Themen – Arbeit – Managerlöhne

Beeindruckende Zahlen bei Schindler und Georg Fischer: Verwaltungsrat und Management profitieren

Bereits das zweite Jahr in Folge weisen Schindler und Georg Fischer in ihren Geschäftsberichten imposante Zahlen aus. Bemerkenswert ist insbesondere das Wachstum bei den Konzerngewinnen. Aber auch der Umsatz hat im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Für die Verwaltungsräte und das Management bedeutet dies automatisch grosse Erhöhungen ihrer Bezüge und Entschädigungen. Keine wesentlichen Verbesserungen gibt es dagegen für die Arbeitnehmenden – ihre Löhne stagnieren.

Anhang Grösse

PD Schindler und Fischer.doc 44 KB

Georg Fischer.doc 67 KB

Schindler.doc 62 KB

03. April 2006, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Entschädigungspolitik in der Baubranche: Zwischen Vernunft und Irrsinn

Die Geschäftsberichte von Batigroup und Zschokke zeigen grosse Differenzen in der bisherigen Entschädigungspolitik. Während Batigroup einigermassen nachvollziehbare Zahlen ausweist, hat bei Zschokke der Entschädigungs-Irrsinn bereits um sich gegriffen. Ein schlechtes Vorzeichen für die Entwicklung der Implenia. mehr

Batigroup und Zschokke haben im Februar zum letzten Mal vor der Fusion zur Implenia ihre Geschäftsberichte vorgelegt. Die Zahlen hinsichtlich der Entschädigungspolitik deuten darauf hin, dass die Manager nun auch im Baugewerbe die Bodenhaftung verlieren.

Batigroup: Die Geschäftsleitung der Batigroup hat ihre Pro-Kopf-Entschädigung 2005 um 7 Prozent erhöht. Angesichts der Verhältnisse in anderen Branchen und der erzielten Gewinnsteigerung von ebenfalls 7 Prozent ist das ein zumindest nachvollziehbares Ergebnis. Trotzdem liegt die Erhöhung für die Geschäftsleitung immer noch deutlich höher als die Erhöhung der Tiefstlöhne von 2 Prozent. Nicht nachvollziehbar ist dagegen die Erhöhung der Bezüge der Verwaltungsräte um satte 44 Prozent.

Zschokke: Bei Zschokke sind die Relationen bereits tüchtig durcheinander gekommen. Die Geschäftleitungsmitglieder gönnen sich zum zweiten Mal nacheinander eine grosszügige Lohnerhöhung. Nach einem Plus von 30 Prozent im 2004 waren es 2005 noch einmal plus 20 Prozent. Die monatliche Lohnerhöhung beträgt allein für das Jahr 2005 9’000 Franken, während dem sich die Belegschaft mit dem tiefsten Lohn auch bei Zschokke mit 2 Prozent bzw. 80 Franken pro Monat zufrieden geben muss. Die Lohnschere von der Geschäftsleitung zum Tiefstlohn öffnete sich weiter von 11:1 zu 13:1. Im Vergleich mit dem CEO gar auf 21:1

Implenia: Auf dem Weg zum Entschädigungsirrsinn
Bereits 2005 verdiente Christian Bubb als CEO von Zschokke und heutiger Chef der Implenia über eine Million Franken pro Jahr, während sich ein Geschäftsleitungsmitglied der Batigroup mit durchschnittlich „nur“ 360’000 Franken zufrieden geben musste. Die Tatsache, dass sich die Geschäftsleitung von Implenia vorwiegend aus Managern von Zschokke zusammensetzt, lässt deshalb für die Entschädigungspolitik von Implenia nichts Gutes erwarten.

16. März 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Roche und Novartis: Chefs sahnen weiter ab!

Die Branchenleader Roche und Novartis haben gestern und heute ihre Generalversammlungen abgehalten. Die Rekordergebnisse und die Dividendenerhöhung scheinen für die Konzernspitze Grund genug zu sein, in die Trickkiste zu greifen und ihre eigene Pfründe zu sichern. Novartis-Chef Vasella lässt über eine Statutenänderung zur Verlängerung seiner Amtszeit als VR-Präsident abstimmen. Roche-Chef Humer markiert den Bescheidenen, sein Salär schrumpft aber nur virtuell durch eine vorsichtige Bewertung seines Genussscheinpakets. Die Lohnschere steigt bei Novartis auf 279:1 und bei Roche auf 248: 1. mehr

Die Pharmabranche prosperiert. Die Branchenleader Roche und Novartis erwirtschaften Miliardengewinne und beglücken die Aktionäre mit Dividendenerhöhungen. Die beiden CEO’s und Verwaltungsratspräsidenten Daniel Vasella und Franz Humer nutzen die günstige Situation für eigene Zwecke.

Novartis: Daniel Vasella setzt noch eins obendrauf
Daniel Vasella steigert seine Entschädigung abermals, auf jährlich 21.3 Millionen Franken. Die Lohnschere, das Verhältnis zwischen Höchst- und Tiefstlohn, erhöht sich bei Novartis damit von 273:1 auf 279:1. Auch für die nächsten Jahre sorgt der Novartis-Chef umsichtig für sich selbst vor: Mit der Statutenänderung zur Verlängerung seiner Amtszeit sind seine Position und der Geldsegen garantiert. Die Verwaltungsräte legen ebenfalls zu: Ihre Entschädigung steigt um 6.6 Prozent auf jährlich je 530’000 Franken.

Roche: Franz Humers vordergründige Bescheidenheit
Franz Humers Entschädigung sinkt um 4.8 Prozent. Bei genauerem Hinsehen wird ersichtlich, dass diese „Lohnsenkung“ auf eine übervorsichtige Bewertung seines Genussscheinpakets zurückzuführen ist. Unter der realistischen Annahme, dass die Geschäfte auch im nächsten Jahr befriedigend sein werden, steigt sein effektives Salär um 14.5 Prozent. Die Lohnschere, das Verhältnis zwischen Höchst- und Tiefstlohn, steigt bei Roche von 217: 1 auf 248: 1. Dasselbe Spiel bei den Geschäftsleitungsmitgliedern. Unter der Annahme eines vergleichbaren Geschäftsgangs öffnet sich die Lohnschere bei Roche um 27 Prozent von 71: 1 auf 90: 1.

Stundenlöhne in galaktischen Sphären
Geht man von einer tatsächlichen Jahresarbeitszeit von 1’931 Stunden aus (BFS, 2003) dann kassieren Franz Humer und Daniel Vasella einen Stundenlohn von 8’130 bzw. 11’030

01. März 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Medienkonferenz Managerlöhne: System in Schieflage – die Verlierer sind die Arbeitnehmenden

Die Resultate des Travail.Suisse-Vergleichs zu den Managerlöhnen sind aus Sicht der Arbeitnehmenden empörend. Alle 25 untersuchten Unternehmen schreiben Gewinne, vier Fünftel von ihnen konnten ihr Ergebnis 2004 im Vergleich zum Vorjahr sogar noch steigern. Für diese guten Ergebnisse belohnten sich die Geschäftsleitungsmitglieder und der Verwaltungsrat fürstlich. Die Belegschaft hingegen hatte das Einsehen: Im Jahr 2004 bauten die 25 untersuchten Unternehmen insgesamt 6’700 Stellen ab, geschaffen wurden hingegen nur 370 Stellen. mehr

Im Geschäftsjahr 2004 haben alle 25 untersuchten Unternehmen Gewinne geschrieben: 21 Firmen konnten ihr Vorjahresergebnis sogar noch steigern. Die Post, Roche, Bâloise, Swiss Life und die Credit Suisse haben den Unternehmensgewinn mehr als verdoppelt. Eine Ge-winnsteigerung zwischen 10 und 100 Prozent erreichten die Ruag, Migros, Kuoni, Zschokke, Bobst, Schindler, Helvetia Patria und die UBS. Swisscom, Nestlé, Batigroup, Swatch Group, Novartis und Zurich Financial Services steigerten ihr Jahresergebnis um bis zu 10 Prozent. Einzig Coop, Clariant, Lonza und Ciba konnten ihre Vorjahresgewinne nicht übertreffen. Georg Fischer und Ascom, im Vorjahr noch in den roten Zahlen, erreichten im Jahr 2004 wieder die Gewinnzone.

Insgesamt zeigt die Ertragslage der untersuchten Unternehmen ein positiv bis euphorisches Bild. Die Schwierigkeiten der letzten drei Jahre – rezessive Konjunkturtendenzen und Börsencrash – sind überwunden. Die Unternehmen haben den Turnaround geschafft und waren im Jahr 2004 auf Wachstumskurs.

Nullrunde für die Arbeitnehmenden
Man dürfte eigentlich davon ausgehen, dass auch die Arbeitnehmenden von den Rekordge-winnen der Unternehmen profitieren. Diese Überlegung erweist sich indes als falsch: Für das Portemonnaie der Arbeitnehmenden war das Jahr 2004 ein weiteres mageres Jahr. Bei den Branchen mit Gesamtarbeitsverträgen konnte nur gerade eine nominale Effektivlohnerhöhung von 1.1 Prozent ausgehandelt werden. Auf die Sektoren aufgeschlüsselt bedeutet dies eine nominale Lohnsteigerung um 0.5 Prozent in Industrie und Bau, sowie von 1.5 Prozent im Dienstleistungssektor. Der Lohnindex, der eine umfassende Übersicht über die gesamte Lohnentwicklung in der Schweiz bietet, zeigt ein noch düstereres Resultat. Das Jahr 2004 muss für die Arbeitnehmenden als Nullrunde abgebucht werden. Die Reallöhne stagnierten bei +0.1 Prozent. Nach Wirtschaftszweigen aufgegliedert mussten die Arbeitnehmenden im sekundären Sektor eine Reallohneinbusse von 0.2 Prozent hinnehmen, die Arbeitnehmenden im tertiären Sektor erhielten eine bescheidene Reallohnerhöhung von 0.4 Prozent.

Anhang Grösse

PK Blank System in Schieflage.pdf 90 KB

PK Fasel Keine Rechtfertigung fuer Abzockerloehne.pdf 59 KB

PK Keller Tuecken der Analyse.pdf 62 KB

Gewinne 2003 2004.pdf 47 KB

Gesamtentschaedigung.pdf 56 KB

Verhaeltnis Loehne.pdf 64 KB

20. Juni 2005, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Transparenzrichtlinie betreffend Vergütung des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung: Es fehlt der Wille

Der Ständerat berät als Zweitrat am 8. Juni die Transparenzrichtlinie zu den Managerlöhnen. Die Gefahr ist gross, dass der bereits zahmen Vorlage noch die restlichen Zähne gezogen werden. Vor dem Hintergrund der wieder angefachten Managerlohndebatte ist dies unverständlich. Travail.Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert die individuelle Offenlegungspflicht der Vergütungen aller Geschäftsleitungsmitglieder und das Mitspracherecht der Aktionärsversammlung. Zudem soll die Pflicht zur Transparenz für alle Grossunternehmen gelten.

Anhang Grösse

PD Ständerat bleibt auf halbem Weg stehen.doc 36 KB

06. Juni 2005, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon