Themen – Arbeit – Managerlöhne

Credit Suisse: Lohnschere von 1:1812

Brady Dougan – CEO der Credit Suisse – sprengt in Bezug auf Gehalt und Lohnschere den Rahmen des bisher Gekannten. An der morgigen Generalversammlung der Credit Suisse wird über den Vergütungsbericht abgestimmt. Travail.Suisse erwartet ein Nein. mehr

An Brady Dougan, CEO der Credit Suisse, wurden für 2009 91 Mio. Franken ausbezahlt – 99 Prozent davon in Form von Boni1. Dies entspricht einer Lohnschere von 1:1812. Oder anders gesagt: Ein Credit Suisse – Angestellter zum Tiefstlohn müsste 1812 Jahre arbeiten um auf das letztjährige Gehalt seines Chefs zu kommen. Mit dieser Lohnschere sprengt die Credit Suisse jeglichen Rahmen. Verhältnisse zwischen Höchst- und Tiefstlöhnen von 1:100, 1:400 oder gar 1:700 wurden in den letzten Jahren immer häufiger. Dougan ist aber der Erste, der mehr als 1000 Mal mehr verdient als seine Mitarbeiter2. Die Lohnschere zwischen Höchst- und Tiefstlohn hat sich bei der Credit Suisse damit um 318 Prozent geöffnet.

Und nicht nur Dougan – auch die anderen Mitglieder der Teppichetage von Credit Suisse verdienten 2009 massiv mehr als noch 2008. Während ein Konzernleitungsmitglied 2008 durchschnittlich 9 Mio. Franken erhielt, waren es 2009 fast 30 Mio. Franken. Eine Öffnung der Lohnschere um 203 Prozent. Die Verwaltungsräte verdienten ebenfalls massiv mehr: So öffnete sich die Lohnschere zwischen dem Lohn des Verwaltungsratspräsidenten und dem Tiefstlohn um 203 Prozent und beträgt neu 1:130.

An der morgigen Generalversammlung stimmen die Aktionäre über den Vergütungsbericht der Credit Suisse ab. Angesichts dieser massiven Exzesse erwartet Travail.Suisse ein Nein. Die Gefahren unverhältnismässiger Managerlöhne – die zu einem Grossteil aus variablen Anteilen bestehen – wurden uns in den letzten Monaten und Jahren mehrfach vor Augen geführt. Es müssen endlich Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden.

1 Dieses Gehalt setzt sich wie folgt zusammen: 71’389’539 Franken in Form von Aktien aus dem PIP I – Programm (Zweck: Mitarbeiterbindung), bewertet zum Schlusskurs am Ausgabetag (20. April 2010), 17’870’000 Franken als leistungsabhängige Vergütung, 1’250’000 Franken als Fixlohn, 50’000 Franken als Dividendenäquivalente, 30’000 Franken in Form sonstiger Vergütungen.
1 Dies bezieht sich auf die, von Travail.Suisse untersuchten Firmen und Jahre. Travail.Suisse untersucht seit 2002 die Vergütungspolitik von 28 Schweizer Unternehmen.

29. April 2010, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik und Yvonne Debrunner, Managerlöhne

Swisscom: Managerlöhne reagieren auf Geschäftsgang

Die Managerlöhne der Swisscom reagieren auf den Geschäftsgang. Dies zeigen auch die Zahlen vom letzten Jahr. Über die lange Frist gesehen zeigt sich aber das übliche Bild: Die Entschädigungen der Teppichetagen steigen klar an. mehr

2009 war für die Swisscom ein durchzogenes Jahr: Zwar konnte der Reingewinn um 10 Prozent gesteigert werden. Der stärkere Preisdruck hatte aber einen Umsatzrückgang zur Folge. Die Managerlöhne indessen blieben im letzten Jahr fast durchwegs konstant. Der Lohnaufwand von CEO Carsten Schloter betrug 2009 wie 2008 1.8 Mio. Franken. Dies entspricht einem Verhältnis von 1 zu 40 zum Mindestlohn. Die Entschädigungen pro Verwaltungsratsmitglied blieben ebenfalls konstant. Sie betragen nach wie vor 234’000 Franken, was einer Lohnschere von 1 zu 5 entspricht. Einzig der Lohnaufwand pro Konzernleitungsmitglied stieg um 2 Prozent an, womit sich die Lohnschere von 1 zu 22 auf 1 zu 23 öffnete.

Lange Frist: Managerlöhne steigen
Die Managerlöhne der Swisscom erweisen sich damit als konjunktursensibel. Dies bestätigt die langfristige Untersuchung der Lohnscheren durch Travail.Suisse. Als Umsatz und Gewinn in den Jahren 2005 und 2006 zurückgingen, schloss sich die Lohnschere. 2007 und 2008 liefen die Geschäfte wieder besser, was die Managerlöhne erneut ansteigen liess. Dass die Entschädigungen auf den Geschäftsgang reagieren, ist positiv. Betrachtet man die Managerlöhne aber über die lange Frist, zeigt sich auch bei der Swisscom das gewohnte Bild: Langfristig geht der Trend nach oben. Seit 2002 hat sich der Lohn des CEO um 30 Prozent erhöht. Ein Konzernleitungsmitglied verdient mittlerweile 43 Prozent mehr, ein Verwaltungsrat 24 Prozent. Wenigstens hat sich auch beim Mindestlohn etwas getan: 2005 wurde er um 15 Prozent erhöht.

27. April 2010, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik und Yvonne Debrunner, Managerlöhne

ABB: Die Lohnschere schliesst sich

Der letztjährige Gewinner der „Travail.Suisse-Lohnschere“ hat den Kurs geändert: Nachdem sich die Lohnschere bei der ABB 2008 massiv geöffnet hatte, schliesst sie sich in diesem Jahr um fast 70 Prozent. Ein Teil des Rückgangs lässt sich durch die wegfallende Antrittsentschädigung von CEO Joe Hogan erklären. mehr

Noch vor einem Jahr hat sich die Lohnschere bei der ABB um 70 Prozent geöffnet. Dies brachte dem Elektronikkonzern die zweifelhafte Ehre als Gewinner der „Travail.Suisse-Lohnschere“ ein. 2009 hat sich das Blatt gewendet: Die Lohnschere bei der ABB schliesst sich deutlich.

Lohnschere schliesst sich um 69 Prozent
So hat sich die Lohnschere zwischen dem ABB-CEO Joe Hogan und seinen Angestellten zum Tiefstlohn um 69 Prozent geschlossen. 2008 betrug das Verhältnis 1:427, 2009 noch 1:133. Das ist zwar immer noch zu viel, der Rückgang ist aber bemerkenswert. Und nicht nur Hogans Lohn ist gesunken, sondern auch die Entschädigungen der anderen Konzernleitungsmitglieder. Während ein Konzernleitungsmitglied 2008 noch durchschnittlich 7 Mio. Franken verdiente, waren es 2009 noch 3 Mio. Ein Rückgang um 53 Prozent! Die Entschädigungen der Verwaltungsräte sind indessen konstant geblieben.

Langfristige Entwicklung?
Ein Teil dieser rückläufigen Entwicklung bei den Managerlöhnen kann mit dem Antrittsbonus von Joe Hogan erklärt werden. Dieser wurde 2008 ausbezahlt und betrug über 10 Mio. Franken. Allerdings sank Hogans Gehalt darüber hinaus um weitere 4 Mio. Franken. Auffällig ist ausserdem, dass sich der Anteil der variablen Vergütungen an den Gesamtentschädigungen der Konzernleitung verringert hat: Von durchschnittlich 63 Prozent im Jahr 2008 auf 52 Prozent im letzten Jahr. Bleibt abzuwarten, ob sich diese Entwicklung als langfristig erweist.

26. April 2010, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik und Yvonne Debrunner, Managerlöhne

Coop und Migros: Lohnschere öffnet sich leicht

Millionenboni und kurzfristige Gewinnmaximierung führten die Weltwirtschaft 2008 in eine tiefe Krise: Entsprechend werden Rufe nach Alternativen zur privatwirtschaftlichen Firmenkultur laut. Eine solche Alternative sind Genossenschaften. Doch was bringen sie? Einiges, zeigt eine Untersuchung der beiden genossenschaftlichen Betriebe Migros und Coop. Aber die Lohnschere, die öffnet sich trotzdem

19. April 2010, Yvonne Debrunner, Managerlöhne

Nestlé: Bulcke arbeitet für weniger Geld

Die Löhne der Nestlé-Konzernleitung stagnieren. Zusammen mit dem höheren Tiefstlohn, führt dies zu einer sich leicht schliessenden Lohnschere. Auffällig ist ausserdem, dass CEO Paul Bulcke für sein Amt deutlich weniger verdient als sein Vorgänger Peter Brabeck. Gute Führungskräfte sind also auch für etwas weniger Geld zu finden. mehr

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat ein eher mässiges Jahr hinter sich. Der Umsatz ging um 2 Prozent zurück, in der Schweiz wurden über 800 Stellen abgebaut. Dennoch wurden die Verwaltungsratslöhne um mehr als 10 Prozent erhöht. In den Löhnen der Konzernleitung hingegen spiegelt sich der durchzogene Geschäftsgang.

Nach wie vor unverhältnismässig
So verharrten etwa die Entschädigungen der Konzernleitungsmitglieder mehr oder weniger auf dem gleichen Niveau. Dazu kommt, dass der Tiefstlohn im letzten Jahr um 7 Prozent erhöht wurde, was zur Folge hat, dass sich die Lohnschere zwischen den Gehältern der Konzernleitungsmitglieder und dem Tiefstlohn um 5 Prozent auf ein Verhältnis von 1 zu 69 schloss. Travail.Suisse wertet die Erhöhung der Tiefstlöhne und die damit einhergehende Schliessung der Lohnschere als positives Zeichen. Allerdings beurteilt Travail.Suisse eine Lohnschere von 1 zu 69 nach wie vor als unverhältnismässig.

Bulcke ist billiger als Brabeck
Nestlés CEO Paul Bulcke verdiente über 11 Mio. Franken. Damit erhielt er 221 Mal so viel, wie ein Nestlé-Angestellter zum Tiefstlohn. Auch dieses Verhältnis entbehrt ohne Zweifel jeglicher rechtfertigender Grundlage. Trotzdem: Die Vergütung des CEOs ist um fast 30 Prozent zurückgegangen. Dieser Effekt ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Bulcke seine Arbeit als CEO für deutlich weniger Geld macht als sein Vorgänger Peter Brabeck. Ein Zeichen dafür, dass gute Manager auch für etwas weniger Geld zu finden sind.

Anmerkung: Peter Brabeck hatte bis im April 2008 ein Doppelmandat als CEO und Verwaltungsratspräsident inne. An der Generalversammlung 2008 trat er als CEO zurück und Paul Bulcke übernahm dieses Amt. Seither ist Peter Brabeck noch als Verwaltungsratspräsident tätig. Für 2008 wurde für Peter Brabecks Lohn nur ein Gesamtbetrag angegeben, der sowohl das CEO-Gehalt für vier Monate, als auch das VRP-Gehalt für ein Jahr enthielt. Um die Vergleichbarkeit mit 2009 zu erhöhen, wurde dieser Betrag wie folgt aufgesplittet: Das VRP-Gehalt Brabecks aus dem Jahr 2009 wurde als Schätzwert seines VRP-Gehalts des Jahres 2008 verwendet. Dieser Schätzwert wurde vom Gesamtbetrag abgezogen. Was übrig blieb, wurde als CEO-Vergütung verbucht. Die CEO-Vergütung des Jahres 2008 entspricht also der Summe aus der geschätzten CEO-Vergütung Brabecks (für vier Monate) und der CEO-Vergütung Bulckes (für neun Monate).

15. April 2010, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik und Yvonne Debrunner, Managerlöhne

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