Themen – Gleichstellung – Lohngleichheit

Bundesrat für Lohngleichheit: Das Glas ist nur halbvoll

Travail.Suisse begrüsst, dass der Bundesrat Massnahmen zur Durchsetzung der gesetzlichen Lohngleichheit von Mann und Frau ergreifen will. Mit einer obligatorischen Prüfung der Lohgleichheit für Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden und der Publikationspflicht im Jahresbericht schlägt er einen wichtigen Schritt vor. Was jedoch noch fehlt, sind griffige Massnahmen zur Behebung einer allenfalls festgestellten Lohndiskriminierung. mehr

Nachdem der Lohngleichheitsdialog als freiwilliger und sozialpartnerschaftlicher Weg zur Durchsetzung der Lohngleichheit in den Schweizer Unternehmen mit ungenügendem Ergebnis abgebrochen wurde, schlägt der Bundesrat eine regelmässige obligatorische Prüfung vor. Zudem soll das Ergebnis im Jahresbericht publiziert werden müssen. Dieser Vorschlag ist eine klare Verbesserung gegenüber der heutigen Intransparenz, die nur den diskriminierenden Unternehmen etwas nützt. Trotzdem ist für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, das Ziel noch nicht erreicht. Die Frage, was bei einer festgestellten Lohndiskriminierung geschehen soll, ist ungenügend beantwortet. Lohndiskriminierung ist ein Verstoss gegen das Gesetz und muss deshalb behoben und geahndet werden können. Es fehlen somit Sanktionen gegen fehlbare Unternehmen und griffige Massnahmen zur Behebung der Lohnungleichheit.

Travail.Suisse wird alles daran setzen, dass das Parlament die Vorschläge des Bundesrates mit weiteren griffigen Massnahmen zur Sanktionierung von Lohndiskriminierung und zur Durchsetzung der Lohngleichheit ergänzt

Für weitere Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellung, Tel. 079/598’06’37
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik, Tel. 076/412’30’53

22. Oktober 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Vogel-Strauss-Politik: Nationalrat lehnt Lohngleichheitsindex ab

Travail.Suisse bedauert sehr, dass der Nationalrat mit dem Postulat Fehr einen einfachen und verständlichen Lohngleichheitsindex abgelehnt hat. Das Postulat Fehr hätte vorgesehen, einen Index auf der Grundlage bereits verfügbarer Daten zu erstellen. Mit dem Nein zementiert die grosse Kammer implizit die Lohnkluft zwischen Frauen und Männern – obwohl sie verfassungswidrig ist. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, bedauert dies, denn ein solcher Index hätte keinen grossen Aufwand verursacht und es unter anderem ermöglicht, Korrekturmassnahmen beim Rentenalter und den Renten von Frauen vorzunehmen, die während langer Zeit von Lohnungleichheit betroffen waren. mehr

Das Postulat 13.3177 der Züricher SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr basiert auf denjenigen Lohnungleichheiten, die nicht erklärt werden können, also auf den verfassungs- und gesetzeswidrigen Ungleichheiten. Das Postulat verweist dabei auf so genannt weiche Faktoren (soft factors) wie etwa Lebensvorstellungen, persönliche Wertemuster oder die Haltung der Betroffenen. In diesem Kontext wäre ein Jahresindex zur Lohngleichheit auf der Basis bestehender statistischer Daten äusserst hilfreich.

Nationalrat steckt lieber den Kopf in den Sand

In der Schweiz existieren bereits verschiedene Indizes wie Konsumenten-, Immobilien- und Baupreisindex oder der Aktienindex. Die vom Bundesamt für Statistik regelmässig erstellten Lohnerhebungen enthalten bereits alle Daten, die für einen solchen einfach verständlichen Index erforderlich wären. Mit der Ablehnung des Postulats hat sich die Politik dafür entschieden, weiterhin den Kopf in den Sand zu stecken. Denn ein solcher Indikator würde wird die Thematik sichtbarer machen. Das Instrument hätte ausserdem herangezogen werden können, um vor der Pensionierung Korrekturmassnahmen zugunsten betroffener Frauen zu ergreifen, denn diese werden im Ruhestand nochmals für Lohnungleichheiten während ihres Berufslebens bestraft.

Für weitere Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, 079 598 06 37

17. Juni 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Beendigung des Projekts «Lohngleichheitsdialog»: Es braucht automatische Kontrollen zur Lohngleichheit

Das neuartige Projekt, das die Sozialpartner und der Bund zur Beseitigung von Lohndiskriminierungen ins Leben riefen, hat sein Ziel nicht erreicht und wird nicht verlängert, sondern wie vorgesehen im Februar 2014 abgeschlossen. Travail.Suisse bedauert als unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, dass eine überwiegende Mehrheit der Unternehmen in der Schweiz die Chance verpasst hat, das Problem im Rahmen der Sozialpartnerschaft zu regeln. Nun eröffnet sich auf politischem Weg wieder die Möglichkeit, automatische Kontrollen einzuführen, die endlich für Lohngerechtigkeit sorgen. mehr

Die Träger des «Lohngleichheitsdialogs» haben gestern bei einem Treffen beschlossen, ihr Projekt wie bei der Lancierung im März 2009 geplant zu beenden. Das Projekt wird also – nach Februar 2014 – nicht um zwei Jahre verlängert. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, bedauert dies sehr. Der Dachverband hatte sich gemeinsam mit dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund, dem Schweizerischen Arbeitgeberverband und dem Schweizerischen Gewerbeverband sowie den drei betroffenen Bundesstellen (Bundesamt für Justiz, Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann, Staatssekretariat für Wirtschaft) von Anfang an für das Projekt engagiert.

Die enttäuschende Bilanz nach fünf Jahren: Gerade mal 42 Unternehmen haben mitgemacht, das Projektziel wären 100 gewesen. Ein Viertel der 42 Unternehmen davon waren aus der öffentlichen oder bundesnahen Verwaltung, hinzu kamen vier Gewerkschaften. Insgesamt ist festzustellen, dass sich nur «Musterschüler», die von den Ergebnissen der Selbstkontrolle nichts zu befürchten hatten, von der Projektidee überzeugen liessen.

Nun muss die Politik handeln

Travail.Suisse ist sehr besorgt über die Haltung gewisser Branchen und Unternehmen, die den Dialog und damit eine Regelung im Rahmen der Sozialpartnerschaft verweigerten. Von Gleichgültigkeit zeugt auch, dass zahlreiche Unternehmen auf ein Schreiben, das von drei Bundesräten unterzeichnet war, nicht einmal reagierten.

Die Chance, das Problem freiwillig zu lösen, ist nun vertan, auch wenn Travail.Suisse sich weiterhin für einen sozialpartnerschaftlichen Weg zur Lohnüberprüfung in den Unternehmen engagieren wird. Damit kommen die parlamentarischen Interventionen, die aufgrund des laufenden Dialogs aufgeschoben wurden, wieder auf den Tisch. Dazu zählt die Motion 10.3934 von Chiara Simoneschi-Cortesi, Präsidentin des Personalverbands transfair. Diese verlangt einen automatischen Kontrollmechanismus für Lohngleichheit im Gleichstellungsgesetz nach dem Modell der Mechanismen, die es in anderen Gesetzen im Bereich der Arbeit bereits gibt. Parlament und Bundesrat haben nun die Möglichkeit, unter Berücksichtigung der Erfahrungen aus dem Dialog die Antwort zu geben, die angesichts der schon viel zu lange bestehenden, skandalösen Lohndiskriminierungen angebracht ist.

Für weitere Informationen:
Martin Flügel, Präsident von Travail.Suisse, 079 743 90 05
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, 079 598 06 37

09. Dezember 2013, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Der Bundesrat ist zum Handeln aufgerufen!

Am 14. Juni 2011 – 40 Jahre nachdem die Frauen politische Rechte erhielten, 20 Jahre nach dem ersten Frauenstreik und 15 Jahre nach Inkrafttreten des Gleichstellungsgesetzes – ist der Bundesrat zum Handeln aufgerufen: Es braucht eine grosse Kampagne zum Thema Gleichstellung.

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20. Juni 2011, Josiane Aubert, Vizepräsidentin Travail.Suisse Drucker-icon

Frauen bleiben in Führungspositionen untervertreten

An der Wirtschaftsspitze hat sich in den letzten Jahren wenig verändert, sie bleibt weiterhin männerdominiert. Die Studie über Managerlöhne und Corporate Governance von Travail.Suisse zeigt: Noch immer haben Frauen in Führungspositionen einen Seltenheitswert. In den 27 untersuchten Schweizer Unternehmen beträgt der Frauenanteil in der Konzernleitung gerade mal magere fünf Prozent. Das ist für Travail.Suisse ein unhaltbarer Zustand.

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02. Mai 2011, Manuel Hubacher, Praktikant Drucker-icon