Themen – Sozialpolitik – Berufliche Vorsorge

Knausrige BVG-Kommission

Heute hat die BVG-Kommission dem Bundesrat vorgeschlagen, den Mindestzinssatz in der beruflichen Vorsorge für 2015 bei 1.75 Prozent zu belassen. Angesichts der erfreulichen Resultate der Finanzmärkte in den letzten 12 Monaten ist das zu bescheiden. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert den Bundesrat auf, den Mindestzinssatz auf mindestens zwei Prozent zu erhöhen. mehr

Die Verzinsung der angesparten Altersguthaben bestimmt zu einem wichtigen Teil die spätere Höhe der Pensionskassenrente. Der Bundesrat kann mit dem Mindestzinssatz die minimale Höhe dieser Verzinsung von Jahr zu Jahr festlegen. Die BVG-Kommission empfiehlt heute dem Bundesrat, den Mindestzinssatz bei 1.75 Prozent zu belassen. Angesichts der erzielten Performance von Aktien und Immobilien ist diese Empfehlung zu tief: So erzielte zum Beispiel der SPI in den letzten 12 Monaten eine Performance von über 10 Prozent. Auch die gängigen BVG-Indizes BVG-25, BVG-93 und BVG-40 erzielten ein Jahr zurück betrachtet einen guten Return von 6 bis 9 Prozent. Auch wenn mit diesen Geldern nebst der Verzinsung der Altersguthaben noch weitere Verpflichtungen erfüllt werden müssen (Rückstellungen, Wertschwankungsreserven) ist ein Mindestzinssatz von zwei Prozent immer noch sehr vorsichtig und muss möglich sein. Travail.Suisse hat sich deshalb in der Kommission und der Sozialpartnerkonsultation für eine moderate Erhöhung auf zwei Prozent stark gemacht.

Keine tiefe Verzinsung auf Vorrat

Die Botschaft zur Altersreform 2020 wird vom Bundesrat bald veröffentlicht. Angesichts der drastischen Senkung des Mindestumwandlungssatzes und weiteren Opfern, welche die Reform den Arbeitnehmenden abverlangt, sollte der Bundesrat bei seinem definitiven Entscheid zum Mindestzinssatz im Oktober das Vertrauen in die berufliche Vorsorge mit einem positiven Signal stärken und den Mindestzinssatz auf 2 Prozent erhöhen. In der Vergangenheit liess sich der Bundesrat zu stark von möglichen künftigen Risiken und nicht von der Performance der Pensionskassen leiten. Das führte gemessen an der Performance zu sehr bescheidenen Mindestzinssätzen. So stiegen in den Jahren 2012 und 2013 die massgeblichen Aktienindizes (SMI, SPI und MSCI World) um 33 bis 46 Prozent an. Dem steht ein vom Bundesrat festgelegter Mindestzinssatz von je 1.5 Prozent in diesem Zeitraum gegenüber. „Eine tiefe Verzinsung auf Vorrat ist nicht vertrauensfördernd“, sagt Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse. Sollten sich gewisse Risiken manifestieren, steigt auch die Bereitschaft der Versicherten, die Kosten mitzutragen. Dies allerdings nur, wenn sie bei guten Resultaten wie jetzt in Form einer anständigen Verzinsung ihres Alterskapitals beteiligt werden.

Mehr Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Travail.Suisse
Tel. 031 370 21 11 oder 079 777 24 69
E-Mail: kuert@travailsuisse.ch

01. September 2014, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Neuer Ratgeber „Meine Pensionskasse: Das muss ich wissen“

Der neue Ratgeber „Meine Pensionskasse: Das muss ich wissen“ richtet sich an alle Arbeitnehmenden, die über ihre Pensionskasse besser Bescheid wissen wollen. Die Broschüre informiert kurz und verständlich über die wichtigsten Punkte. Sie erklärt Fachbegriffe und führt viele Beispiele an. Der Broschüre liegen zudem Muster-Vorsorgeausweise bei. Der Ratgeber von Travail.Suisse reiht sich ein in eine Serie von Broschüren, die Fragen aus der Arbeitswelt beantworten. mehr

Wie hoch fällt meine Rente aus der Pensionskasse aus? Kann ich mir eine frühzeitige Pensionierung leisten? Wie bin ich versichert, wenn ich Teilzeit arbeite? Was ist der Unterschied zwischen Beitragsprimat und Leistungsprimat? Auf diese und andere Fragen zur Pensionskasse gibt die neuen Informationsbroschüre Antwort.

Die handliche Broschüre im A5-Format umfasst 16 Seiten und enthält als Beilage zwei Muster-Vorsorgeausweise. Sie reiht sich ein in eine Folge von Publikationen, die verschiedene Themen im Erwerbsleben aufgreift und verständlich erklärt. Die Ratgeber richten sich an ein breites Publikum und beantworten die wichtigsten Fragen zu einem bestimmten Thema aus der Arbeitswelt (Lohn, Kündigung, Lehre, Schwangerschaft/Mutterschaft).

Alle Ratgeber von Travail.Suisse können Sie unter www.travailsuisse.ch bestellen bestellen.

Es würde uns freuen, wenn Sie in Ihrer Publikation auf die Neuerscheinung aufmerksam machen könnten. Falls gewünscht, stellen wir Ihnen gerne ein Probeexemplar zu.

Für weitere Informationen:
Angela Zihler, Schlussredaktion Ratgeber Travail.Suisse, 031 370 21 11oder 076 747 10 05

30. Juni 2014, Angela Zihler, Projektleiterin Drucker-icon

Nationalrat muss endlich gegen überhöhte Risikoprämien bei Versicherern vorgehen

Morgen, 4. Juni, steht der Nationalrat in der Pflicht, ein klares Zeichen gegen überhöhte Erträge der Lebensversicherer zu setzen. Die Lebensversicherer kassieren seit Jahren auf dem Buckel der Versicherten doppelt so viel an Risikoprämien ein, wie benötigt. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert den Nationalrat auf, die Motion Egerszegi zu unterstützen. mehr

Die Lebensversicherer machen mit der beruflichen Vorsorge viel Geld. Besonders stossend ist, dass ein erheblicher Teil ihrer Gewinne aufgrund überhöhten einkassierten Risikoprämien zustande kommt.

Unhaltbare Praxis der Lebenversicherer

Jahr für Jahr kassieren die grossen Versicherungsgesellschaften doppelt so hohe Risikoprämien zur Abdeckung von Invalidität und Todesfällen ein als benötigt. Seit 2005 haben sich die IV-Neurentenzahlen halbiert, die Prämien aber sind fast gleich geblieben. Travail.Suisse macht seit längerem auf diese unhaltbare Praxis aufmerksam. Doch damit nicht genug: Auch die Arbeitgeberverbände verhalten sich höchst widersprüchlich. Sie fordern die Arbeitnehmenden auf, in der Altersvorsorge den Gürtel enger zu schnallen. Gleichzeitig soll die Versicherungsindustrie garantierte Gewinne einstreichen können.

Zehn Milliarden Franken zu viel einkassiert

Travail.Suisse als unabhängiger Dachverband der Arbeitnehmenden fordert den Nationalrat auf, es dem Ständerat gleich zu tun und die Motion „Faire Risikoprämien in der beruflichen Vorsorge“ von Nationalrätin Egerszegi zu unterstützen. Nur so kann dem Eldorado der Versicherer auf Kosten der versicherten Arbeitnehmenden unverzüglich ein Ende gesetzt werden. Es reicht nicht, auf die „Altersvorsorge 2020“ zu warten, denn – wird die Motion morgen nicht unterstützt – „verteilt“ der Nationalrat zukünftig jedes Jahr diese gewaltigen Geschenke an die Versicherungsindustrie. „Im Vergleich zu den ausgeschütteten Risikoleistungen wurden seit 2005 weit über zehn Milliarden Franken an Risikoprämien zu viel einkassiert. Wird dem nicht ein Riegel geschoben, wird die Reform der Altersvorsorge bei der Bevölkerung auf Unverständnis stossen und scheitern“, sagt Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Travail.Suisse.

Mehr Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Travail.Suisse, Tel. 031 370 21 11, Mobile: 079 777 24 69

02. Juni 2014, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Reform Altersvorsorge 2020

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Vernehmlassung Altersvorsorge 2020.pdf 297 KB

24. März 2014, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Reform Altersvorsorge 2020: Es braucht ein Gesamtpaket und ein Baby-Boomer-Prozent

Travail.Suisse erachtet das vom Bundesrat vorgelegte Reformpaket als gute Diskussionsgrundlage. Mit einer breit abgestützten Finanzierung der AHV und der Sicherung der Rentenhöhen macht der Bundesrat wichtige Schritte für eine zukunftsfähige Altersvorsorge. Der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden betont: Für die geburtenstarken Jahrgänge braucht es ein Baby-Boomer-Prozent. Zentral ist auch die gleichzeitige Behandlung der verschiedenen Reformmassnahmen in einem Gesamtpaket. Jegliches Vorpreschen mit Einzelthemen bedeutet das Scheitern der Reform. Nachbessern muss der Bundesrat bei der sozialen Abfederung zum flexiblen Rentenalter, beim Interventionsmechanismus und bei den Begleitmassnahmen zum Frauenrentenalter. mehr

Travail.Suisse hat heute seine Stellungnahme zum Reformpaket Altersvorsorge 2020 veröffentlicht. Ziel der Reform muss es sein, die langfristige Finanzierung der Altersvorsorge mindestens auf dem heutigen Niveau sicher zu stellen. Dafür braucht es moderate Zusatzeinnahmen. Der Dachverband der Arbeitnehmenden ist überzeugt, dass diese Zusatzeinnahmen die Lebensqualität der Arbeitnehmenden weit weniger tangieren als Rentenkürzungen oder Rentenaltererhöhungen.

Es braucht ein Gesamtpaket

Die AHV und die berufliche Vorsorge sollen nach dem Willen des Bundesrates zusammen reformiert werden. Travail.Suisse begrüsst diese Vorgehensweise ausdrücklich. Aus Sicht der Arbeitnehmenden bilden die zwei Säulen eine Einheit, welche zusammen das Verfassungsziel „Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung“ garantieren muss. Und nur ein Gesamtpaket bietet den notwendigen Handlungsspielraum, um zu mehrheitsfähigen Lösungen zu kommen. Ein Vorpreschen mit einem Einzelthema führt – wie die Vergangenheit gezeigt hat- direkt in die politische Blockade.

Baby-Boomer-Prozent für die AHV notwendig

In den kommenden zwei Jahrzehnten kommen die Baby-Boomer ins Rentenalter. Es führt deshalb kein Weg an einer Erhöhung der Mehrwertsteuer vorbei. Die Bevölkerung will konkret wissen, wofür genau sie zahlt. Mit einem „Baby-Boomer-Prozent“ kann der Bevölkerung die Notwendigkeit einer Zusatzfinanzierung plastisch vor Augen geführt werden. Deshalb sollte bei einer Mehrwertsteuererhöhung das erste zusätzliche Prozent für die Baby-Boomer reserviert werden. Auch das sogenannte Demografie-Prozent, welches Ende der Neunzigerjahre eingeführt wurde, hat sich bewährt und wurde von der Bevölkerung verstanden.

Flexibilisierung ja, aber nur mit wirksamer sozialer Abfederung

Eine Erhöhung des ordentlichen Rentenalters über 65 hinaus zielt völlig an den Realitäten des Arbeitsmarkts vorbei. Es fehlen schlicht die notwendigen Jobs für ältere Arbeitnehmende. Eine Erhöhung des Frauenrentenalters ist für Travail.Suisse nur diskutabel, wenn die Lohngleichstellung auf gesetzlichem Weg sichergestellt wird, Teilzeitarbeit besser versichert wird und bei einem Rentenvorbezug insbesondere für Frauen eine substanzielle soziale Abfederung vorgesehen wird. Einer Flexibilisierung des Rentenalters steht Travail.Suisse grundsätzlich offen gegenüber. Das Pensionierungsfenster soll zwischen 60 und 70 Jahren festgelegt werden. Damit ein flexibles Rentenalter auch für die bescheidenen Einkommen möglich wird, braucht es zudem eine substanziellere soziale Abfederung.

Mindestumwandlungssatz BVG: Rentenkürzungen sind tabu

Angesichts der sozialpolitischen Tragweite ist es unabdingbar, dass die Höhe des Mindestumwandlungssatzes weiterhin per Gesetz geregelt ist. Aus technischer Sicht ist eine gewisse Reduktion nachvollziehbar. Eine Senkung auf 6 Prozent ist jedoch drastisch und löst bei den Versicherten grossen Erklärungsbedarf aus. Das Verfassungsziel der Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung ist bereits mit den heutigen Regelungen nur sehr knapp erfüllt. Die vorgeschlagenen Kompensationsmassnahmen werden von Travail.Suisse grundsätzlich begrüsst. Der tiefere und proportional ausgestaltete Koordinationsabzug führt darüber hinaus zu einer besseren Versicherung von Teilzeitarbeit. Das hat vor allem für Frauen eine positive Wirkung.

Den Lebensversicherern besser auf die Finger schauen

Seit langem macht Travail.Suisse auf die überhöhten Gewinne der Lebensversicherer mit der 2. Säule aufmerksam. Ein dezidiertes Vorgehen in diesem Bereich ist für das Gelingen der Reform zentral. Die Mindestquote muss deshalb deutlich, auf mindestens 95 Prozent, erhöht werden und die heute missbräuchlich hohen Risikoprämien (Schutz bei Todesfall und Invalidität) müssen deutlich gesenkt werden. Die Massnahmen des Bundesrates gehen hier noch zu wenig weit.

Mehr Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, 079 777 24 69

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24. März 2014, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon