Themen – Gleichstellung – Mutterschaft und Vaterschaft

Ohne Engagement erreichen wir nichts – Vaterschaftsurlaub jetzt!

Am 24. Mai hat Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, zusammen mit weiteren Organisationen die Initiative für 20 Tage Vaterschaftsurlaub lanciert. Die Unterschriftensammlung ist gut gestartet – nach knapp drei Monaten sind gut 25‘000 Unterschriften gesammelt. Jetzt braucht es Ausdauer: Die aktuelle Sammelwoche ist ein Zwischensprint, um schneller vorwärts zu kommen, denn ohne Engagement erreichen wir nichts, das hat uns die Geschichte gelernt. Wir mussten die AHV erkämpfen und jetzt müssen wir sie verteidigen. Mit dem Vaterschaftsurlaub wird es gleich gehen. mehr

Mit einer breiten Koalition von Männer-, Väter-, Frauen-, Mütter-, Familien- und Arbeitnehmenden-Organisationen hat Travail.Suisse die Volksinitiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“ lanciert. Schon allein dieses Bündnis ist ein Meilenstein: Über 140 Organisationen haben sich hinter das Ziel eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs gestellt und eine klare Botschaft der Zivilgesellschaft ausgesendet: Liebes Parlament, wir wollen einen Vaterschaftsurlaub jetzt! Dabei gingen einigen die 20 Tage zu weit, andere fanden, dass ein mehrwöchiger Elternurlaub die richtige Forderung wäre. Unsere Initiative mit 20 Tagen ist nun vernünftig und ein erster pragmatischer Schritt. Der Vaterschaftsurlaub soll über die bestehende Erwerbsersatzversicherung finanziert werden – analog zur Mutterschaftsversicherung. Die Väter sollen den Urlaub tageweise und damit flexibler beziehen können, was den Familien und den Unternehmen gleichermassen entgegenkommt.

OECD-Durchschnitt: 8 Wochen…

In den ersten Wochen nach der Lancierung wurde unsere Initiative vielerorts diskutiert. Ich durfte bereits am ersten kontradiktorischen Podium teilnehmen (organisiert von FemWiss in Zürich). Dabei ist mir aufgefallen, dass von den Gegnern keine wirklich schlagenden Argumente gegen den Vaterschaftsurlaub vorgebracht werden. Der Staat solle sich nicht in die Familie einmischen, wird moniert. Das wird er mit dem Vaterschaftsurlaub auch nicht machen. Es wird keinen Zwang geben, den Vaterschaftsurlaub zu beziehen. Ein anderes Argument, das oft ins Feld geführt wird, lautet: „Das hatten wir auch nicht.“ Nur weil man selber keinen Vaterschaftsurlaub kannte, soll ihn die heutige Generation auch nicht bekommen?

Es braucht zwingend gute Rahmenbedingungen für die Familien. Dazu gehören die Kinderzulagen oder der Mutterschaftsurlaub. Zudem gewähren viele Unternehmen bereits heute einen Vaterschaftsurlaub von mehr als einem Tag und anerkennen damit dieses berechtigte Bedürfnis der Familien. Auch der Blick über die Grenzen zeigt: Die Schweiz ist in Europa das einzige Land ohne gesetzlich geregelten Vaterschaftsurlaub. Ein weiterer Vergleich: Die OECD-Länder gewähren im Durchschnitt acht Wochen Vaterschaftsurlaub. Mit vier Wochen wären wir also darunter und können auch aus diesem Blickwinkel von einer vernünftigen Lösung sprechen.

Rund 40 Prozent der Militärdiensttage

Ein weiterer Punkt, der immer wieder genannt wird, sind die Kosten. Halten wir fest: Steuergelder müssen mit unserer Initiative keine eingesetzt werden. Vier Wochen Vaterschaftsurlaub würden rund 385 Millionen Franken kosten und über Lohnprozente bezahlt. Seit dem 1. Januar 2016 zahlen wir nicht mehr 0.5, sondern 0.45 Prozent des Lohnes für die EO ein. Der Bundesrat hat den Beitragssatz gesenkt, weil die EO genügend Reserven für die Zukunft hat. Die 0.45 Lohnprozente werden von Arbeitgebern und Arbeitnehmenden gemeinsam getragen, beide zahlen aktuell 0.225 Lohnprozente. Der Satz von 0.45 gilt bis Ende 2020. Mit der Einführung eines Vaterschaftsurlaubs kann mit der Erhöhung wahrscheinlich ein paar Jahre gewartet werden (bei der Mutterschaftsversicherung reichten die Reserven rund sechs Jahre). Anschliessend müsste der EO-Satz um rund 0.12 Lohnprozente angehoben werden. Unter der Annahme, dass nicht alle Väter alle Vaterschaftsurlaubs-Tage beziehen werden, reichen wahrscheinlich 0.1 Lohnprozente, was für die Arbeitnehmenden 0.05 Prozent ausmacht. Ausgehend vom durchschnittlichen Lohn in der Schweiz macht das deutlich weniger als einen Franken pro Monat. Vergleicht man die Anzahl Diensttage der Armee (2015: 5‘792‘623) mit der erwartenden Anzahl abzurechnender EO-Tage wegen dem Vaterschaftsurlaub (2‘380‘000) ergibt sich das Verhältnis von rund 7 zu 3. Das heisst der Vaterschaftsurlaub würde rund 40 Prozent der aktuell für die Armee aufgewendeten Diensttage entsprechen. Dafür hätte jedes Kind in der Schweiz seinen Vater im ersten Lebensjahr 20 Arbeitstage zusätzlich in seiner Nähe.

Sammelwoche ist ein Zwischensprint

Die Argumente für den Vaterschaftsurlaub müssen jetzt unters Volk gebracht werden. In der Gesellschaft und in den Familien – und damit auch in den Familien der Parlamentsmitglieder – soll der Vaterschaftsurlaub zum Thema werden. Die ersten Erfahrungen bei der Unterschriftensammlung zeigen, dass das Anliegen den Nerv der Zeit trifft. Nicht selten unterschreiben Männer und Frauen die Initiative, ohne direkt dazu aufgefordert worden zu sein. Die ersten 25‘000 Unterschriften sind jetzt gesammelt, nun gilt es Ausdauer zu beweisen und weiterhin auf die Strasse zu gehen. Mit der gemeinsamen Sammelwoche wollen wir während diesem Marathon einen Zwischensprint hinlegen und so dem Sammelziel schneller näher kommen. In der ganzen Schweiz werden ab dem 22. August Standaktionen stattfinden und Unterschriften gesammelt für den Vaterschaftsurlaub – und damit für die jungen Männer von morgen.

Parallel AHV verteidigen!

Parallel zu unserem Einsatz für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Familien gilt es aktuell auch, uns für existenzsichernde Renten und gegen einen Abbau bei der Altersvorsorge einzusetzen. Travail.Suisse unterstützt die Volksinitiative „AHVplus“, welche die AHV-Renten um 10 Prozent erhöhen will und am 25. September zur Abstimmung kommt. Zudem wehren wir uns gegen die vom Nationalrat geplanten Verschlechterungen im Rahmen der Altersvorsorge 2020. Finden die Beschlüsse seiner vorberatenden Kommission im Plenum eine Mehrheit, ist das Referendum sicher.

Am 10. September an die Demo

Wichtig in dieser Situation ist und bleibt, dass die Arbeitnehmenden sich zu Wort melden und sich Gehör verschaffen. Aus diesem Grund ruft Travail.Suisse mit seinen Mitgliedsorganisationen die Arbeitnehmenden auf, an der grossen AHV-Demonstration am 10. September nachmittags in Bern teilzunehmen. Wir wollen ein Zeichen gegen den Abbau bei den Renten und für den Vaterschaftsurlaub setzen. Selbstverständlich werden auch an diesem Anlass Unterschriften gesammelt.

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22. August 2016, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

Schweizweite Sammelaktion für einen Vaterschaftsurlaub

In der Woche vom 22. bis 28. August 2016 werden in der ganzen Schweiz fleissig Unterschriften gesammelt. Ob mobil in den Städten mit einem Kinderwagen unterwegs oder gut ausgerüstet mit einem Sammelstand – unsere Sammlerinnen und Sammler geben ihr Bestes. Unterstützen auch Sie uns und unterschreiben? Oder wollen Sie gar mithelfen? mehr

Gerne können Sie sich an Hélène Fischer (Mail oder 031 370 21 74) wenden.

MONTAG, 22. August
Altdorf, ganztags, ganze Stadt
Basel, nachmittags, ganze Stadt
Bern, über Mittag, ganze Stadt

DIENSTAG, 23. August
Altdorf, ganztags, ganze Stadt
Bern, 10.00 – 16.00 Uhr, Sammelstand beim Bärenplatz

MITTWOCH, 24. August
Altdorf, ganztags, ganze Stadt
Basel, vormittags, beim Zolli
Bern, 10.00 – 16.00 Uhr, Sammelstand beim Bärenplatz
Fribourg, 8.00 – 12.00 Uhr, Sammelstand beim Markt

DONNERSTAG, 25. August
Altdorf, ganztags, ganze Stadt
Bern, 10.00 – 16.00 Uhr, Sammelstand beim Bärenplatz

FREITAG, 26. August
Altdorf, ganztags, ganze Stadt
Zürich, ganztags, Sammelstand beim Escher-Wyss-Platz

17. August 2016, Linda Rosenkranz, Leiterin Kommunikation Drucker-icon

Initiative ist gut gestartet und verleiht der Vereinbarkeit von Beruf und Familie Flügel

Am 24. Mai hat Travail.Suisse in Zusammenarbeit mit Alliance F, männer.ch und Pro Familia Schweiz die Initiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“ lanciert. Nach knapp zwei Wochen darf gesagt werden, dass der Start geglückt ist: 20‘000 Unterschriften konnten bereits online gesammelt werden und auch die traditionellen Sammelaktionen sind gut angelaufen. mehr

Die Vaterschaftsurlaubs-Initiative ist sehr gut gestartet. Die Berichterstattung in den Medien und die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien waren sehr gut und umfangreich. Es wurde zur Kenntnis genommen, dass sich eine breite, zivilgesellschaftliche Allianz hinter die Initiative für 20 Tage flexiblen Vaterschaftsurlaub stellt (insgesamt tragen über 140 Organisationen und Verbände die Initiative mit). Das Anliegen wird ernst genommen und weit über den Vaterschaftsurlaub hinaus wird über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesprochen. An diese Aussagen – auch von Arbeitgeberseite – knüpfen wir an und kämpfen für Verbesserungen. Im Rahmen der Fachkräfteinitiative des Bundes, die bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative immer wichtiger wird, ist einer von vier Schwerpunkten die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hier müssen politische Massnahmen her, die den Familien bzw. den Eltern in der Schweiz etwas bringen.

Unterschriften sammeln sich nicht von alleine

Selten erlebe ich, dass Leute freiwillig an die Unterschriftenstände zum Unterschreiben kommen. Bei der Vaterschaftsurlaubs-Initiative ist das der Fall, wie ich in Bern selber erlebt habe. Auch aus meinem privaten Umfeld werde ich nach Unterschriftenbögen gefragt. Viele Anfragen erreichen auch die Geschäftsstelle von Travail.Suisse und zeigen uns, dass die Zivilgesellschaft den Vaterschaftsurlaub will. Einen Schweizer Rekord haben wir bei den Einträgen in unserem Online-Unterschriftentool geschafft: Innert 10 Tagen haben 20‘000 Leute einen Unterschriftenbogen online ausgefüllt. Wir hoffen, dass jetzt alle diesen ausdrucken, fertig ausfüllen und in den nächsten Briefkasten werfen. An dieser Stelle danke ich allen, welche Emails an die Bekannten verschickt, auf Facebook und Twitter Beiträge gepostet oder bereits Unterschriften auf der Strasse gesammelt haben. Auf Anfrage liefern wir selbstverständlich alle gewünschten Materialien zum Sammeln. Eines ist klar: Obwohl es leicht fällt und die Leute schnell unterschreiben, gesammelt müssen die über 100‘000 gültigen Unterschriften zuerst sein. Einzig mit dem Online-Tool und mit Versänden an die eigenen Mitglieder erreichen wir nicht genügend Unterschriften. Ich danke bereits jetzt allen für den Einsatz zu Gunsten unserer Initiative.

Breite Allianz hinter einem Anliegen

Entscheidend ist die breite Allianz für ein konkretes Anliegen. Mit der Initiative für 20 Tage flexibel beziehbaren Vaterschaftsurlaub konnten wir Befürwortende eines Vaterschaftsurlaubes von 10 Tagen und Befürwortende einer mehrwöchigen Elternzeit hinter einem Anliegen vereinen. Unsere Initiative soll ein erster, vernünftiger Schritt sein, den wir aber jetzt wollen. Der Initiativtext ist klar und deutlich. Wir wollen einen Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen, die bezahlt und flexibel bezogen werden können. Er soll Vätern ermöglichen, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und soll so den Start ins Familienleben verbessern. Die Bereitschaft bei den Männern ist mehr als vorhanden, aber die Möglichkeiten sind begrenzt: Im Moment steht einem Vater in der Schweiz gesetzlich nicht einmal zwingend ein freier und bezahlter Tag zu, den er in die Geburt, die Betreuung seines Neugeborenen oder eventueller Geschwister und in die Unterstützung der Mutter investieren kann. Der Arbeitnehmer kann sich zwar auf das Obligationenrecht berufen, wonach ihm ein freier Tag gemäss Art. 329, Abs. 3, zusteht. Doch ein Tag – womöglich noch unbezahlt – ist definitiv zu wenig, um eine Beziehung zum Kind aufzubauen.

Vaterschaftsurlaub: Für die ganze Familie

Die Zeit nach Geburt ist für die ganze Familie intensiv. Dabei soll der Vater nicht eine zweitrangige Rolle einnehmen, nur weil er in dieser Phase nicht präsent sein kann. Väterliche Kompetenzen zu erlernen und eine innige Beziehung zum Kind herzustellen ist ein Unterfangen, das vor allem eines braucht: Zeit. Ausserdem wollen Männer Väter sein dürfen: Gemäss einer Studie von Pro Familia Schweiz von 2011 wollen rund 90 Prozent der Schweizer Männer mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.

Doch längst nicht nur die Väter profitieren vom Vaterschaftsurlaub: Die Mütter würden in der ersten Phase nach der Geburt von ihren Partnern unterstützt. Anstatt sich alleine um das Neugeborene und allenfalls seine Geschwister zu kümmern und sich gleichzeitig von den medizinischen Folgen der Geburt zu erholen, könnten sie auf die Unterstützung ihres Partners zählen. Zudem trägt ein frühes Engagement des Vaters dazu bei, dass die Mutter früher in die Erwerbsarbeit zurückkehren kann und ihre beruflichen Pläne nicht hintenanstellen oder gar aufgeben müssen. Aus diesem Grund ist die Initiative auch ein Beitrag zur Fachkräfteinitiative – all jenen, deren Erwerbstätigkeit an nicht vorhandenen Strukturen scheitern, wird der Weg geebnet.

Wichtiger Schritt zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Forderung nach einem vernünftigen Vaterschaftsurlaub ist mehr als nötig und nachvollziehbar. Gemäss Initiativtext wäre er gleich dem Mutterschaftsurlaub ausgestaltet, mit dem einzigen Unterschied, dass die Tage flexibel und nach den individuellen Bedürfnissen der Familie innerhalb eines Jahres nach der Geburt des Kindes bezogen werden können. Auf diese Weise haben Arbeitgeber und –nehmende die Möglichkeit, z.B. neue Teilzeitmodelle temporär auszuprobieren. Und wer weiss, vielleicht entstehen dadurch auch für Väter neue Möglichkeiten, interessante Teilzeitstellen zu bekommen.

20 Tage Vaterschaftsurlaub zum Preis von einer Tasse Kaffee im Monat

Auch die Finanzierung funktioniert nach Vorbild des Mutterschaftsurlaubs über die Erwerbsersatzordnung (EO). Dabei gilt eine Lohnersatzquote von 80 Prozent mit einem maximalen Taggeld von 196 Franken. Die Gesamtkosten eines Vaterschaftsurlaubs schätzt der Bundesrat laut einem Bericht von 2013 auf rund 380 Millionen Franken, wobei Arbeitnehmende und Arbeitgeber solidarisch für jeweils 0.06 Lohnprozente aufkommen. Die EO-Beitragssätze werden jedoch kaum angepasst werden müssen, da die Anzahl Militärdiensttage (ebenfalls über die EO geregelt) laufend sinkt. Anders ausgedrückt: Bei einem Durchschnittslohn von 6000 Fr. bezahlen beide je 3.60 Fr. pro Monat – der Preis einer Tasse Kaffee.

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06. Juni 2016, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

Lancierung der Volksinitiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“

Das Parlament hat den Vaterschaftsurlaub insgesamt über 30 Mal von Tisch gewischt. Doch der Puls beim Volk fühlt sich anders an: 80% der Stimmberechtigten wollen einen Vaterschaftsurlaub. Aus diesem Grund hat sich eine breite, zivilgesellschaftliche Allianz unter dem Dach des Vereins „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ zusammengeschlossen und lanciert heute die Volksinitiative für 20 Tage Vaterschaftsurlaub – flexibel und tageweise zu beziehen innert einem Jahr nach der Geburt des Kindes. mehr

Die Kluft zwischen Politik und Bevölkerung beim Thema Vaterschaftsurlaub ist gross. Deshalb nehmen die Dachverbände der Arbeitnehmenden (Travail.Suisse), der Männer- und Väterorganisationen (männer.ch), der Frauenorganisationen (Alliance F) und der Familienorganisationen (Pro Familia) – zusammen über 140 Vereine und Verbände – das Heft in die Hand und lancieren heute die Volksinitiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“.

Vaterschaftsurlaub: Zum Nutzen von Familie und Gesellschaft

Die Geburt eines Kindes verändert alles: Die Familie, das Paar, die Arbeit, die Freizeit. Es ist ein Findungsprozess, in dem Mutter und Kind ihren biologischen Platz und die nötigen gesetzlichen Rahmenbedingungen haben. Beim Vater ist das anders: In der Schweiz existiert kein Recht auf bezahlten oder unbezahlten Urlaub. Das ist umso schlimmer, als die positiven Effekte eines frühen väterlichen Engagements belegt sind: Die Bindung zum Baby ist stärker und die Teilnahme am Aufwachsen des Kindes intensiver. Kinder involvierter Väter sind sozial kompetenter, haben mehr schulischen Erfolg und sind psychisch robuster. Die Väter profitieren, indem sie das Gleichgewicht schneller finden zwischen den verschiedenen Rollen als Partner, Vater und Berufsmensch – was sich positiv auf ihr Gesundheit sogar auf die Produktivität im Job auswirkt. Auch für die Mütter sind präsente Väter wichtig, sie werden mehr unterstützt, ihre Gesundheit ist besser und die Beziehungszufriedenheit ist höher. Ausserdem erleichtert ein Vaterschaftsurlaub den Frauen den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben und fördert so die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, was wiederum eine höhere Erwerbskontinuität, bessere berufliche Karriereaussichten und höhere AHV/EO/IV-Einnahmen ermöglicht.

Vaterschaftsurlaub: Fördert die Vereinbarkeit und wirkt gegen den Fachkräftemangel

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist von höchster volkswirtschaftlicher Wichtigkeit. Trotzdem macht die Schweiz sehr wenig dafür und das, obschon die Politik ständig den Fachkräftemangel beklagt. Die erste Zeit nach der Geburt ist weichenstellend, auch bezüglich Erwerbstätigkeit der Frauen: Sind die Väter in dieser Zeit nicht bei der Familie, so verpassen sie eine wichtige Lernerfahrung – sie riskieren, fachlich von den Müttern abgehängt zu werden. Dies wiederum festigt die Rolle der Mutter zu Hause. Das hat zu Folge, dass Frauen weniger oder gar nicht erwerbstätig sind. 20 Tage flexibel beziehbarer Vaterschaftsurlaub ermöglicht dem Vater, nach der Geburt ein starker Partner zu sein. Dies indem er z.B. nebst der Umsorgung von Mutter und Kind auch allfällige Geschwister des Neugeborenen betreuen, die Eingewöhnung in der Kindertagesstätte übernehmen, im Haushalt anpacken oder bei den Grosseltern das Kinderzimmer einrichten kann. So könnte ein Vater z.B. zwei Wochen nach der Geburt zu Hause bleiben und mit den verbleibenden Tagen während 10 Wochen um 20 Prozent reduzieren – damit gewinnen die Arbeitnehmenden, die so das Teilzeitmodell ausprobieren können, wie auch die Arbeitgeber, welche die Absenzen gut einplanen und vorbereiten können.

Vaterschaftsurlaub: Eine Chance für die Schweizer Wirtschaft

Ein Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen wirkt sich positiv auf die KMU aus, denn die heutige Situation ist weder gerecht, noch solidarisch. Glück hat, wer in einer grossen Firma oder in der Verwaltung angestellt ist. Arbeitet der Vater jedoch in einer KMU, so hat er höchst wahrscheinlich weniger Glück und muss sich entweder mit einem Tag zufrieden geben, Ferientage opfern oder – wenn die Familie es sich leisten kann und der Arbeitgeber einverstanden ist – unbezahlten Urlaub nehmen. Das vorgeschlagene Modell mit der Finanzierung über die Erwerbsersatzordnung (EO) erlaubt es allen Firmen einen Vaterschaftsurlaub anzubieten, der seinen Namen auch verdient und verschiedene Bezugsmöglichkeiten bietet. Das bedeutet gleich lange Spiesse für alle Unternehmen. Das Beispiel des Mutterschaftsurlaubs zeigt, dass die Betriebe mit den Absenzen umzugehen wissen. Kommt hinzu, dass Abwesenheiten wegen Militärdienstpflicht in den Unternehmen heute deutlich seltener geworden sind. 20 Tage Vaterschaftsurlaub sind deshalb gut verkraftbar.

Vaterschaftsurlaub: Nicht teurer als eine Tasse Kaffee im Monat

Der Bundesrat veranschlagt in seinem Bericht von 2013 die Kosten für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub (28 Taggelder) auf rund 384 Millionen Franken. Das entspricht rund 0,12 Prozent der Lohnsumme in der Schweiz, d.h. auf die Arbeitnehmenden und Arbeitgeber entfallen je rund 0.06 Lohnprozente. Bei einem Monatslohn von 6000 Franken bedeutet das 3.60 Franken – nicht mehr als eine Tasse Kaffee. Ein Vaterschaftsurlaub ist bezahlbar.

Ein echter Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen ist eine Investition in die Zukunft: notwendig, zeitgemäss und bezahlbar. Er stellt einen ersten konkreten Schritt hin zu einer Elternzeit dar, mit dem die Errungenschaft des Mutterschaftsurlaubs keinesfalls angetastet werden darf. Der Vaterschaftsurlaub nützt den Vätern, den Kindern, den Müttern, den Arbeitnehmenden und den Arbeitgebern – der ganzen Gesellschaft.

Mehr Infos unter: www.vaterschaftsurlaub.ch

Die Unterschriftensammlung der Vaterschaftsurlaub-Initiative startet gleichzeitig auf der Strasse wie auch im Internet. Die Initiative kann auf https://www.wecollect.ch/de/campaign/vaterschaftsurlaub/ unterzeichnet werden. Über die unabhängige Plattform wurden bereits über 40’000 Unterschriften gesammelt.

Weitere Auskünfte:
• Adrian Wüthrich, Präsident Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“; Präsident Travail.Suisse, Mobil: 079 287 04 93
• Clivia Koch, Vize-Präsidentin Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“; Vorstandsmitglied Alliance F, Mobile: 079 417 79 58
• Arno Kerst, Präsident Syna, Mobile: 079 598 67 70
• Markus Theunert, Generalsekretär männer.ch, Mobile: 079 238 85 12
• Stefan Müller-Altermatt, Präsident transfair, Mobile: 076 332 15 26
• Laurent Wehrli, Präsident Pro Familia Schweiz, 079 221 80 62
• Gerhard Andrey, Partner Liip AG, Mobil: 078 694 25 11

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Medienkonferenz Vaterschaftsurlaub Foto-highres.jpg 2606 KB

2016 05 24 Factsheet-Modell-20-Tage-Vaterschaftsurlaub d.docx 54 KB

2016 05 24 Factsheet-Vaterschaftsurlaub Rechtl-Situation-heute d.docx 54 KB

2016 05 24 Dossier MK-Lancierung-Vaterschaftsurlaub d.pdf 956 KB

24. Mai 2016, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

Nein zum Vaterschaftsurlaub

Heute hat der Nationalrat die parlamentarische Initiative Candinas für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub abgelehnt. Damit politisiert er einmal mehr weit an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei. mehr

Travail.Suisse setzt sich seit Jahren für einen Vaterschaftsurlaub ein. “Der heutige Entscheid ist ein Hohn für alle Väter und Mütter. Der Nationalrat will damit nicht einmal einer Minimallösung zum Durchbruch verhelfen. Eine solche Familienpolitik ist alles andere als zeitgemäss”, sagt Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik von Travail.Suisse.

Travail.Suisse bereitet deshalb in Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen eine Volksinitiative für einen Vaterschaftsurlaub von 20 Arbeitstagen vor. Die Initiative soll noch diesen Frühling lanciert werden. Heute haben Väter bei der Geburt eines Kindes kein Anrecht auf Vaterschaftsurlaub. Im Rahmen der üblichen freien Tage und Stunden gemäss Obligationenrecht wird ihnen von ihrem Arbeitgeber meistens ein einziger arbeitsfreier Tag zugesprochen. Das ist gleichviel wie für einen Umzug. Moderne Väter wollen aber ab dem ersten Tag für ihre neue Familie Verantwortung übernehmen, und zwar nicht nur finanziell, sondern auch in zeitlicher Hinsicht. Ein Vaterschaftsurlaub, der diesen Namen verdient, ist deshalb ein dringendes Anliegen, dem endlich zum Durchbruch verholfen werden muss.

Mehr Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Travail.Suisse, 031 370 21 11, 079 777 24 69

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2016 04 27 pI Candinas d.docx 40 KB

27. April 2016, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

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