Themen – Arbeit – Arbeitsmarkt

Situation auf dem Arbeitsmarkt: nicht zufriedenstellend

Seit Mitte 2003 ist die Schweizer Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs. Doch der Aufschwung erreicht den Arbeitsmarkt nur ungenügend. Zwar sinkt seit einem Jahr die Zahl der bei den regionalen Arbeitsvermittlungsstellen (RAV) angemeldeten Erwerbslosen. Doch diese Statistik zeigt ein zu optimistisches Bild. Tatsache ist, dass auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt rund 221’000 Vollzeitstellen fehlen.

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30. Oktober 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Die Wirtschaft boomt, der Arbeitsmarkt stagniert

Die Arbeitslosenquote sinkt und die Arbeitsmarktsituation entspannt sich. Diese gute Nachricht des seco wird durch die Arbeitskräfteerhebung des BFS relativiert. Tatsache ist, dass auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt rund 221’000 Vollzeitstellen fehlen. Das sind nur 5’000 weniger als im 2005. Dringender Handlungsbedarf besteht bei den jugendlichen Arbeitslosen. Travail.Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, stellt besorgt fest, dass die boomende Wirtschaft den Arbeitsmarkt nicht erreicht. mehr

Heute Morgen haben das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco), das Bundesamt für Statistik (BFS) und das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) die neusten Daten zur Lage auf dem Arbeitsmarkt publiziert. Die Situation ist ernster als erwartet.

Sinkende Arbeitslosenquote trügt
In den vergangenen Monaten konnte man sich über die sinkende Arbeitslosenquote freuen (Stand September 06: 3.1 Prozent). Die seco-Statistik erfasst diejenigen Erwerbslosen, die bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) arbeitslos gemeldet sind. Sie zeigt damit ein geschöntes Bild der Arbeitsmarktentwicklung. Denn die Arbeitslosenquote sinkt nicht nur, wenn die Erwerblosen wieder eine Anstellung gefunden haben, sondern auch, wenn sie ausgesteuert werden. Zudem melden sich Wiedereinsteiger/innen oder Erwerbstätige, die ihr Pensum aufstocken möchten, kaum beim RAV.

Arbeitsmarktsituation 2005 – 2006: keine Verbesserung
Die Arbeitskräfteerhebung des BFS zeigt ein ganzheitlicheres Bild des Arbeitsmarktes. Die Resultate sind ernüchternd: Im Verlaufe des letzten Jahres gab es kaum Verbesserungen. Die Zahl der Erwerbslosen, die nicht bei einem RAV eingeschrieben sind, erhöhte sich leicht von 78’000 auf 81’000 Personen. Auch die Unterbeschäftigungsquote, also die Erwerbstätigen, die ihr Pensum aufstocken möchten, verharrte auf 6.1 Prozent. In der Schweiz fehlen 221’000 Vollzeitstellen, das entspricht einer Arbeitsmangelquote von 10.1 Prozent.

Handlungsbedarf bei Jugendlichen
Das BBT meldet, dass es dieses Jahr wieder zu wenige Lehrstellen gibt. Die Arbeitslosenquote der 15- bis 24Jährigen ist mit 4 Prozent die höchste aller Altersgruppen. Die Wirtschaft ist aufgefordert, Lehrstellen zu schaffen und den jungen Leuten mit einer Anstellung eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu bieten.

Travail.Suisse ist besorgt, dass das hervorragende Wirtschaftswachstum die Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht nachhaltig verbessert. Hat die Schweiz ein Beschäftigungsproblem?

10. Oktober 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Volkswirtschaftsdepartement: Die Herausforderungen liegen auf dem Tisch

Nach der Bundesratswahl vom 14. Juni ist das Volkswirtschaftsdepartement neu zu besetzen. Obwohl die mediale Aufmerksamkeit vor allem auf die Person der Kandidatin gerichtet ist, sollten in erster Linie die künftigen Herausforderungen im Volkswirtschaftsdepartement debattiert werden: Jugendarbeitslosigkeit, Weiterbildung und Einkommensverteilung.

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PD Volkswirtschaftsdepartement - Herausforderungen auf dem Tisch Mai 2006.doc 32 KB

22. August 2006, Hugo Fasel, Präsident Travail.Suisse bis 2008 Drucker-icon

Arbeitsmarkt: Jetzt geht’s um die Jungen

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin entspannter als auch schon. Die Arbeitslosenquote verbleibt bei 3.1%. Für viele Jugendliche und junge Erwachsene sieht die Situation allerdings ganz anders aus: Bei den Jungen steigt die Arbeitslosigkeit wieder. Vor allem die 15-19 Jährigen, die diesen Sommer die Lehre oder die Schule beendet haben, spüren die Schwierigkeiten des Übergangs ins Erwerbsleben. Nun ist es an den Arbeitgebern, den Jungen eine Chance zu geben und ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen. Die wirtschaftlichen Bedingungen dazu sind ideal, denn die Auftragsbücher sind voll. Es darf nicht sein, dass bei hervorragender Konjunktur die Jugendarbeitslosigkeit wieder zunimmt! Deshalb braucht es jetzt mehr Lehrstellen und die Weiterbeschäftigung der Lehrabgänger. mehr

Die Schweizer Wirtschaft geht es nach wie vor gut. Die Zeichen auf dem Arbeitsmarkt stehen besser als auch schon. Die Arbeitslosenquote bleibt unverändert bei 3.1 . Konjunktur abhängige Branchen wie das Baugewerbe zeigen weiterhin eine Tendenz Richtung Entspannung. Ganz anders sieht es bei den jüngeren Arbeitnehmenden aus: Die Zahl der 15-19 Jährigen Arbeitslosen ist um fast einen Drittel angestiegen, die Arbeitslosenquote der 15-24 Jährigen nähert sich der 4 Grenze. Besonders betroffen sind junge Leute, die vor kurzem die Lehre oder die Schule beendet haben und nun frisch auf Stellen- und Lehrstellensuche sind. Dabei wird sich das volle Ausmass der Lehrstellen- und Stellenknappheit erst in den Arbeitslosenzahlen der kommenden Monate widerspiegeln.

Erste Arbeitserfahrung zentral für Junge
Das Sammeln erster Arbeitserfahrungen ist zentral für die späteren Anstellungschancen junger Arbeitnehmender. Die geburtenstarken Jahrgänge befinden sich jetzt am Übergang von der Schule und Ausbildung in das Berufsleben. Werden ihnen jetzt nicht genügend Einstiegs- und Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten geboten, wird die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den kommenden Monaten wieder rapid ansteigen. Denn der Grossteil wird sich erst im August oder September bei den Behörden melden, wenn keine Lehrstelle oder sonstige Anschlusslösung gefunden werden konnte. Und dies bei hervorragender Konjunktur. Das darf nicht sein!

Lehrabgänger weiter beschäftigen, Lehrstellen schaffen
Die Betriebe sind deshalb aufgefordert, ihre Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger definitiv zu übernehmen oder bei fehlender Anschlusslösung so lange wie möglich weiter zu beschäftigen. Zudem braucht es dringend mehr Lehrstellen für die geburtenstarken Jahrgänge. Noch Ende April waren über 20’000 Jugendliche ohne Lehrstelle!

08. August 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Aktive Beschäftigungspolitik steht im Vordergrund

Travail.Suisse gratuliert Doris Leuthard zu ihrer Wahl in den Bundesrat und freut sich, dass endlich eine weitere Frau Einsitz in die Schweizer Landesregierung nimmt. Nach der Wahl steht jetzt die Frage im Raum, wer das Volkswirtschaftsdepartement übernehmen wird. Auf die Nachfolgerin oder den Nachfolger von Joseph Deiss im EVD warten grosse Herausforderungen. Travail.Suisse fordert Massnahmen im Bereich der Beschäftigungspolitik, Weiterbildung und Einkommensverteilung. mehr

Travail.Suisse fordert von der neuen Volkswirtschaftsministerin oder dem neuen Volkswirtschaftsminister, dass sie oder er eine aktive Beschäftigungspolitik betreibt und den öffentlichen Druck auf die Wirtschaft zur Schaffung neuer Stellen erhöht. Denn obwohl die Wirtschaft wächst und die Firmengewinne historisch hoch sind, bewegt sich die Arbeitslosigkeit nur schleichend nach unten. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit und der Mangel an Lehrstellen geben zu grosser Sorge Anlass.

Travail.Suisse erwartet von der neuen Departementsvorsteherin oder dem neuen Departementsvorsteher zudem, dass sie oder er sich mit Vehemenz in die Diskussion um die Managerlöhne einmischt. Wer das Volkswirtschaftsdepartement führt, vertritt zugleich das Modell der sozialen Marktwirtschaft. Dieses Modell ist verteilungspolitisch zunehmend in Frage gestellt.

Systematische Weiterbildung fördern und zum Service public Sorge tragen
Travail.Suisse erinnert daran, dass die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes sehr stark von der Innovationskraft der Arbeitnehmenden abhängt und durch die Umsetzung von Forschungsergebnissen in marktfähige Güter und Dienstleistungen erreicht wird. Dies verlangt nach verstärkter und systematischer Weiterbildung der Arbeitnehmenden und den entsprechenden Fördermassnahmen.

Das Volkswirtschaftsdepartement muss der Politik aber auch bewusst machen, dass unsere Wettbewerbsfähigkeit wesentlich von einer verlässlichen Infrastruktur, von einem modernen, technisch hoch stehenden Service public abhängt. Die Leistungen des Service public, die auf Exaktheit, Pünktlichkeit, Sicherheit, Gesundheit und Verlässlichkeit beruhen, sind für den Standort Schweiz entscheidend. Sie locken noch heute Weltkonzerne in die Schweiz

14. Juni 2006, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon