaufen weniger geradlinig. Eine Bildungsentscheidung, die heute sinnvoll ist, gewährleistet morgen nicht mehr unbedingt eine dauerhafte Arbeitsmarktfähigkeit.
«Wer heute eine sinnvolle Ausbildung wählt, darf morgen durch den Wandel der Arbeitswelt nicht ins berufliche Abseits geraten. Als wohlhabendes Land, das auf das Wissen und die Fähigkeiten seiner Bevölkerung setzt, muss sich die Schweiz bewusst dafür entscheiden, allen Menschen die Möglichkeit zur beruflichen Weiterentwicklung zu geben», betont Jackie Vorpe, Leiterin Bildungspolitik bei Travail.Suisse.
Travail.Suisse bedauert, dass der Ständerat die im April vom Nationalrat verabschiedete Motion abgeschwächt hat: Die Forderung nach einer nationalen Strategie wurde durch eine blosse Überprüfung der institutionellen Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und Sozialpartnern ersetzt. Bei der Überprüfung der institutionellen Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und Sozialpartnern handelt es sich jedoch um einen ersten sinnvollen und notwendigen Schritt. Die Sozialpartner verfügen über unmittelbare Kenntnisse darüber, wie sich Berufe und Kompetenzanforderungen in den verschiedenen Branchen verändern. Zudem spielen sie bereits heute eine wichtige Rolle in der Weiterbildung, insbesondere über paritätische Weiterbildungsfonds und andere bestehende Strukturen. Entscheidend wird nun sein, diese Analyse in konkrete Massnahmen zu überführen. Präventive Weiterbildung und berufliche Umschulung dürfen nicht als Ausgaben betrachtet werden, die erst anfallen, wenn Arbeitslosigkeit droht. Sie sind vielmehr Investitionen, um die Arbeitsmarktfähigkeit zu erhalten, den Verlust von Kompetenzen zu vermeiden und die gesellschaftlichen Kosten beruflicher Brüche zu begrenzen.
Travail.Suisse fordert Bund, Kantone und Sozialpartner deshalb auf, diesen Auftrag zu nutzen, um konkrete und aufeinander abgestimmte Lösungen zu erarbeiten. Dazu gehören insbesondere Diskussionen über eine bessere Steuerung der Weiterbildung, eine gezieltere Nutzung bestehender Impulsfonds für die Weiterbildung oder die Förderung von Laufbahngestaltungskompetenzen. Die Schweiz muss die Voraussetzungen schaffen, um Veränderungen frühzeitig aufzugreifen, den Zugang zur Weiterbildung zu verbessern und berufliche Umschulungen zu ermöglichen, bevor Arbeitnehmende den Anschluss an den Arbeitsmarkt verlieren.
Auskünfte
Jackie Vorpe, Leiterin Bildungspolitik, 078 895 01 37, vorpe@travailsuisse.ch