Themen – Gleichstellung – Mutterschaft und Vaterschaft

Vaterschaftsurlaub: Zwischenziel erreicht

Vor fünf Monaten lancierten die vier Dachverbände Travail.Suisse, Pro Familia, Alliance F und männer.ch die Volksinitiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“. Nach der nationalen Sammelwoche vom 24. bis und mit 30. Oktober ist die Zwischenbilanz hervorragend: bisher wurden mehr als 50‘000 Unterschriften gesammelt. mehr

Das Zwischenresultat von gut 50‘000 Unterschriften innert fünf Monaten ist erfreulich und zeigt, dass die Forderung nach zwanzig Tagen bezahltem Vaterschaftsurlaub von der Bevölkerung unterstützt wird. Insgesamt stehen mit Travail.Suisse und weiteren drei Dachverbänden über 140 Organisationen hinter dem Anliegen. „Die Initiative wurde bewusst von einer breiten zivilgesellschaftlichen Allianz lanciert, das hat sich gelohnt. Die Schweizer Stimmberechtigten wollen den Vaterschaftsurlaub lieber heute als morgen“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse und dem Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“. „Besonders gefreut hat uns natürlich, dass auch unsere verschiedenen Organisationen in der ganzen Schweiz unterwegs waren, das hat der Initiative vor dem Herbsteinbruch zu einem grossen Schub verholfen“, sagt Wüthrich.

Rekord für „Facebook-Demokratie“

Einen beachtlichen Rekord legt die Vaterschaftsurlaubs-Initiative auf der Plattform www.wecollect.ch hin: Vor zwei Tagen wurde die magische Marke von 30‘000 potenziellen Unterschriften geknackt. Auf wecollect.ch können sich Interessierte eintragen, dann handschriftlich unterschreiben und zu guter Letzt den Bogen ausdrucken und abschicken – dieser Prozess erklärt denn auch den Unterschied zwischen den 30‘000 potenziellen und den davon knapp 15‘000 bereits eingegangenen Unterschriften.

Im Vorfeld der Sammelwoche hatte der Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ dazu aufgerufen, selber aktiv zu werden und im Freundeskreis und bei Familienmitgliedern Unterschriften zu sammeln. Rund 750 Personen sind dem Aufruf gefolgt und haben gesammelt. Das Resultat dieser Aktion wird kommentiert, sobald die Unterschriften eingeschickt wurden.

Mehr Informationen:
Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse und dem Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“, 031 370 21 11, 079 287 04 93

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2016 10 31 MM-Sammelwoche aktueller-Stand-Unterschriften d.docx 30 KB

31. Oktober 2016, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

Vaterschaftsurlaub – in der Privatwirtschaft noch nicht Realität

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, hat Ende Mai die Initiative für einen Vaterschaftsurlaub lanciert. Die Notwendigkeit eines Vaterschaftsurlaubs zeigt sich nicht nur in der Unterstützung durch die Bevölkerung, sondern auch in der heute unbefriedigenden Situation: Ein gesetzlicher Vaterschaftsurlaub ist inexistent, die meisten Arbeitnehmenden können von einem oder 2 Tagen Gebrauch machen. mehr

Vor fünf Monaten hat Travail.Suisse, gemeinsam mit rund 140 anderen Organisationen, die Volksinitiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“ lanciert. Die Initiative fordert einen Vaterschaftsurlaub von zwanzig Tagen, der innerhalb eines Jahres nach der Geburt des Kindes bezogen werden muss. Anders als der Mutterschaftsurlaub ist er aber flexibel und tageweise beziehbar – die Väter können also, sofern der Arbeitgeber einverstanden ist, Teilzeitarbeit ausprobieren, indem sie den Vaterschaftsurlaub zum Beispiel zehn Tage voll nutzen und für weitere zehn Wochen noch einen Tag pro Woche zu Hause sind. Die Finanzierung läuft aber ebenso wie beim Mutterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung (EO), wobei Arbeitnehmende und Arbeitgeber jeweils 0.06 Lohnprozente einzahlen. Dies entspricht ungefähr den Kosten eines Kaffees monatlich bei einem Monatslohn von 6000 Franken. Ein Vaterschaftsurlaub ist also bezahlbar.

Erfreuliche Zwischenbilanz der Unterschriftensammlung

In der Zwischenzeit sind rund die Hälfte der benötigten Unterschriften gesammelt worden. Trotzdem ist es noch ein langer Weg zum Ziel. Aus diesem Grund findet vom 24. bis 30. Oktober die nächste Sammelwoche statt, in der die Travail.Suisse Verbände noch einmal Gas geben. Mit einer Aktion unter dem Motto „Kinder machen Lärm für den Vaterschaftsurlaub!“ in Luzern wird die Sammelwoche am 29. Oktober abgeschlossen. Das Ziel dieser letzten Sammelwoche dieses Jahres ist es, vor der Winterzeit noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren, damit wir den Schwung über den Winter mitnehmen können.

Besonders und besonders erfreulich ist das zivilgesellschaftliche Engagement. Über 700 Freiwillige helfen mit, in der Sammelwoche noch einmal einen kräftigen Effort zu leisten. Diese Resonanz ist grossartig. Damit die freiwilligen Helfer auch dementsprechend ausgerüstet sind, wurden sie mit einem Paket ausgerüstet, in dem sich verschiedene Materialien zur Unterschriftensammlung befinden. Dieses Zeichen des Engagements zeigt, dass die Unterstützung für unser Anliegen in der Bevölkerung gross und die Zeit reif ist für einen bezahlten Vaterschaftsurlaub.

Gesamtarbeitsverträge: Für die Mehrheit nur 1-2 Tage Vaterschaftsurlaub

Eine reservierte Zeit für Väter gibt es in der Schweiz nicht. Im Rahmen von Art. 329, Abs. 3 OR und der „üblichen freien Tage und Stunden“ kann für die Geburt ein freier Tag bezogen werden, mehr nicht. Bei einem Wohnungswechsel wird übrigens vom selben Recht Gebrauch gemacht: Umzug und Beginn der Vaterschaft – ein schlechter Vergleich!

Die Einführung eines gesetzlichen Vaterschaftsurlaubs ist also dringend nötig, wie auch eine aktuelle Analyse von Travail.Suisse zeigt. Hierzu wurden erneut die wichtigsten Gesamtarbeitsverträge mit rund 1.5 Mio. unterstellten Erwerbstätigen untersucht. Knapp 40 Prozent der Arbeitnehmenden erhält vom Arbeitgeber nur einen Tag frei bei der Geburt eines Kindes – sollte die Geburt also länger als einen Tag dauern, erlebt der Vater nach dem Willen des Arbeitgebers nicht einmal diesen prägenden Moment. Zwischen zwei und fünf Tagen bekommen immerhin 53 Prozent der untersuchten Erwerbstätigen. Einen Vaterschaftsurlaub von mehr als einer Woche dürfen nur 8 Prozent geniessen, davon 5 Prozent zwischen 6 und 10 Tagen.

Grafik 1: Anzahl bezahlte Tage Vaterschaftsurlaub nach Prozentanteil der unterstellten Arbeitnehmenden
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Quelle: eigene Erhebung und Darstellung Travail.Suisse

Zu letzterer Kategorie gehört die Post, die ihren Mitarbeitern einen Vaterschaftsurlaub von 10 bezahlten Tagen plus zusätzlichen 4 Wochen unbezahlt gewährt. Auch die SBB bietet 10 Tage an, die – ebenso wie der Vorschlag der Initiative – innerhalb eines Jahres nach der Geburt zu beziehen sind. Die Swisscom-Mitarbeiter können vom selben Angebot Gebrauch machen. Spitzenreiterin ist die Migros: Hier können die Angestellten von einem fünfzehntätigen Vaterschaftsurlaub profitieren, und haben zusätzlich Anrecht auf 10 Tage unbezahlten Urlaub. Mit einem Vaterschaftsurlaub bekommen endlich auch die Väter die nötige Zeit, um sich an die neue Situation mit dem Neugeborenen zu gewöhnen und von Anfang an Verantwortung übernehmen zu können. Präsente Väter tragen zu stabilen Familiensituationen bei. Davon profitiert nicht nur der Vater, sondern auch das Kind, die Mutter und schlussendlich die gesamte Gesellschaft.

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2016 10 26 Vaterschaftsurlaub Noch-lange-nicht-Realitaet def d.docx 23 KB

26. Oktober 2016, Hélène Fischer, Projektmitarbeiterin Vaterschaftsurlaubs-Initiative Drucker-icon

Ohne Engagement erreichen wir nichts – Vaterschaftsurlaub jetzt!

Am 24. Mai hat Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, zusammen mit weiteren Organisationen die Initiative für 20 Tage Vaterschaftsurlaub lanciert. Die Unterschriftensammlung ist gut gestartet – nach knapp drei Monaten sind gut 25‘000 Unterschriften gesammelt. Jetzt braucht es Ausdauer: Die aktuelle Sammelwoche ist ein Zwischensprint, um schneller vorwärts zu kommen, denn ohne Engagement erreichen wir nichts, das hat uns die Geschichte gelernt. Wir mussten die AHV erkämpfen und jetzt müssen wir sie verteidigen. Mit dem Vaterschaftsurlaub wird es gleich gehen. mehr

Mit einer breiten Koalition von Männer-, Väter-, Frauen-, Mütter-, Familien- und Arbeitnehmenden-Organisationen hat Travail.Suisse die Volksinitiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“ lanciert. Schon allein dieses Bündnis ist ein Meilenstein: Über 140 Organisationen haben sich hinter das Ziel eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs gestellt und eine klare Botschaft der Zivilgesellschaft ausgesendet: Liebes Parlament, wir wollen einen Vaterschaftsurlaub jetzt! Dabei gingen einigen die 20 Tage zu weit, andere fanden, dass ein mehrwöchiger Elternurlaub die richtige Forderung wäre. Unsere Initiative mit 20 Tagen ist nun vernünftig und ein erster pragmatischer Schritt. Der Vaterschaftsurlaub soll über die bestehende Erwerbsersatzversicherung finanziert werden – analog zur Mutterschaftsversicherung. Die Väter sollen den Urlaub tageweise und damit flexibler beziehen können, was den Familien und den Unternehmen gleichermassen entgegenkommt.

OECD-Durchschnitt: 8 Wochen…

In den ersten Wochen nach der Lancierung wurde unsere Initiative vielerorts diskutiert. Ich durfte bereits am ersten kontradiktorischen Podium teilnehmen (organisiert von FemWiss in Zürich). Dabei ist mir aufgefallen, dass von den Gegnern keine wirklich schlagenden Argumente gegen den Vaterschaftsurlaub vorgebracht werden. Der Staat solle sich nicht in die Familie einmischen, wird moniert. Das wird er mit dem Vaterschaftsurlaub auch nicht machen. Es wird keinen Zwang geben, den Vaterschaftsurlaub zu beziehen. Ein anderes Argument, das oft ins Feld geführt wird, lautet: „Das hatten wir auch nicht.“ Nur weil man selber keinen Vaterschaftsurlaub kannte, soll ihn die heutige Generation auch nicht bekommen?

Es braucht zwingend gute Rahmenbedingungen für die Familien. Dazu gehören die Kinderzulagen oder der Mutterschaftsurlaub. Zudem gewähren viele Unternehmen bereits heute einen Vaterschaftsurlaub von mehr als einem Tag und anerkennen damit dieses berechtigte Bedürfnis der Familien. Auch der Blick über die Grenzen zeigt: Die Schweiz ist in Europa das einzige Land ohne gesetzlich geregelten Vaterschaftsurlaub. Ein weiterer Vergleich: Die OECD-Länder gewähren im Durchschnitt acht Wochen Vaterschaftsurlaub. Mit vier Wochen wären wir also darunter und können auch aus diesem Blickwinkel von einer vernünftigen Lösung sprechen.

Rund 40 Prozent der Militärdiensttage

Ein weiterer Punkt, der immer wieder genannt wird, sind die Kosten. Halten wir fest: Steuergelder müssen mit unserer Initiative keine eingesetzt werden. Vier Wochen Vaterschaftsurlaub würden rund 385 Millionen Franken kosten und über Lohnprozente bezahlt. Seit dem 1. Januar 2016 zahlen wir nicht mehr 0.5, sondern 0.45 Prozent des Lohnes für die EO ein. Der Bundesrat hat den Beitragssatz gesenkt, weil die EO genügend Reserven für die Zukunft hat. Die 0.45 Lohnprozente werden von Arbeitgebern und Arbeitnehmenden gemeinsam getragen, beide zahlen aktuell 0.225 Lohnprozente. Der Satz von 0.45 gilt bis Ende 2020. Mit der Einführung eines Vaterschaftsurlaubs kann mit der Erhöhung wahrscheinlich ein paar Jahre gewartet werden (bei der Mutterschaftsversicherung reichten die Reserven rund sechs Jahre). Anschliessend müsste der EO-Satz um rund 0.12 Lohnprozente angehoben werden. Unter der Annahme, dass nicht alle Väter alle Vaterschaftsurlaubs-Tage beziehen werden, reichen wahrscheinlich 0.1 Lohnprozente, was für die Arbeitnehmenden 0.05 Prozent ausmacht. Ausgehend vom durchschnittlichen Lohn in der Schweiz macht das deutlich weniger als einen Franken pro Monat. Vergleicht man die Anzahl Diensttage der Armee (2015: 5‘792‘623) mit der erwartenden Anzahl abzurechnender EO-Tage wegen dem Vaterschaftsurlaub (2‘380‘000) ergibt sich das Verhältnis von rund 7 zu 3. Das heisst der Vaterschaftsurlaub würde rund 40 Prozent der aktuell für die Armee aufgewendeten Diensttage entsprechen. Dafür hätte jedes Kind in der Schweiz seinen Vater im ersten Lebensjahr 20 Arbeitstage zusätzlich in seiner Nähe.

Sammelwoche ist ein Zwischensprint

Die Argumente für den Vaterschaftsurlaub müssen jetzt unters Volk gebracht werden. In der Gesellschaft und in den Familien – und damit auch in den Familien der Parlamentsmitglieder – soll der Vaterschaftsurlaub zum Thema werden. Die ersten Erfahrungen bei der Unterschriftensammlung zeigen, dass das Anliegen den Nerv der Zeit trifft. Nicht selten unterschreiben Männer und Frauen die Initiative, ohne direkt dazu aufgefordert worden zu sein. Die ersten 25‘000 Unterschriften sind jetzt gesammelt, nun gilt es Ausdauer zu beweisen und weiterhin auf die Strasse zu gehen. Mit der gemeinsamen Sammelwoche wollen wir während diesem Marathon einen Zwischensprint hinlegen und so dem Sammelziel schneller näher kommen. In der ganzen Schweiz werden ab dem 22. August Standaktionen stattfinden und Unterschriften gesammelt für den Vaterschaftsurlaub – und damit für die jungen Männer von morgen.

Parallel AHV verteidigen!

Parallel zu unserem Einsatz für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Familien gilt es aktuell auch, uns für existenzsichernde Renten und gegen einen Abbau bei der Altersvorsorge einzusetzen. Travail.Suisse unterstützt die Volksinitiative „AHVplus“, welche die AHV-Renten um 10 Prozent erhöhen will und am 25. September zur Abstimmung kommt. Zudem wehren wir uns gegen die vom Nationalrat geplanten Verschlechterungen im Rahmen der Altersvorsorge 2020. Finden die Beschlüsse seiner vorberatenden Kommission im Plenum eine Mehrheit, ist das Referendum sicher.

Am 10. September an die Demo

Wichtig in dieser Situation ist und bleibt, dass die Arbeitnehmenden sich zu Wort melden und sich Gehör verschaffen. Aus diesem Grund ruft Travail.Suisse mit seinen Mitgliedsorganisationen die Arbeitnehmenden auf, an der grossen AHV-Demonstration am 10. September nachmittags in Bern teilzunehmen. Wir wollen ein Zeichen gegen den Abbau bei den Renten und für den Vaterschaftsurlaub setzen. Selbstverständlich werden auch an diesem Anlass Unterschriften gesammelt.

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22. August 2016, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

Schweizweite Sammelaktion für einen Vaterschaftsurlaub

In der Woche vom 22. bis 28. August 2016 werden in der ganzen Schweiz fleissig Unterschriften gesammelt. Ob mobil in den Städten mit einem Kinderwagen unterwegs oder gut ausgerüstet mit einem Sammelstand – unsere Sammlerinnen und Sammler geben ihr Bestes. Unterstützen auch Sie uns und unterschreiben? Oder wollen Sie gar mithelfen? mehr

Gerne können Sie sich an Hélène Fischer (Mail oder 031 370 21 74) wenden.

MONTAG, 22. August
Altdorf, ganztags, ganze Stadt
Basel, nachmittags, ganze Stadt
Bern, über Mittag, ganze Stadt

DIENSTAG, 23. August
Altdorf, ganztags, ganze Stadt
Bern, 10.00 – 16.00 Uhr, Sammelstand beim Bärenplatz

MITTWOCH, 24. August
Altdorf, ganztags, ganze Stadt
Basel, vormittags, beim Zolli
Bern, 10.00 – 16.00 Uhr, Sammelstand beim Bärenplatz
Fribourg, 8.00 – 12.00 Uhr, Sammelstand beim Markt

DONNERSTAG, 25. August
Altdorf, ganztags, ganze Stadt
Bern, 10.00 – 16.00 Uhr, Sammelstand beim Bärenplatz

FREITAG, 26. August
Altdorf, ganztags, ganze Stadt
Zürich, ganztags, Sammelstand beim Escher-Wyss-Platz

17. August 2016, Linda Rosenkranz, Leiterin Kommunikation Drucker-icon

Initiative ist gut gestartet und verleiht der Vereinbarkeit von Beruf und Familie Flügel

Am 24. Mai hat Travail.Suisse in Zusammenarbeit mit Alliance F, männer.ch und Pro Familia Schweiz die Initiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“ lanciert. Nach knapp zwei Wochen darf gesagt werden, dass der Start geglückt ist: 20‘000 Unterschriften konnten bereits online gesammelt werden und auch die traditionellen Sammelaktionen sind gut angelaufen. mehr

Die Vaterschaftsurlaubs-Initiative ist sehr gut gestartet. Die Berichterstattung in den Medien und die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien waren sehr gut und umfangreich. Es wurde zur Kenntnis genommen, dass sich eine breite, zivilgesellschaftliche Allianz hinter die Initiative für 20 Tage flexiblen Vaterschaftsurlaub stellt (insgesamt tragen über 140 Organisationen und Verbände die Initiative mit). Das Anliegen wird ernst genommen und weit über den Vaterschaftsurlaub hinaus wird über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesprochen. An diese Aussagen – auch von Arbeitgeberseite – knüpfen wir an und kämpfen für Verbesserungen. Im Rahmen der Fachkräfteinitiative des Bundes, die bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative immer wichtiger wird, ist einer von vier Schwerpunkten die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hier müssen politische Massnahmen her, die den Familien bzw. den Eltern in der Schweiz etwas bringen.

Unterschriften sammeln sich nicht von alleine

Selten erlebe ich, dass Leute freiwillig an die Unterschriftenstände zum Unterschreiben kommen. Bei der Vaterschaftsurlaubs-Initiative ist das der Fall, wie ich in Bern selber erlebt habe. Auch aus meinem privaten Umfeld werde ich nach Unterschriftenbögen gefragt. Viele Anfragen erreichen auch die Geschäftsstelle von Travail.Suisse und zeigen uns, dass die Zivilgesellschaft den Vaterschaftsurlaub will. Einen Schweizer Rekord haben wir bei den Einträgen in unserem Online-Unterschriftentool geschafft: Innert 10 Tagen haben 20‘000 Leute einen Unterschriftenbogen online ausgefüllt. Wir hoffen, dass jetzt alle diesen ausdrucken, fertig ausfüllen und in den nächsten Briefkasten werfen. An dieser Stelle danke ich allen, welche Emails an die Bekannten verschickt, auf Facebook und Twitter Beiträge gepostet oder bereits Unterschriften auf der Strasse gesammelt haben. Auf Anfrage liefern wir selbstverständlich alle gewünschten Materialien zum Sammeln. Eines ist klar: Obwohl es leicht fällt und die Leute schnell unterschreiben, gesammelt müssen die über 100‘000 gültigen Unterschriften zuerst sein. Einzig mit dem Online-Tool und mit Versänden an die eigenen Mitglieder erreichen wir nicht genügend Unterschriften. Ich danke bereits jetzt allen für den Einsatz zu Gunsten unserer Initiative.

Breite Allianz hinter einem Anliegen

Entscheidend ist die breite Allianz für ein konkretes Anliegen. Mit der Initiative für 20 Tage flexibel beziehbaren Vaterschaftsurlaub konnten wir Befürwortende eines Vaterschaftsurlaubes von 10 Tagen und Befürwortende einer mehrwöchigen Elternzeit hinter einem Anliegen vereinen. Unsere Initiative soll ein erster, vernünftiger Schritt sein, den wir aber jetzt wollen. Der Initiativtext ist klar und deutlich. Wir wollen einen Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen, die bezahlt und flexibel bezogen werden können. Er soll Vätern ermöglichen, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und soll so den Start ins Familienleben verbessern. Die Bereitschaft bei den Männern ist mehr als vorhanden, aber die Möglichkeiten sind begrenzt: Im Moment steht einem Vater in der Schweiz gesetzlich nicht einmal zwingend ein freier und bezahlter Tag zu, den er in die Geburt, die Betreuung seines Neugeborenen oder eventueller Geschwister und in die Unterstützung der Mutter investieren kann. Der Arbeitnehmer kann sich zwar auf das Obligationenrecht berufen, wonach ihm ein freier Tag gemäss Art. 329, Abs. 3, zusteht. Doch ein Tag – womöglich noch unbezahlt – ist definitiv zu wenig, um eine Beziehung zum Kind aufzubauen.

Vaterschaftsurlaub: Für die ganze Familie

Die Zeit nach Geburt ist für die ganze Familie intensiv. Dabei soll der Vater nicht eine zweitrangige Rolle einnehmen, nur weil er in dieser Phase nicht präsent sein kann. Väterliche Kompetenzen zu erlernen und eine innige Beziehung zum Kind herzustellen ist ein Unterfangen, das vor allem eines braucht: Zeit. Ausserdem wollen Männer Väter sein dürfen: Gemäss einer Studie von Pro Familia Schweiz von 2011 wollen rund 90 Prozent der Schweizer Männer mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.

Doch längst nicht nur die Väter profitieren vom Vaterschaftsurlaub: Die Mütter würden in der ersten Phase nach der Geburt von ihren Partnern unterstützt. Anstatt sich alleine um das Neugeborene und allenfalls seine Geschwister zu kümmern und sich gleichzeitig von den medizinischen Folgen der Geburt zu erholen, könnten sie auf die Unterstützung ihres Partners zählen. Zudem trägt ein frühes Engagement des Vaters dazu bei, dass die Mutter früher in die Erwerbsarbeit zurückkehren kann und ihre beruflichen Pläne nicht hintenanstellen oder gar aufgeben müssen. Aus diesem Grund ist die Initiative auch ein Beitrag zur Fachkräfteinitiative – all jenen, deren Erwerbstätigkeit an nicht vorhandenen Strukturen scheitern, wird der Weg geebnet.

Wichtiger Schritt zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Forderung nach einem vernünftigen Vaterschaftsurlaub ist mehr als nötig und nachvollziehbar. Gemäss Initiativtext wäre er gleich dem Mutterschaftsurlaub ausgestaltet, mit dem einzigen Unterschied, dass die Tage flexibel und nach den individuellen Bedürfnissen der Familie innerhalb eines Jahres nach der Geburt des Kindes bezogen werden können. Auf diese Weise haben Arbeitgeber und –nehmende die Möglichkeit, z.B. neue Teilzeitmodelle temporär auszuprobieren. Und wer weiss, vielleicht entstehen dadurch auch für Väter neue Möglichkeiten, interessante Teilzeitstellen zu bekommen.

20 Tage Vaterschaftsurlaub zum Preis von einer Tasse Kaffee im Monat

Auch die Finanzierung funktioniert nach Vorbild des Mutterschaftsurlaubs über die Erwerbsersatzordnung (EO). Dabei gilt eine Lohnersatzquote von 80 Prozent mit einem maximalen Taggeld von 196 Franken. Die Gesamtkosten eines Vaterschaftsurlaubs schätzt der Bundesrat laut einem Bericht von 2013 auf rund 380 Millionen Franken, wobei Arbeitnehmende und Arbeitgeber solidarisch für jeweils 0.06 Lohnprozente aufkommen. Die EO-Beitragssätze werden jedoch kaum angepasst werden müssen, da die Anzahl Militärdiensttage (ebenfalls über die EO geregelt) laufend sinkt. Anders ausgedrückt: Bei einem Durchschnittslohn von 6000 Fr. bezahlen beide je 3.60 Fr. pro Monat – der Preis einer Tasse Kaffee.

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2016 06 06 Vaterschaftsurlaubs-Initiative d.docx 19 KB

06. Juni 2016, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

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