Gemäss den vorliegenden Vorschlägen sollen im Kanton St.Gallen 16 Linien ganz aufgehoben und zahlreiche weitere Verbindungen reduziert oder ausgedünnt werden. Insgesamt sind 36 bestehende Linien direkt betroffen. Zusätzlich sollen angekündigte Ausbauten beim Bahn- und Busangebot gestrichen werden
Für Travail.Suisse Ostschweiz ist diese Entwicklung nicht nachvollziehbar. Der öffentliche Verkehr ist kein Luxus, sondern Teil der Grundversorgung. Wer regelmässig die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs für Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Standortqualität und Klimaschutz betont, darf nicht gleichzeitig dessen Angebot abbauen.
«Gerade in ländlichen Regionen und Randgebieten ist der öffentliche Verkehr oft die einzige verlässliche Mobilitätslösung. Wer Verbindungen streicht oder ausdünnt, schränkt die Mobilität tausender Menschen ein und verschlechtert ihre Teilhabe am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben», erklärt Felix Bischofberger Präsident von Travail.Suisse Ostschweiz.
Besonders stossend ist aus Sicht des Arbeitnehmerdachverbands, dass die Sparmassnahmen erfolgen sollen, obwohl der Kanton finanzielle Verbesserungen erwartet und wieder mit schwarzen Zahlen rechnet
Falscher Weg für Klima und Verkehrswende
Die geplanten Kürzungen stehen auch im Widerspruch zu den klima- und verkehrspolitischen Zielen von Bund und Kantonen. Seit Jahren wird die Bevölkerung aufgefordert, vom motorisierten Individualverkehr auf Bus und Bahn umzusteigen. Gleichzeitig investieren öffentliche Hand und Transportunternehmen beträchtliche Mittel in eine nachhaltige Mobilität.
Mit der Streichung von Linien und der Ausdünnung von Fahrplänen droht nun das Gegenteil: Wer keine zuverlässige ÖV-Verbindung mehr vorfindet, wird vermehrt auf das Auto ausweichen müssen. Dadurch steigen Verkehrsbelastung, Energieverbrauch und CO₂-Emissionen, während die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs weiter sinkt.
Travail.Suisse Ostschweiz warnt davor, kurzfristige Sparziele über langfristige Interessen von Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt zu stellen. Ein leistungsfähiger öffentlicher Verkehr ist ein zentraler Standortfaktor für den Kanton St.Gallen und eine Voraussetzung für die Erreichung der Klima- und Energieziele.
Auch die Arbeitswelt ist betroffen
Die Kürzungen treffen nicht nur Fahrgäste, sondern auch die Mitarbeitenden der betroffenen Transportunternehmen. Weniger Angebot bedeutet langfristig weniger Verkehrsleistung und erhöht den Druck auf die Unternehmen und ihre Beschäftigten. Kantonsrat muss Verantwortung übernehmen
Die vorgeschlagenen Massnahmen sind noch nicht beschlossen. Der Kantonsrat wird in der Wintersession darüber entscheiden
Travail.Suisse Ostschweiz fordert die Mitglieder des Kantonsrates auf, die Auswirkungen dieser Kürzungen sorgfältig zu prüfen und die geplanten Abbaumassnahmen zurückzuweisen. Der Kanton St.Gallen braucht keine Schwächung des öffentlichen Verkehrs, sondern eine verlässliche und zukunftsgerichtete Mobilitätspolitik.
Wer beim öffentlichen Verkehr spart, spart nicht nur bei Fahrplänen. Er spart bei der Lebensqualität der Bevölkerung, bei der Entwicklung der Regionen, beim Klimaschutz und gefährdet Arbeitsplätze im öffentlichen Verkehr Genau deshalb setzt dieses Sparprogramm die falschen Prioritäten.
Auskünfte
Felix Bischofberger, Präsident, 079 407 21 66 fbischofberger@bluewin.ch
Werner Rüegg Vizepräsident, 079 835 60 89 / werner.rueegg@transfair.ch