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Lohnrunde 2005: „mässig“ zufrieden stellend

Die Mehrheit der Arbeitnehmenden wird im nächsten Jahr real nicht mehr Geld im Portemonnaie haben als bisher. Der unstabile Arbeitsmarkt und die Angst vor weiterem Stellenabbau haben trotz guter Ertragslage in verschiedenen Branchen die Ergebnisse der Lohnverhandlungen gedrückt. Für Travail.Suisse, den Dachverband der Arbeitnehmenden, ist die Lohnrunde 05 ein schlechtes Signal für den stagnierenden privaten Konsum. Sie sorgt nicht für den Optimismus, den es für eine stärkere Konjunktur braucht. mehr

Travail.Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, und seine Verbände Syna, transfair und Hotel & Gastro Union haben heute in Bern anlässlich einer Pressekonferenz die Ergebnisse der Lohnrunde 05 kommentiert.

Schlechtes Signal für Wirtschaftswachstum
Im Überblick müssen die Ergebnisse der Lohnrunde 05 als „mässig“ eingestuft werden. Für die Mehrheit der Arbeitnehmenden konnte der Teuerungsausgleich – rund ein Prozent mehr Lohn – erreicht werden. Statt durch Reallohnerhöhungen, die die gute Ertragslage vieler Branchen abbilden, senden die Lohnabschlüsse ein schwaches Signal für den privaten Kon-sum und das Wirtschaftswachstum aus.

Gewerkschaft Syna: Die Mindestforderung des Teuerungsausgleichs wurde mehrheitlich erreicht. Trotzdem schmälern steigende Krankenkassen- und Nichtberufsunfallprämien sowie Veränderungen in der beruflichen Vorsorge die Kaufkraft der Arbeitnehmenden. Positiv ist, dass vorab im Gewerbesektor die tieferen Lohnkategorien durch Festlegung von Sockelbeträgen mehr an den Lohnerhöhungen partizipieren können.
Hotel & Gastro Union: Der ausgehandelte Teuerungsausgleich deckt den Kaufkraftverlust kaum. Die Branche hat weiter mit tiefen Mindestlöhnen und mit strukturellen Überkapazitä-ten zu kämpfen. Ziel ist, den 13. Monatslohn auch für die Arbeitnehmenden in der Gastrobranche von Anstellungsbeginn an verbindlich einzuführen.
Gewerkschaft transfair: Die Lohnergebnisse sind zufrieden stellend. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind düster: Der Bund macht massive Sparprogramme; die Swisscom baut weiter Stellen ab und die Post lagert Bereiche aus. Sorgen bereitet auch die Entwicklung der beruflichen Vorsorge.

Verteilungskampf weiterführen
Die Verbände sind sich einig: Der Verteilungskampf ist weiter zu führen. Das Lohngefüge vieler Firmen und Branchen ist zu verändern. Gegen eine weitere Spreizung der Lohnschere muss eingeschritten werden.

12. Dezember 2004, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon