Medienmitteilung
Der Nationalrat befürwortet eine weitere Liberalisierung der Sonntagsarbeit im Detailhandel. Er hat der Standesinitiative des Kantons Zürich zugestimmt, die verlangt, dass die Zahl der bewilligungsfreien Verkaufssonntage von vier auf zwölf pro Jahr erhöht wird. Travail.Suisse lehnt diesen Entscheid entschieden ab und fordert den Ständerat auf, einer weiteren Liberalisierung der Sonntagsarbeit im Detailhandel den Riegel zu schieben. Eine Annahme der Vorlage wird Travail.Suisse mit dem Referendum bekämpfen.
Der Nationalrat hat heute der Standesinitiative des Kantons Zürich mit 97 zu 95 Stimmen bei 4 Enthaltungen knapp zugestimmt. Diese will die Sonntagsarbeit im Detailhandel weiter liberalisieren und ermöglichen, dass Verkaufsläden bewilligungsfrei an bis zu zwölf Sonntagen pro Jahr Personal beschäftigen dürfen. Bereits heute bestehen weitgehende Ausnahmen vom Sonntagsarbeitsverbot, etwa für Tourismusgebiete, Bahnhöfe oder Tankstellenshops. Travail.Suisse lehnt diesen erneuten Angriff auf das Sonntagsarbeitsverbot vehement ab.
Eine zusätzliche Belastung für die Angestellten im Detailhandel
Travail.Suisse lehnt den Entscheid des Nationalrats entschieden ab. Für 84 Prozent der Arbeitnehmenden ist der Sonntag normalerweise arbeitsfrei. Als Tag der Erholung gewinnt er angesichts der zunehmenden Belastungen im Berufsalltag weiter an Bedeutung: Arbeitsbedingter Stress und Erschöpfung haben in den letzten Jahren stark zugenommen.
Im Detailhandel ist die Belastung überdurchschnittlich hoch. Unregelmässige Arbeitszeiten, geringe Gestaltungsspielräume bei der Arbeitszeit, überlange und fragmentierte Arbeitstage sowie Abend- und Samstagsarbeit gehören für viele Angestellte im Detailhandel zum Alltag. «Für die Angestellten im Detailhandel ist der arbeitsfreie Sonntag besonders wichtig, weil sie bereits heute überdurchschnittlich stark belastet sind», so Thomas Bauer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse.
Ein gemeinsamer freier Tag für Familie und Freunde
Der arbeitsfreie Sonntag dient nicht nur der Erholung. «Für viele Angestellte ist der Sonntag der gemeinsame freie Tag, den sie mit ihrer Familie und ihren Freunden verbringen können. Er erfüllt damit eine wichtige gesellschaftliche Funktion und darf nicht zum Werktag werden», betont Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse.
Travail.Suisse fordert den Ständerat auf, einer weiteren Liberalisierung der Sonntagsarbeit den Riegel zu schieben und den arbeitsfreien Sonntag für alle Arbeitnehmenden zu schützen. Sollte der Ständerat den Entscheid des Nationalrates bestätigen, wird Travail.Suisse das Referendum ergreifen.
Auskünfte
Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, 079 287 04 93, wuethrich@travailsuisse.ch
Thomas Bauer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, 077 421 60 04, bauer@travailsuisse.ch