Lohnforderungen für 2027
Medienkonferenz
Seit zehn Jahren stagnieren die Reallöhne in der Schweiz weitgehend. Aufgrund der gleichzeitig stark steigenden Krankenkassenprämien hat sich die finanzielle Situation vieler Arbeitnehmenden anhaltend verschlechtert. Die bedeutenden Produktivitätsgewinne der Unternehmen kommen immer weniger bei normalverdienenden Arbeitnehmenden an. Es braucht deshalb einen kontinuierlichen Lohnaufschwung. Travail.Suisse fordert für das Jahr 2027 generelle Lohnerhöhungen für die Arbeitnehmenden in der Höhe von 2 Prozent. Dadurch kann die wieder höhere Inflation kompensiert und eine anständige Beteiligung der Arbeitnehmenden an den wachsenden Erträgen der Unternehmen sichergestellt werden.
Travail.Suisse und seine Verbände Syna und transfair haben an ihrer heutigen Medienkonferenz ihre Forderungen für die Lohnverhandlungen 2027 präsentiert. Diese orientieren sich einerseits am Wachstum der Konsumentenpreise und andererseits an den Produktivitätszuwächsen der Unternehmen. Für das Jahr 2027 fordert Travail.Suisse eine generelle Lohnerhöhung von 2 Prozent für die Arbeitnehmenden. «Die Kaufkraft der Arbeitnehmenden muss auch bei wachsenden Preisen und Lebenshaltungskosten gesichert werden. Arbeitnehmende verdienen zudem endlich wieder eine anständige Beteiligung an den höheren Einnahmen der Unternehmen», so Thomas Bauer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse.
Die Forderung nach einer generellen Lohnerhöhung von 2 Prozent für die Arbeitnehmenden entspricht dem Durchschnitt über alle Branchen. Je nachdem, wie die Lohnerhöhungen in den vergangenen Jahren ausgefallen sind, liegen sie in den einzelnen Branchen über oder unter diesem Durchschnitt. Deutlich über dem Durchschnitt liegen sie im Gesundheitswesen. Die Betriebe haben die Umsetzung der Pflegeinitiative abgewartet und den Arbeitnehmenden in den letzten Jahren kaum Lohnerhöhungen zugestanden. Als Folge davon ist die Kaufkraft im Gesundheitswesen stark gesunken. Syna fordert deshalb 5-6 Prozent mehr Lohn für die Angestellten im Gesundheitswesen. Aufgrund der vielerorts nur schwach ausgeprägten Sozialpartnerschaft wird Syna zudem auch über kantonale Initiativen Einfluss auf die Löhne im Gesundheitswesen nehmen, wie dies im Kanton Jura bereits geschieht. «Genug ist genug. Im Gesundheitswesen braucht es nun Verbesserungen, auch wenn keine Sozialpartnerschaft besteht. Notfalls müssen wir den Weg über kantonale Volksinitiativen gehen», so Yvonne Feri, Präsidentin von Syna.
In vielen Industriebetrieben hat sich die Situation hingegen verbessert, obwohl die Unsicherheit weiterhin bedeutend ist. Für eine Lohnzurückhaltung wie im letzten Jahr besteht deshalb kein Grund mehr. Eine Lohnerhöhung um 2 Prozent ist deshalb in der Industrie angemessen. Eine Lohnerhöhung von ebenfalls 2 Prozent fordert Syna beispielsweise auch im Detailhandel. In einigen Branchen liegen die Lohnforderungen hingegen leicht unter 2 Prozent. In den Branchen Gebäudehülle und Holzindustrie konnten in den vergangenen Jahren angemessene Lohnresultate ausgehandelt werden. «Dort, wo die Sozialpartnerschaft funktioniert, braucht es keine Brechstange. Im Dialog sind Lösungen möglich, die sowohl für die Arbeitnehmenden als auch die Arbeitgebenden stimmen», so Yvonne Feri.
In den Branchen des Service Public fordert transfair durchschnittliche Lohnerhöhungen von 2 Prozent. Im vergangenen Jahr profitierten vielerorts vor allem die Aktionärinnen und Aktionäre, während die meisten Angestellten praktisch leer ausgingen: «Gute Unternehmensergebnisse sind auch das Verdienst der Mitarbeitenden. Sie verdienen deshalb eine angemessene Beteiligung am Erfolg», fordert Greta Gysin von transfair.
Beim Bundespersonal fällt die Lohnforderung mit 1,5 Prozent in diesem Jahr moderater aus. Für Greta Gysin ist jedoch klar: «Die Sicherung der Kaufkraft für alle Arbeitnehmenden ist nicht verhandelbar. Die Löhne müssen in allen Branchen mindestens mit den steigenden Lebenshaltungskosten Schritt halten.»
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