Themen – Arbeit – Managerlöhne

Clariant: Auf dem Weg der Besserung?

Nachdem Clariant 2006 durch den Rückzug von Verwaltungsratspräsident Roland Lösser aus der operativen Geschäftsleitung endlich für eine saubere Trennung der Organe gesorgt hatte, scheint sich nun auch bei der Lohnschere eine Entspannung abzuzeichnen. mehr

Auf den ersten Blick scheint bei Clariant die Vernunft zurückgekehrt zu sein, alle von Travail.Suisse ausgewiesenen Lohnscheren schliessen sich um zwischen 13% bis 22%. Soweit die guten Nachrichten.

Wie nachhaltig diese Kürzungen wirklich sind, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. So beinhaltet die 2006 als höchste Entschädigung ausgewiesene Zahlung an Roland Lösser Entschädigungen als CEO wie auch als Verwaltungsrat1. Die höchste Entschädigung für 2007 aber weist nur das Salär von CEO Jan Secher aus. Ein wesentlicher Teil der „Lohnkürzung“ geht somit auf das Konto der Entflechtung der Ämter bei der Clariant. Wie viel von dieser Lohnkürzung in den nächsten Jahren noch zu sehen sein wird, bleibt abzuwarten.

Den Gürtel sicherlich nicht enger schnallen mussten die drei ausgetretenen Mitglieder der Konzernleitung. Die Abgangsentschädigung beträgt insgesamt 4.02 Millionen Franken. Dies ist besonders stossend wenn man bedenkt, dass eines der Konzernleitungsmitglieder für gerade mal drei Monate auf der Lohnliste stand.

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10. April 2008, Matthias Humbel, transfair und Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Nestlé: Zum Abschluss nochmals Vollgas

Nach langen Jahren ohne saubere Gewaltentrennung in der Geschäftsleitung verabschiedet sich heute auch Nestlé vom Modell der exekutiven Verwaltungsräte. 2007 war somit für Peter Brabeck die letzte Chance, nochmals kräftig für sein Doppelmandat abzusahnen. Diese Chance liess er sich nicht entgehen. mehr

Die Bezüge von Peter Brabeck, Verwaltungsratspräsident und noch CEO von Nestlé, betrugen nach Berechnungen von Travail.Suisse im Geschäftsjahr 20.3 Millionen Franken, eine Steigerung von 10% verglichen zu den 18.4 Millionen Franken für 2006. Und verglichen mit 2002 entspricht dies nahezu einer Verdoppelung seines Lohnes. Die Lohnschere erreicht mit einem Verhältnis von 1 : 437 ebenfalls Rekordwerte.

Doch nicht nur Brabeck hat in den letzten Jahren abgesahnt, auch die andern Mitglieder der Konzernleitung konnten sich über stetig steigende Löhne freuen. Lag der durchschnittliche Lohn pro Konzernleitungsmitglied 2002 noch bei 2.5 Millionen, liegt dieser nun bei 4.5 Millionen. Plus 77 Prozent! Auch hier erreicht die Lohnschere Rekordhöhen und steht unmittelbar vor der Schallmauer von 1 : 100 gegenüber dem tiefsten Lohn.

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Entschädigungen Nestl1.doc 56 KB

10. April 2008, Matthias Humbel, transfair und Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Zurich: Gutes Geschäftsjahr – auch für das Portemonnaie der Konzernleitung

Die Zurich Financial Services Group (ZFS) hat ein erfolgreiches Jahr hinter sich. Sie konnte die Klippen der Hypothekenkrise unbeschadet umschiffen und realisierte einen Gewinnanstieg von 17 Prozent1. Die Konzernleitung reagiert darauf wie sie es bereits seit Jahren tut und gönnte sich eine weitere Lohnerhöhung. Erstmals werden auch die Bezüge von CEO James Schiro offengelegt. mehr

Die letzten fünf Jahre waren für die Mitglieder der Konzernleitung äusserst ergiebig. Jedes Jahr wurde die Lohntüte voller und voller. Seit 2003 hat sich die durchschnittliche Lohnsumme pro Konzernleitungsmitglied mehr als verdoppelt!

Gab die ZFS das Gehalt von CEO James Schiro bisher mit „über 3.25 Millionen Dollar“ an, musste sie nun erstmals dessen Bezüge offenlegen. Diese sind mit insgesamt 12.4 Millionen Franken mehr als deutlich über den bisher deklarierten Werten. Schiro spielt damit eindeutig an vorderster Front in der Liga der Topverdiener mit.

Die Lohnschere öffnet sich derweilen munter weiter. Zwischen den Durchschnittslöhnen für die Konzernleitung und dem Tiefstlohn vergrössert sie sich um 12 Prozent auf ein Verhältnis von 1 : 139. Schiros Lohn übersteigt den Tiefstlohn um das 254fache. Einzig das Verhältnis der Tiefstlöhne zur Entschädigung für den Verwaltungsrat bleibt konstant.

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Entschädigungen Konzernleitung Zürich.doc 51 KB

03. April 2008, Matthias Humbel, transfair und Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Schindler: Schallmauer durchbrochen

Die Lohnschere bei Schindler öffnet sich weiter. Erstmals übersteigt der Höchstlohn im Unternehmen (Verwaltungsratspräsident und CEO Alfred Schindler) den Tiefstlohn um den Faktor 100! Am kräftigsten zugelangt hat die Konzernleitung. Der Lohnaufwand stieg pro Mitglied um unglaubliche 25 Prozent. mehr

Der Schindler-Konzern hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Mehrere Bussen wegen Verstössen gegen Kartellgesetze kosteten das Unternehmen insgesamt 293 Millionen Franken. Trotzdem sind die Auftragsbücher voll und der Umsatz stieg wacker an.

Im Einklang mit der Umsatzsteigerung gönnte sich auch die Konzernleitung eine Erhöhung der Entschädigungen. Gab man sich 2006 noch mit 1.3 Millionen Franken pro Kopf zufrieden, sollte es im 2007 etwas mehr sein. Die Erhöhung fiel mit 25 Prozent aber alles andere als bescheiden aus.

Allerdings basieren die Angaben für 2006 auf den Bonuszahlungen für das Jahr 2005. Die Zahlen für 2007 weisen den Bonus desselben Jahres aus. Den Bonus für das Jahr 2006 sucht man vergebens. Er wird von Schindler nirgends ausgewiesen.

Auch Alfred Schindlers Entschädigung kann sich sehen lassen. Erstmals übersteigt diese die Tiefstlöhne im Konzern um den Faktor 100. Und dies obwohl Schindler auf 0.4 Millionen Gehalt verzichtet hatte. Travail.Suisse schlägt Schindler vor, anstelle solcher effekthaschender Aktionen direkt etwas gegen die Lohnschere zu unternehmen.

Travail.Suisse stösst sich auch am Missbrauch des Geschäftsberichts des Konzerns zu Propagandazwecken der Privatperson Schindler. Angaben wie die Summe seiner bezahlten Steuern und getätigten Spenden sind absolut fehl am Platz und füllen auch die Lohntüte des einfachen Angestellten in keiner Weise.

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Lohnschere1 Schindler.doc 43 KB

26. März 2008, Matthias Humbel, transfair und Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Lonza: Der Wahnsinn geht weiter

Seit 2003 hat sich die Lohnschere bei der Lonza kontinuierlich geöffnet, in nur 5 Jahren erhöhte sich die Entschädigung pro Geschäftsleitungsmitglied um unfassbare 328 Prozent. Es verwundert nicht, dass auch die Lohnschere rekordverdächtige Wachstumsraten aufweist. Lag das Verhältnis zwischen der Entschädigung pro Geschäftsleitungsmitglied und dem tiefsten Lohn 2003 noch bei 1 : 8, hat sich die Lohnschere bis 2007 um sagenhafte 301 Prozent geöffnet und liegt nun bei 1 : 34. mehr

Jahr für Jahr steigen die Entschädigungszahlungen im Topmanagement der Lonza an. Und dies nicht zu knapp. Musste sich 2003 ein Mitglied der Geschäftsleitung noch mit vergleichsweise moderaten 0.4 Millionen Franken abfinden, stieg die Entlöhnung 2007 auf 1.7 Millionen Franken, eine Lohnerhöhung 328 Prozent in 5 Jahren! Und auch der Abgang aus der Geschäftsleitung wird den Managern versüsst. Für ein 2006 aus der Geschäftsleitung ausgeschiedenes Mitglied wurde eine Abgangsentschädigung von 2 Millionen Franken fällig.

Saftiger Anstieg an der Spitze
Am kräftigsten zugelangt hat jedoch CEO Stefan Borgas. Seine Lohntüte fiel 2007 um 22 Prozent üppiger aus als 2006. Die 3.7 Millionen Franken Lohn entsprechen dem 72fachen des tiefsten im Unternehmen bezahlten Lohnes. Im Vorjahr lag das Verhältnis zwischen Borgas’ Lohn und dem Tiefstlohn noch bei 1 : 60. Auch wenn die Lonza ein gutes Geschäftsjahr hinter sich hat, ist eine Lohnerhöhung in diesem Ausmasse in keiner Weise gerechtfertigt.

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Entschädigungen Lonza 2003.doc 47 KB

26. März 2008, Matthias Humbel, transfair und Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon