Themen – Arbeit – Managerlöhne

Managerlöhne bei Roche und Novartis: Lohnschere jenseits von Gut und Böse

Anlässlich der Generalversammlungen der Branchenleader Roche und Novartis wurden einmal mehr erfreuliche Rekordgewinne bekannt gegeben und Dividendenerhöhungen beschlossen. Roche-Chef Franz Humer belohnt sich für das gute Geschäftsergebnis mit einer Lohnerhöhung von 14 Prozent, während sich einige seiner Mitarbeitenden mit einer monatlichen Lohnerhöhung von mickrigen 60 Franken pro Monat begnügen müssen. Das Jahressalär von Novartis-Chef Daniel Vasella beträgt wie im Vorjahr 35 Millionen Franken. Die Lohnschere zwischen Tiefst- und Höchstlohn liegt bei Novartis bei 1: 424 und bei Roche bei 1: 260. mehr

Die Pharmabranche prosperiert. Die Branchenleader Roche und Novartis erwirtschafteten mit je über 9 Milliarden Franken abermals Rekordgewinne. Die Aktionäre bei Roche werden mit einer Erhöhung der Dividendenausschüttung von 36 Prozent, jene von Novartis mit einer Erhöhung von 17 Prozent beglückt.

Roche-Chef Humer: Startschuss zur Aufholjagd
Für das gute Ergebnis belohnte sich Franz Humer, VR-Präsident und CEO in Personalunion, fürstlich. Er gönnte sich eine satte Lohnerhöhung von 14 Prozent und kassiert neu 21.6 Millionen Franken pro Jahr. Damit öffnet sich die Lohnschere bei Roche, das heisst die Differenz zwischen Höchst-und Tiefstlohn, von 230 auf 260. Die dreiste Lohnerhöhung hat wohl einiges mit Futterneid auf den im benachbarten Novartis-Konzern regierenden Vasella zu tun. Auch der Rest der Konzernleitung liess sich im Durchschnitt fast 12 Prozent mehr auszahlen als im Vorjahr und bezieht neu einen Lohn von durchschnittlich 7.7 Millionen Franken.

Demgegenüber fallen die Lohnerhöhungen der Belegschaft geradezu mickrig aus. So wurde die Lohnsumme für individuelle Lohnerhöhungen im Geschäftsjahr 2006 um 2.75 Prozent erhöht. Der Sockelbetrag, das heisst die minimale Lohnerhöhung pro Arbeitnehmenden, betrug gerade mal 60 Franken pro Monat, was eine reale Nullrunde bedeutet.

Novartis-Chef Vasella: Verschnaufpause?
Die Entschädigung von Daniel Vasella erhöhte sich im vergangenen Jahr nicht weiter und verharrte auf der absurden Höhe von 35 Millionen Franken. Die Lohnschere bei Novartis beträgt damit 1: 424.

Es wäre indes ein Trugsschluss, aus dem nicht weiter angestiegenen Salär auf eine Trendwende zu schliessen. Denn der Hauptgrund für das gleich bleibende Salär ist der praktisch gleich gebliebene Aktienpreis im Vergleich zum Vorjahr.

Stundenlöhne in galaktischen Höhen
Geht man von einer tatsächlichen Jahresarbeitszeit von 1’961 Stunden aus (BFS 2004), dann kassiert Franz Humer einen Stundenlohn von 11’000 Franken; der Stundenlohn von Daniel Vasella liegt gar bei 17’950 Franken. Zum Vergleich: Im Gastgewerbe beträgt der monatliche Mindestlohn 3’200 Franken. Franz Humer verdient also pro Stunde 3.5, Vasella mehr als 5.5-mal soviel wie ein oder eine Angestellte im Gastgewerbe pro Monat.

06. März 2007, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

Stellungnahme zu Abzocker-Initiative und Einheitskasse: Ideelle Unterstützung für Initiative „gegen die Abzockerei"

Mit der regelmässigen Analyse von Geschäftsberichten und der Publikation der Ergebnisse hat Travail.Suisse die exorbitanten Managerlöhne und deren steile Wachstumsraten in der Öffentlichkeit zum Thema gemacht. Genau diese Entwicklung hat die „Abzocker-Initiative“ im Visier. Travail.Suisse nimmt deshalb dieser Initiative gegenüber eine positive Haltung ein und wird sich dafür einsetzen, dass bereits in der anstehenden Aktienrechtsrevision entscheidende Fortschritte erzielt werden können. mehr

Travail.Suisse analysiert bereits seit mehreren Jahren die Geschäftsberichte von 27 grossen Schweizer Unternehmen im Hinblick auf die Vergütungen an den Verwaltungsrat und das Topmanagement. Insbesondere das Verhältnis zwischen den tiefsten und den höchsten Löhnen (Lohnschere) sowie die hohen zweistelligen Wachstumsraten der Manager-Gehälter sind so von Travail.Suisse in der Öffentlichkeit zum Thema gemacht worden (Ergebnisse der Analysen siehe www.travailsuisse.ch, Schwerpunkt Managerlöhne).

Die im Herbst 2006 lancierte Volksinitiative „gegen die Abzockerei“ hat genau diese Exzesse im Visier und will über eine Stärkung der Aktionärsrechte Gegensteuer geben. Der Vorstand von Travail.Suisse ist der Meinung, dass dies der richtige Weg ist und steht deshalb diesem Anliegen positiv gegenüber. Insbesondere wird sich Travail.Suisse dafür einsetzen, dass bereits in der anstehenden Aktienrechtsrevision entscheidende Fortschritte erzielt werden können.

Gleichzeitig hat der Vorstand von Travail.Suisse für die Abstimmung vom 11. März über die Initiative „Für eine soziale Einheitskrankenkasse“ Stimmfreigabe beschlossen.

14. Dezember 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

Medienkonferenz Managerlöhne: Irrsinn geht weiter – Lohnschere
bis zu 1:840 – politische und wirtschaftliche Folgen unabsehbar

Die Manager bedienen sich weiterhin tüchtig. Die Chefs der 27 von Travail.Suisse untersuchten Firmen haben ihre Saläre 2005 um satte 30 Prozent bzw. 40 Millionen Franken erhöht. Die höchste Lohnschere dürfte sich bei 1:840 bewegen. Die Transparenz ist nach wie vor mangelhaft, viele Berechnungen beruhen auf allgemeinen Angaben oder Mutmassungen. Der Vertrauensverlust nimmt zu. Wenn die so genannten Wirtschaftsführer – Männer allein auf weiter Flur – das Problem nicht in den Griff bekommen, dann wird das erfolgreiche Schweizer Wirtschaftsmodell akut gefährdet. mehr

Nach 2005 hat Travail.Suisse auch im Frühling 2006 die Geschäftsberichte von 27 grossen Schweizer Firmen analysiert. Im Zentrum der Analyse stand dabei erneut die Lohnschere, das heisst das Verhältnis des tiefsten in der Schweiz bezahlten Lohnes zur höchsten (bekannten) Gesamtentschädigung im Topmanagement. Die Resultate dieser Analyse sind klar und deutlich. Die Selbstbedienungsmentalität greift weiter um sich. Lohnerhöhungen von 10 oder 20 Prozent sind die Regel. Sowohl die Saläre als auch die Lohnschere erreichen neue, unrühmliche „Spitzenwerte“. Ausnahmen gibt es zwar, sie sind aber dünn gesät. Die Transparenz bezüglich der höchsten Saläre und der tiefsten Löhne ist nach wie vor mangelhaft.

Manager gefährden Schweizer Erfolgsmodell
Das Schweizer Wirtschaftssystem kennt grosse Freiheitsgrade für Unternehmen und Manager. Dies gilt als Standortvorteil. Das ist jedoch nur möglich, solange die Angestellten darauf vertrauen können, angemessen am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt zu werden. Die Entwicklung der Managersaläre führt zu einem Vertrauensverlust auf breiter Front. Wenn die Wirtschaftsführer diese Problematik nicht in den Griff bekommen, werden die politischen Folgen, d.h. höhere Regulierungsdichte bis hin zu Lohnbeschränkungen, wie es sie bei der öffentlichen Hand bereits gibt (z.B. Stadt Bern), nicht mehr lange auf sich warten lassen.

30. Juni 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

Versicherungsbranche: Rekordergebnisse führen zu weiterer Öffnung der Lohnschere

Travail.Suisse untersuchte im Rahmen des Projekts „Managerlöhne“ die Geschäftsberichte von vier Unternehmen der Versicherungsbranche. Dabei zeigt sich bei Zurich, Bâloise, Helvetia Patria und Swisslife ein einhelliges Bild. Trotz der Naturkatastrophen des letzten Sommers ergaben sich für 2005 positive Geschäftsergebnisse, steigende Gewinne oder sogar Rekordergebnisse. Dabei profitieren wie so oft in erster Linie die Kadermitarbeiter. In allen vier untersuchten Unternehmen zeigt sich eine weitere Öffnung der Lohnschere.

22. Mai 2006, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik

Travail.Suisse zu den Managerlöhnen bei Swatch: Transparenz mangelhaft

Das Salär von Nicolas G. Hayek bewegt sich im Vergleich mit anderen Firmen auf durchaus vernünftigem Niveau und in vernünftigen Bahnen. In Sachen Transparenz ist der Geschäftsbericht der Swatch aber keine Ruhmesblatt. Insbesondere die Gehälter der der Konzernleitung werden mehr vertuscht als offen gelegt. mehr

Das Konzernergebnis 2005 der Swatch ist erfreulich ausgefallen. Der Umsatz wurde um über 8 Prozent auf knapp 4,5 Mia. Franken erhöht, der Gewinn konnte sogar um mehr als 20 Prozent auf über 600 Mio. Franken gesteigert werden.

Hayek-Salär in vergleichsweise vernünftigen Bahnen
Nicolas G. Hayek, exekutiver Verwaltungsratspräsident der Swatch, hat letztes Jahr ein Salär von 1.5 Millionen Franken erhalten. Gemessen an der Grösse und Bedeutung des Unternehmens ist dieses Salär im Vergleich zu den Verhältnissen bei anderen Firmen durchaus realistisch. Auch die Steigerung des Salärs um 24 Prozent ist bei Berücksichtigung des Rückgangs um über 30 Prozent im Jahr 2004 nicht als jenseits von Gut und Böse einzustufen. Trotzdem ist die Lohnschere im Jahr 2005 bei der Swatch von 22:1 auf 27:1 gestiegen.

Wenig Transparenz bei Entschädigung der Konzernleitung
Im Gegensatz zur offen ausgewiesenen Salärentwicklung von Nicolas G. Hayek werden die Entschädigungen auf Ebene Konzernleitung mehr vertuscht als offen gelegt. Da hier nur die Gesamtentschädigung der mehr als 20 Personen umfassenden erweiterten Konzernleitungen bekannt gegeben wird, sind Rückschlüsse auf das Salär des CEO Nick Hayek jun. oder der sieben anderen Konzernleitungsmitglieder nicht möglich. Deshalb ist auch die Swatch ein Beispiel dafür, dass nur die individuelle Offenlegung aller Saläre auf der Ebene Verwaltungsrat und Top-Management zur nötigen Transparenz führen wird.

19. Mai 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

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