Themen – Arbeit – Arbeitsmarkt

Beschäftigungsproblem lösen, nicht Arbeitslose bestrafen!

Die Schweizer Wirtschaft boomt. Trotzdem verbessert sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht. Die Arbeitslosenquote bleibt hoch. Die steigenden Schulden der Arbeitslosenversicherung erfordern demnächst eine weitere Revision des Gesetzes. Travail.Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, stellt fest, dass die Schweiz nicht ein Problem mit der Arbeitslosenversicherung, sondern ein Beschäftigungsproblem hat. Travail.Suisse lehnt jegliche Leistungskürzung bei der Arbeitslosenversicherung ab. Das Volkswirtschaftsdepartement muss ein Massnahmenpaket zur Steigerung der Beschäftigung ausarbeiten.

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13. Februar 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Die Schweiz hat ein Beschäftigungs- und kein Arbeitslosenproblem!

Die Schweizer Wirtschaft ist am Boomen. Trotzdem ist die Arbeitslosenquote im Januar 2006 auf 3,9 Prozent gestiegen. Die steigenden Schulden der Arbeitslosenversicherung erfordern demnächst eine weitere Revision des Gesetzes. Travail.Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, stellt fest, dass die Schweiz nicht ein Problem mit der Arbeitslosenversicherung, sondern ein Beschäftigungsproblem hat. Travail.Suisse lehnt jegliche Leistungskürzung bei der Arbeitslosenversicherung ab. Das Volkswirtschaftsdepartement muss ein Massnahmenpaket zur Steigerung der Beschäftigung ausarbeiten. mehr

Der Schweizer Wirtschaft geht es gut. Die Unternehmen verkünden Rekordgewinne, die Auftragsbücher sind voll und das Wirtschaftswachstum erreicht die 2-Prozent-Marke.

Situation auf dem Arbeitsmarkt bleibt düster
Doch die boomende Stimmung erreicht den Arbeitsmarkt nicht. Die Arbeitslosenquote bleibt hoch. Die Auswirkungen sind bedenklich: eine für die Schweiz bis anhin nie gekannte hohe Jugendarbeitslosigkeit, wenig Chancen für ältere Erwerbslose auf Wiedereingliederung und die Gefahr, dass tief qualifizierte Stellenlose dauerhaft vom regulären Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden.

Beschäftigungsproblem lösen statt Arbeitslose bestrafen
Schon drei Jahre nach der Einführung erweist sich das revidierte AVIG als überholt. Die Annahme der durchschnittlichen 100’000 Arbeitslosen erweist sich als zu tief. Die Schuldenlast steigt, so dass eine neue Revision schon im laufenden oder nächsten Jahr ansteht.

Der Wirtschaft geht es blendend, was sich aber nicht auf dem Arbeitsmarkt niederschlägt. Die Schweiz hat ein Beschäftigungsproblem und nicht ein Problem bei der Arbeitslosenversicherung.

Deshalb kommt für Travail.Suisse, den Dachverband der Arbeitnehmenden, nur eine Minirevision in Frage. Auf der Finanzierungsseite ist das zu tun, was bereits war: Das Solidaritätsprozent ist wieder einzuführen und die Lohnprozente sind, falls nötig, zu erhöhen. Auf der Leistungsseite ortet Travail.Suisse indes keinerlei Handlungsspielraum und auch keinen Handlungsbedarf.

Zudem ist Bundesrat Deiss gefordert, ein Programm zur Beschäftigungspolitik auszuarbeiten. Die Zweiteilung der Arbeitswelt in Arbeitsmarktinsider und –outsider muss gestoppt werden. Wachstumspakete ohne Beschäftigungseffekte sind wertlos.

07. Februar 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Zweiter Arbeitsmarkt: Chancen und Gefahren

Die Arbeitslosigkeit ist hoch und freie Stellen gibt es kaum. Der Staat kann mit einem zweiten Arbeitsmarkt die soziale Ausgrenzung der Betroffenen verhindern. Der zweite Arbeitsmarkt darf aber den regulären Arbeitsmarkt nicht konkurrenzieren und bestehende Mindestlöhne und Arbeitsbedingungen nicht untergraben.

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30. Januar 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Situation auf dem Arbeitsmarkt: Die einen bleiben ausgemustert, die anderen werden ausgepresst

Die Arbeitslosenquote bleibt trotz bester Konjunktur unverändert hoch und liegt bei 3.7 Prozent. Schweizweit haben rund 573’000 Personen keine oder ungenügend Arbeit. Dies obwohl die Firmen volle Auftragsbücher haben und in diesem Jahr wieder Rekordgewinne schreiben. Sie schaffen aber kaum neue Stellen, sondern bewältigen das steigende Arbeitsvolumen mit dem bestehenden Personal. Die steigende Arbeitsbelastung erzeugt Stress und Arbeitsausfälle. Travail.Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, ist besorgt über dieses gefährliche Auseinanderdriften auf dem Arbeitsmarkt. mehr

Die offizielle Arbeitslosenquote bleibt auch in November konstant hoch bei 3.7 Prozent. Gemäss internationaler Definition erhöhte sich im laufenden Jahr die Erwerbslosenquote auf 4.5 Prozent. Auch die Unterbeschäftigungsquote – der Teil der Erwerbsbevölkerung, der sein Arbeitspensum erhöhen möchte – stieg auf 9.3 Prozent. Insgesamt fehlen schweizweit 263’000 Vollzeitstellen, was bedeutet, dass 573’000 Personen keine oder ungenügend Arbeit haben. Einmal erwerbslos, wird es immer schwieriger, wieder im Arbeitsprozess Fuss zu fassen.

Der Druck auf die Arbeitnehmenden steigt
Dies ist umso stossender, als dass die Kapazitätsauslastungen der Unternehmen steigen und die Firmen auch für das laufende Jahr wieder mit Rekordgewinnen rechnen dürfen. Sie zö-gern aber, zusätzliches Personal einzustellen, und erledigen ihre Aufträge mit der bestehen-den Belegschaft. 174 Millionen bezahlte oder unbezahlte Überstunden werden jährlich in der Schweiz geleistet; das macht pro Arbeitnehmenden rund 52 Stunden pro Jahr aus, Tendenz steigend. Die steigende Arbeitsbelastung, die Verdichtung und Flexiblisierung der Arbeit erzeugen Stress. Rund die Hälfte der Arbeitnehmenden gibt an, am Arbeitsplatz unter starker nervlicher Belastung zu stehen. Dazu kommt die Angst, die Stelle zu verlieren und keine gleichwertige Arbeit zu finden. Stress macht krank und kostet: Die Kosten des Stresses am Arbeitsplatz werden auf über 4 Milliarden Franken geschätzt.

Travail.Suisse ist besorgt über die gefährliche Zweiteilung auf dem Arbeitsmarkt. Sie birgt gesellschaftspolitischen Zündstoff. Es ist an der Zeit, die Arbeit wieder gerechter zu verteilen.

07. Dezember 2005, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Die Botschaft der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ist klar: Sonntagsarbeit muss die Ausnahme bleiben

Travail.Suisse, die Dachorganisation der Arbeitnehmenden, bedauert die – wenn auch äusserst knappe – Annahme der Revision des Arbeitsgesetzes durch die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Der grosse Nein-Anteil sowie die Ablehnung der Vorlage durch die Mehrheit der Kantone zeigt auf, dass jeder weitere Versuch, die Sonntagsarbeit zu liberalisieren, zum Scheitern verurteilt ist. Die Botschaft der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ist eine unmissverständliche: Sonntagsarbeit muss die Ausnahme bleiben. mehr

Das Stimmvolk hat sich heute äusserst knapp für die Ausdehnung der Sonntagsarbeit auf die öffentlichen Zentren des Verkehrs ausgesprochen. Travail.Suisse, die Dachorganisation der Arbeitnehmenden, bedauert diesen Entscheid. Das sehr knappe Resultat zeigt auf, dass der Widerstand gegen eine Liberalisierung der Sonntagsarbeit gross ist und jede weitergehende Vorlage zum Scheitern verurteilt ist. Dessen muss sich der Nationalrat nächste Woche bewusst sein, wenn es um die Motion geht, welche die totale Liberalisierung der Sonntagsarbeit im Detailhandel und gesamten Dienstleistungssektor verlangt.

Für Travail.Suisse steht fest, dass Sonntagsarbeit die Ausnahme bleiben muss. Der Sonntag hat seinen kulturellen und gesellschaftlichen Wert als kollektiver Ruhetag. Jegliche weitere Ausdehnung der Sonntagsarbeit ist inakzeptabel.

27. November 2005, Therese Schmid, Leiterin Administration Drucker-icon