Medienmitteilung
Schlechte Nachrichten für die Lernenden in der Schweiz: Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Ständerats (WBK-S) beantragt, die Einführung einer sechsten Ferienwoche für alle Lernenden abzulehnen. Die Motion wird am 14. Dezember 2026 im Ständerat behandelt. Travail.Suisse hofft, dass dieser die Bedeutung der Massnahme für die Gesundheit der Jugendlichen und die Attraktivität der Berufsbildung erkennt.
Die Motion 25.4051 verlangt, Artikel 345a Absatz 3 des Obligationenrechts anzupassen, damit der Ferienanspruch der Lernenden von fünf auf sechs Wochen pro Lehrjahr erhöht wird. Eine Forderung, die weder übertrieben noch aus der Luft gegriffen ist.
Jugendliche brauchen mehr Zeit, um sich zu erholen
Ob man will oder nicht: Jugendliche wachsen heute in einem Umfeld auf, das sie mit Reizen überflutet. Gleichzeitig überfordern die Veränderungen in der Arbeitswelt zunehmend ihre körperliche und psychische Anpassungsfähigkeit. Unsere Gesellschaft fördert ständig die Hyperproduktivität und Unmittelbarkeit. In diesem Umfeld fällt es Lernenden, die mit der Verbindung von Arbeit und Ausbildung bereits eine besonders anspruchsvolle Zeit durchleben, schwer, Schritt zu halten.
Die psychische Gesundheit der Jugendlichen und ihr Bedürfnis nach Erholung müssen deshalb ernst genommen werden. Technologische Entwicklungen und künstliche Intelligenz verändern die Arbeitswelt grundlegend und erhöhen die Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit zusätzlich. Wir müssen diesen Realitäten Rechnung tragen und die Ausbildungsbedingungen entsprechend weiterentwickeln. Es ist zwar wichtig, eine Generation zu bewahren, die den Wert der Arbeit in unserem Land und die damit verbundenen Anstrengungen versteht. Wir müssen aber auch auf eine Generation zugehen, die unter anderen Bedingungen aufgewachsen ist und deren Bedürfnisse gehört werden müssen. Nicht zuletzt spricht das gesellschaftliche Ziel, Arbeit und Privatleben besser zu vereinbaren, Jugendliche besonders an.
Eine sechste Ferienwoche für alle Lernenden
Derzeit gewähren nur 25 Prozent der Betriebe mehr als die im Obligationenrecht vorgesehenen fünf Ferienwochen (SBFI, 2025). Betriebe, die diesen Schritt bereits machen, verdienen Anerkennung. Travail.Suisse unterstützt die Einführung einer sechsten Ferienwoche in allen Lehrbetrieben. Der Verband betrachtet sie als verhältnismässige und realistische Weiterentwicklung der Ausbildungsbedingungen. Diese Massnahme bringt für die Betriebe zwar eine zusätzliche Verpflichtung mit sich. Einige von ihnen haben jedoch bereits erkannt, dass sie mit diesem Vorteil ihre Lehrstellen attraktiver machen können.
Eine sechste Ferienwoche sendet eine klare Botschaft: Die psychische Gesundheit der Lernenden wird ernst genommen. Sie anerkennt zudem, wie wichtig Freizeit ist, um andere Fähigkeiten wie Selbstständigkeit, Kreativität, soziale Kompetenzen und Eigeninitiative zu entwickeln.
Die Zahl der Lernenden entwickelt sich seit rund zehn Jahren besorgniserregend. Umso wichtiger ist es, die Attraktivität der Berufsbildung zu stärken. Travail.Suisse hofft, dass der Ständerat erkennt, was hinter der sechsten Ferienwoche steht: die Botschaft an Jugendliche, die noch unsicher sind, ob sie eine Lehre beginnen sollen, aber auch an ihre Eltern.
Auskünfte
Jackie Vorpe, Leiterin Bildungspolitik, 078 895 01 37, vorpe@travailsuisse.ch