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«Barometer Gute Arbeit»: Die neusten Ergebnisse liegen bald vor

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, hat vor zwei Jahren den «Barometer Gute Arbeit» lanciert. Auf Basis einer repräsentativen Befragung der Arbeitnehmenden in der Schweiz, findet eine qualitative Bewertung der Arbeitsbedingungen statt. Mit der dritten Befragungswelle in diesem Jahr wird es möglich, Trendaussagen über die Zeit zu machen. Die breitere Datenbasis erlaubt dieses Jahr auch eine vertieftere Regionen- oder Branchenspezifische Bewertung der Arbeitsbedingungen vorzunehmen. Die Ergebnisse werden am 23. November an einer Medienkonferenz präsentiert werden. mehr

Die bezahlte Erwerbsarbeit geniesst in unserer Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert, welcher weit über die materielle Existenzsicherung hinausgeht. Allein durch die zeitliche Dimension nimmt die Arbeit einen wichtigen Teil in unseren Leben ein und ist ein wichtiger Faktor für die persönliche Entwicklung. Die Arbeit beeinflusst so sämtliche Lebensbereiche und die Qualität der Arbeit – die Arbeitsbedingungen – beeinflussen damit massgeblich unsere Lebensqualität. Die Qualität der Arbeit ist damit für das Wohlbefinden der Arbeitnehmenden absolut zentral und es ist diese Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen, welche Arbeit – aus Sicht der Arbeitnehmenden – zu guter oder eben schlechter Arbeit werden lässt.

Eine Arbeitsgestaltung, die insbesondere den Schutz der Gesundheit achtet und eine Ausgewogenheit zwischen Belastung und Entlastung bietet, gehört zu den Kernpunkten von guter Arbeit. Dies deckt sich mit der arbeitswissenschaftlichen Forderung nach einer schädigungslosen und beeinträchtigungsfreien Arbeitsgestaltung. Weiter bedeutet gute Arbeit ein verlässliches Einkommen zu erhalten und eine gewisse Beschäftigungssicherheit zu haben. Die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit muss ebenso erkennbar sein wie Gestaltungsspielraum vorhanden sein muss, um die eigenen Fähigkeiten in die Arbeit einbringen zu können. Die Wertschätzung der geleisteten Arbeit durch den Vorgesetzten ist genau so entscheidend wie eine von Vertrauen geprägte Beziehung zum Arbeitgeber als Ganzes. Es braucht ausreichend Einflussmöglichkeiten und eine Förderung der beruflichen Entwicklung damit sich eine Zufriedenheit mit der Arbeit im Generellen und der eigenen Karriere im Speziellen einstellt. Mit dem «Barometer Gute Arbeit» verfügt Travail.Suisse über ein Instrument, welches geeignet ist die Bewertung der Arbeitsbedingungen aus Sicht der Arbeitnehmenden abzubilden. Diese Beurteilung durch die Arbeitnehmenden ist folglich als menschliches Mass für die Bewertung der Arbeit zu verstehen, welches mindestens genau gleichviel Berechtigung hat wie betriebswirtschaftliche Kennzahlen.

Die Bewertung der Arbeitsbedingungen richtet sich dabei an der Kernfrage nach einer guten Arbeit im Sinne von zukunftsfähiger Arbeit aus. Zukunftsfähige Arbeit soll die Gesundheit schützen, die Motivation erhalten und den Arbeitnehmenden eine gewisse Sicherheit vermitteln. Der schematische Aufbau des «Barometer Gute Arbeit» ist in Grafik 1 ersichtlich.

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Rückblick erste Befragungswellen (2015 und 2016)

Im Bereich der Dimension Gesundheit wurden insbesondere die psychosozialen Belastungsfaktoren negativ beurteilt. So fühlen sich beinahe 40% der Arbeitnehmenden durch ihre Arbeit oft oder sehr häufig gestresst und rund ein Drittel fühlt sich nach einem Arbeitstag oft oder sehr häufig emotional erschöpft. Und auch der Präsentismus – das Arbeiten trotz Krankheit – ist weit verbreitet. 30% der Beschäftigten geben an, dass sie oft oder sehr häufig arbeiten auch wenn sie krank sind und lediglich 19% stehen bei Krankheit nie im Einsatz. Weiter zeigte sich, dass 37.5 Prozent der Arbeitnehmenden ihre Pausen oft oder sehr häufig nicht oder nicht vollständig beziehen können.

Die Dimension Motivation erhielt grundsätzlich die besten Bewertungen durch die Arbeitnehmende. Es ist dies Ausdruck einer hohen Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit und einer grossen Identifikation mit der eigenen Arbeit. Eher schlecht wurden dagegen die Entwicklungsmöglichkeiten beurteilt. So fehlt bei 16.7 Prozent der Arbeitnehmenden das jährliche Mitarbeitergespräch und für weitere 39.2 Prozent ist es nicht konstruktiv und hilfreich. Und auch die Förderung der Aus- und Weiterbildung durch den Arbeitgeber ist für beinahe die Hälfte der Arbeitnehmenden ungenügend. Bemerkenswert sind auch die Unterschiede in der Förderung der Aus- und Weiterbildung durch den Arbeitgeber je nach Ausbildungsstand der Arbeitnehmenden. Die Förderung der Aus- und Weiterbildung durch den Arbeitgeber nimmt mit abnehmendem Bildungsstand der Arbeitnehmenden kontinuierlich ab.

In der Dimension Sicherheit ist es insbesondere die mittelfristige Perspektive, welche den Arbeitnehmenden Sorge bereitet. Dieses mittelfristige Unsicherheitsempfinden entsteht aus einer verbreiteten Erwartung von zunehmender Arbeitsbelastung in naher Zukunft, dem Eindruck kaum Einfluss auf Veränderungen am eigenen Arbeitsplatz zu haben und insbesondere der Sorge, dass es schwierig wäre, bei Verlust des jetzigen Arbeitsplatzes, eine vergleichbare Arbeit mit ähnlichem Lohn zu finden. Eine solch eingeschränkte Arbeitsmarktmobilität empfindet eine Mehrheit der Arbeitnehmenden als Realität. Ausserdem steigt sie mit zunehmenden Alter stark an und macht bei den 46-64-jährigen rund zwei Drittel der Arbeitnehmenden aus. Weiter zeigte sich, dass insbesondere die Arbeitnehmenden aus den exponierten Arbeitsmärkten des Tessins und der Genferseeregion von einer eingeschränkten Arbeitsmarktmobilität betroffen sind.

Ausblick dritte Befragungswelle (2017)

Mit dem «Barometer Gute Arbeit» ist es möglich ein Bild der Qualität der Arbeitsbedingungen in der Schweiz zu zeigen. Mit der jetzt vorliegenden dritten Befragungswelle wird es möglich, Veränderungen und Trends über die Zeit aufzuzeigen. Eine Art Monitoring über die Veränderung der Bewertung von einzelnen Aspekten der Arbeitsbedingungen ist für eine sich wandelnde Wirtschaft und unter dem Eindruck von wirtschaftlichen, politischen und arbeitsmarktlichen Veränderungen (z.B. Frankenstärke, zunehmende Digitalisierung, Auflockerung der Pflicht zur Arbeitszeiterfassung usw.) sicherlich sinnvoll und gewinnbringend. Mit den zusätzlich integrierten Fragen zur Pausensituation und den Mitarbeitergesprächen sowie den neuen Fragen zur Auswirkung der Digitalisierung können neue spannende Einblicke in die Arbeitsrealitäten der Arbeitnehmenden in der Schweiz erwartet werden. Ausserdem ermöglicht die sich weiter verbreiternde Datenbasis eine tiefere Identifikation von regionalen und branchenspezifischen Unterschieden in der Beurteilung der Qualität der Arbeitsbedingungen.

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2017 11 13 Ankuendigung Barometer-Gute-Arbeit dritte-Welle d.docx 288 KB

13. November 2017, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Bundesrat hat schönfärberische Einschätzung zu den Auswirkungen der Digitalisierung

Der Bundesrat zieht im heute veröffentlichten Bericht zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf Beschäftigung und Arbeitsbedingungen eine positive Bilanz. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, teilt zwar die Einschätzung, dass die Auswirkungen der Digitalisierung bisher kaum spürbar sind, sieht aber auch Risiken für die Arbeitnehmenden. Insbesondere die Aus- und Weiterbildung wird zentral sein, um den kommenden Strukturwandel unbeschadet zu überstehen. mehr

Es ist richtig und wichtig, dass der Bundesrat Massnahmen für bessere Datengrundlagen über neue Beschäftigungsformen sowie die Veränderungen von Beschäftigung und Arbeitsbedingungen im Kontext der Digitalisierung plant. „Der Bundesrat darf aber keinesfalls die Augen vor den Risiken der Digitalisierung verschliessen. Gerade in der Zunahme der atypisch-prekären Arbeitsverhältnisse einerseits und der Schere zwischen digitaler Elite und digitalen Zulieferern resp. Erbringern von persönlichen Dienstleistungen liegt eine der grössten Gefahren der Digitalisierung“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. Auch die zunehmende Flexibilisierung von Arbeit und Arbeitszeiten bringt zusätzliche Arbeits- und psychosoziale Belastungen wie Stress oder emotionale Erschöpfung. Die Seco-Stressstudie wie auch der « Barometer Gute Arbeit » von Travail.Suisse belegen diese Zunahme von Stress in der Arbeitswelt. Leider wird dies im Bericht des Bundesrates zu wenig berücksichtigt.

Massnahmen zur Förderung der Aus- und Weiterbildung unzureichend

Dass Aus- und Weiterbildung zentral sein werden, um den durch die Digitalisierung induzierten Strukturwandel erfolgreich zu gestalten, anerkennt der Bundesrat in seinem Bericht. Allerdings bleiben die vorgeschlagenen Massnahmen unzureichend. Eine gezielte Förderung der Grundkompetenzen am Arbeitsplatz und der MINT-Kompetenzen im Ausbildungssystem sowie die Klärung der Möglichkeiten der arbeitsmarktlichen Massnahmen der Arbeitslosenversicherung zu Umschulungszwecken sind zwar zu begrüssen. Allerdings fehlt neben diesen punktuellen Massnahmen ein genereller Plan, wie die Weiterbildung für diejenigen Arbeitnehmenden gefördert werden kann, die aufgrund des Strukturwandels drohen, abgehängt zu werden.

Mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik, 076 412 30 53

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2017 11 08 MM Bericht Digitalisierung d.docx 40 KB

08. November 2017, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Arbeitszeiten als Problembereich der Arbeitsbedingungen

Das SECO hat heute die Ergebnisse für die Schweiz aus der sechsten Europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen präsentiert. Neben negativen Entwicklungen bei den physischen Belastungen zeigen sich insbesondere die Arbeitszeiten als Problembereich. Die Ergebnisse decken sich weitestgehend mit den Ergebnissen des «"Barometer Gute Arbeit":http://www.travailsuisse.ch/themen/arbeit/barometer_gute_arbeit», eines Instrumentes zur Bewertung der Arbeitsbedingungen von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden. mehr

Mit der Europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen (European Working Conditions Survey EWCS) wird seit 1990 alle fünf Jahre eine vergleichende Untersuchung zu den Arbeitsbedingungen in Europa durchgeführt.

Schweiz: lange und flexible Arbeitszeiten mit negativen Auswirkungen für die Arbeitnehmenden

Neben einer Zunahme der physischen Belastungen seit 2005 weist der EWCS insbesondere die Arbeitszeiten als Problembereich der Arbeitsbedingungen in der Schweiz aus. Nicht nur die Arbeitswoche ist mit 42 Stunden deutlich länger als im europäischen Durchschnitt (39 Stunden). Auch sind mit 18,2% deutlich mehr Arbeitnehmende von kurzfristigen Änderungen der Arbeitszeiten betroffen als in der EU (12.5%). Weiter gibt 2015 nur noch eine Minderheit von 42,2% der Arbeitnehmenden an, über eine freie Pausenwahl zu verfügen; rund 12 Prozentpunkte weniger als noch 2005. Als Folge erleben ein Viertel der Arbeitnehmenden häufig oder immer Stress bei der Arbeit und gar ein Drittel der Arbeitnehmenden fühlt sich nach einem Arbeitstag meistens oder immer erschöpft. „Diese Ergebnisse der zunehmenden zeitlichen und psychosozialen Belastungen in der Arbeitswelt, sind uns durch den «"Barometer Gute Arbeit":http://www.travailsuisse.ch/themen/arbeit/barometer_gute_arbeit» bekannt, auch dort wird der Verlust an Zeitautonomie und der Verzicht oder die Verkürzung der Pausen durch die Arbeitnehmenden stark beklagt“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse.

Weiterer Angriff auf die Arbeitszeiten im Parlament

Obwohl die Arbeitnehmenden in der Schweiz bereits mit langen, flexiblen und belastenden Arbeitszeiten konfrontiert sind, arbeitet das Parlament an einem weiteren Abbau des Arbeitnehmerschutzes. Mit den beiden parlamentarischen Initiativen Graber (16.414) und Keller-Sutter (16.423) soll die Arbeitszeiterfassung ausgehebelt, die Begrenzung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit aufgehoben und die Ruhezeiten verkürzt werden. „Insbesondere der Verzicht auf die Erfassung der Arbeitszeit verunmöglicht die Kontrolle der materiellen Bestimmungen des Arbeitsgesetzes. Das bedeutet Gratisarbeit durch die Arbeitnehmenden, eine massive Zunahme von Stress und gesundheitlichen Risiken und eine Verunmöglichung der Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Privatleben und Weiterbildung“, so Wüthrich. Bereits jetzt werden durch die Arbeitnehmenden in der Schweiz pro Jahr rund 200 Millionen Überstunden geleistet, welche zukünftig nicht einmal mehr in der Statistik auftauchen würden. Das Drängeln der Arbeitszeit-Liberalisierer ist umso unverständlicher, da erst auf den 1.1.2016 ein sozialpartnerschaftlicher Kompromiss zur Deregulierung der Arbeitszeiterfassung in Kraft getreten. Travail.Suisse wird weitere Verschlechterungen der Arbeitszeiten für die Arbeitnehmenden vehement bekämpfen.

Mehr Informationen:
Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, Mobile: 079 287 04 93 35 19

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2017 05 22 TravailSuisse EWCS Lange-Arbeitszeiten-sind-ein-Problem-in-der-Schweiz d.docx 44 KB

22. Mai 2017, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Frontalangriff aufs Arbeitsgesetz

Die Wirtschaftskommission des Nationalrates hat gestern einen Angriff auf den Arbeitnehmerschutz gestartet, den Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, nicht hinnehmen kann. Mit der Überweisung der beiden parlamentarischen Initiativen Graber (16.414) und Keller-Sutter (16.423) soll die Arbeitszeiterfassung ausgehebelt, die Begrenzung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit aufgehoben und die Ruhezeiten verkürzt werden. Für die Gesundheit der Arbeitnehmenden ist dies ein ungeniessbarer Cocktail. mehr

Die beiden überwiesenen Vorstösse sehen vor, dass bestimmte Wirtschaftszweige sowie Gruppen von Betrieben oder Arbeitnehmenden von der Einhaltung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 45 Stunden befreit werden sollen und weiter die minimale Ruhezeit auf acht Stunden herabgesetzt werden kann. Grundsätzlich sollen „leitende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und Fachspezialisten“ von der Pflicht zur Erfassung der Arbeitszeit ausgenommen werden. Mit diesem Angriff werden nicht nur zentrale Schutzbestimmungen des Arbeitsgesetzes tangiert sondern durch den schwammig formulierten Geltungsbereich ist auch ein Grossteil der Arbeitnehmenden in der Schweiz betroffen.

Bereits in den letzten Jahren haben Stress, Arbeitsbelastung und Burnout stark zugenommen. Der Verlust von Zeitautonomie in der Arbeitswelt wird als grösste Verschlechterung der Arbeitsbedingungen beklagt (vgl. Barometer Gute Arbeit 2016). Die überwiesenen Vorstössen werden die Belastungssituation für die Arbeitnehmenden noch einmal deutlich verschlechtern sowie die Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Privatleben und Weiterbildung massiv erschweren.

„Insbesondere der Verzicht auf die Erfassung der Arbeitszeit verunmöglicht die Kontrolle der materiellen Bestimmungen des Arbeitsgesetzes und birgt die Gefahr von Gratisarbeit durch die Arbeitnehmenden“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. Bereits jetzt werden durch die Arbeitnehmenden in der Schweiz pro Jahr rund 200 Millionen Überstunden geleistet, die zukünftig nicht einmal mehr in der Statistik auftauchen würden. Der überstürzte Entscheid der WAK ist umso unverständlicher, da erst auf den 1.1.2016 eine Deregulierung der Arbeitszeiterfassung in Kraft getreten ist und ein Vorschlag zur weiteren Vereinfachung auf Basis des sozialpartnerschaftlichen Kompromisses nicht abgewartet wurde.

Mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, Büro: 031 370 21 11, Mobil: 076 412 30 53

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22. Februar 2017, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Arbeitnehmende sind unzufrieden mit Löhnen und Arbeitszeiten

Das «Barometer Gute Arbeit» wird als Kooperationsprojekt der Berner Fachhochschule und des Gewerkschaftsdachverbands Travail.Suisse jährlich herausgegeben. Die repräsentativen Ergebnisse beleuchten die Qualität der Arbeitsbedingungen in der Schweiz und ihre Veränderungen. Die Ausgabe 2016 zeigt neben grossen psychosozialen Belastungen und mangelhafter Förderung der Weiterbildung eine zunehmende Unzufriedenheit mit Löhnen und Arbeitszeiten.

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Während Belastungen wie Stress, Termindruck, fehlende Gesundheitsförderung oder Weiterbildung hoch bleiben, nimmt die Zufriedenheit mit Löhnen und Arbeitszeiten ab. Leicht rückläufig scheint auch die Arbeitsplatzsicherheit insgesamt zu sein.

Grosse Unterschiede zwischen Branchen und Regionen

Die Ergebnisse des Barometer 2016 zeigen, dass Arbeitnehmende in der Schweiz ihre Arbeit zwar grundsätzlich als sinnstiftend und nützlich beurteilen und sich mit der eigenen Arbeit auch identifizieren. Sorge bereitet aber das Ausmass der psychosozialen Belastungen: „Immer mehr Stress und emotionale Erschöpfung sind heute für die meisten Arbeitnehmenden eine Realität“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. Und: „Dass Arbeitnehmende die Massnahmen zur Gesundheitsförderung wie auch zur Förderung von Weiterbildungen als ungenügend einschätzen, befeuert die psychosozialen Belastungen zusätzlich.“ Im Jahresvergleich wird ebenfalls deutlich, dass die Lohnzufriedenheit abnimmt, Arbeitnehmende ihre Arbeitszeiten immer weniger selber gestalten können und die Arbeitsmenge stetig zunimmt. Im Normalfall bietet ein Mitarbeitergespräch die Möglichkeit, solche Belastungen und Unzufriedenheiten anzusprechen, doch die Studie zeigt auch, dass über die Hälfte der Arbeitnehmenden entweder kein hilfreiches oder gar kein Mitarbeitergespräch haben.

Die erwähnten Defizite sind allerdings längst nicht bei allen Branchen und in allen Regionen gleichermassen ausgeprägt. Innerhalb der Regionen stehen vor allem Arbeitnehmende der lateinischen Schweiz stark unter Druck. „Im Tessin und der Genferseeregion sorgt sich bis zu einem Viertel der Arbeitnehmenden (26,6%) um ihren Arbeitsplatz – in der Restschweiz sind es noch 13,2%“, sagt Fischer. Auch bei den psychosozialen Belastungen zeigen sich deutliche Unterschiede: Während sich in der Deutschschweiz rund ein Drittel der Arbeitnehmenden am Ende eines Arbeitstages oft oder sehr häufig emotional erschöpft fühlt, ist dieser Wert in der Genferseeregion deutlich erhöht und gehört im Tessin für fast jeden zweiten Arbeitnehmenden zur Arbeitsrealität. Innerhalb der Branchen sind die Arbeitsbedingungen im Gross- und Detailhandel, im Gastgewerbe sowie in Verkehr und Lagerei unterdurchschnittlich, insbesondere der Sinn der Arbeit wird auch in der Finanz- und Versicherungsbranche kritisch beurteilt.

Pro Arbeitszeiterfassung, Weiterbildung und Reallohnerhöhung – drei zentrale Forderungen

Damit der liberale Schweizer Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig bleibt, muss zukunftsfähige Arbeit die Gesundheit der Arbeitnehmenden schützen, ihre Motivation erhalten und ein gewisses Mass an Sicherheit bieten. In einigen elementaren Punkten zeigen die repräsentativen Ergebnisse des „Barometer Gute Arbeit“, dass dem nicht so ist. Deshalb stellt Travail.Suisse die folgenden drei Forderungen:

1. Arbeitnehmende müssen die Hoheit über ihre freie Zeit behalten
Die Zahlen zeigen, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwinden resp. dass Arbeitgebende immer mehr über ihre freie Zeit bestimmen. Parallel dazu wird im Parlament ein Angriff auf das Arbeitsgesetz und den Kompromiss über die Arbeitszeiterfassung gestartet. Für Travail.Suisse ist klar: Die Angriffe auf das Arbeitsgesetz und die Arbeitszeiterfassung müssen mit allen Mitteln bekämpft werden. Eine Flexibilisierung muss zwingend auch den Arbeitnehmenden zu Gute kommen.

2. Ohne Weiterbildung keine qualifizierten Arbeitnehmenden
Die Weiterbildung fristet in Unternehmen leider noch immer ein Mauerblümchendasein. Dabei ist sie insbesondere hinsichtlich Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit zentral – gerade für die älteren Arbeitnehmenden. Am 1. Januar 2017 tritt das eidgenössische Weiterbildungsgesetz in Kraft. Es verlangt, dass die Unternehmen die Weiterbildung „begünstigen“. Die Mitarbeitenden sollen bei der Planung und Umsetzung ihrer Weiterbildungsstrategie unterstützt werden. Dabei appelliert Travail.Suisse auch an den Bundesrat: Der sich in Prüfung befindende Sonderkredit für Weiterbildung muss nächstes Jahr endlich gesprochen werden.

3. Reallohnerhöhung ist nötig bis überfällig
Das „Barometer Gute Arbeit“ zeigt auch, dass die Arbeitnehmenden das Gefühl haben, ihr Lohn sei nicht mehr angemessen zur geforderten Leistung. Tatsächlich ist die Reallohnentwicklung in den letzten Jahren unterdurchschnittlich. Auf der anderen Seite werden die Gewinne der Unternehmen immer tiefer besteuert (z.B. auch USRIII). Brexit und diverse Wahlen haben gezeigt, dass immer mehr Arbeitnehmende überzeugt sind, der freie Handel komme wenigen Grossunternehmen und ihren Aktionären zu Gute. Es ist deshalb an der Zeit mit Reallohnerhöhungen Gegensteuer zu geben, bevor die Arbeitnehmenden an der Urne die Quittung zeigen.

Weitere Informationen:
• Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, 079 287 04 93
•Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, 076 412 30 53

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2016 11 21 MM Barometer-Gute-Arbeit d.pdf 125 KB

2016 11 21 Barometer-Gute-Arbeit Analysetext G-Fischer d.pdf 893 KB

2016 11 21 Barometer-Gute-Arbeit Forderungen A-Wuethrich d.pdf 111 KB

2016 11 21 Studie Barometer-Gute-Arbeit d.pdf 2058 KB

21. November 2016, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

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Donnerstag, 23. November 2017, 9.30 Uhr, Welle 7 (Deck 4, Raum-Nummer 4.13), Schanzenstrasse 5, Bern

Thema:
Barometer Gute Arbeit Qualität der Arbeitsbedingungen aus der Sicht der Arbeitnehmenden – repräsentative Ergebnisse für die Jahre 2015 bis 2017

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