Themen – Arbeit – Managerlöhne

Stellungnahme zu Abzocker-Initiative und Einheitskasse: Ideelle Unterstützung für Initiative „gegen die Abzockerei"

Mit der regelmässigen Analyse von Geschäftsberichten und der Publikation der Ergebnisse hat Travail.Suisse die exorbitanten Managerlöhne und deren steile Wachstumsraten in der Öffentlichkeit zum Thema gemacht. Genau diese Entwicklung hat die „Abzocker-Initiative“ im Visier. Travail.Suisse nimmt deshalb dieser Initiative gegenüber eine positive Haltung ein und wird sich dafür einsetzen, dass bereits in der anstehenden Aktienrechtsrevision entscheidende Fortschritte erzielt werden können. mehr

Travail.Suisse analysiert bereits seit mehreren Jahren die Geschäftsberichte von 27 grossen Schweizer Unternehmen im Hinblick auf die Vergütungen an den Verwaltungsrat und das Topmanagement. Insbesondere das Verhältnis zwischen den tiefsten und den höchsten Löhnen (Lohnschere) sowie die hohen zweistelligen Wachstumsraten der Manager-Gehälter sind so von Travail.Suisse in der Öffentlichkeit zum Thema gemacht worden (Ergebnisse der Analysen siehe www.travailsuisse.ch, Schwerpunkt Managerlöhne).

Die im Herbst 2006 lancierte Volksinitiative „gegen die Abzockerei“ hat genau diese Exzesse im Visier und will über eine Stärkung der Aktionärsrechte Gegensteuer geben. Der Vorstand von Travail.Suisse ist der Meinung, dass dies der richtige Weg ist und steht deshalb diesem Anliegen positiv gegenüber. Insbesondere wird sich Travail.Suisse dafür einsetzen, dass bereits in der anstehenden Aktienrechtsrevision entscheidende Fortschritte erzielt werden können.

Gleichzeitig hat der Vorstand von Travail.Suisse für die Abstimmung vom 11. März über die Initiative „Für eine soziale Einheitskrankenkasse“ Stimmfreigabe beschlossen.

14. Dezember 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

Medienkonferenz Managerlöhne: Irrsinn geht weiter – Lohnschere
bis zu 1:840 – politische und wirtschaftliche Folgen unabsehbar

Die Manager bedienen sich weiterhin tüchtig. Die Chefs der 27 von Travail.Suisse untersuchten Firmen haben ihre Saläre 2005 um satte 30 Prozent bzw. 40 Millionen Franken erhöht. Die höchste Lohnschere dürfte sich bei 1:840 bewegen. Die Transparenz ist nach wie vor mangelhaft, viele Berechnungen beruhen auf allgemeinen Angaben oder Mutmassungen. Der Vertrauensverlust nimmt zu. Wenn die so genannten Wirtschaftsführer – Männer allein auf weiter Flur – das Problem nicht in den Griff bekommen, dann wird das erfolgreiche Schweizer Wirtschaftsmodell akut gefährdet. mehr

Nach 2005 hat Travail.Suisse auch im Frühling 2006 die Geschäftsberichte von 27 grossen Schweizer Firmen analysiert. Im Zentrum der Analyse stand dabei erneut die Lohnschere, das heisst das Verhältnis des tiefsten in der Schweiz bezahlten Lohnes zur höchsten (bekannten) Gesamtentschädigung im Topmanagement. Die Resultate dieser Analyse sind klar und deutlich. Die Selbstbedienungsmentalität greift weiter um sich. Lohnerhöhungen von 10 oder 20 Prozent sind die Regel. Sowohl die Saläre als auch die Lohnschere erreichen neue, unrühmliche „Spitzenwerte“. Ausnahmen gibt es zwar, sie sind aber dünn gesät. Die Transparenz bezüglich der höchsten Saläre und der tiefsten Löhne ist nach wie vor mangelhaft.

Manager gefährden Schweizer Erfolgsmodell
Das Schweizer Wirtschaftssystem kennt grosse Freiheitsgrade für Unternehmen und Manager. Dies gilt als Standortvorteil. Das ist jedoch nur möglich, solange die Angestellten darauf vertrauen können, angemessen am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt zu werden. Die Entwicklung der Managersaläre führt zu einem Vertrauensverlust auf breiter Front. Wenn die Wirtschaftsführer diese Problematik nicht in den Griff bekommen, werden die politischen Folgen, d.h. höhere Regulierungsdichte bis hin zu Lohnbeschränkungen, wie es sie bei der öffentlichen Hand bereits gibt (z.B. Stadt Bern), nicht mehr lange auf sich warten lassen.

30. Juni 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

Versicherungsbranche: Rekordergebnisse führen zu weiterer Öffnung der Lohnschere

Travail.Suisse untersuchte im Rahmen des Projekts „Managerlöhne“ die Geschäftsberichte von vier Unternehmen der Versicherungsbranche. Dabei zeigt sich bei Zurich, Bâloise, Helvetia Patria und Swisslife ein einhelliges Bild. Trotz der Naturkatastrophen des letzten Sommers ergaben sich für 2005 positive Geschäftsergebnisse, steigende Gewinne oder sogar Rekordergebnisse. Dabei profitieren wie so oft in erster Linie die Kadermitarbeiter. In allen vier untersuchten Unternehmen zeigt sich eine weitere Öffnung der Lohnschere.

22. Mai 2006, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik

Travail.Suisse zu den Managerlöhnen bei Swatch: Transparenz mangelhaft

Das Salär von Nicolas G. Hayek bewegt sich im Vergleich mit anderen Firmen auf durchaus vernünftigem Niveau und in vernünftigen Bahnen. In Sachen Transparenz ist der Geschäftsbericht der Swatch aber keine Ruhmesblatt. Insbesondere die Gehälter der der Konzernleitung werden mehr vertuscht als offen gelegt. mehr

Das Konzernergebnis 2005 der Swatch ist erfreulich ausgefallen. Der Umsatz wurde um über 8 Prozent auf knapp 4,5 Mia. Franken erhöht, der Gewinn konnte sogar um mehr als 20 Prozent auf über 600 Mio. Franken gesteigert werden.

Hayek-Salär in vergleichsweise vernünftigen Bahnen
Nicolas G. Hayek, exekutiver Verwaltungsratspräsident der Swatch, hat letztes Jahr ein Salär von 1.5 Millionen Franken erhalten. Gemessen an der Grösse und Bedeutung des Unternehmens ist dieses Salär im Vergleich zu den Verhältnissen bei anderen Firmen durchaus realistisch. Auch die Steigerung des Salärs um 24 Prozent ist bei Berücksichtigung des Rückgangs um über 30 Prozent im Jahr 2004 nicht als jenseits von Gut und Böse einzustufen. Trotzdem ist die Lohnschere im Jahr 2005 bei der Swatch von 22:1 auf 27:1 gestiegen.

Wenig Transparenz bei Entschädigung der Konzernleitung
Im Gegensatz zur offen ausgewiesenen Salärentwicklung von Nicolas G. Hayek werden die Entschädigungen auf Ebene Konzernleitung mehr vertuscht als offen gelegt. Da hier nur die Gesamtentschädigung der mehr als 20 Personen umfassenden erweiterten Konzernleitungen bekannt gegeben wird, sind Rückschlüsse auf das Salär des CEO Nick Hayek jun. oder der sieben anderen Konzernleitungsmitglieder nicht möglich. Deshalb ist auch die Swatch ein Beispiel dafür, dass nur die individuelle Offenlegung aller Saläre auf der Ebene Verwaltungsrat und Top-Management zur nötigen Transparenz führen wird.

19. Mai 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

Swisslife: Managersaläre in stetigem Aufwind

Der grösste Lebensversicherer der Schweiz ist in ruhige Gewässer zurückgekehrt. Der Gewinn nimmt 2005 zum zweiten Mal tüchtig zu. Auch die Entschädigungen des Topmanagements befinden sich im stetigen Aufwind. Da die Löhne der Belegschaft mit dieser Entwicklung nicht mithalten können, öffnet sich die Lohnschere weiterhin. mehr

Die Swisslife hat die Krise überstanden. Nach 624 Mio. im Jahr 2004 hat sie ihren Gewinn im Jahr 2005 auf 874 Mio. gesteigert.

Konzernleitung mit 25 Prozent mehr Salär
Der Verwaltungsratspräsident Bruno Gehrig hat seine Entschädigung um 4.4 Prozent von 600’000 auf 630’000 Franken gesteigert. Beim CEO Rolf Dörig sind es bereits 8.5 Prozent von 3.18 auf 3.45 Millionen Franken. Und die Konzernleitung hat ihre durchschnittliche Entschädigung gleich um satte 25 Prozent von 1.5 auf 1.85 Millionen Franken angehoben.

Lohnschere öffnet sich weiter auf 71 : 1
Obwohl die Steigerung des Salärs von CEO Rolf Dörig mit plus 8.5 Prozent im Vergleich zu anderen Firmen nicht exorbitant ausfällt, liegt sie natürlich deutlich über den Steigerungsraten der „normalen“ Gehälter und des Mindestlohnes bei Swisslife. Die Lohnschere hat sich deshalb im letzten Jahr von 66 : 1 auf 71 : 1 geöffnet.

Lohnschere schliessen – gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen
Insbesondere die Entwicklung der Lohnschere ist besorgniserregend. Während grosse Lohnunterschiede je nach Branche und Tätigkeitsgebiet einer Unternehmung wohl akzeptiert werden müssen, ist eine stetig steigende Ungleichheit inakzeptabel. Gerade in ruhigen Zeiten bestünde für das Management von grossen Unternehmen die Möglichkeit, mit einer geeigneten Lohnpolitik zur Schliessung der Lohnschere beizutragen und damit ihren Teil der gesellschaftlichen Verantwortung wahrzunehmen.

10. Mai 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik

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