Themen – Arbeit – Managerlöhne

Managerlöhne: Es hat kein Umdenken stattgefunden

Trotz dem Krisenjahr 2009, sinkenden Umsätzen und Gewinnen sowie Stellenabbau ist der Lohn des durchschnittlichen Konzernleitungsmitglieds um 20 Prozent gestiegen. Ein Umdenken hat demnach bei den Managern kaum stattgefunden. Der Vergleich über mehrere Jahre hinweg lässt schliesslich keinen Zweifel offen. Seit 2002 hat sich die Lohnschere zwischen dem Tiefstlohn und dem Durchschnittslohn pro Konzernleitungsmitglied um 70 Prozent geöffnet.

21. Juni 2010, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

Bürgerliche Parteien sind den Abzockern hörig

Mit dem Nein zur PUK und dem bedingungslosen Ja zum Staatsvertrag schonen die bürgerlichen Parteien die Abzocker als Verursacher der Krise. Gleichzeitig sollen die Kosten den Arbeitnehmenden aufgebürdet werden. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband von 170’000 Arbeitnehmenden, ist das skandalös. mehr

Das Parlament will weder eine saubere Aufklärung der ersten UBS-Rettung noch verknüpft es die zweite UBS-Rettung mit Auflagen für den Finanzplatz und die Banker-Boni. Gleichzeitig sollen mit Sparpaketen zum Abbau imaginärer Defizite – der Bund hat im Krisenjahr 2009 trotz Konjunkturpaketen einen Überschuss von 2,7 Mia. Franken erwirtschaftet – und mit dem Abbau bei den Sozialversicherungen die Kosten der Krise auf die Arbeitnehmenden abgewälzt werden. Diese Entscheidungen sind allesamt völlig einseitig und können nur noch als Hörigkeit der bürgerlichen Parteien gegenüber den Abzockern interpretiert werden.

Travail.Suisse wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern, dass jetzt, nach der Schonung der Banker, die Arbeitnehmenden zur Kasse gebeten werden. Die erste Gelegenheit dazu bietet sich mit einem wuchtigen Nein zum Abbau der Arbeitslosenversicherung am 26. September 2010.

15. Juni 2010, Martin Flügel, Präsident

Managerlöhne in der Maschinenindustrie: kein Lerneffekt

Die Lohnscheren in den grossen Schweizer Unternehmen haben sich auch im letzten Jahr weiter geöffnet, durchschnittlich um 21 Prozent. Dies zeigt eine Studie von Travail.Suisse. Im Kontrast zur allgemeinen letztjährigen Entwicklung steht allerdings die Maschinenindustrie. In dieser Branche schloss sich die Lohnschere um durchschnittlich fünf Prozent. Von einem Lerneffekt kann allerdings nicht die Rede sein: Die sinkenden Managerlöhne sind der Krise zu verdanken.

07. Juni 2010, Yvonne Debrunner, Managerlöhne

Die Travail.Suisse-Lohnschere 2009 geht an die UBS

Erneut rückt sich die UBS in ein schlechtes Licht: Die Lohnschere der Grossbank hat sich innerhalb des letzten Jahres um 274 Prozent geöffnet: so viel wie bei keinem anderen untersuchten Unternehmen . Die UBS macht offensichtlich dort weiter, wo sie vor der Krise aufgehört hat. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband von 170’000 Arbeitnehmenden, ist klar: In der Bonifrage ist Kaspar Villiger gescheitert. mehr

Seit zwei Jahren ist die UBS regelmässig Thema im Parlament. Die Grossbank selbst scheint dies wenig zu kümmern. Obwohl sie mit dem Amtshilfeabkommen bereits zum zweiten Mal auf eine politische Rettung angewiesen ist, foutiert sie sich um die politischen Sensibilitäten. In einem einzigen Jahr hat sich die Lohnschere bei der UBS fast verdreifacht. Ein Mitglied der Konzernleitung verdient bereits wieder durchschnittlich 190mal so viel wie ein UBS-Mitarbeiter zum Tiefstlohn. 2008 betrug das Verhältnis noch 1:51. Diese Entwicklung ist äusserst befremdend und zeigt, dass keinerlei Konsequenzen aus der Krise gezogen wurden.

Villiger bei Boni klar gescheitert
Die massive Öffnung der Lohnschere zeigt aber auch klar und deutlich, dass VR-Präsident Kaspar Villiger in der Boni-Frage gescheitert ist. Noch vor nicht allzu langer Zeit liess er gegenüber der Presse verlauten, dass das Vergütungsmodell langfristig ausgerichtet sei, sich an der Wertschaffung ausrichte und neben Bonus auch Malus vorsehen würde. Wenn nun trotz einem Verlust von 2,7 Milliarden Franken bereits wieder munter Boni verteilt werden, dann ist von Wertschaffung und Malus nicht viel zu sehen. Sollte es das Ziel von Kaspar Villiger gewesen sein, mit diesem neuen Vergütungssystem das politische Vertrauen in die UBS zu stärken, so hat er dieses Ziel klar verfehlt.

1 Untersucht wurden die folgenden 27 Schweizer Unternehmen: ABB, Ascom, Baloise, Bobst, Clariant, Coop, Credit Suisse, Georg Fischer, Helvetia, Implenia, Kuoni, Lindt & Sprüngli, Lonza, Migros, Nestlé, Novartis, Oerlikon, Post, Roche, Ruag, Schindler, Swatch, Swisscom, Swiss Life, UBS, Valora, Zurich.

07. Juni 2010, Martin Flügel, Präsident und Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

Managerlöhne 2009: Lerneffekt gleich Null

Die Krise wirkte sich auf die Managerlöhne höchstens kurzfristig dämpfend aus. Gemäss der Managerlohnstudie von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband von 170’000 Arbeitnehmenden, öffnet sich die Lohnschere weiter: Im letzten Jahr um durchschnittlich 18 Prozent, in den sieben Jahren seit 2002 um sage und schreibe 70 Prozent. Die stetig ansteigenden Managerlöhne gefährden das wirtschaftliche Erfolgsmodell Schweiz. Es braucht daher grundlegende Veränderungen. Die Stärkung der Aktionäre reicht nicht aus. Um das Lohnkartell aufzubrechen, braucht es eine Personalvertretung im Verwaltungsrat. mehr

Zum sechsten Mal in Folge hat Travail.Suisse die Löhne der Topmanager in 27 Schweizer Firmen untersucht. Die Resultate zeigen, dass sich die Krise höchstens kurzfristig dämpfend auswirkte. So schloss sich die Lohnschere im Jahr 2009 zwar in einigen Firmen, was aber auf die wirtschaftliche Situation zurückzuführen ist. Dort, wo die Krise nicht stattgefunden hat – wie in der Pharmaindustrie – oder wo sie nicht mehr akut ist – wie bei den Banken – geht die Entwicklung weiter wie zuvor. Ein Lerneffekt hat nicht stattgefunden.

Fortschreitender Realitätsverlust gefährdet Erfolgsmodell Schweiz

Die anhaltende Öffnung der Lohnschere gefährdet das wirtschaftliche Erfolgsmodell Schweiz, das auf Vertrauen, Anstand und einer funktionierenden Sozialpartnerschaft basiert. Wenn im Krisenjahr 2009 mit Gewinneinbrüchen und Stellenabbau das durchschnittliche Salär eines Konzernleitungsmitglieds um 20 Prozent ansteigt, dann hat diese Entwicklung keinen Zusammenhang mehr mit realwirtschaftlichen Begebenheiten und deutet auf einen
fortschreitenden Realitätsverlust hin.

Heuchlerische Reaktion der Politik

Ein grosser Teil der Politikerinnen und Politiker ist den Managern hörig und versucht mit zahnlosen Vorschlägen alles zu verhindern, was die Teppichetage verärgern könnte. Das geht so weit, dass im Parlament Augenmass und Vernunft gepredigt werden, um die Masslosigkeit und die Rücksichtslosigkeit der Manager zu schützen. Das ist heuchlerisch und unglaubwürdig.

Es braucht griffige Massnahmen

Travail.Suisse beobachtet die Entwicklung der Managerlöhne sowie die politische Reaktion auf diese Entwicklung seit vielen Jahren. Für Travail.Suisse ist klar, dass die Selbstregulierung versagt hat. Es braucht grundlegende Veränderungen. Dazu gehören die folgenden Massnahmen:

- Begrenzung der Boni und Verbot von Sonderzahlungen: Boni müssen auf ca. einen Monatslohn begrenzt und Abgangs- bzw. Antrittsentschädigungen verboten werden.

- Bonisteuer ab 1 Million Franken: Boni über eine Million Franken dürfen von den Unternehmen nicht mehr als Geschäftsaufwand vom Gewinn abgezogen werden und unterliegen somit der Gewinnbesteuerung.

- Abstimmung über Saläre der Konzernleitung: Die Aktionäre dürfen nicht nur über die Entschädigung des Verwaltungsrates, sondern auch über die Managersaläre bestimmen. Dabei muss volle Transparenz hergestellt werden. Es darf nicht nur eine Abstimmung über ein abstraktes Vergütungsreglement stattfinden.

- Personalvertretung im Verwaltungsrat: Die Stärkung der Aktionärsdemokratie alleine reicht nicht aus. Eine Personalvertretung im Verwaltungsrat stärkt die Ausrichtung auf die lange Frist und bindet die kurzfristige Gewinnmaximierung zurück. Zudem wird so das Lohnkartell aufgebrochen.

21. Mai 2010, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

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