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Das neue Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz

Das neue HFKG ist ein für die Schweizer Bildungslandschaft einzigartiges Projekt: Alle Hochschulen – also Universitäten, ETH, EPFL, Fach- und Pädagogische Hochschulen – werden ab 2015 zentral gefördert und koordiniert. Diese Umstrukturierung bewegt das Hochschul-Umfeld: Neue Organisationen haben sich gebildet, alte verändern sich und die Mitsprache wurde verstärkt. Auch Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, redet mit.

Aus diesem Anlass versenden wir periodisch ein Info-Mail und beleuchten für Sie Akteure, Stärken und noch offene Baustellen des neuen HFKG. Wollen Sie das Info-Mail ebenfalls erhalten, dann tragen Sie sich bitte hier ein:










Die Texte aus den Info-Mails finden Sie hier:

Bund will mehr Ärzte ausbilden

Der Hochschulrat stellt sich hinter die Absicht des Bundes, die Studienplätze in der Humanmedizin zu erhöhen. Nun zeigen auch andere Kantone Interesse an einer medizinischen Fakultät. mehr

Wer sich kürzlich im Spital behandeln liess, wird festgestellt haben, dass ein Grossteil der Ärzte und Ärztinnen nicht Schweizer Dialekt spricht. Der Eindruck täuscht nicht: Unsere hochstehende Gesundheitsversorgung können wir nur dank der vielen ausländischen Fachkräfte aufrechterhalten. In den letzten Jahren wurden bedeutend mehr ausländische Diplome anerkannt als schweizerische ausgestellt, wie ein Bericht des Bundesrats aus dem Jahr 2011 zeigt. Diese Entwicklung ist problematisch. Denn einerseits könnte die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative den Zugang für ausländische Ärzte künftig erschweren. Anderseits zeichnet sich in den umliegenden Ländern ebenfalls ein Ärztemangel ab. Somit ist die Versorgungssicherheit auch hierzulande in Gefahr. Zudem ist es nicht besonders fair, auf Fachkräfte zu setzen, die im Ausland eine teure Ausbildung genossen haben und dort danach fehlen.

100 Millionen für die Medizin vorgesehen

Nun will der Bund Gegensteuer geben. In seiner Sitzung vom 28. Mai hat sich der Hochschulrat dafür ausgesprochen, die Anzahl Masterabschlüsse in der Humanmedizin zu erhöhen. Bereits in den vergangenen Jahren wurden die Studienkapazitäten kontinuierlich ausgebaut. Schliessen derzeit in der gesamten Schweiz jährlich knapp 800 Personen ein Medizinstudium ab, sollten es 2019 bereits über 1000 sein. Definiertes Ziel sind 1200 bis 1300 Abschlüsse. Um die benötigten Ausbildungsplätze zu schaffen, sieht der Bund eine Anschubfinanzierung von bis zu 100 Millionen Franken für die Zeitspanne von 2017 bis 2020 vor. Die Hochschulen können Projekte einreichen. Der Betrag muss aber nächstes Jahr noch vom Parlament genehmigt werden. Bei einer Studienzeit von sechs Jahren, wird die angestrebte Zahl neuer Ärzte wohl erst in etwa 12 Jahren erreicht.

Hatten bis anhin die bestehenden medizinischen Fakultäten in Basel, Bern, Freiburg, Genf, Lausanne, Neuenburg und Zürich ihre Kapazitäten erweitert, so zeigen nun auch andere Universitäten Interesse an der Studienrichtung. Weit fortgeschritten sind die Pläne im Kanton Tessin. In St. Gallen und Luzern sind Abklärungen am Laufen.

Studienplätze allein reichen nicht

Wie aber will man erreichen, dass die Mediziner künftig vermehrt die benötigten Fachrichtungen wählen? „Schönheitschirurgen in Zürich gibt es wahrscheinlich bereits genug“, sagt Corina Wirth vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). Bedarf bestehe hingegen bei Hausärzten, vor allem in ländlichen Gebieten, und Psychiatern. Um mehr Studienabgänger für diese Fachrichtungen zu gewinnen, arbeitet das Bundesamt für Gesundheit mit verschiedenen Ärzteorganisationen zusammen. Es sollen mehr attraktive, interprofessionelle Versorgungsmodelle entstehen. Noch nicht entschieden ist, ob auch das Tarifsystem, das Hausärzte finanziell schlechter stellt als Spezialisten, weiter angepasst wird.

Werden in Zukunft also wieder mehr Ärzte mit Schweizer Pass in unseren Spitälern und Praxen arbeiten? „Die Erhöhung der Abschlüsse allein genügt nicht“, sagt Corina Wirth. Denn einerseits steigt der Bedarf durch das Bevölkerungswachstum und die älter werdende Gesellschaft. Anderseits gehen in den nächsten Jahren mehr Ärzte in Pension als Junge nachkommen. Und mit der zunehmenden Anzahl Frauen, die den Beruf wählen, nimmt die Bereitschaft zu hohen Erwerbspensen ab. Der Bund plant deshalb Massnahmen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

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2015 06 30 Info-Mail-HFKG Humanmedizin d.docx 15 KB

30. Juni 2015, Andrea Söldi, freie Journalistin BR Drucker-icon

Menschen mit Behinderung: Der Chancengleichheit eine Chance eröffnen

Personen mit einer Behinderung und den notwendigen Kompetenzen haben wie alle anderen auch das Recht, an einer Hochschule zu studieren. Das Recht allein genügt allerdings nicht. Es müssen auch die Voraussetzungen auf Seite der Hochschulen vorhanden sein, um dieses Recht umsetzbar zu machen. Gemäss Wissen von Travail.Suisse bestehen gegenwärtig keine gesamtschweizerischen Studien, die über die „Zugänglichkeit der Hochschulen“ Auskunft geben. Es wäre aber aufgrund der Gesetzeslage angezeigt, sich mit dieser Frage vertieft auseinanderzusetzen. Vor allem eine gesamtschweizerische Regelung im Zusammenhang mit der Gewährung eines Nachteilsausgleichs bei Prüfungen wäre ein Schritt in die richtige Richtung. mehr

Bei der Vernehmlassungsvorlage der Akkreditierungsrichtlinien 1 für die Hochschulen gehörte zu den Qualitätsstandards auch die Integration von Personen mit einer Behinderung. Dieser Standard bezog sich dabei sowohl auf Studierenden wie auch die Mitarbeitenden. In den vom Hochschulrat verabschiedeten Standards fehlt nun der Hinweis auf diese Personengruppe. Das heisst allerdings nicht, dass die Hochschulen sie nicht zu berücksichtigen haben. Im Gegenteil. Die Bundesverfassung, das Behindertengleichstellungsgesetz (BeHiG) wie auch die UNO Behindertenrechtskonvention (UNO BRK) verlangen von der Bildungswelt Anstrengungen zugunsten von Personen mit Behinderungen.

Die UNO BRK, die am 15. Mai 2014 in der Schweiz in Kraft getreten ist, beschreibt das so:
„Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass Menschen mit Behinderungen ohne Diskriminierung und gleichberechtigt mit anderen Zugang zu allgemeiner Hochschulbildung, Berufsausbildung, Erwachsenenbildung und lebenslangem Lernen haben. Zu diesem Zweck stellen die Vertragsstaaten sicher, dass für Menschen mit Behinderungen angemessene Vorkehrungen getroffen werden.“ 2

Projekte zugunsten von Menschen mit Behinderung

Gemäss Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz HFKG besteht die Möglichkeit, projektgebundene Beiträge zugunsten der Förderung der Chancengleichheit auszurichten 3 . Aus Sicht von Travail.Suisse wäre es angezeigt, ein gesamtschweizerisches Projekt zur Förderung zur Integration von Menschen mit einer Behinderung zu starten und die Chancengleichheit für diese Personengruppe zu erhöhen. Ziele eines solchen Projektes könnten zum Beispiel sein,

• eine gesamtschweizerische Regelung im Zusammenhang mit der Gewährung eines Nachteilsausgleichs bei Prüfungen
• eine auf das Thema „Menschen mit einer Behinderung“ ausgerichtete Dozierendenbildung
• Sensibilisierung der Hochschulen durch good practice Beispiele
• Coaching-Programme an Hochschulen beim Übergang von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt.

Ein solches Projekt könnte das Fehlen des Qualitätsstandards „Integration von Personen mit einer Behinderung“ in den Akkreditierungsrichtlinien zu mindestens teilweise wettmachen.


1 http://www.sbfi.admin.ch/themen/hochschulen/01640/02110/index.html.
2 UNO BRK Art. 24.5.
3 Vgl. HFKG Art. 59.2e.

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2015 06 30 Info-Mail-HFKG Menschen-mit-Behinderungen d.docx 17 KB

30. Juni 2015, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Mitwirkung an Hochschulen – unabdingbar für die Qualitätskultur

Die Akkreditierungsrichtlinien für den Hochschulbereich sind verabschiedet. Der Hochschulrat der Schweizerischen Hochschulkonferenz hat sie an seiner letzten Sitzung von 28. Mai 2015 genehmigt 1 . Die Richtlinien schliessen die Mitwirkung der Lehrkräfte mit ein. Vor allem an den Fachhochschulen wird nach Meinung von Travail.Suisse die Frage der Mitwirkungsrechte der Lehrkräfte, aber auch der anderen repräsentativen Gruppen (Studierende, Mittelbau, Verwaltungspersonal) noch intensiv diskutiert werden müssen. mehr

Wer eine Hochschule als Unternehmen, Lehrkräfte als blosse Angestellte und Studierende als reine Kunden versteht, wird Mühe bei der Umsetzung der Akkreditierungsrichtlinien für den Hochschulbereich haben. Denn diese fordern die Mitwirkung aller Hochschulangehörigen.

Mitwirkung auch in strategischen Fragen

Dabei geht es bei der Mitwirkung nicht primär um Veloständer oder Parkplätze und nicht nur um operative Geschäfte, sondern im Gegenteil um strategische Entscheidungen. Die Akkreditierungsrichtlinien sehen vor, dass alle repräsentativen Gruppen „für die Entwicklung des Qualitätssicherungssystems und dessen Umsetzung …auf allen Ebenen… einbezogen“ werden 2 .
Den repräsentativen Gruppen sind dazu angemessene Mitwirkungsrechte zuzugestehen 3 . Und es sind ihnen über das Qualitätssicherungssystem Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen, „die ihnen ein unabhängiges Funktionieren ermöglichen“ 4 .

Der Fachhochschuldozierendenverband FH-CH schlägt in einem Positionspapier im Hinblick auf die Gruppe der Lehrkräfte vor, dass für die Unabhängigkeit und für die repräsentative Vertretung mindestens 20 Stellenprozente pro 100 Mitarbeitende nötig sind. Ohne dieses Minimum ist eine konsolidierte und relevante Meinungsbildung unter den Lehrkräften und eine gewissenhafte Vertretung der Lehrkräfte nicht möglich 5 .

Best practice gesucht

Aus Sicht von Travail.Suisse ist die Mitwirkung ein unabdingbarer Teil der Qualitätskultur an einer Hochschule. Die Mitwirkung schafft Akzeptanz und Effizienz und muss daher, wo diese noch mangelhaft ist, optimiert werden. Die Qualität muss dabei von innen heraus gemeinsam entwickelt werden. Von diesem Geist sind die Akkreditierungsrichtlinien erfüllt . In der gegenwärtigen Phase scheint es sinnvoll zu sein, die Frage der Mitwirkungsrechte an einer Hochschule in einer unabhängigen Studie aufzuarbeiten und best-practice-Modelle zu eruieren. Damit könnte eine Diskussion in Gang gesetzt werden, welche die Qualitätskultur an den Hochschulen stärkt.


1 http://www.sbfi.admin.ch/aktuell/medien/00483/00594/index.html?lang=de&msg-id=57493
2 Richtlinien des Hochschulrates für die Akkreditierung im Hochschulbereich, Anhang 1, Qualitätsstandards für die institutionelle Akkreditierung, Art. 1.3).
3 Ebd. Art 2.3.
4 Ebd.
5 Mitwirkung mit Wirkung, http://www.fh-ch.ch/~fhch/upload/110820_Mitwirkung_d_def.pdf.
6 Ebd. Art. 1.3.

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2015 06 30 Info-Mail-HFKG Mitwirkung d.docx 20 KB

30. Juni 2015, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Professoren und Studierende werden Änderungen spüren

Das neue Gesetz wertet die Fachhochschulen auf. Gleichzeitig könnten sie in gewissen Punkten zurückgepfiffen werden, wie Rechtsprofessor Bernhard Ehrenzeller ausführt. Doch auch Uni-Professoren sind verunsichert. mehr

Andrea Söldi: Seit Anfang Jahr ist das HFKG in Kraft. Wieso hat es dieses neue, komplizierte Gesetz gebraucht?
Bernhard Ehrenzeller * : Ausschlaggebend war der neue Hochschulartikel in der Bundesverfassung, der 2006 vom Volk angenommen wurde. Er definiert den gesamten Hochschulraum Schweiz, zu dem neu auch die Fachhochschulen und die Pädagogischen Hochschulen gehören. Diese beiden Typen haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Nun werden sie auch rechtlich auf gleiche Stufe gestellt wie die Universitäten. Gegenüber dem heutigen System bringt das Gesetz eine erhebliche Vereinfachung der Strukturen.

Welches sind die wesentlichsten Änderungen?
Grundlegend ist die verstärkte gesamtschweizerische Koordination durch gemeinsame Organe von Bund und Kantonen. Sie ist nötig, um die Qualität der Hochschulen zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ausländischen Hochschulen zu erhalten und zu steigern. Deshalb gesteht das Gesetz dem Bund mehr Führungskompetenzen zu, während die Kantone leicht an Selbstbestimmung verlieren. Neu ist das Mittel der Referenzkosten: So will man vergleichen, wie viel ein Studierender des gleichen Fachs an verschiedenen Institutionen kostet. Somit kann man die Bundesbeiträge stärker nach leistungsorientierten Kriterien verteilen und die öffentlichen Gelder noch transparenter und effizienter einsetzen.

Und welches sind die Auswirkungen für die Hochschulen selber?
Die neue Rechtsform gewährt den Hochschulen mehr Autonomie. Während die universitären Hochschulen schon bisher grosse Eigenständigkeit genossen, waren die Fachhochschulen stark vom Bund her gelenkt. Nun müssen sich sämtliche Typen einer eingehenden Prüfung durch den Schweizerischen Akkreditierungsrat unterziehen. Jede Hochschule wird an ihrem eigenen Profil gemessen werden. Auch die Professoren werden ihre Arbeit in der Lehre und Forschung stärker rechtfertigen müssen, was bereits heute einige ein wenig verunsichert hat. Ausserdem kommen nun die Leitungspersonen aller Hochschulen in der Rektorenkonferenz zusammen. Da treffen verschiedene Kulturen aufeinander. Es wird zu diskutieren geben.

Zum Beispiel?
Ein Ziel des Hochschulraumes ist es, die Kooperationen unter den Hochschulen zu verstärken, vor allem in der Forschung. Es soll mehr Austausch von Dozierenden und Studierenden geben und der schweizerische Nachwuchs soll stärker gefördert werden. Auch die Durchlässigkeit soll sich verbessern. Heute bestehen noch nennenswerte Hürden, wenn etwa ein Fachhochschul-Absolvent an einer Universität einen Master oder gar einen Doktortitel erwerben möchte.

Dürfen Fachhochschulen und ihre Absolventen also auf namhafte Verbesserungen hoffen?
Zum Teil, aber nicht nur. Es kann durchaus sein, dass einzelne Masterstudiengänge an Fachhochschulen im Rahmen der Akkreditierung kritisch beurteilt werden, falls sie die Qualitätsanforderungen nicht erfüllen und dem Fachhochschulprofil zu wenig entsprechen. Auch Professorentitel dürften künftig an Fachhochschulen nicht mehr so leicht vergeben werden. An den Universitäten braucht es dazu neben dem Doktorat eine Habilitation.

Welche Änderungen werden Studierende und Dozierende sonst noch direkt spüren?
Der tiefgreifendste Wandel im Bildungssystem ist bereits vollzogen: Es war die Umstellung aufs Bologna-System. Dieses ist nun laufend weiterzuentwickeln. Zum Beispiel sollte man überprüfen, ob die bisherige Umsetzung zu einer zielwidrigen Sammlerei von Credits geführt hat, was dem Bildungsniveau abträglich wäre. Einschneidende Konsequenzen, auch für die Professoren, wird die Koordination in kostenintensiven Bereichen haben, falls es tatsächlich zu einer Konzentration einzelner Lehr- und Forschungsbereiche an bestimmten Hochschulen kommt. Für die Studierenden ist etwa das Thema Studiengebühren von grosser Bedeutung. Je nach Hochschule variieren sie zurzeit erheblich. Wenn der Hochschulrat Empfehlungen über allgemeingültige Ober- und Untergrenzen erlassen wird, kann es da und dort zu einem merklichen Anstieg kommen.

* Bernhard Ehrenzeller ist Professor für öffentliches Recht an der Universität St. Gallen und war massgeblich beteiligt an der Erarbeitung des HFKG.

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2015 03 18 Info-Mail-HFKG Interview B-Ehrenzeller d.docx 16 KB

23. März 2015, Andrea Söldi, freie Journalistin BR Drucker-icon

Startbereit, um die begehrten Zulassungen zu erteilen

Seit Ende Februar steht fest, welche Personen 1 über die Akkreditierungen der Hochschulen entscheiden werden. Der neu gewählte Akkreditierungsrat wird genau hinschauen, ob die Institutionen das Qualitätslabel verdienen, kündigt dessen Präsident an. mehr

Innerhalb der nächsten sieben Jahre müssen sich sämtliche Hochschulen neu akkreditieren lassen. Dies ist die Voraussetzung, um Teil des Schweizerischen Hochschulraums zu sein und Bundesgelder zu erhalten. Das letzte Wort über die Zulassung liegt beim Akkreditierungsrat. In seiner ersten Sitzung Ende Februar hat die Schweizerische Hochschulkonferenz das 18-köpfige Gremium eingesetzt. Dabei hat er auf eine ausgewogene Besetzung geachtet: Neben Professoren, Dozenten und Assistenten verschiedener Hochschulen und Fachrichtungen sind ausländische Qualitätsexperten vertreten sowie die Studierenden und die Organisationen der Arbeitswelt. Auch die geographische und geschlechtsspezifische Durchmischung wurde berücksichtigt. „Ich bin sehr zufrieden mit der Zusammensetzung“, sagt der neu gewählte Präsident Jean-Marc Rapp. Der Rechtsprofessor war bis 2006 Rektor der Universität Lausanne und gleichzeitig Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizerischen Universitäten. Danach präsidierte er die European University Association.

Der Akkreditierungsrat arbeitet eng mit der Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung (AAQ) zusammen. Sie ist es, die Expertenteams vor Ort sendet und die Institutionen überprüft. Dabei geht es nicht darum, einzelne Vorlesungen oder Studiengänge zu beurteilen. Viel mehr setzen die Gutachter bei den internen Qualitätsmanagement-Systemen an. Diese müssen gewährleisten, dass allfällige Mängel auf jeder Ebene erkannt und korrigiert werden und dass die Schulen ihre Ziele erreichen. Denkbar ist, dass auch weitere Qualitätsagenturen zum Einsatz kommen, zum Beispiel aus dem grenznahen Ausland.

Nicht nur abnicken

Der Akkreditierungsrat werde sich wohl in den meisten Fällen nach den Empfehlungen der AAQ richten, sagt Jean-Marc Rapp. Handelt es sich also lediglich um ein Abnicker-Gremium? Nein, betont Rapp. Es könne durchaus vorkommen, dass einzelne Personen Fragen aufwerfen oder Lücken im Ablauf der Qualitätssicherung entdecken. „Sechs Augen sehen mehr als zwei.“ Da die Mitglieder des Akkreditierungsrats nicht selber vor Ort sind und mit den Hochschulvertretern zu tun haben, nehmen sie eine etwas distanziertere Perspektive ein als die Agentur. Mitglieder müssen in den Ausstand treten, wenn über den eigenen Arbeitgeber verhandelt wird. Der Rat hat die Möglichkeit, Akkreditierungen mit Auflagen auszusprechen. Im Ausnahmefall könne es auch vorkommen, dass der Akkreditierungsrat den Bericht zur Überarbeitung an die Agentur zurückschickt, sagt Rapp. Die Art, wie die beiden Organisationen zusammen arbeiten, entspreche dem internationalen Standard.

Erste Akkreditierungen noch nicht sofort

Bis der Rat über die ersten institutionellen Akkreditierungen entscheiden kann, wird es aber noch eine Weile dauern. Denn die Hochschulen haben sieben Jahre Zeit, die Aufgabe anzupacken. Danach müssen sie den Prozess alle sieben Jahre wiederholen. In den ersten Sitzungen des Akkreditierungsrats gehe es vor allem darum, sich kennen zu lernen sowie Abläufe und Richtlinien festzulegen, erklärt Jean-Marc Rapp. Zudem wird das Gremium Vorschläge für die Gebühren ausarbeiten, welche die Agenturen den Hochschulen verrechnen dürfen.

Neben den vorgeschriebenen institutionellen Akkreditierungen, bei denen die gesamte Hochschule unter die Lupe genommen wird, sind freiwillige Akkreditierungen einzelner Studiengänge möglich. Zudem stehen beim AAQ Gesuche vonseiten privater Bildungsinstitutionen an, die ebenfalls gerne als offizielle Schweizer Hochschule gelten möchten. Die Auszeichnung ist begehrt: Sie gilt einerseits als Qualitätslabel und gewährleistet anderseits die Mitsprache in den wichtigen Organen.

1 http://www.news.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments/38503.pdf

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2015 03 18 Info-Mail-HFKG Akkreditierungsrat d.docx 15 KB

23. März 2015, Andrea Söldi, freie Journalistin BR Drucker-icon