Ein schweisstreibender Freitagnachmittag erwartete die Teilnehmenden aus den angeschlossenen Dachverbänden aus Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz. Sie trafen sich am 19. Juni 2026 im Hotel Lamm in Bregenz zur Delegiertenkonferenz des Interregionalen Gewerkschaftsrats (IGR) Bodensee. Die Kühltechnik lief auf Hochtouren. Trotzdem standen den Anwesenden bereits bei der Begrüssung durch Lukas Auer Schweissperlen auf der Stirn. Der scheidende Präsident des IGR Bodensee und Vertreter der Gewerkschaftsbünde Thurgau sowie St. Gallen-Appenzell hiess Manuela Auer, ÖGB-Landesgeschäftsführerin in Vorarlberg, und Tanja Vicas vom Internationalen Referat des ÖGB speziell willkommen.
Vier Länder, ein gemeinsames Ziel
Seit 24 Jahren zieht der IGR Bodensee an einem Strang. Was in Friedrichshafen begann, verbindet heute Arbeitnehmervertretungen aus vier Ländern. An die Anfänge erinnert sich Manuela Auer noch genau. Damals standen Mindestlohnforderungen von 1700 Euro jenseits der Grenze den Schweizer Forderungen von 4000 Franken gegenüber. Heute liegen diese Werte längst nicht mehr so weit auseinander. Grenzüberschreitend sind auch die Themen, mit denen die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter konfrontiert sind. Ihre Aufgabe bleibt dieselbe: die wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und arbeitsrechtlichen Anliegen der Arbeitnehmenden im Bodenseeraum länderübergreifend zu vertreten und zu fördern.
Lukas Auer zog Bilanz über die Amtsperiode 2024 bis 2026, während der das Präsidium achtmal tagte. Ein Thema kehrte immer wieder zurück: die 24-Stunden-Betreuung. In allen vier Ländern belasten schwierige Arbeitszeiten und fehlende Anerkennung die Beschäftigten. Die Botschaft des Präsidiums war deutlich. Es braucht gewerkschaftlichen Druck. Und es braucht eine Politik, die Verantwortung übernimmt.
Stabwechsel an der Spitze
Der Wechsel an der Spitze stand im Zentrum der Konferenz. Die Delegierten wählten Reinhard Stemmer (ÖGB Vorarlberg) einstimmig zum neuen Präsidenten. Als Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten amten künftig Lukas Auer (Thurgauer Gewerkschaftsbund), Sigi Langenbahn (LANV) und Bärbel Mauch (DGB Region Südostwürttemberg). Dem Präsidium gehören zudem Tizian Wildegger, Karin Distler, Nicole Jäger, Christian Pellini, Sabine Rudigier, Irene Haag-Nessensohn und Werner Rüegg an. Damit ging der Vorsitz von Lukas Auer an Reinhard Stemmer über.
Gute Betreuung braucht gute Bedingungen
Nach der Pause sprach Yvonne Heuber, Bundesgeschäftsführerin von Vidahelp und Generalsekretärin von Vidaflex, zur 24-Stunden-Betreuung in Österreich. Ihr Fazit: «Gute Betreuung braucht gute Rahmenbedingungen.» Das System sei für viele Familien unverzichtbar, funktioniere aber unter Bedingungen, die für Familien wie für Betreuende mit grossen Unsicherheiten verbunden seien. Gefragt seien endlich tragfähige politische und rechtliche Lösungen. Die anschliessende Diskussion zeigte, wie sehr das Thema unter den Nägeln brennt.
Zum Abschluss dankte der neue Präsident Reinhard Stemmer für das Vertrauen. Er verabschiedete mit Ludwin Debong und Frank Kappenberger, beide vom DGB, zwei langjährige Weggefährten aus dem Präsidium.
Ramona Riedener-Mazenauer
Medienbeauftragte der Syna Ostschweiz