Themen – Bildung – Berufliche Grundbildung

Berufsbildung: Wer befiehlt, bezahlt nicht unbedingt

Anfang 2004 ist das neue Berufsbildungsgesetz in Kraft getreten. Es sieht vor, dass der Bund ab dem Jahr 2008 einen Viertel der Aufwendungen der öffentlichen Hand für die Berufsbildung trägt. Bis dahin sollte der Bundesbeitrag schrittweise erhöht werden. Nun will sich Bundesrat Couchepin über den erst vor kurzem geäusserten Willen des Parlaments hinwegsetzen und auf dem Buckel der Berufsbildung sparen. Er versucht, das Vakuum im eigentlich für das Dossier zuständigen Volkswirtschaftsdepartement auszunützen. Für Travail.Suisse ist klar, dass er damit gegen die Allianz der Kantone und Sozialpartner nicht durchkommen wird.

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PD Bundesausgaben Berufsbildung.doc 38 KB

28. August 2006, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Medienkonferenz: Es braucht mehr Lehrstellen für die geburtenstarken Jahrgänge – 5000 Franken für jede zusätzliche Lehrstelle!

Die Anzahl Schulabgängerinnen und Schulabgänger befindet sich 2006 auf einem Höhepunkt. Vier Monate vor Beginn des Lehrjahres waren noch 27’000 interessierte Jugendliche ohne Lehrvertrag. Travail.Suisse, die Dachorganisation der Arbeitnehmenden, fordert, dass bewährte Betriebe, die kurzfristig eine zusätzliche Lehrstelle anbieten, während den Lehrbeginnsjahren 2006 bis 2009 mit 5000 Franken pro Ausbildungsjahr unterstützt werden. mehr

Anlässlich eines Mediengesprächs hat Travail.Suisse heute Vormittag in Bern auf den dringenden Handlungsbedarf beim Lehrstellenproblem hingewiesen. Die geburtenstarken Jahrgänge sind jetzt auf Lehrstellensuche. Für sie braucht es zwischen 2006 und 2009 jährlich 5’000 bis 10’000 zusätzliche Lehrstellen. Nur knapp ein Drittel aller Betriebe bildet aber gemäss letztem Lehrstellenbarometer noch aus. Dies hat fatale Folgen: Jugendliche ohne Abschluss werden zu einer Risikogruppe auf dem Arbeitsmarkt. In der Dienstleistungsgesellschaft gibt es immer weniger Jobs für Unqualifizierte. Aber die Wirtschaft erweist sich auch selber einen Bärendienst. Da die Anzahl Jugendliche auf dem Lehrstellenmarkt in ein paar Jahren wieder abnimmt, droht ein Fachkräftemangel.

Die Forderung von Travail.Suisse zur kurzfristigen Behebung des Lehrstellenmangels
Travail.Suisse fordert den Bundesrat und das Parlament deshalb auf, folgende Massnahme zu treffen: Ein Betrieb, der seit mindestens drei Jahren in der Lehrlingsausbildung tätig ist, soll – wenn er im Verhältnis zu den vorangegangenen Jahren mehr Lehrlinge ausbildet – für jede neue Lehrstelle vorübergehend mindestens 5’000 Franken pro Ausbildungsjahr erhalten. Eine entsprechende Motion wurde von Nationalrat Hugo Fasel eingereicht. Die gesetzliche Grundlage (neues Berufsbildungsgesetz Art. 13) und das Geld sind vorhanden: Aus dem Innovationsfonds des Bundes für die Berufsbildung stehen erfahrungsgemäss 15 bis 20 Millionen Franken schnell zur Verfügung, die für Projekte nicht abgeholt werden. Die Vorteile einer solchen Lösung liegen auf der Hand:

- Die Massnahme ist sofort realisierbar und nach dem Höchststand der Schulabgänger wieder abbaubar.

- Die Massnahme ist einfach und klar. Es braucht keine neuen Strukturen.

- Die Massnahme konkurrenziert das bisherige System nicht (duale Lösung).

- Die Massnahme ist kostengünstig: Die Brückenangebote der Kantone kosten 10’000 bis 20’000 Franken pro Jahr und Person.

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060706 PK Bildung Grundlagentext.doc 64 KB

Motion Hugo Fasel.doc 22 KB

06. Juli 2006, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Kein dringender Reformbedarf für Erfolgsmodell Berufsmatura

Zur Zeit wird die Reform der Berufsmatura vorbereitet. Travail.Suisse sieht keinen Anlass, grundlegende Änderungen am Erfolgsmodell Berufsmatura vorzunehmen. Die Dachorganisation der Arbeitnehmenden hat ihre Position in 10 Thesen formuliert.

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PD Thesen Berufsmaturität.doc 42 KB

26. Juni 2006, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Jugendschutzalter 20 zentral für eine attraktive Berufsbildung

Der Nationalrat berät demnächst über eine Senkung des Jugendschutzalters für Nacht- und Sonntagsarbeit. Eine solche Senkung bei Lehrlingen ist für Travail.Suisse inakzeptabel. Sie gefährdet den Lernerfolg der Jugendlichen, setzt sie zusätzlichen gesundheitlichen Risiken aus und führt letztlich zu einem Attraktivitätsverlust der dualen Berufsbildung.

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PD Jugendschutz 20 zentral für eine attraktive Berufsbildung.doc 37 KB

12. Juni 2006, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Zu wenig Lehrstellen: Dringende Massnahmen gefordert

Rund 4 Monate vor Lehrbeginn haben 27’000 Jugendliche, welche eine Lehrstelle suchen, noch keinen Lehrvertrag. In dieser angespannten Situation ist es besonders enttäuschend, dass die Anzahl Unternehmen, die Lehrlinge ausbildet, abgenommen hat. Nun sind von Bund und Kantonen dringend Massnahmen gefordert. mehr

Der Lehrstellenbarometer des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie zeigt gegenüber letztem Jahr ein nahezu unverändertes Bild. Rund 4 Monate vor Lehrbeginn haben 27’000 Jugendliche, welche eine Lehrstelle suchen, noch keinen Lehrvertrag. Die rund 1000 neu geschaffenen Lehrstellen reichen gerade knapp, um den Anstieg der Anzahl Schulabgängerinnen und Schulabgänger zu bewältigen. Tausende von Jugendlichen befinden sich aber bereits in Zwischenlösungen und suchen weiterhin eine Lehrstelle.

Weniger Unternehmen bilden aus
Besonders enttäuschend ist, dass die Anzahl Unternehmen, die eine Lehrstelle anbieten, sogar noch gesunken ist. Nur knapp ein Drittel der Unternehmen bietet Lehrstellen an. Bund, Kantone und Branchenverbände sind nun gefordert, in der verbleibenden Zeit bis zum August 2006 Anreize für zusätzliche Lehrstellen zu bieten. Betriebe, die seit mindestens fünf Jahren in der Lehrlingsausbildung tätig sind, sollen für jede neue zusätzliche Lehrstelle vorübergehend finanziell unterstützt werden.

Neue innovative Modelle wie Ausbildungsverbünde müssen noch stärker bei den Unternehmen bekannt gemacht werden. Betriebe, die nicht ausbilden, sollen dafür auch zur Kasse gebeten werden und in Berufsbildungsfonds einzahlen müssen.

Zwischenlösungen werden zunehmend zu Warteschlaufen
Ein Drittel der Jugendlichen mit Interesse an einer Lehrstelle wird wegen der fehlenden Lehrstelle ein Zwischenjahr absolvieren müssen. Ein solches Zwischenjahr ist jedoch nur für 12% der Unternehmen eine Anstellungsvoraussetzung. Ursprünglich gedacht zur Behebung individueller Defizite, werden Zwischenjahre (Brückenangebote, Motivationssemester, 10. Schuljahre, etc.) so immer mehr zu Warteschlaufen.

Gelingt es der Wirtschaft in naher Zukunft nicht, genügend Lehrstellen anzubieten, ist die Zukunft des dualen Systems in Frage gestellt. Insbesondere für Jugendliche mit tiefen Schulqualifikationen müssen mehr Lehrstellen für die neue zweijährige Attestlehre angeboten werden. Auch Lösungsansätze wie die Einführung von Basislehrjahren oder vermehrte vollschulische Angebote müssen stärker geprüft werden. Es kann keine Lösung sein, dass immer mehr Jugendliche bei der Sozialhilfe landen.

08. Juni 2006, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon