Am 28. Mai 2026 fand in Bern das 6. Dialogforum der Organisationen der Arbeitswelt (OdA) Arbeitnehmende statt und wurde gemeinsam von Travail.Suisse und dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund organisiert. Vertreterinnen und Vertreter von Arbeitnehmerorganisationen, Partner:innen der Berufsbildung sowie Mitglieder der Tripartiten Berufsbildungskonferenz (TBBK) kamen zusammen, um aktuelle Fragen zur Qualität und Attraktivität der Berufsbildung zu diskutieren.
Das diesjährige Forum stand im Kontext von «Berufsbildung 2030» und insbesondere der laufenden Arbeiten zum Projekt «Attraktivität der Berufsbildung». Ziel war es nicht, gemeinsame Positionen zu erarbeiten, sondern einen Dialograum zu schaffen, in dem Erfahrungen aus der Praxis, Anliegen der Arbeitnehmendenvertretungen und mögliche Weiterentwicklungen des Systems diskutiert werden konnten.
Im Mittelpunkt standen dabei drei Themen: die Ferien von Lernenden, der Jugendschutz am Arbeitsplatz sowie die Rolle der Berufsbildnerinnen und Berufsbildner in den Betrieben.
Ferien für Lernende: eine Frage der Balance
Die Diskussionen zeigten, dass dieses Thema zunehmend an Bedeutung gewinnt – insbesondere vor dem Hintergrund aktueller Debatten über die psychische Gesundheit, veränderte Erwartungen junger Menschen und die Attraktivität der Berufsbildung. Mehrere Teilnehmende wiesen auf die hohe Belastung hin, die eine Lehre heute mit sich bringt: Betrieb, Berufsfachschule, Prüfungen sowie teilweise lange Arbeitswege oder zusätzliche persönliche Verpflichtungen. Mehr Zeit für Erholung könnte zum Wohlbefinden der Jugendlichen beitragen und die Berufsbildung attraktiver machen. Gleichzeitig wurden auch Vorbehalte geäussert. Genannt wurden unter anderem die fehlende wissenschaftliche Evidenz zu den erwarteten Auswirkungen, mögliche Ungleichheiten zwischen Branchen und Betrieben sowie Fragen der organisatorischen Umsetzbarkeit. Diskutiert wurden deshalb auch Ansätze wie mehr Flexibilität oder branchenspezifische Lösungen.
- Travail.Suisse fordert eine sechste Ferienwoche für alle Lernenden.
Jugendschutz: Die Herausforderung liegt in der Umsetzung
Ein weitgehend geteilter Befund war, dass die gesetzlichen Grundlagen für den Jugendschutz grundsätzlich vorhanden sind, ihre konkrete Umsetzung jedoch in bestimmten Situationen weiterhin eine Herausforderung darstellt. Die Diskussionen machten verschiedene Spannungsfelder sichtbar: zwischen Ausbildungsauftrag und Produktionsanforderungen, zwischen wirtschaftlichen Zielen und Gesundheitsschutz sowie zwischen der Eigenverantwortung der Jugendlichen und einer wirksamen Begleitung. Die Teilnehmenden betonten, dass sich der Jugendschutz nicht auf die Verhütung von Unfällen beschränken darf. Psychosoziale Risiken, Erschöpfung, Risikoverhalten und langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit müssten stärker berücksichtigt werden. Hervorgehoben wurden zudem die Bedeutung der Unternehmenskultur sowie die Verankerung des Themas an allen drei Lernorten – im Betrieb, in der Berufsfachschule und in den überbetrieblichen Kursen.
- Travail.Suisse fordert eine bessere Umsetzung des Jugendschutzes, insbesondere im Umgang mit psychosozialen Risiken.
Berufsbildnerinnen und Berufsbildner: Schlüsselrolle anerkennen und stärken
Die Diskussionen bestätigten, dass Berufsbildnerinnen und Berufsbildner eine entscheidende Rolle für die Qualität der Berufsbildung spielen. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die Anforderungen an diese Funktion stetig steigen. Zu den Herausforderungen zählen die Begleitung einer vielfältigeren Generation von Jugendlichen, Fragen der psychischen Gesundheit, die digitale Transformation, veränderte Erwartungen junger Menschen sowie der Wandel vieler Berufe. Zwar bestand weitgehend Einigkeit über die Bedeutung der Weiterbildung für die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner, doch wurden gegenüber einer allgemeinen Weiterbildungspflicht auch Vorbehalte geäussert. Diskutiert wurden insbesondere organisatorische Herausforderungen, Unterschiede zwischen den Betrieben sowie das Risiko, Anforderungen zu schaffen, die sich in der Praxis nur schwer umsetzen lassen. Als möglicher Lösungsansatz wurde eine bessere Nutzung bestehender Weiterbildungsangebote genannt.
- Travail.Suisse setzt sich für die Einführung eines Weiterbildungsmodells für die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner ein, dem sich alle Ausbildungsbetriebe anschliessen.
Ein wertvoller Dialog zur Sichtbarmachung der Herausforderungen aus der Praxis
Das Dialogforum hat erneut gezeigt, dass die Attraktivität der Berufsbildung stark von den Bedingungen abhängt, unter denen junge Menschen lernen, sowie von den Ressourcen, die den Personen zur Verfügung stehen, die die Lernenden im Alltag begleiten. Travail.Suisse bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmenden für ihre Beiträge, ihr Engagement und die Qualität der Diskussionen. Die Erkenntnisse aus diesem Austausch werden in die weiteren Arbeiten im Bereich der Berufsbildung einfliessen.
Weitere Informationen
Link zum Dialogforum 2026: https://www.tbbk-ctfp.ch/de/dialogforen-dokumentation