Medien – Medienkonferenzen

Mehr Staat für einen sicheren Service public

Ein gut ausgebauter Service public ist Voraussetzung für eine positive gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Entwicklung der Schweiz. Um die Verlässlichkeit und Dauerhaftigkeit des Service public weiterhin zu gewährleisten, darf er nicht in private Hände übergeben werden. Zudem dürfen Liberalisierungen nicht auf dem Buckel der Arbeitnehmenden erfolgen. Diese Forderung haben Travail.Suisse und der Personalverband transfair heute anlässlich einer Medienkonferenz in Bern unterstrichen. mehr

Lange Zeit wurde in der Schweiz der Dauerhaftigkeit, Zuverlässigkeit und Verlässlichkeit des Service public allerhöchste Bedeutung zugemessen. Die Leistungen des Service public wurde mit grosser Selbstverständlichkeit und in höchster Qualität vom Staat erbracht. Die Identifikation der Bevölkerung mit den Leistungen des Service public war hoch.

Ausgehend von der neoliberalen Marktgläubigkeit ist jedoch diese bewährte „staatliche Produktion“ von Service public in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten stark unter Druck geraten und wurde gezielt in Verruf gebracht. Der Ruf nach Liberalisierung und Privatisierung wurde immer lauter und war vom Versprechen begleitet, dass damit eine steigende oder zumindest gleichbleibende Qualität zu einem tieferen Preis erreicht werden kann.

Entsprechende Erfahrungen im Ausland zeigen jedoch, dass die wirtschaftliche, gesellschaftliche und soziale Bilanz der Liberalisierung im Service public vernichtend ausfällt. In vielen Bereichen sind die Preise gestiegen und die Qualität der Leistungen hat abgenommen. Durch den Arbeitsplatzabbau, den Druck auf die Löhne und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen sind zudem hohe Kosten entstanden, die Allgemeinheit aufgebürdet wurden. Auf dieses Experiment kann und muss die Schweiz verzichten.

Post: Keine Liberalisierung auf dem Buckel der Arbeitnehmenden

In der kommenden Wintersession werden die eidgenössischen Räte die Revision der Postgesetzgebung beraten. Nach dem Willen des Bundesrates soll bereits ein Jahr nach Inkrafttreten des neuen Postgesetzes der Entscheid zur vollständigen Marktöffnung fallen. Insbesondere für die Arbeitnehmenden könnte dies zu einer deutlichen Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen führen. Zudem würde die Finanzierung der Grundversorgung und damit deren Qualität in Frage gestellt. Für den Personalverband transfair ist eine Marktöffnung ohne flankierende Massnahmen zum Schutz der Arbeitnehmenden nicht akzeptabel. So braucht es nicht nur die Pflicht zur Verhandlung von Gesamtarbeitsverträgen, notwendig ist eine Verpflichtung zum Abschluss solcher Verträge.

Starker Staat für starken Service public

Damit der Staat den Service public dauerhaft, zuverlässig, mit fairen Arbeitsbedingungen und mit der nötigen demokratischen Kontrolle erbringen und garantieren kann, darf er sich nicht auf die Rolle des Regulators zurückziehen. Es braucht also keinesfalls mehr Liberalisierung und Privatisierung, sondern mehr Regulierung, mehr Staatsbetriebe und dort, wo Monopolstrukturen naheliegend sind, staatliche anstatt private Monopole. Travail.Suisse-Präsident Martin Flügel ist überzeugt: „Nur mit mehr Staat anstatt mit mehr Liberalisierung kann die Schweiz auch zukünftig einen starken Service public garantieren“.

17. November 2009, Denis Torche, Leiter Steuer- und Finanzpolitik und Martin Flügel, Präsident

Nur Obligatorium garantiert Weiterbildung für alle

Weiterbildung für alle ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die Schweizer Wirtschaft. Nur wenn es gelingt, das Wissen und Können aller Arbeitnehmenden laufend den neuen Anforderungen anzupassen, können wir in der Schweiz unseren hohen Lebensstandard auch in Zukunft halten. Damit die Weiterbildung für alle Arbeitnehmenden zum Standard wird, fordert Travail.Suisse in neu zu schaffenden Weiterbildungsgesetz ein Weiterbildungsobligatorium. Diese Forderung hat die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden anlässlich einer Medienkonferenz in Bern heute unterstrichen. mehr

Seit 2006 hat der Bund den Auftrag, ein Weiterbildungsgesetz zu schaffen. Die Zeichen stehen gut, dass Bundesrat und Parlament die Umsetzung dieses Auftrags endlich an die Hand nehmen. Die Kommissionen für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) beider Räte haben eine entsprechende parlamentarische Initiative gutgeheissen.

Die Welt verändert sich rasant – Weiterbildung tut Not

Das Wissen und das Können der Arbeitnehmenden sind ein zentraler Erfolgsfaktor unseres Wohlstandes. Die Fähigkeit des Schweizer Bildungssystems, den meisten jungen Menschen eine gute Grundausbildung zukommen zu lassen, ist gross. Das reicht aber heute und in Zukunft bei weitem nicht mehr aus, um den wirtschaftlichen Spitzenplatz der Schweiz zu bewahren. Die sozialen, technologischen und wirtschaftlichen Veränderungen in der Arbeitswelt sind enorm. Die Arbeitnehmenden müssen in immer kürzeren Abständen immer wieder neue, meist auch steigende Anforderungen bewältigen. Die „Halbwertszeit“ von Wissen und Können wird kürzer. In Bezug auf ihren Bildungsstand gehören die Arbeitnehmenden heute also deutlich früher „zum alten Eisen“. Gleichzeitig wird die Schweizer Wirtschaft aufgrund der demographischen Entwicklung schon bald vermehrt auf die älteren Arbeitnehmenden angewiesen sein.

Weiterbildung ist das wichtigste Instrument, um den Stand des Wissens bei den Arbeitnehmenden hoch und aktuell zu halten. Der einzelne Arbeitnehmende kann mit Weiterbildung sein Wissen und Können laufend neuen Anforderungen anpassen und dadurch zusätzliche Aufgaben übernehmen. Die Arbeitnehmenden werden produktiver.

Weiterbildung für alle mit Weiterbildungsobligatorium

Ein zentrales Problem der jetzigen Situation in der Weiterbildung ist deren ungleiche Verteilung. Heute bilden sich die gut ausgebildeten, Vollzeit arbeitenden Männer weiter. Deutlich weniger bis fast keine Weiterbildung betreiben hingegen Arbeitnehmende mit Teilzeitpensen, Frauen und insbesondere tief qualifizierte Arbeitnehmende.

Die heutige Weiterbildungspolitik ist nicht in der Lage, diese einseitige und weder wirtschaftlich noch gesellschaftlich zielführende Verteilung der Weiterbildung zu überwinden. Travail.Suisse fordert deshalb eine neue Weiterbildungspolitik.

Konkret heisst das, dass Weiterbildung zur Selbstverständlichkeit werden muss. Dazu braucht es nach Ansicht von Travail.Suisse ein Weiterbildungsobligatorium. Nur mit einem Obligatorium können wir sicherstellen, dass in der Schweiz auch zukünftig ein grosser Teil der Arbeitnehmenden über das nötige hohe und aktualisierte Bildungsniveau verfügt. Travail.Suisse fordert deshalb, dass im neuen Weiterbildungsgesetz ein Weiterbildungsobligatorium für alle Arbeitnehmenden vorgesehen wird. Das Obligatorium kann ohne grosse administrative Aufwendungen umgesetzt werden und schafft die Voraussetzung für eine zukunftsgerichtete Weiterbildungspolitik.

23. Oktober 2009, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik und Martin Flügel, Präsident

Lohnerhöhungen trotz Krise!

Trotz Wirtschaftskrise und steigender Arbeitslosigkeit sind Lohnerhöhungen für die Verbände von Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, kein Tabu. Lohnerhöhungen stützen den privaten Konsum, den wichtigsten Wachstumsfaktor der Schweizer Volkswirtschaft. Allerdings gehen die Verbände von Travail.Suisse auch dieses Jahr differenziert vor und berücksichtigen bei ihren Forderungen die Situation jeder einzelnen Branche bzw. jedes einzelnen Betriebs. mehr

Lohnrückstand aufholen
Die Arbeitnehmenden waren in der Hochkonjunktur die Geprellten. Während das BIP zwischen 2004 und 2008 um 13.9 Prozent wuchs, stiegen die Löhne gemäss Lohnindex nur um 0.5 Prozent. Es besteht nach wie vor ein frappanter Lohnrückstand.

Lohnerhöhungen zur Stützung des privaten Konsums
Im 2010 droht der private Konsum massiv einzubrechen und das verfügbare Einkommen wird aufgrund der steigenden Krankenkassenprämien sinken. Lohnerhöhungen helfen, den privaten Konsum, den wichtigsten Wachstumstreiber unserer Volkswirtschaft, zu stützen.

Nicht überall ist Wirtschaftskrise
Reale Lohnerhöhungen bis zu zwei Prozent sind beim Gewerbe, insbesondere beim Bauhaupt- und Baunebengewerbe, bei den Unternehmen des Service Public und bei der öffentlichen Hand angebracht und volkswirtschaftlich sinnvoll. Dabei sind sie als Teil eines Konjunkturprogramms zu betrachten.

Lohnerhöhungen für tiefe Einkommen – Nullrunde bei den Managern
Lohnerhöhungen sollen vor allem die tiefen Einkommen erhalten, für die Manager ist eine Nullrunde angesagt. Das wird dazu führen, dass sich die Lohnschere endlich wieder etwas schliesst.

Exportindustrie – Stellenerhalt ist prioritär
Bei Betrieben, denen es wirtschaftlich schlecht geht, hat der Stellenerhalt oberste Priorität. Mittels Kurzarbeit oder innovativen Arbeitszeitmodellen muss alles daran gesetzt werden, Arbeitsplätze über die Krise hinaus zu retten.

03. August 2009, Arno Kerst, Vizepräsident Syna und Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

6 Wochen Ferien für alle: Initiative wird heute eingereicht

Heute reichen Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, und die ihr angeschlossenen Verbände die Unterschriften für ihre Initiative „6 Wochen Ferien für alle“ mit fast 108‘000 gültigen Unterschriften bei der Bundeskanzlei in Bern ein (siehe Bilder im Anhang). mehr

Die Belastung und der Zeitdruck am Arbeitsplatz haben in den letzten Jahren massiv zugenommen. Von den Arbeitnehmenden wird heute höchste Flexibilität und Anpassungsbereitschaft verlangt. Fast die Hälfte der Erwerbstätigen leidet am Arbeitsplatz unter Stress. Die Folgen des zunehmenden Arbeitsdrucks kosten die Schweizer Volkswirtschaft jährlich mehrere Milliarden Franken.

Um die langfristige Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmenden zu erhalten, ist ein Ausgleich in Form von mehr Ferien nötig. Mit mehr Ferien haben die Arbeitnehmenden die Möglichkeit, für beschränkte Zeit aus der Belastung und der Hektik des Arbeitsalltags auszusteigen und sich zu erholen.

Deshalb haben Travail.Suisse und die angeschlossenen Verbände die Initiative „6 Wochen Ferien für alle“ lanciert. Ziel der Initiative ist es, den gesetzlichen Mindestanspruch auf Ferien von 4 Wochen auf 6 Wochen zu erhöhen.

Heute (14.30 Uhr) reichen die Initianten das Volksbegehren bei der Bundeskanzlei ein. Mehr als 126‘000 Personen haben die Initiative unterschrieben, fast 108‘000 gültige Unterschriften können der Bundeskanzlei übergeben werden. Damit kommen die Themen Arbeitsbelastung und Erholung endlich auf die politische Agenda.

26. Juni 2009, Martin Flügel, Präsident

Managerlohnstudie 2008: Das Lohnkartell trotzt der Krise

Geleitet von ihrer Bonusgier haben die Topmanager aus der Finanzbranche die Weltwirtschaft auf direktem Weg in eine der bisher grössten Krisen geführt. Doch noch immer liegen in ihren Reihen Lohnerhöhungen von bis zu 70 Prozent im Bereich des Möglichen. Anlässlich einer Medienkonferenz in Bern hat Travail.Suisse heute die Ergebnisse einer entsprechenden Untersuchung präsentiert. mehr

Zum fünften Mal in Folge hat Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, die Saläre von Geschäftsleitungs- und Verwaltungsratsmitgliedern in 27 Schweizer Konzernen untersucht 1. Die Ergebnisse zeigen, dass sich als Folge der Wirtschaftskrise in einigen Unternehmen die Lohnscheren schliessen. Die Gründe dafür liegen allerdings oftmals bei den sinkenden Aktienkursen sowie beim Wegfallen von Sonderzahlungen im Vorjahr. Und in einigen Unternehmen steigen die Löhne immer noch massiv an. Auch heute noch sind offenbar Lohnerhöhungen von 30, 50 oder gar 70 Prozent durchaus möglich.

Das Problem der ausser Kontrolle geratenen Managerlöhne reduziert sich längst nicht nur auf einige wenige schwarze Schafe. Insgesamt verdienen in zehn Unternehmen einzelne Manager oder gar ganze Konzernleitungen mehr als das 100fache ihre Angestellten.

Die Travail.Suisse-Lohnschere 2008 geht an die ABB

Wie jedes Jahr verleiht Travail.Suisse demjenigen Unternehmen, in dem sich innerhalb eines Jahres die Lohnschere zwischen dem tiefsten im Unternehmen bezahlten Lohn und dem Durchschnittslohn eines Konzernleitungsmitgliedes am weitesten geöffnet hat, die Travail.Suisse-Lohnschere. Die Nachfolge der Helvetia, der letztjährigen Gewinnerin, tritt in diesem Jahr die ABB an. Innert nur einem Jahr hat sich im Maschinenindustriekonzern diese Lohnschere um nicht weniger als 70 Prozent geöffnet.

In nur sieben Jahren: Lohnscheren öffnen sich um über 70 Prozent

Seit 2002 stiegen die Löhne der Konzernleitungsmitglieder um durchschnittlich 83 Prozent an. Im selben Zeitraum erhöhten sich die Nominallöhne der Schweizer Arbeitnehmenden um gerade einmal 8.4 Prozent. Dies führt dazu, dass sich die Lohnschere zwischen dem Tiefstlohn und dem Durchschnittslohn pro Konzernleitungsmitglied um unglaubliche 72 Prozent geöffnet hat. Einzig in fünf Unternehmen hat sich in den letzten Jahren diese Lohnschere geschlossen. In allen andern Unternehmen haben sich die Lohnscheren um bis zu 264 Prozent geöffnet.

Travail.Suisse fordert strengere Regelungen

Die von Wirtschaftsseite über Jahre propagierte Selbstregulierung ist gescheitert. Die Zustimmungsquote von gemäss neusten Umfragen 75 Prozent der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger für die Abzockerinitiative zeigt, dass für die Bevölkerung die Grenze des Anstandes überschritten ist. Und auch die Politik reagiert nun mittels der Revision des Aktien- und Rechnungslegungsrechts mit staatlichen Regelungen. Für Travail.Suisse gehen diese Regelungen aber entschieden zu wenig weit. Insbesondere in folgenden Bereichen sind noch dringend Nachbesserungen nötig:

- Beseitigung von falschen Anreizen: Begrenzung der Boni und Verbot von Abgangs- und Antrittsentschädigungen.
- Transparenz erhöhen: Offenlegung von Entschädigungen aller VR- und aller Konzernleitungsmitglieder einzeln im Geschäftsbericht und Abstimmung an GV über Entschädigungen von VR und Management.
- Lohnkartell aufbrechen – Arbeitnehmende in den Verwaltungsrat.

Es braucht jetzt griffige Regelungen, um den Bonuswahn schnellstmöglich zu stoppen.

Weitere Informationen sowie Fotos zu Lohnschere und Plakat „Lohnkartell“ abrufbar unter www.travailsuisse.ch

Für weitere Auskünfte:
Martin Flügel, Präsident Travail.Suisse, Tel: 079/743 90 05
Kurt Regotz, Vizepräsident Travail.Suisse & Präsident Syna, Tel: 079/617 62 94

1 Die Studie umfasst 27 Schweizer Unternehmen verschiedener Branchen und liefert Resultate für die Jahre 2002 bis 2008.

15. Juni 2009, Martin Flügel, Präsident

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