Themen – Sozialpolitik – Berufliche Vorsorge

Beibehaltung des Mindestzinssatzes: Skandalös!

Der Bundesrat hat entschieden, den Mindestzinssatz in der beruflichen Vorsorge trotz einer sehr guten Entwicklung an den Anlagemärkten auf dem Tiefststand von 1.5 Prozent zu belassen. Die bürgerliche Mehrheit im Bundesrat stellt sich damit auf die Seite der gewinnorientierten Lebensversicherungen und verweigert den Arbeitnehmenden eine faire Beteiligung an der guten Entwicklung der Anlagemärkte. Das ist skandalös. mehr

Der Mindestzinssatz stellt sicher, dass alle versicherten Arbeitnehmenden minimal an den Ergebnissen beteiligt werden, die die Pensionskassen und Lebensversicherer an den Finanzmärkten erzielen. Für das abgelaufene Jahr zeigen alle Indizes deutlich nach oben. Die Aktienmärkte boomen, die Immobilien werfen gute Erträge ab. Eine Erhöhung des Mindestzinssatzes wäre mehr als nur angebracht.

Mit dem heutigen Entscheid verweigert der Bundesrat den Arbeitnehmenden eine angemessene Beteiligung an den guten Erträgen. Damit stellt der Bundesrat die Berechtigung des Zwangssparens in Frage. Zudem zeigt die bürgerliche Mehrheit im Bundesrat mit diesem Entscheid ihr wahres Gesicht: Alles für die Lebensversicherungen, wenig für die Arbeitnehmenden. Dieser Kniefall vor den Lebensversicherern, deren Gewinne dank einem tiefen Mindestzinssatz noch höher ausfallen werden, ist skandalös.

14. November 2012, Martin Flügel, Präsident und Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Die Gewinne der Lebensversicherungen in der 2. Säule: Die vergessenen Milliarden 2011

Auch 2011 haben die Lebensversicherer mehr als 600 Mio. Franken Gewinn der 2. Säule entzogen. Das zeigt die Analyse von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband von 170’000 Arbeitnehmenden. Dieses Geld fehlt für die Finanzierung der Renten. Die Lebensversicherer prellen damit nicht nur ihre Versicherten, sondern blockieren auch jegliche Reform der 2. Säule. Jetzt muss der Bundesrat handeln und die Gewinne der Lebensversicherungen massiv reduzieren. mehr

Die Diskussion um die Renten ist mit dem Bericht zur Zukunft der 2. Säule wieder lanciert worden. Arbeitgeberverbände, bürgerliche Parteien und die Lebensversicherer verlangen offen eine Senkung des Umwandlungssatzes.

Überhöhte Gewinne blockieren jegliche Reform

Für Travail.Suisse ist eine Anpassung des Umwandlungssatzes nicht tabu. Aber solange die Lebensversicherer dank einer abenteuerlichen Auslegung der Überschussverteilung Jahr für Jahr über ein halbe Milliarde Franken aus der 2. Säule entnehmen, sind Rentensenkungen oder Beitragserhöhungen inakzeptabel. Die Analyse von Travail.Suisse zeigt, dass die Versicherer der 2. Säule seit 2005 knapp 3 Milliarden Franken entzogen haben. Dieses Geld fehlt heute für die Finanzierung der Renten. Der Widerspruch zwischen behaupteter Unterfinanzierung der Renten und hoher Gewinne der Versicherer ist eklatant und verhindert jede Reform der 2. Säule.

Renten finanzieren anstatt Gewinne maximieren

Jetzt muss der Bundesrat handeln. Dabei wird etwas mehr Transparenz nicht genügen. Denn trotz verbesserter Transparenz hat sich an den Gewinnen nichts verändert. Travail.Suisse fordert jetzt mehr Geld für die Renten. Dazu müssen die Gewinne der Lebensversicherer massiv reduziert werden:

- Erstens sind die Risikoprämien zu senken. Die Prämien zur Versicherung von Invalidität und Tod betragen heute mehr als das Doppelte der ausgerichteten Leistungen. Travail.Suisse fordert, dass diese Risikoprämien nicht mehr als 120 Prozent der ausgerichteten Leistungen betragen dürfen. - Zweitens ist die legal quote zu erhöhen: Travail.Suisse fordert, dass der Anteil des Ertrags, den die Versicherungsgesellschaften an die versicherten Arbeitnehmenden ausschütten müssen (= legal quote), von heute 90 Prozent auf mindestens 95 Prozent erhöht wird.

Diese Massnahmen sind nötig, damit das Geld, das den Arbeitnehmenden zusteht, auch den Arbeitnehmenden zukommt und die 2. Säule wieder der Altersvorsorge dient und nicht der Gewinnmaximierung.

Anhang Grösse

PK 181012 Text M Flügel.doc 48 KB

PK 181012 Text M Kuert.doc 49 KB

PK 181012 Zusammenstellung Kennzahlen 05 bis 011.doc 430 KB

18. Oktober 2012, Martin Flügel, Präsident und Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Die vergessenen Milliarden – Die Gewinne der Lebensversicherungen in der 2. Säule (2011)

Anhang Grösse

PK 181012 Zusammenstellung Kennzahlen 05 bis 011.doc 408 KB

18. Oktober 2012, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Die Gewinne der Lebensversicherungen in der 2. Säule: Die vergessenen Milliarden 2011

Auch 2011 haben die Lebensversicherer mehr als 600 Mio. Franken Gewinn der 2. Säule entzogen. Das zeigt die Analyse von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband von 170’000 Arbeitnehmenden. Dieses Geld fehlt für die Finanzierung der Renten. Die Lebensversicherer prellen damit nicht nur ihre Versicherten, sondern blockieren auch jegliche Reform der 2. Säule. Jetzt muss der Bundesrat handeln und die Gewinne der Lebensversicherungen massiv reduzieren. mehr

Die Diskussion um die Renten ist mit dem Bericht zur Zukunft der 2. Säule wieder lanciert worden. Arbeitgeberverbände, bürgerliche Parteien und die Lebensversicherer verlangen offen eine Senkung des Umwandlungssatzes.

Überhöhte Gewinne blockieren jegliche Reform

Für Travail.Suisse ist eine Anpassung des Umwandlungssatzes nicht tabu. Aber solange die Lebensversicherer dank einer abenteuerlichen Auslegung der Überschussverteilung Jahr für Jahr über ein halbe Milliarde Franken aus der 2. Säule entnehmen, sind Rentensenkungen oder Beitragserhöhungen inakzeptabel. Die Analyse von Travail.Suisse zeigt, dass die Versicherer der 2. Säule seit 2005 knapp 3 Milliarden Franken entzogen haben. Dieses Geld fehlt heute für die Finanzierung der Renten. Der Widerspruch zwischen behaupteter Unterfinanzierung der Renten und hoher Gewinne der Versicherer ist eklatant und verhindert jede Reform der 2. Säule.

Renten finanzieren anstatt Gewinne maximieren

Jetzt muss der Bundesrat handeln. Dabei wird etwas mehr Transparenz nicht genügen. Denn trotz verbesserter Transparenz hat sich an den Gewinnen nichts verändert. Travail.Suisse fordert jetzt mehr Geld für die Renten. Dazu müssen die Gewinne der Lebensversicherer massiv reduziert werden:

Erstens sind die Risikoprämien zu senken. Die Prämien zur Versicherung von Invalidität und Tod betragen heute mehr als das Doppelte der ausgerichteten Leistungen. Travail.Suisse fordert, dass diese Risikoprämien nicht mehr als 120 Prozent der ausgerichteten Leistungen betragen dürfen. Zweitens ist die legal quote zu erhöhen: Travail.Suisse fordert, dass der Anteil des Ertrags, den die Versicherungsgesellschaften an die versicherten Arbeitnehmenden ausschütten müssen (= legal quote), von heute 90 Prozent auf mindestens 95 Prozent erhöht wird.

Diese Massnahmen sind nötig, damit das Geld, das den Arbeitnehmenden zusteht, auch den Arbeitnehmenden zukommt und die 2. Säule wieder der Altersvorsorge dient und nicht der Gewinnmaximierung.

Anhang Grösse

PK 181012 Text M Flügel.doc 50 KB

PK 181012 Text M Kuert.doc 50 KB

PK 181012 Zusammenstellung Kennzahlen 05 bis 011.doc 408 KB

18. Oktober 2012, Martin Flügel, Präsident und Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

BVG-Kommission will Mindestzins bei 1,5 Prozent belassen: Jenseits von Gut und Böse

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband von 170‘000 Arbeitnehmenden, hat kein Verständnis für die Empfehlung der BVG-Kommission, den Mindestzinssatz in der beruflichen Vorsorge bei 1,5 Prozent zu belassen. Nachdem die Pensionskassen-Indices in den letzten Monaten deutlich gestiegen sind, kommt dieser Entscheid einem Kniefall gegenüber den Versicherungen gleich. mehr

Trotz tiefer Zinsen zeigen die gängigen BVG-Indizes nach oben.Die im Vergleich zum Vorjahr deutlich höheren Werte sind darauf zurückzuführen, dass die Aktienmärkte zugelegt haben und Immobilien weiterhin gute Erträge abwerfen. So hat der Pictet BVG-93 Index in der Zeitspanne von Ende Juli 2011 zu Ende Juli 2012 um fast 10 Prozent zugelegt. An diesen Erträgen sind auch die Arbeitnehmenden zu beteiligen. Travail.Suisse hat in der Sozialpartnerkonsultation eine Erhöhung auf 2 Prozent gefordert und damit der Ungewissheit um die Zukunft des Euro und die Unsicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung Rechnung getragen.

In den letzten Jahren ist der Mindestzinssatz kontinuierlich gesenkt worden. Heute befindet er sich auf einem historischen Tiefststand von 1,5 Prozent. Beim Mindestzins handelt es sich um eine kurzfristige Grösse, die an die jeweilige Entwicklung der Finanzmärkte angepasst werden kann. Angesichts der Erholung der Aktienmärkte und der guten Ertragslage der Immobilien muss der Mindestzins jetzt auch nach oben angepasst werden. Indem sie den Mindestzins auf 1,5 Prozent belassen will, trägt die BVG-Kommission einseitig den Interessen der Versicherungswirtschaft Rechnung.

03. September 2012, Martin Flügel, Präsident und Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon