Medienmitteilung
Der Nationalrat will die ärztliche Schweigepflicht gegenüber Arbeitgebern lockern, wenn Angestellte aufgrund einer Erkrankung im Betrieb fehlen. Der Rat unterstellt zudem Ärztinnen und Ärzten, dass sie immer häufiger Arztzeugnisse in betrügerischer Art und Weise ausstellen und fordert entsprechende Massnahmen dagegen.
Seit mehreren Jahren steigen die gesundheitsbedingten Absenzen bei Arbeitnehmenden stetig an. Ursache dafür sind vor allem psychische Belastungen und Erkrankungen von Arbeitnehmenden, wie eine neue Analyse von Travail.Suisse ↗ zeigt. Um diesen beunruhigenden Entwicklungen wirkungsvoll begegnen zu können, braucht es sachliche und wirksame Massnahmen zur Verbesserung der Gesundheit der Arbeitnehmenden. Eine Mehrheit der Nationalrätinnen und Nationalräte verfolgt jedoch einen anderen Ansatz. Sie unterstellt Ärztinnen und Ärzten eine vermehrt betrügerische Ausstellung von Arztzeugnissen und fordert entsprechende Gegenmassnahmen. Zudem will sie die ärztliche Schweigepflicht lockern. «Bereits heute ist es Ärztinnen und Ärzten gemäss Strafgesetz verboten, Gefälligkeitsgutachten auszustellen. Es besteht deshalb diesbezüglich kein Handlungsbedarf. Eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht würde hingegen das Vertrauensverhältnis zwischen Ärztinnen/Ärzten und Patientinnen/Patienten verschlechtern und die Behandlung erschweren», so Léonore Porchet, Vizepräsidentin von Travail.Suisse.
Besonders betroffen wären auch schwangere Frauen. Da die Schweiz keinen vorgeburtlichen Urlaub kennt und viele Arbeitgeber nicht bereit sind, die Arbeitsbedingungen anzupassen, werden die Frauen häufig krankgeschrieben. Die Motion will auch diesen schwachen Schutz reduzieren. «Statt Lösungen für Probleme zu finden, sucht die Mehrheit des Nationalrats Sündenböcke für die steigenden Absenzen», so Léonore Porchet.
Nicht das Vorgehen von Ärztinnen und Ärzten ist problematisch, sondern die stetige Zunahme psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmenden. Die Ursachen dafür sind komplex und es gibt keine einfachen Lösungen. Notwendig ist vielmehr ein Massnahmenbündel zum besseren Schutz der Gesundheit der Arbeitnehmenden. «Wir stellen eine beunruhigende Zunahme stressbedingter Erkrankungen bei Arbeitnehmenden fest. Es braucht deshalb unter anderem in diesem Bereich wirksame Massnahmen für eine besseren Gesundheitsschutz» so Thomas Bauer, Leiter Wirtschaftspolitik von Travail.Suisse.
Travail.Suisse fordert den Ständerat auf, die Motion zurückzuweisen und stattdessen sachlich gerechtfertigte und wirksame Massnahmen zum Schutz der Gesundheit der Arbeitnehmenden zu fördern.
Auskünfte
Léonore Porchet, Vizepräsidentin von Travail.Suisse, 079 350, 67 43, leonore.porchet@parl.ch
Thomas Bauer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, 077 421 60 04, bauer@travailsuisse.ch