Themen – Bildung – HFKG

Das neue Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz

Das neue HFKG ist ein für die Schweizer Bildungslandschaft einzigartiges Projekt: Alle Hochschulen – also Universitäten, ETH, EPFL, Fach- und Pädagogische Hochschulen – werden ab 2015 zentral gefördert und koordiniert. Diese Umstrukturierung bewegt das Hochschul-Umfeld: Neue Organisationen haben sich gebildet, alte verändern sich und die Mitsprache wurde verstärkt. Auch Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, redet mit.

Aus diesem Anlass versenden wir periodisch ein Info-Mail und beleuchten für Sie Akteure, Stärken und noch offene Baustellen des neuen HFKG. Wollen Sie das Info-Mail ebenfalls erhalten, dann tragen Sie sich bitte hier ein:










Die Texte aus den Info-Mails finden Sie hier:

Hochschulkonferenz: Werden die Chancen gepackt?

Der 26. Februar 2015 war ein wichtiger Tag für die Hochschullandschaft Schweiz. An diesem Tag hat sich die Hochschulkonferenz zum ersten Mal getroffen und sich konstituiert. Die neuen Strukturen bauen auf dem Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz HFKG und der Vereinbarung zwischen dem Bund und den Kantonen über die Zusammenarbeit im Hochschulbereich ZSAV auf. Die Frage, die sich stellt: Packen die Akteure die Chancen, die mit den neuen Strukturen vorgegeben werden? mehr

Für Travail.Suisse ist klar: Die neuen Strukturen, die durch das HFKG und die ZSAV geschaffen wurden, bieten verschiedene Chancen. Kritiker warnen zwar, dass die Komplexität der Organstrukturen zu hoch sei. Die Chancen auf Verbesserungen gegenüber dem heutigen System seien daher nicht gegeben. Travail.Suisse ist jedoch anderer Meinung. Die neuen Strukturen beinhalten ein klares Verbesserungspotential, das allerdings gepackt werden muss. Auf drei wichtige Chancen sei hier hingewiesen:

1. Die neuen Strukturen ermöglichen eine gesamtheitliche Sicht auf den Hochschulbereich
Bisher war die Hochschullandschaft aufgesplittert in verschiedene Gremien, die sich mit je einem Hochschultyp beschäftigten. Diese Aufsplittung wurde aufgehoben. Hochschulpolitische Diskussionen werden nun in Gremien wie etwa der Hochschul- oder der Rektorenkonferenz geführt, in denen alle Hochschultypen präsent sind. Dies sollte positive Auswirkungen in Bezug auf die Vorbereitung von Entscheidungen wie auch auf die Entscheidungen selber haben.

2. Neu haben alle Kantone Zugang zur Hochschulkonferenz
Von der Hochschulpolitik sind alle Kantone mindestens über die interkantonalen Finanzierungsvereinbarungen betroffen. Bisher war es nicht für alle Kantone möglich, in den entsprechenden Gremien, die sich zum Beispiel mit Fragen der Universitäten oder Fachhochschulen beschäftigten, präsent zu sein. Neu sind alle Kantone mindestens ins Plenum der Hochschulkonferenz integriert und haben dort die Möglichkeit, ihre Anliegen einzubringen. Das ist ein realer Fortschritt gegenüber dem heutigen System.

3. Der Blick auf das gesamte Bildungssystem ist möglich
Die Hochschulen bilden nur einen Teil des Bildungssystems der Schweiz. Aus Sicht von Travail.Suisse ist es wichtig, dass bei hochschulpolitischen Entscheidungen immer auch die Auswirkungen auf die anderen Bildungsbereiche und den Arbeitsmarkt berücksichtigt werden. Dies wird einerseits durch Regierungsrät/innen ermöglicht, die in ihren Kantonen auch für die anderen Bildungsbereiche (z.B. berufliche Grundbildung, Höhere Berufsbildung) verantwortlich sind, andererseits aber auch durch die vier Vertreter/innen der Arbeitswelt.

Travail.Suisse setzt alle Hoffnungen darauf, dass die Hochschulkonferenz wie auch die Rektorenkonferenz diese Chancen packt und zugunsten einer zukunftsfähigen Bildungslandschaft Schweiz nutzt.

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2015 03 18 Info-Mail-HFKG Wettbewerbsfaehigkeit-durch-Zusammenarbeit d.docx 17 KB

23. März 2015, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

„Wir unterstützen die Hochschulen bei ihrer eigenen Qualitätssicherung“

Alle sieben Jahre erhalten Hochschulen künftig Besuch von Gutachtern der Akkreditierungsagentur. Diese wollen wissen, wie sie ihren Kurs korrigieren, wenn etwas schief läuft. mehr

Was ist eine gute Hochschule?
Christoph Grolimund*: Es ist nicht unsere Aufgabe, die Qualität einer Hochschule zu beurteilen. Der internationale Wettbewerb sorgt bereits für genügend Anreiz, dass jede zu den besten gehören will. Die Institutionen verfügen über ein eigenes Qualitätsmanagement. Dort setzen wir an.

Das OAQ ist also sozusagen der Qualitätssicherer der Qualitätssicherung?
Ja, genau. Im Grundsatz schauen wir vier Punkte an:
- Weiss die Schule, wohin sie will?
- Hat sie einen Plan, wie sie dort hinkommt?
- Wie überprüft sie, ob sie auf dem richtigen Weg ist?
- Falls sie vom Kurs abkommt, wie korrigiert sie die Richtung?

Das tönt verblüffend simpel.
Eine Hochschule ist ein grosser Laden. Es braucht Qualitätssicherungs-Instrumente für alle Bereiche: Die Lehre – von den Studiengängen über die Weiterbildungen bis zu den Doktoratsprogrammen -, die Forschung, Dienstleistungen, Bologna-Kompatibilität, Organisationsstrukturen und Wirtschaftlichkeit. Hinzu kommen weitere Kriterien: Eine Hochschule muss verschiedene Studienrichtungen anbieten – pädagogische Hochschulen ausgenommen – und Mitwirkungsrechte für Hochschulangehörige gewährleisten. Wir schauen auch, wie es mit der Chancengleichheit der Geschlechter und anderer Gesellschaftsgruppen steht, mit der Nachwuchsförderung beim Lehrkörper und der Nachhaltigkeit. Beim Entwurf für das Akkreditierungsreglement, das der Hochschulrat Anfang nächstes Jahr genehmigen muss, arbeiteten fast 50 Leute mit und brachten ihre Interessen ein.

Sie messen die Institutionen an ihren eigenen Zielen. Wer sich nicht zu viel vornimmt, fährt also besser? Während sich zum Beispiel eine Hochschule mit einer rollstuhlgängigen Rampe zufrieden gibt, schafft eine andere eine Stelle, die sich um die Integration von Menschen mit verschiedensten Beeinträchtigungen kümmert. Wie kann das funktionieren?
Wir gehen von der Redlichkeit aller Schulen aus. Gerade bei diesem Beispiel muss man die baulichen und personellen Begebenheiten berücksichtigen. Eine kleine PH kann nicht dasselbe leisten wie eine grosse Uni. Zudem erhalten Hochschulen Rückmeldungen über diverse Kanäle: Der Zulauf vonseiten der Studierenden und angesehener Dozierenden ist von ihrem Ruf abhängig. Finden etwa viele Abgänger keine Arbeit, weil die Studieninhalte nicht exzellent waren, so wird sich das herumsprechen. Und wenn etwas nicht rund läuft, sind die Medien sofort zur Stelle.

Apropos Medien: Ein grosses Thema waren kürzlich die mangelhafte Doktorarbeiten an der Universität Zürich. Wird das neue Verfahren helfen, solche Skandale zu vermeiden?
In diesem Fall waren die Kontrollinstrumente wohl da, aber sie wurden nicht angewendet. Genau auf solche Dinge legen wir den Finger: Die Kreisläufe müssen geschlossen werden – Stichworte Überprüfung der Richtung und Kurskorrektur. Beim Beispiel der Dissertationen wäre es wichtig, dass sie von mehreren Personen betreut werden, damit die Doktoranden ihrem Professor weniger stark ausgeliefert sind.

Neu sind Sie für die Qualitätssicherung an allen drei Hochschultypen zuständig. Taugt ein einziges Instrument für so verschiedene Institutionen wie etwa eine PH und eine ETH?
Das war ein Diskussionspunkt: Brauchen wir drei verschiedene Standards oder reicht einer? Wir favorisieren ein einziges Instrument, das jedoch nicht zu tief ins Detail geht, weil das einfacher ist. Denn wie bereits erklärt: Die Institutionen müssen mit ihren eigenen Qualitätsmanagements ihre Selbstverantwortung wahrnehmen. Der entscheidende Schritt dazu wurde bereits Anfang Jahrtausend gemacht: Genossen die einzelnen Professoren bis dahin viel Autonomie, fand damals ein Umbau zu geleiteten Hochschulen statt. Die externe Qualitätssicherung soll sie im Prozess unterstützen.

*Christoph Grolimund ist Direktor des Organs für Akkreditierung und Qualitätssicherung (OAQ), das nächstes Jahr zur Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung (AAQ) umbenannt wird.

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20. November 2014, Andrea Söldi, freie Journalistin BR Drucker-icon

Wer dazu gehören will, muss Qualität gewährleisten

Welche Institutionen dürfen sich Schweizer Hochschule nennen? Mit dieser Frage beschäftigen sich ab nächstem Jahr zwei Gremien, die eng zusammenarbeiten. Die verschiedenen Hochschultypen werden dem gleichen Verfahren unterzogen. mehr

Ganz gleich, ob es sich um eine relativ neue Institution oder eine jahrhundertealte, renommierte Universität handelt: Um Teil der neuen Schweizerischen Hochschullandschaft zu sein, braucht es künftig eine Akkreditierung. Nur so darf man sich mit einem der drei geschützten Begriffe Universität, Fachhochschule oder Pädagogische Hochschulen schmücken. Zudem ist die Akkreditierung eine Voraussetzung, um Bundesgelder zu erhalten. Waren bisher unterschiedliche Stellen für die Qualitätssicherung der drei verschiedenen Hochschultypen zuständig, so wird es ab kommendem Jahr der Akkreditierungsrat sein – eines der drei Organe des neuen Hochschulraums.

Das Gremium, das von der Hochschulkonferenz ernannt wird, besteht aus 15 bis 20 Vertretern der Hochschulen – neben Leitungspersonen auch solche aus dem Lehrkörper und Studierende – sowie aus der Arbeitswelt. Um eine Anbindung an Qualitätsstandards anderer Länder zu gewährleisten, sollen mindestens 5 davon hauptsächlich im Ausland tätig sein.

Agentur leistet Vorarbeit

Bei seinen Beschlüssen wird sich der Rat auf die Empfehlungen der Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung (AAQ) stützen. Dessen Vorgängerorganisation, das Organ für Akkreditierung und Qualitätssicherung, wurde Anfang Jahrtausend geschaffen und war bis anhin nur für die Quality Audits und die freiwilligen Akkreditierungen der universitären Hochschulen zuständig. Denkbar ist auch, dass mit der Zeit weitere Agenturen, zum Beispiel aus dem deutschsprachigen Ausland, beauftragt werden. Im Gegenzug kann die AAQ auf kostendeckender Basis Mandate anderer Institutionen annehmen.

Im Akkreditierungsverfahren muss eine Hochschule zuerst einmal eine umfassende Selbstbeurteilung erstellen und in einem Bericht festhalten. Nach dem Studium dieser Dokumentation nimmt eine Gruppe von Gutachtern einen Augenschein vor Ort. Auch bei diesen Personen wird eine ausgewogene Zusammensetzung angestrebt; ein Vertreter soll aus dem Kreis der Studierenden stammen. Die Agentur erstellt danach einen Bericht zuhanden des Akkreditierungsrats, der die Akkreditierung mit oder ohne Auflagen aussprechen oder ablehnen kann.

Hochschulraum ist begehrt

Neben den institutionellen Akkreditierungen, bei der die gesamte Hochschule beurteilt wird, sind auch freiwillige Akkreditierungen einzelner Studiengänge möglich. Nach Inkrafttreten des HFKG nächstes Jahr, werden sämtliche Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen bis Ende 2022 einer ersten institutionellen Akkreditierung mit den neu geschaffenen Standards unterzogen. Ein erneutes Verfahren erfolgt etwa alle sieben Jahre. Zudem stehen beim AAQ Gesuche von weiteren Bildungsinstitutionen an. So etwa vonseiten zweier katholisch-theologischer Fakultäten in den Kantonen Tessin und Chur sowie privater Bildungsinstitutionen aus dem Raum Genf, die sich an Personen aus dem Umfeld der internationalen Organisationen wenden. Bereits unter dem bisherigen System akkreditiert wurde kürzlich die international ausgerichtete Franklin University in Lugano. In den nächsten Jahren ist also eine Erweiterung des Hochschulraums nicht ausgeschlossen.

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20. November 2014, Andrea Söldi, freie Journalistin BR Drucker-icon

Arbeitsmarktbezug dank den richtigen Dozierenden

Eine der Aufgaben des Hochschulrates wird sein, die verschiedenen Hochschultypen besser zu profilieren (vgl. HFKG Art. 12.3b). Economiesuisse hat diesbezüglich in den „Leitlinien der Wirtschaft“ wenig hilfreiche Vorschläge präsentiert, denn sie verhindern eine stärkere Profilierung und Arbeitsmarktorientierung der Fachhochschulen. mehr

Die Fachhochschulen sind aus der Berufsbildung herausgewachsen. Politik und Wirtschaft erwarten zu Recht, dass sie als Profil die Arbeitsmarktorientierung der Berufsbildung wie auch der Hochschulen hochhalten. Alle in den letzten Jahren bewilligten Bachelor- und Masterstudiengänge mussten daher im Bewilligungsverfahren ihren Bedarf im Arbeitsmarkt ausweisen. Economiesuisse behauptet nun: „Mit der zunehmenden Bedeutung der anwendungsorientierten Forschung, Umsetzung der Bologna-Reform und Einführung der Masterstudiengänge sowie der Aufnahme neuer Bereiche wie Gesundheit, Soziales und Kunst, scheint die Arbeitsmarktorientierung stärker in den Hintergrund getreten zu sein.“ Stimmt diese Aussage?

Die neuen Bereiche sind stark arbeitsmarktorientiert

Im Unterschied zu economiesuisse beurteilt Travail.Suisse gerade die neuen Fachrichtungen als überaus arbeitsmarktorientiert. Diese Ausbildungen orientieren sich an Herausforderungen, die an den Arbeitsplätzen und in den Arbeitskontexten bestehen. Personen mit diesem Hintergrund sind deshalb auf dem Arbeitsmarkt stark gesucht.

Die Zweistufigkeit von Bologna wird in den Fachhochschulen ausgenützt

Bei der Umsetzung der Bologna-Reform in den Fachhochschulen war eines klar: Der Bachelor ist der Normabschluss, nur die besten 20 Prozent haben die Möglichkeit, einen Master anzuschliessen. Die Realität ist, dass weniger als 20 Prozent einen Master absolvieren. Das heisst, der Bachelor hat sich im Arbeitsmarkt voll und ganz bewährt. Eine Einschränkung von Masterstudiengängen drängt sich angesichts dieser Situation nicht auf. Was die Musik als Teil der Kunst betrifft, so sind dort die Zahlen der Masterabschlüsse zwar viel höher. Dies gerade deshalb, weil der Arbeitsmarkt Masterabschlüsse von den Musikern verlangt. Die hohe Masterquote ist gerade in der Musik arbeitsmarktgetrieben.

Die angewandte Forschung als wichtiger Teil der Profilbildung der Fachhochschulen

Die angewandte Forschung gehört zum Leistungsauftrag der Fachhochschulen und wirkt dort profilbildend. Sie hat drei zentrale Funktionen: Sie hat die Aufgabe, (erstens) die praxisorientierte Lehre grundzulegen, (zweitens) Innovationen in der Wirtschaft zu unterstützen, indem sie die Verwertung von Forschungsergebnissen fördert und (drittens) das angewandt-wissenschaftliche Denken vor allem an Masterstudierende weiterzugeben und sie damit nicht nur für bestimmte Tätigkeiten in der Wirtschaft, sondern auch als Nachwuchs für die Lehre und Forschung an den Fachhochschulen vorzubereiten. Hier besteht allerdings für die Fachhochschulen ein Grundproblem, das mit den Vorschlägen von economiesuisse nicht zu lösen ist. Economiesuisse formuliert: „Weiterhin sollen Doktoratsstudium und weiterführende Studien wie ‚Post Doc‘-Studien und Habilitationen den Universitäten und der ETH vorbehalten bleiben.“ Eine solche Aussage ist zwar schnell formuliert, löst aber das Problem der Fachhochschulen nicht. Diese Schulen brauchen Dozierende und Forschende, die sowohl in der Wissenschaft wie in der Praxis verankert sind. Wo sollen solche zu finden sein, wenn den Fachhochschulen (und pädagogischen Hochschulen) nicht wie den Universitäten und ETH‘s erlaubt wird, ihre Nachwuchsförderungsprogramme zu entwickeln? Wer stark profilierte Fachhochschulen wünscht – und das möchte economiesuisse – muss genauer hinschauen und Lösungen vorschlagen, welche die Zukunft ermöglichen und nicht die Vergangenheit zementieren. Denn der Arbeitsmarktbezug der Fachhochschulen geht weder durch die angewandte Forschung noch durch Bologna verloren, sondern durch fehlende, fachhochschulspezifische Nachwuchsförderungsprogramme.

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20. November 2014, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Auch die Privaten wollen dazu gehören

Geld erhalten sie zwar keines vom Staat. Dennoch ist es für private Hochschulen extrem wichtig, unter Schweizer Recht akkreditiert zu sein. Bisher haben zwei den Status erreicht. mehr

„Die Stiftung Kalaidos Fachhochschule ist eine eidgenössisch akkreditierte und beaufsichtigte Fachhochschule nach schweizerischem Recht.“ So steht es seit 2005 auf der Homepage der privaten, in Zürich ansässigen Fachhochschule, die sich auf die Studienrichtungen Gesundheit, Wirtschaft und Musik konzentriert. Die Zulassung zur offiziellen Hochschullandschaft ist für die Institution mit rund 2000 Studierenden keine Selbstverständlichkeit. Noch unter Bildungsminister Pascal Couchepin habe es kategorisch geheissen „es gibt nur sieben Fachhochschulen“, erinnert sich Rektor Jakob Limacher, „wir mussten kämpfen.“ Am 5. Oktober 2004 verkündete Couchepins Nachfolger Joseph Deiss im Parlament, eine Anerkennung sei möglich. Das Datum wird Limacher nie vergessen. „Für uns ist es äusserst wichtig, dass wir als gleichwertige Hochschule gelten und den geschützten Name Fachhochschule tragen dürfen“, erklärt der Rektor. Obwohl Kalaidos weiterhin keine finanzielle Unterstützung erhält und dies auch gar nicht anstrebt. Sie finanziert sich ausschliesslich über Studiengebühren und Drittmittel für Forschungs- und Beratungsprojekte.

An der Rektorenkonferenz mit dabei

Doch wieso entscheiden sich Studierende für eine private Fachhochschule, an der sie zum Beispiel für einen Bachelor in Betriebsökonomie 45 000 Franken hinblättern müssen, während die gleiche Ausbildung an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften für 5000 Franken zu haben ist? „Unsere Studierenden sind durchwegs schon älter und stehen mitten im Berufsleben“, erklärt Limacher. Die Studiengestaltung sei äusserst flexibel: Das Tempo kann selber bestimmt werden, sodass die Vereinbarkeit mit Beruf und Familie gegeben ist. Kalaidos ist die einzige Fachhochschule, die vor zwei Jahren bereits eine institutionelle Akkreditierung durchlaufen hat. „Nun sind wir ein gleichwertiger Partner“, freut sich der Rektor. Und wenn nächstes Jahr die neue Rektorenkonferenz das erste Mal zusammenkommt, wird Limacher vorerst als einziger Rektor einer privaten Hochschule mitdiskutieren.

Bereicherung durch internationales Umfeld

Auch im universitären Bereich gibt es eine private Institution, die seit 2005 einzelne Studiengänge akkreditiert hat und seit letztem Jahr die vollständige institutionelle Akkreditierung erreicht hat: Die englischsprachige Franklin University Switzerland in Sorengo bei Lugano. Für die international ausgerichtete Hochschule, die in den USA ebenfalls akkreditiert ist, bedeutet die Anerkennung in der Schweiz eine klare Positionierung in der hiesigen Hochschullandschaft. „Wir sind sichtbarer geworden“, sagt Dekanin Sara Steinert Borella. Für die Studierenden, die aus über 50 Nationen stammen, bedeute die Akkreditierung ein klares Qualitätsmerkmal. Mit der neuen Organisationsstruktur unter dem HFKG erhofft sich Steinert Borella eine bessere Einbindung in die Diskussionen rund um Lehre und Forschung. Durch die doppelte Akkreditierung habe man zudem vom Feedback zweier Expertenteams profitiert, hebt die Dekanin hervor. „Mit dieser einzigartigen Perspektive tragen wir zur Vielfalt in der Schweizerischen Hochschullandschaft bei.“

Für eine Akkreditierung unter Schweizer Recht interessieren sich zudem weitere private Bildungsinstitutionen. So zum Beispiel die European University in Genf. Die steht vor der Wahl, sich dem Verfahren zu unterziehen oder den Namen zu wechseln. Die Kriterien, welche die Forschung betreffen, bedeuten eine grosse Herausforderung für kleinere Institutionen ohne öffentliche Gelder. Man müsse wahrscheinlich die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen suchen, sagt Direktor Luc Craen. „Das Prozedere ist aufwändig, aber es bedeutet auch eine Chance, sich zu entwickeln.“

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20. November 2014, Andrea Söldi, freie Journalistin BR Drucker-icon