Medienmitteilung
Anlässlich der «95% Ziel-Tagung» kamen gestern zahlreiche Akteure aus dem Bildungsbereich zusammen. Sie mussten feststellen: Die Schweiz bleibt hinter ihrem bildungspolitischen Ziel zurück, wonach 95 Prozent der 25-Jährigen über einen Abschluss auf der Sekundarstufe II verfügen sollen. Travail.Suisse fordert verstärkte Anstrengungen von allen Beteiligten, um sicherzustellen, dass keine Jugendlichen durch die Maschen fallen und mit einem Abschluss ins Berufsleben starten können.
Die Abschlussquote auf Sekundarstufe II ist in den letzten Jahren nicht gestiegen, sondern hat vielmehr abgenommen: von 91,5 % im Jahr 2016 auf 90,1 % im Jahr 2022. Die Gründe für diesen Rückgang sind vielfältig und haben ihre Ursachen oft schon sehr früh im Bildungsweg. Die Diskussionen anlässlich der Tagung haben deutlich gemacht, dass auf mehreren Ebenen gehandelt werden muss: in der frühen Kindheit, durch Sprachförderung, Berufsberatung, das Engagement von Unternehmen oder auch durch die Entwicklung von Brückenangeboten und Massnahmen wie dem Case Management. Die psychische Gesundheit junger Menschen und der Einfluss von Armut wurden ebenfalls als zentrale Herausforderungen identifiziert.
Strukturelle Hürden
Fast die Hälfte der 25-Jährigen ohne Abschluss nicht einmal versucht, eine Ausbildung zu beginnen. Schulische Schwierigkeiten zeigen sich oft bereits in den ersten Schuljahren, wobei persönliche und soziale Faktoren eine entscheidende Rolle spielen. Das 95%-Ziel muss daher bereits in der obligatorischen Schule angelegt sein und erfordert eine verstärkte Begleitung von gefährdeten Jugendlichen, insbesondere ab der Sekundarstufe I. Auch der sozioökonomische Status, Migrationshintergründe und das Bildungsniveau der Eltern haben einen direkten Einfluss auf die Bildungswege der Jugendlichen. Fehlende Netzwerke, unzureichende familiäre Unterstützung oder auch Diskriminierungen stellen erhebliche Hindernisse dar. Umgekehrt fördert eine solide Betreuung durch die Lehrkräfte den Erfolg.
Der auf dem Podium anwesende Präsident von Travail.Suisse, Adrian Wüthrich, erinnerte daran, dass eine verstärkte Unterstützung für Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen zwingend ist, um die «die letzten Prozent aufzuholen».
Forderungen von Travail.Suisse
Zur Erreichung der 95%-Ziel fordert Travail.Suisse konkrete Massnahmen:
- Gewährleistung einer qualitativ hochwertigen Berufsbildung, um Lehrabbrüche zu verhindern: eine auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Jugendlichen abgestimmte Begleitung, interessante Aufgaben im Lehrbetrieb und ein Unterricht, der die Durchlässigkeit der Ausbildungswege fördert.
- Stärkere Berücksichtigung der psychischen Gesundheit von Lernende; Sensibilisierung der Bildungsverantwortlichen für psychosoziale Risiken
- Stärkung der Berufsberatung stärken, die in einer sich wandelnden Arbeitswelt unverzichtbar geworden ist.
- Führung einer Debatte ohne Scheuklappen über strukturelle Handlungsansätze eröffnen, wie beispielsweise eine institutionalisierte Weiterbildung für alle Berufsbildner:innen oder die Einführung eines obligatorischen zehnten Schuljahrs.
Angesichts der bestehenden Herausforderung, die den sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalt und die wirtschaftliche Zukunft der Schweiz betrifft, ist für Travail.Suisse klar: Um das 95%-Ziel zu erreichen, bedarf es einer nachhaltigen und koordinierten Zusammenarbeit aller betroffenen Akteure.
Auskünfte
Jackie Vorpe, Leiterin Bildungspolitik, vorpe@travailsuisse.ch , 078 895 01 37