Medien – Medienkonferenzen

Vaterschaftsurlaub: eine wichtige Etappe auf dem Weg zum Elternurlaub

Die Ergebnisse der jährlichen Befragung von Travail.Suisse bei den Arbeitgebern der öffentlichen Hand (Kantone und grosse Städte) zu Elternurlauben und Familienzulagen wurden heute an einer Medienkonferenz in Bern vorgestellt. Die Nationalräte Luc Barthassat (CVP) und Roger Nordmann (SP) und Nationalrätin Marianne Streiff-Feller (EVP) riefen bei dieser Gelegenheit die Gründe in Erinnerung, die sie veranlassen, sich weiterhin für einen einheitlichen bezahlten Vaterschaftsurlaub einzusetzen. Gemeinsam mit Travail.Suisse, der unabhängigen Dachorganisation von 170‘000 Arbeitnehmenden, fordern sie einen bezahlten, durch die Erwerbsersatzordnung finanzierten Vaterschaftsurlaub. mehr

Zum vierten Mal hat Travail.Suisse ihre jährlich durchgeführte Befragung zu den Elternurlauben bei den Arbeitgebern des öffentlichen Sektors (Kantone und grosse Städte) präsentiert. Die Daten zeigen, dass Elternurlaube weitgehend Realität sind. Beim Mutterschaftsurlaub gelten im Allgemeinen Regelungen, die über das gesetzliche Minimum hinausgehen (16 Wochen mit 100% Lohn statt 14 Wochen mit 80%). Immerhin die Hälfte der Kantone und grossen Schweizer Städte gewährt inzwischen einen Vaterschaftsurlaub, wenn auch von beschränkter Dauer (5 bis 10 Tage). Mehrwöchige Adoptionsurlaube sind in den Städten verbreiteter als bei den Kantonen. Unbezahlte Elternurlaube wiederum sind sehr häufig vorgesehen. Dies liegt sicher nicht zuletzt daran, dass sie nichts kosten.

Elternurlaube gelten heute als Bestandteil attraktiver Anstellungsbedingungen. Sie werden deshalb eingesetzt, um Personal zu gewinnen und zu halten. Travail.Suisse kann nicht akzeptieren, dass auf dem Arbeitsmarkt die Deckung der Bedürfnisse von Familien als Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen privaten und öffentlichen Arbeitgebern instrumentalisiert wird. Deshalb muss die Praxis landesweit vereinheitlicht werden, indem für alle ein bezahlter Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen eingeführt wird.

Geschlechterdiskriminierung beseitigen

Die Befragung von Travail.Suisse hat gezeigt, dass beim Adoptionsurlaub und beim unbezahlten Elternurlaub eine geschlechtsspezifische Benachteiligung besteht: Bei gewissen Arbeitgebern des öffentlichen Sektors haben nur die Frauen einen Anspruch darauf, obwohl der Urlaub als «Elternurlaub» bezeichnet wird. Diese Beschränkungen widerspiegeln ein Familienbild, das nicht mehr der Realität in unserem Land entspricht. Tatsächlich ist die Betreuung eines Kindes nicht nur Sache der Mutter.

Familienzulagen – das gesetzliche Minimum reicht bei Weitem nicht

Die Städte haben die auf Bundesebene gesetzlich vorgeschriebenen Zulagen durch verschiedenste Zulagen mit vielfältigen Bezeichnungen und häufig substanziellen Leistungen ergänzt. Der Betrag pro Kind reicht deshalb bis zu 816 Franken (Basel-Stadt, ab dem 4. Kind in Ausbildung). Dies bestätigt, dass die Mindestbeträge (200 Franken pro Kind und 250 für Jugendliche in Ausbildung) angesichts der Belastung der Familien deutlich zu tief angesetzt sind, insbesondere wenn die Betreuungskosten für Kinder berücksichtigt werden, die Voraussetzung zum Erzielen des Familieneinkommens sind.

Da die Belastung für eine Familie mit einem Kind nicht gleich gross ist wie bei mehreren Kindern, passen verschiedene öffentliche Arbeitgeber die Zulagen an die Kinderzahl, aber auch ans Alter an (ab 12 Jahren).

Engagierte Parlamentarier/innen

In den letzten fünf Jahren wurden dem Parlament rund zehn Vorstösse zur Frage des Eltern- und des Vaterschaftsurlaubs eingereicht. Jedes Mal scheiterten sie allein am Schreckgespenst der Mehrkosten. Dass Väter einen bezahlten Urlaub brauchen, um ihre neue Aufgabe ab der Geburt ihres Kindes wahrzunehmen, wurde ausgeblendet.

Die Nationalräte Luc Barthassat und Roger Nordmann und Nationalrätin Marianne Streiff-Feller gehören ebenso wie Travail.Suisse zu denjenigen, die ihre Hände nicht in den Schoss legen, sondern weiter nach innovativen Lösungen suchen. Gemeinsam ist allen Vorschlägen der Grundsatz eines bezahlten Vaterschaftsurlaubs, der durch die Erwerbsersatzordnung finanziert wird und der sich am Modell der Mutterschaftsversicherung orientiert.

Für Travail.Suisse sind 20 bezahlte, flexibel beziehbare Tage Vaterschaftsurlaub eine erste unabdingbare Etappe auf dem Weg zu einem echten Elternurlaub, der zwischen Vater und Mutter aufgeteilt werden kann, wie ihn bereits die Eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen (EKFF) vorschlägt. Für Travail.Suisse als unabhängige Dachorganisation von 170’000 Arbeitnehmenden ist es wichtig, diese Etappe nicht auszulassen, um zu vermeiden, dass der Elternurlaub ausschliesslich von Müttern bezogen und die Rollenverteilung zementiert wird. Die Einführung eines bezahlten Vaterschaftsurlaubs nimmt die Forderungen der Väter auf und ebnet den Weg für einen unerlässlichen Gesinnungswandel im Hinblick auf den Elternurlaub.

05. Mai 2011, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik

Resultate der Lohnrunde 2011: Insgesamt befriedigende Lohnrunde

Die Lohnverhandlungen 2011 spielten sich vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Erholung ab. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband von 170‘000 Arbeitnehmenden, beurteilt die Ergebnisse der Lohnrunde als insgesamt befriedigend. Die Löhne der Arbeitnehmenden steigen auf Anfang 2011 um 1.5 bis 2.5 Prozent. mehr

Die Lohnrunde 2011, welche von Travail.Suisse und den angeschlossenen Verbänden Syna, transfair und Hotel & Gastro Union Anfang August eingeläutet wurde, stand ganz im Zeichen der wirtschaftlichen Erholung.

Im Gewerbe konnten für die Arbeitnehmenden Lohnerhöhungen von zwischen 1.5 und knapp 3 Prozent ausgehandelt werden. Einzig im Baugewerbe wurde keine Einigung gefunden; die Empfehlung der Baumeister, die Löhne um 1 Prozent zu erhöhen, ist ungenügend.

Im Detailhandel überzeugt der Lohnabschluss bei Coop mit Anpassungen von zwischen 2 und 3 Prozent. Erfreulich ist ebenfalls der neue Gesamtarbeitsvertrag mit dem Discounter Lidl.

Bei Spitälern und Heimen sind die Lohnerhöhungen mehrheitlich individuell und können kaum zufrieden stellen.

Im Gastgewerbe wurden fürs 2011 keine Lohnverhandlungen geführt. Die Bewertung des neuen Gesamtarbeitsvertrages fällt positiv aus.

In der Industrie ist trotz wirtschaftlicher Erholung weiterhin eine Lohnzurückhaltung feststellbar. Die Lohnerhöhungen belaufen sich zwischen 1 bis gut 2 Prozent. Zudem setzt sich der kritische Trend zu Einmalzahlungen und Boni weiter fort.

Im Service Public sind die Lohnresultate mehrheitlich befriedigend: Die Post gewährt im Schnitt 1.8 Prozent, die SBB rund 1.5 Prozent, die Swisscom 2.6 Prozent. Bedauerlicherweise werden die Lohnerhöhungen weniger generell, sondern vermehrt individuell gesprochen.

Höhere Krankenkassenprämien, die Erhöhung der Mehrwertsteuer und zusätzliche Lohnabzüge belasten im nächsten Jahr zusätzlich die Portemonnaies der Menschen in der Schweiz. Gleichwohl verdienen aufgrund der relativ geringen Teuerung von 0.7 Prozent die meisten Arbeitnehmenden nächstes Jahr real etwas mehr.

20. Dezember 2010, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

IV-Revision: Travail.Suisse fordert glaubwürdige Integration statt Rentenkürzungen

Mit der 6. IV-Revision sollen 16‘000 IV-Rentner/innen in den Arbeitsmarkt integriert werden. Dies kann nur mit einer glaubwürdigen Integrationspolitik gelingen, die die Arbeitgeber in die Pflicht nimmt. Wenn das Potential der Arbeitsmarktintegration voll genutzt wird, werden auch die angekündigten Rentenkürzungen hinfällig. mehr

Die Integration möglichst vieler Menschen in den Arbeitsmarkt ist für Travail.Suisse, den Dachverband von 170‘000 Arbeitnehmenden, ein erstrebenswertes Ziel. Allerdings braucht es dazu glaubwürdige und erfolgsversprechende Massnahmen. Sonst verkommt die Integration zur blossen Schikane für die betroffenen Menschen. Damit genug Stellen für teilleistungsfähige Menschen zur Verfügung stehen, fordert Travail.Suisse:

• Integrationsbeitrag der Arbeitgeber: Diese müssen entweder Arbeitsplätze für teilleistungsfähige Menschen zur Verfügung stellen oder eine Abgabe entrichten, welche die IV zur Schaffung von Arbeitsplätzen für betroffene Arbeitnehmende einsetzen muss.
• Unterstützung von Sozialfirmen durch die IV: Mit der Abgabe der Arbeitgeber soll die IV Sozialfirmen unterstützen. Dort wo der erste Arbeitsmarkt versagt, werden so genügend Stellen für teilleistungsfähige Menschen geschaffen. Wie eine solche Sozialfirma funktioniert, zeigt Daniela Merz von der Dock-Stiftung.

Glaubwürdige Integration macht Rentenkürzungen unnötig
Mit einer glaubwürdigen Integrationspolitik kann die IV entlastet werden, ohne die Betroffenen in die Arbeitslosigkeit oder die Sozialhilfe zu schicken. Gleichzeitig werden damit die bereits angekündigten Rentenkürzungen überflüssig.

Nationalrat muss auf glaubwürdige Lösung setzen
Travail.Suisse fordert den Nationalrat auf, bei der Beratung der 6. IV-Revision nicht der freiwilligen Wischi-Waschi-Politik à la Bundesrat und Arbeitgeberverband zu folgen, sondern jene Anträge zu unterstützen, welche den Betroffenen eine akzeptable Perspektive ermöglichen und einen relevanten Beitrag zur finanziellen Entlastung der IV leisten.

08. November 2010, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik

Gute Lohnerhöhungen liegen drin!

Die Schweizer Wirtschaft ist auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Die Lohnrunde 2011 steht im Zeichen der wirtschaftlichen Erholung. Travail.Suisse und die angeschlossenen Verbände Syna, transfair und Hotel & Gastro Union fordern gute Lohnerhöhungen für die Arbeitnehmenden. Das ist wirtschaftlich möglich und konjunkturpolitisch sinnvoll.
Kaufkraft erhalten
Die Arbeitnehmenden haben im laufenden Jahr einen Reallohnverlust hinzunehmen. Fürs 2011 ist die Teuerung voll auszugleichen und die Kaufkraft zu erhalten.
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Lohnrückstand aufholen

Die Bilanz der Lohnerhöhungen der letzten Jahre fällt dürftig aus. Trotz Wirtschaftserholung sind die Personalbestände noch nicht wieder aufgestockt. Die Arbeitsproduktivität des Einzelnen nimmt weiter zu. Diese hohe Arbeitsleistung muss in Form von Reallohnerhöhungen honoriert werden.

Lohnzuwachsraten anpassen

Es geht nicht an, dass die Manager ihr Leben in Saus und Braus weiterführen und für ihre Mitarbeitenden immer noch die Fastenzeit gilt. Die Lohnzuwachsraten der Arbeitnehmenden müssen denen der Manager angeglichen werden.

Konsum stützen

Steigende Abgaben belasten im Jahr 2011 die Haushalte. Damit der private Konsum weiterhin die Stütze des Wirtschaftswachstums bleibt, braucht es reale Lohnerhöhungen für die Arbeitnehmenden Auf staatliche Sparprogramme ist zu verzichten.

Lohnerhöhungen sind möglich und notwendig

Reallohnerhöhungen von 1-2 Prozent sind gerechtfertigt. Die Lohnerhöhungen sollen in erster Linie generell erfolgen, anstatt Einmalzahlungen sind reguläre Lohnerhöhungen zu gewähren.

Die 4. Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes schwächt die Arbeitnehmenden
Der einschneidende Leistungsabbau und die schleppende Schuldensanierung höhlt die Arbeitslosenversicherung aus. Damit wird der Schutz der Arbeitnehmenden vor Arbeitslosigkeit durchlöchert und die Lage der Erwerbstätigen in der Schweiz geschwächt.

02. August 2010, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

Managerlöhne 2009: Lerneffekt gleich Null

Die Krise wirkte sich auf die Managerlöhne höchstens kurzfristig dämpfend aus. Gemäss der Managerlohnstudie von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband von 170’000 Arbeitnehmenden, öffnet sich die Lohnschere weiter: Im letzten Jahr um durchschnittlich 18 Prozent, in den sieben Jahren seit 2002 um sage und schreibe 70 Prozent. Die stetig ansteigenden Managerlöhne gefährden das wirtschaftliche Erfolgsmodell Schweiz. Es braucht daher grundlegende Veränderungen. Die Stärkung der Aktionäre reicht nicht aus. Um das Lohnkartell aufzubrechen, braucht es eine Personalvertretung im Verwaltungsrat. mehr

Zum sechsten Mal in Folge hat Travail.Suisse die Löhne der Topmanager in 27 Schweizer Firmen untersucht. Die Resultate zeigen, dass sich die Krise höchstens kurzfristig dämpfend auswirkte. So schloss sich die Lohnschere im Jahr 2009 zwar in einigen Firmen, was aber auf die wirtschaftliche Situation zurückzuführen ist. Dort, wo die Krise nicht stattgefunden hat – wie in der Pharmaindustrie – oder wo sie nicht mehr akut ist – wie bei den Banken – geht die Entwicklung weiter wie zuvor. Ein Lerneffekt hat nicht stattgefunden.

Fortschreitender Realitätsverlust gefährdet Erfolgsmodell Schweiz

Die anhaltende Öffnung der Lohnschere gefährdet das wirtschaftliche Erfolgsmodell Schweiz, das auf Vertrauen, Anstand und einer funktionierenden Sozialpartnerschaft basiert. Wenn im Krisenjahr 2009 mit Gewinneinbrüchen und Stellenabbau das durchschnittliche Salär eines Konzernleitungsmitglieds um 20 Prozent ansteigt, dann hat diese Entwicklung keinen Zusammenhang mehr mit realwirtschaftlichen Begebenheiten und deutet auf einen
fortschreitenden Realitätsverlust hin.

Heuchlerische Reaktion der Politik

Ein grosser Teil der Politikerinnen und Politiker ist den Managern hörig und versucht mit zahnlosen Vorschlägen alles zu verhindern, was die Teppichetage verärgern könnte. Das geht so weit, dass im Parlament Augenmass und Vernunft gepredigt werden, um die Masslosigkeit und die Rücksichtslosigkeit der Manager zu schützen. Das ist heuchlerisch und unglaubwürdig.

Es braucht griffige Massnahmen

Travail.Suisse beobachtet die Entwicklung der Managerlöhne sowie die politische Reaktion auf diese Entwicklung seit vielen Jahren. Für Travail.Suisse ist klar, dass die Selbstregulierung versagt hat. Es braucht grundlegende Veränderungen. Dazu gehören die folgenden Massnahmen:

- Begrenzung der Boni und Verbot von Sonderzahlungen: Boni müssen auf ca. einen Monatslohn begrenzt und Abgangs- bzw. Antrittsentschädigungen verboten werden.

- Bonisteuer ab 1 Million Franken: Boni über eine Million Franken dürfen von den Unternehmen nicht mehr als Geschäftsaufwand vom Gewinn abgezogen werden und unterliegen somit der Gewinnbesteuerung.

- Abstimmung über Saläre der Konzernleitung: Die Aktionäre dürfen nicht nur über die Entschädigung des Verwaltungsrates, sondern auch über die Managersaläre bestimmen. Dabei muss volle Transparenz hergestellt werden. Es darf nicht nur eine Abstimmung über ein abstraktes Vergütungsreglement stattfinden.

- Personalvertretung im Verwaltungsrat: Die Stärkung der Aktionärsdemokratie alleine reicht nicht aus. Eine Personalvertretung im Verwaltungsrat stärkt die Ausrichtung auf die lange Frist und bindet die kurzfristige Gewinnmaximierung zurück. Zudem wird so das Lohnkartell aufgebrochen.

21. Mai 2010, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

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