Themen – Bildung – HFKG

Das neue Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz

Das neue HFKG ist ein für die Schweizer Bildungslandschaft einzigartiges Projekt: Alle Hochschulen – also Universitäten, ETH, EPFL, Fach- und Pädagogische Hochschulen – werden ab 2015 zentral gefördert und koordiniert. Diese Umstrukturierung bewegt das Hochschul-Umfeld: Neue Organisationen haben sich gebildet, alte verändern sich und die Mitsprache wurde verstärkt. Auch Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, redet mit.

Aus diesem Anlass versenden wir periodisch ein Info-Mail und beleuchten für Sie Akteure, Stärken und noch offene Baustellen des neuen HFKG. Wollen Sie das Info-Mail ebenfalls erhalten, dann tragen Sie sich bitte hier ein:










Die Texte aus den Info-Mails finden Sie hier:

Berufsbildung 2030: Schnittstellen zum Hochschulbereich

Die Bildung ist durch eine ganze Palette von Megatrends herausgefordert. Die Berufsbildung hat sich die Aufgabe gestellt, im Rahmen des Strategieprozesses Berufsbildung 2030 den Herausforderungen offensiv zu begegnen. Da aber die Berufsbildung nur ein Teil des Bildungssystems bildet, stellt sich die Frage nach Schnittstellen zu anderen Bildungsbereichen wie etwa dem Hochschulbereich. mehr

Im Rahmen ihres Strategieprozesses hat die Berufsbildung, zur der die berufliche Grundbildung, die höhere Berufsbildung und die berufsorientierte Weiterbildung gehören, eine ganze Palette von Megatrends identifiziert, die ihre weitere Entwicklung mehr oder weniger stark beeinflussen werden . Im weiteren Verlauf des Prozesses geht es nun darum, die richtigen Antworten auf die Herausforderungen zu finden . Allfällige Entscheidungen werden auch den Hochschulbereich tangieren. Auf drei Schnittstellen und Überschneidungen sei hier hingewiesen.

1. Reformen in der Berufsbildung können letztlich nur umgesetzt werden, wenn die Lehrerbildung ihre Aus- und Weiterbildungen zeitgerecht und kreativ den allfälligen Reformen anpasst. Die Lehrerbildung aller Stufen findet heute im Hochschulbereich statt. Es scheint daher sinnvoll zu sein, wenn der Berufsbildungs- und Hochschulbereich regelmässig über den Strategieprozess Berufsbildung 2030 austauschen und über die möglichen Folgen für die Lehreraus- und -weiterbildung diskutieren.

2. Im Strategieprozess Berufsbildung 2030 zeichnet sich ab, dass sich die Berufsbildung angesichts verschiedenster Megatrends viel bewusster als Berufsbildung für Jugendliche und Erwachsene verstehen muss. Das lebenslange Lernen muss zu einem prägenderen Zug der Berufsbildung werden. Durch die Frage nach dem lebenslangen Lernen ist auch der Hochschulbereich herausgefordert. Auch er muss Antworten finden auf die Fragen, wie angesichts von Digitalisierung und Globalisierung, von Migration und demografischem Wandel die Hochschulbildung und insbesondere die Hochschulweiterbildung sich entwickeln soll. Aus Sicht von Travail.Suisse scheint es sinnvoll zu sein, ein gezielter Austausch von Berufs- und Hochschulbildung über Fragen des zukünftigen Systems des lebenslangen Lernens in der Schweiz anzustreben, um Schnittstellen, gegenseitige Überschneidungen und Zusammenarbeitsmöglichkeiten zu diskutieren.

3. Im Rahmen der Berufsbildungsstrategie 2030 ist auch die Frage zu debattieren, wie die neuen Lehr- und Lernformen, welche die Digitalisierung ermöglicht, in der Berufsbildung (berufliche Grundbildung, höhere Berufsbildung, berufsorientierte Weiterbildung) sinnvoll eingesetzt werden können. Die Erziehungswissenschaften können der Berufsbildung bei der Beantwortung dieser Frage mit ihren Erkenntnissen unterstützen, wenn sie bereit sind, sich auf diese Fragestellungen einzulassen.

Travail.Suisse hofft, dass die Berufsbildungsstrategie 2030 auch zu einer bewussteren und engeren Zusammenarbeit zwischen der Hochschulbildung und der Berufsbildung führt.

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1 HFKG Megatrends-und-ihr-Einfluss-auf-die-Bildung d.docx 45 KB

05. April 2017, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

„Der Ausgleich zwischen Universitäts- und anderen Kantonen gibt zu reden“

Die neue Organisation des Hochschulraums sei gelungen, sagt der ehemalige EDK-Generalsekretär Hans Ambühl. Ein erster Meilenstein sei die Schaffung neuer Studienplätze für angehende Ärzte. Den Beitrag von Travail.Suisse und anderer Organisationen der Arbeitswelt findet der zurückgetretene Sekretär wertvoll. Er ist sich sicher: Die anstehenden Debatten im Hochschulrat werden lebhaft. mehr

Seit Anfang Jahrtausend war Hans Ambühl Generalsekretär der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). In dieser Funktion hatte er die Zusammenarbeit der Kantone im Hinblick auf das Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz entscheidend geprägt. Anfang April ging der 63-Jährige in Pension und übergab sein Amt an seine Stellvertreterin Susanne Hardmeier. Travail.Suisse hat mit dem Juristen darüber seine Erfahrungen in den neuen Gremien des Hochschulraums gesprochen.

Seit gut zwei Jahren arbeiten die Kantone im Bereich Hochschulen verstärkt zusammen. Funktioniert das?
Hans Ambühl: Ja, sehr gut. Was es zu koordinieren gilt, besprechen die 26 Erziehungsdirektoren nun in der Plenarversammlung der Hochschulkonferenz, unter Leitung des zuständigen Bundesrats und Mitsprache weiterer Beteiligter. Die neue Form hat den Hochschulraum gestärkt. Das ist wichtig, um gegenüber Öffentlichkeit, Behörden, Politikern, Wirtschaft und Ausland geeint auftreten zu können.

Im Hochschulrat können ja neben den 10 Universitätskantonen nur vier weitere Einsitz nehmen. Wie gelingt die Einigung unter den kleineren Kantonen?
Mit dem Rotationsprinzip erhalten alle früher oder später ihre Chance. Dennoch: Der Ausgleich zwischen den grossen Leistungserbringern und den anderen Kantonen ist die grösste Herausforderung bei der Koordination des Hochschulraums. Die Universitätsstandorte tragen stets den Grossteil der Kosten. Für sie war es nicht einfach zu akzeptieren, dass nun auch andere vermehrt mitreden. Die kleineren Kantone dagegen sind darauf angewiesen, dass ihre Bevölkerung gleichberechtigt an den universitären Hochschulen studieren kann. Von den volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Standortvorteilen spüren sie aber wenig.

Was haben die neuen Gremien in den letzten beiden Jahren bereits zustande gebracht?
Das einzige Thema von grosser Tragweite war bis jetzt der Entscheid, neue Studienplätze für angehende Ärzte zu schaffen. Das ist ein Meilenstein: Die Absicht, die kostenintensiven Bereiche zu koordinieren, wird jetzt umgesetzt. Es werden nicht einfach überall neue Fakultäten entstehen, sondern die neuen Anbieter arbeiten mit den bestehenden zusammen.

Kritiker sagen aber gerade, das Impulsprogramm könne das Problem des Hausärztemangels nicht lösen. Zum Beispiel mit den 100 naturwissenschaftlich ausgerichteten Studienplätzen an der ETH. Hätte man bei der Art der Ausbildungen nicht noch stärker koordinieren sollen?
Die neuen ETH-Absolventen werden wohl vor allem der Forschung zu Gute kommen. Damit sich junge Ärzte für Fachrichtungen entscheiden, in denen sie am meisten gebraucht werden, ist jetzt vor allem auch die Gesundheitspolitik gefragt. Der Bereich Bildung hat seinen Teil fürs Erste getan.

Wie erlebten Sie die Mitarbeit der anderen Beisitzenden? Zum Beispiel von Studierenden, Hochschul-Dozierenden, Arbeitgebern- und nehmern?
Die Erfahrungen, welche diese Player einbringen, sind wertvoll. Doch einige haben sich wohl noch nicht ganz in ihre Rolle eingelebt. Zum Beispiel wäre es wichtig, spezifische Anliegen rechtzeitig zu äussern, statt im Nachhinein eine kritische Stellungnahme zu verfassen. Das fand ich zum Beispiel im Fall des Impulsprogramms für Mediziner nicht optimal: Der Medizinstudierendenverband merkte unter anderem an, dass auch in die Ausstattung der Fakultäten investiert werden müsse – dies zwar zu Recht, aber etwas spät.

Und was haben Sie speziell an die Adresse von Travail.Suisse mitzuteilen?
Ich schätze das Engagement von Travail.Suisse. Die Organisation richtet ihren Blick auch auf die angrenzenden Bereiche wie etwa die Höhere Berufsbildung und die Höheren Fachschulen. Es ist sehr wichtig, diese mitzudenken. Weiter setzt sich Travail.Suisse für die Entwicklung der Fachhochschulen ein – ebenfalls ein berechtigtes Anliegen.

Welches sind aus Ihrer Sicht die drängenden Themen der EDK?
Besonders wichtig sind uns die Anliegen der Pädagogischen Hochschulen. Denn eine gut ausgebildete Lehrerschaft auf Grundschulstufe bildet die Basis für alle weiteren Bildungsbereiche. Dass die Pädagogischen Hochschulen ebenfalls Teil des Hochschulraums sind, ist eine Chance für sie. So kommen sie zum Beispiel in den Genuss von projektgebundenen Beiträgen und können sich entsprechend weiterentwickeln.

Was für Traktanden werden die Erziehungsdirektoren demnächst beschäftigen?
Als Nächstes werden sie die interkantonale Universitätsvereinbarung (IUV) erneuern. Sie regelt die Finanzierung unter den Kantonen und ermöglicht die Freizügigkeit für die Studierenden. Unter anderem stimmt die Kompensation des Brain Drains nicht mehr: Heute erhalten sechs Kantone eine Art Rabatt, weil viele ihrer Studierenden nicht mehr in den Heimatkanton zurückkehren. Diese Regelung ist überholt. Und auch der neue Finanzausgleich (NFA) hat die Situation verändert. Es ist anzunehmen, dass das Aushandeln einer neuen Vereinbarung lebhaft wird.

Was haben Sie jetzt vor, da Sie von diesem fordernden Amt zurückgetreten sind?
Ich werde mich weiterhin im Bildungsbereich engagieren. Zum Beispiel als Präsident der Schweizerischen Maturitätskommission und der Schweizer Schulen im Ausland. Für diese und andere Mandate habe ich bald mehr Zeit zur Verfügung – und bin auch unabhängiger.

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05. April 2017, Andrea Söldi, freie Journalistin BR Drucker-icon

Mit 100 Millionen ist nur ein kleiner Teil des Problems gelöst

Im Rahmen der BFI-Botschaft 2017-2020 wurde beschlossen, ein Spezialprogramm für Humanmedizin zu starten. Mit 100 Millionen Franken soll die Anzahl der Studienabgängerinnen und Studienabgänger von 860 im Jahre 2014 auf 1350 im Jahre 2025 steigen. Dabei ist man insbesondere daran interessiert, mehr Ärzte und Ärztinnen für die medizinische Grundversorgung zu gewinnen. Das wird allerdings nur gelingen, wenn die verschiedenen Akteure in diesem Bereich dieses Ziel bewusst ins Auge fassen und zu seinen Gunsten Entscheidungen treffen. mehr

Das Geld für mehr Studienplätze in Humanmedizin ist nun also vorhanden. Die Finanzierung allein genügt jedoch nicht. Es braucht wichtige, nachgelagerte Entscheidungen der verschiedensten Akteure.

• In den Hochschulen ist die Ausbildung so aufzubauen, dass die Chance erhöht wird, dass Medizinstudierende vermehrt beruflich in die medizinische Grundversorgung einsteigen. Untersuchungen zeigen, dass sich diesbezüglich zwei Kriterien als wirksam erwiesen: Longitudinale Programme und frühe klinische Erfahrungen 1 .

• Die Finanzierung der nach dem Studium folgenden ärztlichen Weiterbildung braucht interkantonale Regelungen. Seit Dezember 2014 läuft ein Beitrittsverfahren in Bezug auf die „Vereinbarung zur Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung 2 “. Diese Vereinbarung tritt in Kraft, wenn ihr mindestens 18 Kantone beigetreten sind. Gegenwärtig haben 11 Kantone die Vereinbarung unterschrieben 3 . Es fehlen also mindestens noch sieben Kantone, damit diese interkantonale Vereinbarung in Kraft treten kann.

• In Bezug auf die Weiterbildung der Hausärzte und Hausärztinnen besteht ein Praxisassistenzprogramm, welches von den Kantonen und der der Stiftung zur Förderung der Weiterbildung in Hausarztmedizin WHM getragen wird. Die Praxisassistenzprogramme erlauben „Assistenzärzt/innen in der Fachrichtung Allgemeine Innere Medizin eine Weiterbildung bei erfahrenen Hausärztinnen und Hausärzten in der Praxis“ zu absolvieren 4. Gemäss Jahresbericht WHM dürfte die Finanzierung der kantonalen Programme „zwar mittel-, nicht aber langfristig gesichert sein 5 “. Eine schlechte Botschaft, wenn man bedenkt, dass das Praxisassistenzprogramm eigentlich stark ausgebaut werden müsste, wenn man mehr Hausärzte haben möchte.

• Soll es mehr Hausärzte und Hausärztinnen geben, so braucht es nicht nur ein Halten der gegenwärtigen Weiterbildungsplätze, sondern es braucht einen starken Ausbau. Dazu braucht es Finanzen, aber auch mehr Hausärzte und Hausärztinnen, die bereit sind, sich selber als Lehrpraktiker auszubilden und Weiterbildungsplätze in ihrer Praxis anzubieten. Die Frage stellt sich: Existiert diesbezüglich ein Potential an Hausärzten und Hausärztinnen? Wie gross ist es? Mit welchen Massnahmen kann das Potential allenfalls gesteigert werden?

• Soll es mehr Hausärzte und Hausärzte geben, so muss auch die Attraktivität des Berufs „Hausarzt/Hausärztin“ verbessert werden. Dazu braucht es die Bereitschaft der gesamten Ärzteschaft inklusive Spezialärzte, der Krankenkassen und der Politik, dieses Ziel zu verfolgen.

Werden all diese anstehenden Herausforderungen ernstgenommen, so zeigt es sich, dass die 100 Millionen aus dem Topf der Bildung nur ein kleiner Schritt auf einem langen und schwierigen Weg zu mehr Hausärzten ist.


1 http://berufsbildungspolitik.info/?attachment_id=659
2 Interkantonale Vereinbarung über die kantonalen Beiträge an die Spitäler zur Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung und deren Ausgleich unter den Kantonen (Weiterbildungsfinanzierungvereinbarung WFV) http://www.gdk-cds.ch/fileadmin/docs/public/gdk/themen/gesundheitsberufe/medizinalberufe/aerztliche_weiterbildung/ikv_wfv_plenar_beitrv_20141120_d.pdf
3 http://www.gdk-cds.ch/fileadmin/docs/public/gdk/themen/gesundheitsberufe/medizinalberufe/aerztliche_weiterbildung/tb_wfv_ratifkanton_20161231_d-f.pdf
4 http://www.gdk-cds.ch/index.php?id=1130&L=1%20%3A
5 Stiftung zur Förderung der Weiterbildung in Hausarztmedizin: Jahresbericht 2015, S.1: „Die Finanzierung der kantonalen Programme dürfte zwar mittel-, nicht aber langfristig gesichert sein. Für die Politik ist die Praxisassistenz nach wie vor „nur“ ein Instrument zur Förderung der Hausarztmedizin und nicht primär ein verbindlicher und akkreditierter Weiterbildungsgang der Fachrichtung Allgemeine Innere Medizin bzw. Kinder- und Jugendmedizin. Es ist notwendig, dass alle Kantone, vor allem aber die Kantone Bern und Zürich die Praxisassistenzstellen nicht verringern und wenn immer möglich, diese ausbauen. Die Praxisassistenz muss langfristig gesichert sein, wie dies auch bei den stationären Weiterbildungsstellen der Fall ist.“

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05. April 2017, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Unispitäler und Hochschulen kritisieren Impulsprogramm für mehr Ärzte

Noch mehr Spezialisten statt endlich genügend Hausärzte – so die Befürchtung von Universitäre Medizin Schweiz. Nun fordert der Verband eine stärkere Lenkung durch die Politik. mehr

100 Millionen Franken für mehr Abschlüsse in der Medizin – der Betrag wurde mittlerweile bewilligt und bereits aufgeteilt auf die Hochschulen, welche neue Studienplätze schaffen wollen. Doch ist die Massnahme geeignet, den Mangel an Haus- und Kinderärzten zu lindern? Der Verband Universitäre Medizin Schweiz* hegt starke Zweifel. „Die Entscheidung für eine Fachrichtung fällt meist erst nach dem Studium“, gibt Henri Bounameaux zu bedenken. Deshalb bestehe in der Weiterbildungsphase mindestens so starker Handlungsbedarf, findet der Verbands-Vizepräsident.

Zwar begrüsst Universitäre Medizin Schweiz, dass die Anzahl jährlicher Abschlüsse von derzeit 1100 auf rund 1300 erhöht werden soll. Doch nicht alle Programme seien gleichermassen geeignet, die angehenden Ärzte für die Grundversorgung zu motivieren, bemängelt Bounameaux. Insbesondere das Vorgehen der ETH, welche ab diesem Herbst einen naturwissenschaftlich-technisch ausgerichteten Bachelorstudiengang in Medizin anbietet, hält der Dekan der medizinischen Fakultät Genf nicht für sinnvoll: „Das ist Verschwendung von Steuergeldern.“ Mit der Passerelle, welche Bachelor-Absolventen der ETH Lausanne an die Universitäten Genf und Lausanne führt, könne man bereits genügend naturwissenschaftlich orientierte Spezialisten ausbilden. Wichtig sei, dass die neuen Anbieter medizinischer Ausbildungen eng mit den bestehenden Fakultäten zusammenarbeiten. Nur so könne man unsinnige Konkurrenzsituationen vermeiden und die Qualität weiterhin gewährleisten.

Anreize falsch gesetzt

Kritisch äussert sich der Angiologe aber auch den eigenen Verbandsmitgliedern gegenüber: In den Universitätsspitälern gebe es zu viele mehrjährige Assistenzstellen für angehende Spezialisten. Viele davon eröffnen bald eine eigene Praxis, weshalb den Spitälern einheimisches Personal fehlt. Die auf ein Jahr befristeten Stellen, welche für künftige Grundversorger geeignet sind, seien dagegen knapp. Eine interne Arbeitsgruppe will sich nun mit dem Problem befassen. Hausärzte erlernen ihr Handwerk häufig in den Fachbereichen Innere Medizin, Dermatologie, Rheumatologie und Hals-Nasen-Ohrenmedizin. Zudem sollten sie sich Kenntnisse in einer Hausarztpraxis aneignen. Gemäss Bounameaux gibt es aber zu wenige Hausärzte, die gewillt sind, ihresgleichen auszubilden – obwohl sie damit ihre Nachwuchsprobleme lösen könnten. Auch Hausarzt-Praktikumsplätze für das Wahlstudienjahr kämen die Fakultäten teuer zu stehen. „Der Kanton müsste Hausärzte fürs Ausbilden bezahlen“, fordert Bounameaux. Denn während Assistenzärzte bereits genügend qualifiziert sind, um einen Lohn zu erhalten, seien Unterassistenten noch nicht so weit.
Eine gute Sache seien die Hausarztprogramme, die unterdessen sämtliche medizinischen Fakultäten anbieten, schreibt Universitäre Medizin Schweiz in ihrem Positionspapier. Doch weil dafür zu wenig Geld zur Verfügung steht, müssten Interessiert abgewiesen werden.

Geld und Zwang

Neben den finanziellen Begehren wünscht sich der Verbands-Vizepräsident mehr Gestaltungswille vonseiten der Politik. Erstens müsste endlich die Tarifordnung zugunsten der Hausärzte angepasst werden – auch wenn sich die besser verdienenden Spezialisten dagegen wehren. Zweitens brauche es Anreize für Arztpraxen in ländlichen Regionen – zum Beispiel auf Initiative von Gemeinden. Und drittens kann sich Henri Bounameaux sogar vorstellen, eine gewisse Dienstzeit in einer Hausarztpraxis nach dem Arztdiplom für obligatorisch zu erklären. „Das Studium ist gratis. Da wäre es nur recht, wenn die angehenden Ärzte der Gesellschaft etwas zurückgeben.“ Natürlich er sich bewusst, dass die Forderung in einem freiheitlichen Land schwierig zu verwirklichen ist.

*_Der Verband Universitäre Medizin Schweiz (unimedsuisse) wurde 2015 gegründet. Die fünf Universitätsspitäler sowie ihre dazugehörigen medizinischen Fakultäten (Basel, Bern, Genf, Lausanne, Zürich) haben sich darin zusammengeschlossen, um ihre gemeinsamen Interessen zu vertreten._

Andrea Söldi, Journalistin BR

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05. April 2017, Andrea Söldi, freie Journalistin BR Drucker-icon

Neue Position verleiht dem Lehrerberuf Anerkennung

Bis Ende 2014 war die Ausbildung von Lehrpersonen ausschliesslich Sache der Kantone. Seit Inkrafttreten des neuen Hochschulkoordinations- und Förderungsgesetzes (HFKG) Anfang letzten Jahres gehören auch die Pädagogischen Hochschulen zum Schweizerischen Hochschulraum. Travail.Suisse hat mit Hans-Rudolf Schärer darüber gesprochen, was dies für die PH bedeutet.* mehr

Seit bald zwei Jahren sind die Pädagogischen Hochschulen auf gleicher Ebene wie die universitären Hochschulen und die Fachhochschulen angesiedelt. Wie wichtig war dieser Schritt für Ihren Bildungsbereich?
Hans-Rudolf Schärer: Damit wird anerkannt, dass der Lehrerberuf anspruchsvoll und für die Gesellschaft bedeutsam ist – auch auf Primarstufe. Im Umfeld der SVP wurde in der Vergangenheit gelegentlich die Meinung geäussert, Lehrpersonen bräuchten gar kein Studium, sondern eine Lehre genüge. Solche Ideen sind somit vom Tisch.

Das heisst, es geht den PH vor allem um Wertschätzung?
Darüber hinaus entstehen ganz konkrete Vorteile. Zum Beispiel arbeiten wir nun in diversen thematischen Delegationen von Swissuniversities mit und bringen dort die Interessen von Schule und Lehrerbildung ein. Im Bereich Forschung ist dies etwa die Entwicklung zu Open Access: Wenn wissenschaftliche Publikationen künftig im Internet frei zugänglich sind, können sie auch unsere Dozierenden und Studierenden niederschwellig und kostenlos nutzen. Unsere neue Position vereinfacht zudem die Forschung gemeinsam mit anderen Hochschultypen. Und auch die nun vorgeschriebenen Akkreditierungen werden die Qualität unseres Hochschultyps fördern.

Vor Inkrafttreten des HFKG hegten Fachhochschulen und PH zum Teil die Befürchtung, von den renommierten Universitäten nicht ganz für voll genommen zu werden. Wie erleben Sie nun die Zusammenarbeit in der Rektorenkonferenz?
Die Atmosphäre ist konstruktiv. Es gilt der vielzitierte Grundsatz: Die drei Hochschultypen sind verschiedenartig, aber gleichwertig. Gegen aussen tritt die ganze Organisation mit einer Stimme auf. Dies verleiht uns Gewicht im gesellschaftlichen Diskurs und der Politik gegenüber. Zum Beispiel machen sich im Rahmen von Swissuniversities alle Hochschulen gemeinsam dafür stark, dass wir weiterhin am Europäischen Forschungsprogramm Horizon 2020 teilnehmen können.

Wie wichtig sind für die PH die Durchlässigkeit zwischen den Hochschultypen sowie die Promotionsmöglichkeiten?
Da haben wir vor allem in unserem Kerngebiet – dem Bereich Fachdidaktik – grossen Bedarf. Wir brauchen eigenen kompetenten Nachwuchs für die Forschung und Lehre. Zusammen mit anderen Hochschulen bauen wir nun Doktoratsprogramme auf. Die Betreuung der Doktorierenden wird zu einem wesentlichen Teil an den PH stattfinden, die Titel dürfen aber nur die Universitäten vergeben.

Verschärft sich mit der Integration in den Schweizerischen Hochschulraum für die PH nicht auch die Konkurrenzsituation mit anderen Hochschultypen? Zum Beispiel beim Kampf um die beschränkten Bildungsgelder?
Das betrifft uns weniger, weil wir grossmehrheitlich über die Kantone finanziert werden. Doch neu können wir im Rahmen der projektbezogenen Beiträge ebenfalls von Bundesmitteln profitieren. Dies wird nun mit einer grossen Fachdidaktik-Initiative bereits aktuell.

Wie soll diese Initiative aussehen?
Es sind zahlreiche Masterstudiengänge in den verschiedenen Fachdidaktik-Bereichen geplant, die in der Hauptverantwortung der PH liegen. Bei uns in Luzern bieten wir zum Beispiel bald einen Masterstudiengang in Geschichtsdidaktik in Zusammenarbeit mit anderen PH und Universitäten an. In einigen Kantonen – zum Beispiel Bern und Luzern – erwerben angehende Gymnasiallehrpersonen ihr didaktisches Knowhow bereits jetzt an der PH. Unsere Kernkompetenz ist die Befähigung zum Vermitteln von Wissen. Diese wollen wir vermehrt verschiedenen Gesellschaftsbereichen zur Verfügung stellen. Nicht nur Lehrpersonen brauchen didaktische Fähigkeiten, sondern zum Beispiel auch Personen im mittleren Management von Betrieben. Ich sehe in diesem Bereich noch viel Potenzial.

* Hans-Rudolf Schärer ist Rektor der Pädagogischen Hochschule Luzern, Präsident der Kammer Pädagogische Hochschulen von Swissuniversities (dem Verein der Hochschulrektoren) sowie einer der Vizepräsidenten von Swissuniversities.

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HFKG Interview H-R-Schearer d.pdf 164 KB

09. November 2016, Andrea Söldi, freie Journalistin BR Drucker-icon

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