Themen – Gleichstellung – Lohngleichheit

Ständerat verweigert den Kantonen die Möglichkeit zur Lohnkontrolle

Die Standesinitiative des Kantons Genf forderte die Kompetenz ein, die Umsetzung des revidierten Gleichstellungsgesetzes kantonal und in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern zu überprüfen. Der Ständerat hat diesen Antrag heute abgelehnt. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, sieht sich damit in seiner Absicht bestätigt, die Einhaltung der neu im Gleichstellungsgesetz verankerten Lohnanalysen genau zu überprüfen. mehr

Der Kanton Genf hat mit seiner im Mai 2018 eingereichten Standesinitiative beantragt, den Kantonen die Kompetenz zu übertragen, die Einhaltung des Grundsatzes der Gleichstellung von Mann und Frau insbesondere punkto Lohn zu überprüfen.

In der Zwischenzeit hat das Parlament eine minimalistische Revision des Gleichstellungsgesetzes beschlossen. Der neue Text schreibt eine Lohnselbstkontrolle für Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten vor, obschon eine Kontrolle ab 50 Beschäftigten empfohlen wurde. Damit sind 99,1% der Unternehmen und 54% der Arbeitnehmenden von dieser neuen Regelung ausgenommen. Darüber hinaus enthält das überarbeitete Gesetz weder offizielle Kontrollmechanismen noch Sanktionsmöglichkeiten bei Verstössen.

Die Handlungsbereitschaft der Kantone ist verständlich und legitim und wird von Travail.Suisse voll und ganz geteilt. Travail.Suisse bedauert, dass der Ständerat die Genfer Initiative abgelehnt hat. Für Valérie Borioli Sandoz, Leiterin der Gleichstellungspolitik, bedeutet diese Entscheidung, „dass es nun an uns liegt, die effektive Anwendung des Gesetzes durch die Entwicklung eigener Instrumente zu überwachen".

Für weitere Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, 079 598 06 37

20. März 2019, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik

Die Lohndiskriminierung der Frauen nimmt zu: Kontrollen sind nötig!

Die heute vom Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlichte Lohnungleichheitsanalyse gibt Anlass zur Sorge: Der nicht erklärbare Teil der Lohndifferenz ist um zwei Punkte gestiegen, obwohl die Lohnungleichheit zwischen Frau und Mann landesweit stabil ist. Kurz: Die Lohndiskriminierung der Frauen hat zugenommen. Leider wird die jüngste Revision des Gleichstellungsgesetzes (GlG) diese negative Entwicklung nicht stoppen. Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, erachtet weitere Massnahmen als unerlässlich, um die Unternehmen zum Handeln zu veranlassen. mehr

Je nach Branche gibt es grosse Schwankungen bei der Lohndiskriminierung, wie die vom Bundesamt für Statistik durchgeführte detaillierte Analyse der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2016 zeigt. Den traurigen Rekord des grössten unerklärbaren Teils der Lohndifferenzen hält proportional immer noch die Hotellerie/Gastronomie: Über 80 % der Lohnungleichheit lassen sich nur durch das Geschlecht erklären. Die nächsten Plätze belegen der Detailhandel und die Maschinenindustrie, mit steigenden Anteilen (65,4 und 52,5 %). In den Bereichen Finanzen und Versicherungen liegt der Anteil der Diskriminierung noch bei 30,6 %, d. h. unter dem schweizerischen Durchschnitt von 42,9 %. Durch diese Diskriminierung fehlen im Portemonnaie der Frauen, die in diesen Branchen arbeiten, jeden Monat 327 bis 1291 Franken.

Der öffentliche Sektor kommt dieses Jahr besser weg: Der Anteil der Diskriminierung ist von 41,1 auf 34,8 % gesunken. Travail.Suisse stellt fest, dass die systematischen Kontrollen der Lohngleichheit in diesem Sektor endlich ihre Wirkung entfalten.

2013 hatten vom Bundesamt für Statistik und vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann beauftragte Experten Empfehlungen abgegeben: Um die Diskriminierung zu beheben, müssten Unternehmen verpflichtet werden, ihre Löhne überprüfen zu lassen, und diese Pflicht sei von der Verwaltung zu kontrollieren. Sie müsse für alle Unternehmen mit über 50 Angestellten gelten. Die Berechtigung dieser Empfehlung zeigt sich auch heute wieder: Bei den KMU fallen immer noch die grössten Diskriminierungen an. «Leider ist das Parlament bei der Revision des Gleichstellungsgesetzes auf halbem Weg stehen geblieben, indem es die Schwelle für die Lohngleichheitsanalyse bei 100 Angestellten ansetzte und jegliche verwaltungsseitige Überwachung dieser Kontrolle aufhob. Das ist willkürlich und unangemessen», meint Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse.

Fazit: Nun obliegt es der Zivilgesellschaft, und insbesondere den Gewerkschaften, die Praktiken der uneinsichtigen Unternehmen aufzudecken.


Lohnungleichheit: Die Abweichungen bei den Löhnen von Frauen und Männern sind auf verschiede-ne Faktoren zurückzuführen – darunter persönliche Faktoren (Alter, Ausbildung, Berufserfahrung), Faktoren im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz (berufliche Situation, Qualifikationsniveau, Tätigkeitsbereich) und unternehmensbedingte Faktoren (Unternehmensgrösse, Branche, Region).
Lohndiskriminierung: Nach Ausschluss der objektiven Erklärungsfaktoren per Regressionsanalyse (Oaxaca-Zerlegung) gelten die verbleibenden Abweichungen bei den Löhnen von Frauen und Männern als unerklärbar und werden von Experten als Lohndiskriminierung bezeichnet.


Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, 079 598 06 37

31. Januar 2019, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik

Revision des Gleichstellungsgesetztes: Der Nationalrat ignoriert die Wichtigkeit der Lohngleichheit komplett!

Gestern und heute ist es der bürgerlichen Mehrheit im Nationalrat gelungen, die Revision des Gleichstellungsgesetzes weiter zu entschärfen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, ist entsetzt über die Ignoranz, die die Mehrheit des Nationalrates gegenüber der Lohndiskriminierung an den Tag legt und fordert den Ständerat auf, die Vorlage umgehend zu korrigieren. mehr

Zur Bekämpfung der Lohndiskriminierung sollen weiterhin Markt und Unternehmen ihre Verantwortung übernehmen, auch wenn die Erfahrung aus dem Lohngleichheitsdialog von 2009 bis 2014 deutlich gezeigt hat, dass es so keine Verbesserung gibt. Der Nationalrat hat das Projekt Lohngleichheit noch einmal verwässert. Immerhin ist es den Bürgerlichen misslungen, die Rentenaltererhöhung für Frauen durch die Hintertür und komplett ohne soziale Abfederung durchzubringen.

Dass der Nationalrat neu nur Unternehmen mit mehr als 100 Vollzeitäquivalenten (davor: 100 Angestellten) zur Lohnkontrolle verpflichten will, ist eine Beleidigung für die Arbeiterinnen in diesem Land. Denn mit dieser Regelung können insbesondere Unternehmen mit überdurchschnittlich vielen Frauen in Teilzeitpensen die Lohnkontrolle umgehen. Mit dieser Regelung könnten also die meisten mittelgrossen Unternehmen weiterhin diskriminierende Frauenlöhne auszahlen und damit die Bundesverfassung mit Füssen treten. Unhaltbar ist ausserdem, dass der Nationalrat diesen Punkt ändert, ohne zu wissen wie viele der 5760 Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten betroffen wären und wie viele Personen die Änderung betreffen würde. Klar ist: Das Bundesamt für Justiz hat im Jahr 2005 nachgewiesen, dass das Gleichstellungsgesetz zur Beseitigung der Lohndiskriminierung nicht ausreichend wirkt. Dennoch fordern bürgerliche Kräfte immer wieder zahlreiche Studien, die diesen Fakt anfechten. Ein weiterer Affront ist, dass neu auch Lernende nicht einbezogen würden in die Lohnkontrollen.

Travail.Suisse ist erschüttert über die Debatten im Nationalrat. "Dass der Nationalrat in Kauf nimmt, dass die Mehrheit der Unternehmen weiterhin gegen die Verfassung verstossen können, ist absolut empörend», sagt Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse.

Nun geht der Gesetzentwurf zurück in den Ständerat. Travail.Suisse fordert, dass dort die absolut inakzeptable Laissez-faire-Haltung gegenüber Unternehmen korrigiert wird, denn die Lohndiskriminierung kostet Frauen jedes Jahr fast 7 Milliarden Franken.

Für mehr Information :
Valérie Borioli Sandoz, Verantwortlich für die Gleichstellungspolitik, mobile : 079 598 06 37

25. September 2018, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik

#enough18
Die Lohndiskriminierung nimmt nicht ab, jetzt ist‘s genug!

Eine Zahl ändert sich nicht: jene der unerklärbaren Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau, jene der Lohndiskriminierung also. 40 Prozent aller gemessenen Lohnunterschiede lassen sich nicht mit objektiven Kriterien erklären. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, und seine angeschlossenen Verbände haben genug und sind deshalb am Samstag, 22. September 2018 dabei, wenn es heisst: #enough18! mehr

Der Nationalrat behandelt am kommenden Montag, 24. September die Revision des Gesetzes zur Gleichstellung von Frau und Mann. Der ursprüngliche Entwurf des Bundesrates wurde in den bisherigen parlamentarischen Beratungen dermassen verwässert, dass die Wirksamkeit fast nicht mehr gegeben ist. Travail.Suisse und die angeschlossenen Verbände haben genug. Deshalb werden sie am Samstag, den 22. September vor dem Bundeshaus neben vielen Frauen- und Frauenrechtsorganisationen unter dem Schlagwort #enough18 ihre Meinung kundtun.

Zwar nimmt die Ungleichheit insgesamt ab, allerdings längst nicht überall. In gewissen Branchen oder auf hoher Hierarchie-Stufe verändert sich nichts: Die Lohnunterschiede gehen dort von 18,5 Prozent (an der Spitze der Hierarchie) bis zu 36 Prozent (im Finanz- und Versicherungssektor). Der Anteil der Lohndiskriminierung seinerseits – also des unerklärbaren Teils der Lohnunterschiede – stagniert seit Jahren bei 40 Prozent. Die Arbeitnehmerinnen haben genug von dieser Lohndiskriminierung, die sie jährlich 7 Milliarden Franken kostet.

Travail.Suisse ruft alle Frauen (und natürlich auch alle Männer) dazu auf, am Samstag, 22. September in Bern zu zeigen, dass sie genug haben:

  • Genug davon, dass bereits jungen Frauen für ihren ersten bezahlten Job 7 Prozent weniger Lohn angeboten wird als ihren Kollegen (das macht im Schnitt 280 Franken weniger) und zwar trotz gleicher Ausbildung, Erfahrung und Fähigkeiten.
  • Genug davon, dass Unternehmen nicht verpflichtet werden, die Einhaltung der Lohngleichheit regelmässig zu überprüfen..
  • Genug davon, dass Frauen auch im Ruhestand teuer für die Folgen der Lohndiskriminierung zahlen.
  • Genug von den Manövern der Parlamentarier, die Revision des Gleichstellungsgesetzes von jeglicher Substanz zu befreien.

Kommen Sie am Samstag, 22. September 2018 mit uns zur nationalen Demonstration #enough18 in Bern. Versammlung um 13.30 Uhr auf der Schützenmatte, anschliessend Umzug Richtung Bundesplatz.

Für weitere Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, Tel. 079 598 06 37 oder Tel. 031 370 21 11 11

21. September 2018, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik

Revision des Gleichstellungsgesetzes: Es bleibt bei der harmlosen Hauskatze

Auch nach der Kommission des Nationalrates bleibt es dabei: Weniger als 1% der Unternehmen sollen die Lohngleichheit von Frauen und Männern überprüfen müssen. Diese Überprüfungen werden demnach nur eine Minderheit der Arbeitnehmenden betreffen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, bedauert sehr, dass auch die Kommission Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrates (WBK-N) den Geltungsbereich des Gleichstellungsgesetzes gemäss Vorlage des Ständerates eingeschränkt hat. Eine Verknüpfung der Minimal-Vorlage mit der Erhöhung des Rentenalters der Frauen auf 65 Jahre wäre für Travail.Suisse ein Referendumsgrund. mehr

Die WBK-N ist bei der Revision des Gleichstellungsgesetzes den Entscheiden des Ständerates gefolgt. Sie schlägt dem Nationalrat vor, dass nur Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden verpflichtet werden, eine wissenschaftliche Untersuchung der Löhne durchzuführen. Der Bundesrat hat eine Schwelle von 50 Mitarbeitenden vorgeschlagen. Die Anhebung dieser Schwelle von Unternehmen von 50 auf neu 100 Mitarbeitende bedeutet konkret, dass die Gesetzesrevision gerade mal 5760 Unternehmen und nicht einmal die Hälfte der Erwerbstätigen (45%) betrifft.

Travail.Suisse bedauert weiterhin, dass die Lohnanalyse nicht langfristig angelegt, sondern auf 12 Jahre begrenzt werden soll. Das Gesetz bleibt eine harmlose Hauskatze (Ausspruch von Ständerat Raphaël Comte). Ob das verfassungsmässige Ziel der Lohngleichheit von Mann und Frau erreicht werden kann, stellt Travail.Suisse stark in Frage. Abgelehnt wurden auch Sanktionen, wenn ein Unternehmen nicht gleiche Löhne für Frau und Mann bezahlt.

Die Idee, mit dieser Reform des Gleichstellungsgesetzes das Frauenrentenalter 65 zu verknüpfen, ist eine Provokation sondergleichen. Der Antrag wurde nur mit Stichentscheid der WBK-Präsidentin abgelehnt! Es zeigt, dass die Anliegen der Gleichstellung im Bundeshaus einen schweren Stand haben. Umso mehr rufen Travail.Suisse und die angeschlossenen Verbände alle Arbeitnehmenden auf, ein Zeichen zu setzen und am Samstag, 22. September an die nationale Demonstration für Lohngleichheit und gegen Diskriminierung nach Bern zu kommen.

Für weitere Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, Mobil: 079 598 06 37
Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse / Nationalrat und WBK-N-Mitglied: 079 287 04 93

17. August 2018, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik und Adrian Wüthrich, Präsident

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