Themen – Arbeit – Managerlöhne

Transparenzrichtlinie betreffend Vergütung des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung: Es fehlt der Wille

Der Ständerat berät als Zweitrat am 8. Juni die Transparenzrichtlinie zu den Managerlöhnen. Die Gefahr ist gross, dass der bereits zahmen Vorlage noch die restlichen Zähne gezogen werden. Vor dem Hintergrund der wieder angefachten Managerlohndebatte ist dies unverständlich. Travail.Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert die individuelle Offenlegungspflicht der Vergütungen aller Geschäftsleitungsmitglieder und das Mitspracherecht der Aktionärsversammlung. Zudem soll die Pflicht zur Transparenz für alle Grossunternehmen gelten.

06. Juni 2005, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

Bâloise: Geschäftsleitung überschreitet Millionengrenze

Die Aktionäre der Bâloise freuen sich an der heutigen Generalversammlung über einen Gewinnsprung und eine Dividendenerhöhung. Aber auch die Geschäftsleitung lässt es sich gut ergehen: Sie erhöhte 2004 ihre durchschnittliche pro-Kopf-Entschädigung um 23 Prozent und durchbrach damit die 1-Millionen-Schallmauer. Rolf Schäuble, exekutiver Verwaltungsratspräsident, steigerte sein Salär um 17 Prozent auf 2.3 Millionen Franken. Damit öffnete sich die Lohnschere von 41 : 1 auf 48 : 1 mehr

Der Versicherungs- und Finanzkonzern Bâloise hat im 2004 seinen Gewinn um das Andert-halbfache auf 222 Millionen Franken gesteigert. Den Aktionären kommt dies in Form einer Dividendenerhöhung auf 1.10 Franken pro Titel zugute. Auch die Führungsspitze langt zu – allerdings des Guten etwas zuviel.

Verwaltungsratspräsident Rolf Schäuble überschreitet 2-Millionen-Grenze
Rolf Schäuble, Verwaltungsratspräsident mit exekutiver Funktion, steigert sein Salär um 17 Prozent. Fixe Lohnbestandteile – das heisst Barbezahlung – sowie variable Lohnbestandteile in Form von Aktien werden gleichermassen erhöht. Mit seinem Jahresgehalt fürs 2004 von 2.3 Millionen Franken überschreitet er die 2-Millionen-Grenze. Die Lohnschere, das Verhält-nis von Höchst- zu Tiefstlohn, öffnete sich innert Jahresfrist von 41 : 1 auf 48 : 1.

Konzernleitung erhält 23 Prozent mehr
Auch die Konzernleitungsmitglieder können einen zweifelhaften “Rekord“ verbuchen: Ihre durchschnittliche Pro-Kopf-Entschädigung steigt um 23 Prozent auf 1.05 Millionen Franken. Sie durchbrechen damit die sechsstellige Salär-Schallmauer.

Verwaltungsrat kleiner, Entschädigung grösser, aber immerhin zwei Frauen
Das Verwaltungsratsgremium verkleinert sich von 12 auf 10 Sitze. Die Entschädigung der nicht-exekutiven Verwaltungsratsmitglieder erhöht sich um 17 Prozent auf 160’000 Franken. Immerhin haben zwei Frauen im Verwaltungsrat Einsitz – ein „Rekord“ der rühmlicheren Art.

28. Mai 2005, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

Coop: Lohnerhöhung für Geschäftsleitung doppelt so hoch wie für Belegschaft

Im Jahr 2004 sanken der Marktanteil und der Umsatz der Coop-Gruppe. Dennoch stieg die Entschädigung des Verwaltungsrats um 5.6 Prozent. Die Konzernleitungsmitglieder erhielten 2.9 Prozent, während die Lohnsumme der restlichen Belegschaft um 1.5 Prozent zunahm. Damit war die Lohnerhöhung der Geschäftsleitung rund doppelt so hoch wie für die Mitarbeitenden. Im letzten Jahr wurde bei der Coop-Gruppe 6.5 Prozent des Personals abgebaut, davon betroffen waren 3250 Beschäftigte. mehr

Das Jahr 2004 war für die Coop-Gruppe ein unbefriedigendes Jahr. Sie verlor an Marktanteil, Umsatz und Gewinn.

Massiver Stellenabbau
Die Zeche begleichen mussten vor allem die Mitarbeitenden. Innert Jahresfrist wurden 3250 Arbeitsplätze abgebaut, das heisst 6.5 Prozent des Personalbestands gestrichen. Es darf nicht sein, dass im laufenden Jahr nochmals so viele Stellen abgebaut werden.

Geschäftsleitung erhöhte Salär um 2.9 Prozent
Im 2004 stieg die Gesamtentschädigung der Geschäftsleitung um 2.9 Prozent auf insgesamt 3.5 Millionen Franken. Dies macht pro Geschäftsleitungsmitglied ein durchschnittliches Salär von einer halben Million Franken aus.

Mindestlohn unverändert bei 3’300 Franken
Demgegenüber wurde die Lohnsumme für die restliche Belegschaft auf Anfang dieses Jahres um 1.5 Prozent erhöht. Diese wird ebenfalls verwendet für eine strukturelle und individuelle Anhebung der Frauenlöhne. 61 Prozent der Beschäftigten bei Coop sind Frauen. Der Mindestlohn bleibt unverändert bei 3’300 Franken pro Monat.

Lohnschere von 11: 1 auf 12 : 1
Innert Jahresfrist öffnet sich die Lohnschere, das Verhältnis zwischen Höchst- und Tiefstlohn, von 11 : 1 zu 12 : 1.

26. Mai 2005, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

Migros: Lohnerhöhung für Geschäftsleitung dreimal

Die Migros steigerte Umsatz und Gewinn und schloss das Jahr 2004 erfolgreich ab. Die Gehaltserhöhung der Generaldirektion war mit 5.9 Prozent drei mal so hoch wie die der restlichen Belegschaft, deren Lohnsumme um knapp 2 Prozent erhöht wurde. Im letzten Jahr wurden bei der Migros rund 2.3 Prozent des Personals abgebaut, davon betroffen waren 1912 Angestellte. mehr

Migros war im Jahr 2004 weiter auf Expansionskurs. Der Reingewinn stieg um fast die Hälfte auf 545 Millionen Franken.

5.9 Prozent mehr Lohn für Generaldirektion
Im 2004 stieg die Gesamtentschädigung der Konzernleitung um 5.9 Prozent auf 3.6 Millionen Franken. Dies macht pro Geschäftsleitungsmitglied ein durchschnittliches Salär von 600’000 Franken aus.

22 Prozent höhere Entschädigung pro Verwaltungsrat
Beim Verwaltungsrat gab es verschiedene Ab- und Zugänge. Insgesamt konnten die einzelnen Verwaltungsratsmitglieder ihre Entschädigung um 22 Prozent steigern auf durchschnittlich 95’000 Franken pro Kopf.

Lohnsumme für Belegschaft steigt nur knapp 2 Prozent
Demgegenüber stieg die Lohnsumme für die restliche Belegschaft auf Anfang 2005 nur um knapp 2 Prozent. Der Mindestlohn bleibt unverändert bei 3’300 Franken pro Monat.

Lohnschere von 13: 1 auf 14 : 1
Innert Jahresfrist öffnete sich die Lohnschere, das Verhältnis zwischen der durchschnittlichen Entschädigung pro Generaldirektionsmitglied und dem Tiefstlohn von 13 : 1 auf 14 : 1.

Stopp dem Stellenabbau
In den Jahren 2003 und 2004 baute die Migros 1500 bzw. 1900 Stellen ab. Das ist eine Reduktion von rund 5 Prozent der Beschäftigten. Ein Rekordergebnis fürs Jahr 2004 und ein weiterer Expansionskurs im laufenden Jahr dürfen nicht durch noch mehr Stellenabbau erwirtschaftet werden.

26. Mai 2005, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

Ämterkumulation bei Nestlé: Freie Fahrt für noch mehr Abzockerei

Der Nestlé-Boss Peter Brabeck hat im vergangenen Jahr sein Salär um 25 Prozent gesteigert. Damit öffnet sich die Lohnschere, das Verhältnis zwischen Tiefst- und Höchstlohn, von sagenhaften 335 : 1 auf unfassbare 419 : 1. Vergangene Woche übernahm Brabeck von Rainer E. Gut das Mandat des Verwaltungsratspräsidenten. Der grösste Nutzen aus dieser Machtkonzentration zieht Brabeck selber. Durch diese Ämterkumulation wird seine Entschädigung noch weiter ansteigen. Travail.Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert einen Stopp dieses Salärwahnsinns. mehr

Nestlé hat im vergangenen Geschäftsjahr die Erwartungen nicht erfüllt. Zwar stieg der Gewinn, der Umsatz aber sank um 1.4 Prozent. Die Aktionäre stört’s nicht weiter – ihre Dividende erhöhte sich trotzdem um 11 Prozent.

Geschäftsleitung sahnt ab
Der CEO Peter Brabeck steigerte innert Jahresfrist sein Salär um 25 Prozent auf rund 18 Millionen, das Salär der restlichen Geschäftsleitungsmitglieder stieg um 12 Prozent auf durchschnittlich 2.2 Millionen pro Kopf. Hervorzuheben ist, dass Nestlé bei der Offenlegung der Entschädigungen den Tanz der sieben Schleier tanzt und keine abschliessende Angaben in Frankenbeträgen (insbesondere bei den Optionen) macht.

Lohnschere bei sagenhaften 419 : 1
Da Nestlé auf Anfrage keine Angaben über Tiefstlöhne in der Schweiz gab, stützt sich Travail.Suisse bei der Berechnung der Lohnschere auf Angaben des Bundesamtes für Statistik und geht von einem Tiefstlohn von 3’700 Franken monatlich aus. Die Lohnschere, das heisst das Verhältnis zwischen Höchst- und Tiefstlohn, hat sich im letzten Jahr von 335 : 1 auf 419 : 1 erhöht.

Personalunion macht Weg frei zu noch grösseren Lohnexzessen
Die Spreizung der Lohnschere von 419 : 1 ist schweizweit nirgendwo so hoch wie bei Nestlé. Brabecks Salär liegt real zwar immer noch knapp 3 Millionen unter jenem von Vasella oder Ospel. Aber in der Chemie- und Bankenbranche werden höhere Tiefstlöhne bezahlt. Mit seiner neuen Doppelrolle hat es Brabeck in der Hand, sein Salär nochmals massiv zu erhöhen und dabei womöglich auf Rang 1 der Abzocker vorzustossen.

19. Mai 2005, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

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