Medienmitteilung
Der Nationalrat hat heute der parlamentarischen Initiative des Kantons Tessin zugestimmt, die verlangt, dass Mütter von adoptierten Kindern denselben Kündigungsschutz erhalten wie leibliche Mütter. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, begrüsst diesen Entscheid, da damit die derzeitige Ungleichbehandlung von Müttern beseitigt wird.
Die Standesinitiative des Kantons Tessin 24.318 fordert, den Kündigungsschutz für leibliche Mütter auch auf Frauen auszudehnen, die ein Kind adoptieren. Mit 112 zu 62 Stimmen fiel das Votum des Nationalrats eindeutig aus. Es folgt auf den Entscheid des Ständerats vom Dezember 2025, der sich der Minderheit Chassot seiner Rechtskommission angeschlossen hatte.
Die Standesinitiative geht auf einen nahezu identischen Vorstoss zurück, der 2019 auf Initiative des Vizepräsidenten von Travail.Suisse, Giorgio Fonio, vom Tessiner Parlament angenommen wurde. Er zeigt sich sehr zufrieden mit dem Entscheid: «Es darf keine Mütter zweiter Klasse geben. Das ist eine Frage der Würde.»
Neben der eigentlichen Aufnahme des Kindes dienen die zwei Wochen, die Adoptiveltern gewährt werden, in erster Linie dazu, die mit der Adoption verbundenen administrativen Schritte zu erledigen. Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, erklärt dazu: «Die kurze Zeit nach der Ankunft eines adoptierten Kindes ist für die Eltern ebenso intensiv wie die Zeit nach einer Geburt. Ausgenommen sind die unmittelbaren körperlichen Folgen für die Mutter. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dürfen diese Situation nicht dazu nutzen, Eltern zu kündigen, die den eidgenössischen Adoptionsurlaub von zehn Tagen beziehen.»
Für Travail.Suisse sollte der Grundsatz eines Kündigungsschutzes allen Eltern zugutekommen, unabhängig von ihrer Situation. Die Annahme dieser Initiative ist ein sehr wichtiger erster Schritt. Langfristig muss auch sichergestellt werden, dass der zweite Elternteil in der Zeit nach der Ankunft ihres leiblichen oder adoptierten Kindes vor missbräuchlichen Kündigungen geschützt ist.
Weitere Auskünfte
Giorgio Fonio, Nationalrat und Vizepräsident von Travail.Suisse, 076 679 86 36, giorgio.fonio@parl.ch
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, 079 598 06 37, borioli@travailsuisse.ch