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Wachsendes Bewusstsein für ältere Arbeitnehmende

Das Potenzial älterer Arbeitnehmender rückt vermehrt in den Fokus der Diskussionen, hauptsächlich aus folgenden Gründen: Erstens besteht seit Jahren ein Geburtendefizit, weshalb mehr Arbeitskräfte mit Wohnsitz in der Schweiz in Pension gehen als neu in die Arbeitswelt eintreten. Das wird auch künftig so bleiben. Zweitens schränkt die angenommene Masseneinwanderungsinitiative die Rekrutierung ausländischer Arbeitskräfte massiv ein und drittens leiden verschiedene Berufssparten (Technik, Gesundheit, Bau…) bereits heute unter einem Fachkräftemangel, der sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen dürfte. mehr

Trotz dieser Ausgangslage trennen sich viele Arbeitgeber von älteren Mitarbeitenden, bevor diese das Rentenalter erreichen, oder sie stellen kaum ältere Bewerberinnen und Bewerber ein. Ein aktueller Bericht der OECD zeigt immerhin, dass unser Land in dieser Hinsicht vergleichsweise ansprechend abschneidet – dass aber noch Verbesserungspotenzial besteht.

Im internationalen Vergleich liegt nämlich die Schweiz mit einer Beschäftigungsquote von 70,5% bei den 55- bis 64-Jährigen auf dem 5. Rang der OECD-Länder. Allerdings arbeiten sehr viele Frauen nur Teilzeit, und über 50-jährige Erwerbslose werden häufig zu Langzeitarbeitslosen, die keine Stelle mehr finden, womit die Zahl der Ausgesteuerten steigt. Dieses Problem betrifft vor allem Personen ohne berufliche Grundbildung oder mit einer Ausbildung, die auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt ist.

Dequalifizierung verhindern, Beschäftigungsaussichten verbessern

Der Schluss, dass zu viele über 50-Jährige von der Arbeitswelt ausgeschlossen sind, drängt sich besonders auf, wenn man sich vor Augen hält, dass verschiedene Kreise eine Anhebung des Rentenalters fordern, dass die Lebenserwartung steigt und dass ältere Arbeitskräfte ein brachliegendes Potenzial zur Bekämpfung des Fachkräftemangels darstellen. Dass sie häufig Absagen auf Bewerbungen erhalten, hat verschiedene Gründe wie etwa höhere Lohnabgaben, das Vorurteil einer sinkenden Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter, hauptsächlich aber berufliche Qualifikationen, die nicht mehr dem aktuellen Bedarf entsprechen.

Deshalb braucht es Massnahmen, die eine Dequalifizierung von älteren Arbeitnehmenden verhindern und deren Beschäftigungsaussichten verbessern.

Wenn wir diese Herausforderung meistern, profitieren sowohl die Arbeitnehmenden, indem sie bis zum Pensionsalter erwerbstätig bleiben können, als auch die Unternehmen, weil sie das Potenzial der älteren Arbeitnehmenden besser nutzen können. Der Bundesrat schätzt dieses Potenzial aktuell auf über 93’000 Vollzeitäquivalente.

Eine wesentliche Voraussetzung zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen älterer Arbeitnehmender besteht darin, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Kompetenzen im Rahmen gezielter, auf sie zugeschnittener Weiterbildungen auf den neuesten Stand zu bringen oder neue Kompetenzen zu erwerben. Laut seinem Bericht zur Fachkräfteinitiative will der Bundesrat «Anreize zur Erwerbstätigkeit in den Systemen der Altersvorsorge schaffen», die derzeit revidiert werden. Die Regierung will ausserdem «gute Voraussetzungen zur Erwerbstätigkeit bis zur Pensionierung und darüber hinaus» schaffen – doch der Bericht enthält leider keine einzige konkrete Massnahme! Selbst wenn es gelingt, gewisse Hürden abzubauen, die der Anstellung älterer Arbeitnehmender im Weg stehen, gilt es auch zu beachten, dass sie ihre Stelle nur behalten oder eine neue finden können, wenn sie über die vom heutigen Arbeitsmarkt verlangten Kompetenzen verfügen. Die schweizerische Bildungspolitik sieht aber keinerlei spezifische Massnahmen für ältere Arbeitnehmende vor.

Ältere Arbeitnehmende gezielt fördern

Deshalb setzen wir uns für Massnahmen ein, die für Arbeitnehmende ab einem gewissen Alter Folgendes gewährleisten:

• Die Chancen steigen, im Arbeitsmarkt zu verbleiben.
• Die Gefahr der Dequalifizierung sinkt, und es werden Strategien zum berufsbegleitenden Erwerb neuer Qualifikationen entwickelt.
• Es steht ein Bildungsangebot zur Verfügung, das auf das Alter und die Erfahrung der Betroffenen abgestimmt ist.
• Ältere Arbeitnehmende können das Rüstzeug für die Aufgaben erwerben, die sie auf dem Arbeitsmarkt erfüllen sollen.
• Für ältere Stellensuchende verbessern sich die Beschäftigungsaussichten.

Konkret fordert Travail.Suisse, dass Politik und Arbeitgeber Massnahmen folgender Art ergreifen:

Erwachsenen in der Mitte ihres Berufslebens Zugang zu einer Laufbahnberatung bieten. Aufgrund einer Kompetenzbilanz und einer Potenzialanalyse muss die Laufbahnberatung den Arbeitnehmenden helfen, sinnvolle Weiterbildungen zu planen, die eine Dequalifizierung verhindern oder den Erwerb neuer Kompetenzen ermöglichen. Arbeitgeber und Arbeitnehmende sollten solche Dienstleistungen vermehrt in Anspruch nehmen, und die Behörden (von Bund und Kantonen) müssen den Zugang für Erwachsene erleichtern.
Für ältere Arbeitnehmende eine echte Weiterbildungspolitik entwickeln. Das neue Weiterbildungsgesetz muss die Voraussetzungen für «lebenslanges Lernen» schaffen. Derzeit absolvieren zwar 63% der Wohnbevölkerung im Alter von 25- bis 64 Jahren eine Weiterbildung, hinter dieser Zahl verbergen sich jedoch enorme Unterschiede je nach Ausbildungsniveau: Fast 80% der Personen mit Tertiärausbildung bilden sich weiter, aber lediglich 30% der Personen, die keine Ausbildung der Sekundarstufe 2 besitzen. Deshalb braucht es spezielle Massnahmen zur Förderung der Weiterbildung von weniger qualifizierten Arbeitskräften, bei denen die Gefahr grösser ist, dass sie arbeitslos werden. Diese Arbeitnehmenden müssen gezielte finanzielle Unterstützung erhalten, um die beruflichen Kompetenzen zu erwerben, die sie benötigen, um sich bis zur Pensionierung in der Arbeitswelt behaupten zu können.
Die berufliche Wiedereingliederung optimieren. Personen, die sich vorübergehend aus dem Berufsleben zurückziehen, insbesondere aus familiären Gründen, haben ein hohes Risiko für eine Dequalifizierung und müssen spezifische Weiterbildungen absolvieren, damit der Wiedereinstieg gelingt. Das Berufsbildungsgesetz (BBG) sieht in Artikel 32 Absatz 2 Buchstabe b vor, dass der Bund den Wiedereinstieg von Personen fördert, die ihre Berufstätigkeit vorübergehend eingeschränkt oder aufgegeben haben. Bisher konnten diese Personen jedoch nie materielle Unterstützung in Anspruch nehmen, und der Bundesrat hat verschiedene parlamentarische Vorstösse abgelehnt, die in diese Richtung zielten. Es ist an der Zeit, dass sich dies ändert und die Betroffenen, vorwiegend Frauen, spezifische Unterstützung im Rahmen eines umfassenden, vom Bund zu erarbeitenden Wiedereingliederungskonzepts in Anspruch nehmen können.
Den Erwerb von Diplomen der höheren Berufsbildung (Fachausweise, Meister) bei über 40-Jährigen fördern, insbesondere durch Ausbildungsstipendien. Die Berufsbildungspartner auf Bundes- und Kantonsebene müssen einen ernst zu nehmenden Aktionsplan erarbeiten, der es möglichst vielen älteren Arbeitnehmenden mit einem EFZ ermöglicht, eine höhere Berufsbildung zu erwerben, denn diese ist Garant für gute Beschäftigungschancen und Karrieremöglichkeiten.

In den kommenden Wochen werden mehrere parlamentarische Vorstösse eingereicht, die fordern, ältere Arbeitnehmende besser zu berücksichtigen und dafür zu sorgen, dass sie bis zum Pensionsalter erwerbstätig sein können. Bleibt zu hoffen, dass der Bundesrat diese Vorstösse positiv aufnehmen und seine guten Absichten konkretisieren wird – und dass die Arbeitgeber künftig vermehrt erkennen, welches Potenzial ältere Arbeitnehmende zur Bekämpfung des Fachkräftemangels bieten!

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2014 11 11 Medienservice Aeltere-Arbeitnehmende d.docx 18 KB

11. November 2014, Jacques-André Maire, Vizepräsident und Nationalrat Drucker-icon

Bildungspolitik für ältere Arbeitnehmende gefordert!

Durch den drohenden Fachkräftemangel sind ältere Arbeitnehmende in den Fokus der gesellschaftlichen und politischen Diskussion gerückt. Ein wichtiges Thema wird aber chronisch vernachlässigt: Die Bildungspolitik für ältere Arbeitnehmende. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, präsentiert heute das neue Positionspapier zum Thema. Es zeigt, wo welches Engagement nötig ist, um gut qualifizierte Personen ab 50 Jahren im Arbeitsprozess zu halten und welche Massnahmen für die Gruppe „40+“ wichtig sind. mehr

Die Lage der älteren Arbeitnehmenden in der Schweiz ist auf den ersten Blick nicht dramatisch: Die Beschäftigungsquote ist im internationalen Vergleich hoch und die Arbeitslosenquote tiefer. Erst bei genauerem Hinschauen zeigen sich die Probleme: Die Schweiz ist gemäss OECD nur bei der Beschäftigungsquote gut qualifizierter Männer zwischen 50 und 59 Jahren überdurchschnittlich gut. Die Beschäftigungsquote der über 60-jährigen, der Frauen über 50 und der Personen über 50 und ohne Berufsabschluss ist nur noch durchschnittlich. Am schlimmsten steht es jedoch um die Langzeitarbeitslosigkeit: fast 60 Prozent der über 55-jährigen Arbeitslosen sind länger als ein Jahr ohne Arbeit – weit mehr als im OECD Durchschnitt. Dazu kommt, dass sich diese Quote seit 2002 von 40 Prozent auf 60 Prozent massiv verschlechtert hat.

Bildungspolitisches Defizit beheben

Heute wird in Bezug auf die älteren Arbeitnehmenden vor allem über Kosten (Löhne, höhere Pensionskassenbeiträge etc.) diskutiert. In der Bildungspolitik spielen sie bisher keine Rolle – weder im Berufsbildungsgesetz noch im kürzlich verabschiedeten Weiterbildungsgesetz werden sie explizit erwähnt. „Das ist verheerend, denn insbesondere diese Gruppe ist Risiken wie etwa der Dequalifizierung oder dem Mangel an altersgerechten Bildungsangeboten ausgesetzt“, sagt Martin Flügel, Präsident von Travail.Suisse. Eine besondere Brisanz erhält die Thematik, da die älteren Arbeitnehmenden eine immer grössere Gruppe darstellen („Babyboomers“).

Laufbahnberatung für 40+ als Standard

Das aktuelle Verständnis der älteren Arbeitnehmenden im Arbeitsmarkt braucht dringend eine Korrektur. Travail.Suisse stellt folgende Forderungen ins Zentrum:

1. Der Bund muss dafür sorgen, dass Laufbahnberatungen für alle Arbeitnehmenden 40+ zum Standard werden. Falls notwendig, führt er in der Weiterbildungsverordnung die Laufbahnberatung in der Lebensmitte als Kriterium für die Umsetzung von WeBiG Art. 5.2 (Begünstigung der Weiterbildung der MitarbeiterInnen) ein.
2. Es braucht eine Weiterbildungspolitik für ältere Arbeitnehmende, das bedeutet konkret eine gesetzliche Finanzierungsgrundlage, Best-Practice-Modelle und ein Leading House zum Thema „Berufsbildung und Weiterbildung für Erwachsene“.
3. Die Verbundpartner der Berufsbildung sollen unter dem Lead des Bundes ein Commitment zur Berufsbildung für Erwachsene mit Schwerpunkt 40+ erarbeiten und für die Umsetzung in den kommenden 10 Jahren 800 Mio. Franken bereitstellen.
4. Der Bund schafft ein übergeordnetes Konzept zum Thema „Wiedereinstieg“, das die notwendigen Bildungsmassnahmen und deren Umsetzung zusammen mit den Verbundpartnern der Berufsbildung, den Akteuren der Weiterbildung und der Sozialpolitik beschreibt.

Die älteren Arbeitnehmenden dürfen sind heute ein blinder Fleck in der nationalen Bildungspolitik. Die Schweiz kann sich das aufgrund der demografischen Entwicklung und vor dem Hintergrund der aktuellen migrationspolitischen Debatte nicht leisten. Travail.Suisse setzt sich dafür ein, dass die nationale Bildungspolitik Wege findet, um auch die Aus- und Weiterbildung von älteren Arbeitnehmenden gezielt zu fördern.

Weitere Informationen:
• Martin Flügel, Präsident Travail.Suisse, 079 743 90 05
• Jacques-André Maire, Nationalrat und Vizepräsident Travail.Suisse, Tel. 078 709 48 50
• Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Travail.Suisse, Tel. 079 348 71 67

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2014 11 04 Aeltere-Arbeitnehmende Redetext M-Fluegel d.docx 16 KB

2014 11 04 Aeltere-Arbeitnehmende Redetext J-A-Maire d.docx 18 KB

2014 11 04 Aeltere-Arbeitnehmende Redetext B-Weber-Gobet d.docx 18 KB

TravailSuisse Positionspapier Aeltere-Arbeitnehmende d.pdf 450 KB

04. November 2014, Martin Flügel, Präsident Drucker-icon

Ecopop ist schlecht für die Arbeitnehmenden

Die Ecopop-Initiative will die Zuwanderung radikal beschränken und so die natürlichen Lebensgrundlagen schützen. Die Initiative wird ihr Ziel aber nicht erreichen. Dafür wird sie die Beziehungen zur Europäischen Union massiv beeinträchtigen, den Arbeitsmarkt umkrempeln, den Druck auf die Arbeitsbedingungen und Löhne verstärken sowie den Sozialwerken und der Schweizer Wirtschaft grossen Schaden zufügen. Kurz: Die Zeche für diese unnütze und schädliche Initiative zahlen die Arbeitnehmenden der Schweiz. mehr

Die Ecopop-Initiative schlägt zwei Instrumente zur Sicherstellung der natürlichen Lebensgrundlagen in der Schweiz vor: Neben der Forderung, dass 10% der Mittel der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in die freiwillige Familienplanung fliessen sollen, steht eine Beschränkung der Zuwanderung in die Schweiz im Zentrum. Die jährliche Zuwanderung soll auf 0.2% beschränkt werden. Die Initiative macht die Einwanderung zur Hauptursache von Umweltbelastung und Kulturlandverlust. Sie lässt dabei aber völlig ausser Acht, dass nicht allein die Anzahl Personen an sich, sondern vor allem der Pro-Kopf-Verbrauch eine Belastung der natürlichen Lebensgrundlage darstellt. So werden Eingewanderte zu Sündenböcken gemacht, anstatt dass sie als wichtige Fachkräfte für unseren Arbeitsmarkt und Stütze unseres Wohlstandes anerkannt werden. Die Initiative löst starke Veränderungen des Arbeitsmarktes aus, die aus Sicht der Arbeitnehmenden zu negativen Auswirkungen führen.

Zunahme von Druck auf Löhne und Arbeitsbedingungen

Die Ecopop-Initiative fordert eine starre Begrenzung der Zuwanderung. Sie geht dabei von der Definition der ständigen Wohnbevölkerung aus. Dies bedeutet, dass sowohl Grenzgänger als auch Kurzaufenthalter/-innen (Aufenthalt bis 12 Monate) nicht von der Initiative betroffen sind. Bei einer Annahme der Initiative würde die Wirtschaft die benötigten Arbeitskräfte vermehrt mit Grenzgängern und Kurzaufenthaltern decken. Kurzaufenthalter sind aber rechtlich schlechter gestellt als Daueraufenthalter. Ihnen droht beim Verlust des Arbeitsplatzes auch gleich der Verlust der Aufenthaltsbewilligung. Es ist klar, dass sie sich leichter unter Druck setzen lassen und damit eher schlechtere Arbeitsbedingungen und Löhne akzeptieren – es drohen prekäre Arbeitsverhältnisse. Eine Lehre aus dem Saisonnier-Regime von früher ist aber: Personen mit prekären Arbeitsverhältnissen leben in desolaten sozialen Zuständen und verdienen deutlich schlechtere Löhne als ihre Schweizer Arbeitskollegen. Es wird eine Art legales Lohndumping betrieben. Früher oder später kommen damit die Arbeitsbedingungen und Löhne von allen Arbeitnehmenden unter Druck. Eine Zunahme der Grenzgänger und Kurzaufenthalter auf dem Schweizer Arbeitsmarkt ist ausserdem nicht sinnvoll, da sie die Gefahr für Schwarzarbeit erhöhen, zu einer weiteren Zunahme des Pendlerverkehrs führen und sich diese Arbeitnehmerenden oft nur schlecht in die schweizerische Gesellschaft integrieren.

Weniger Arbeitskräfte heisst weniger Wohlstand und steigende Arbeitsbelastung

Eine Beschränkung der Zuwanderung auf 0.2% pro Jahr entspricht etwa 16‘000 Personen. Seit 1983 gab es nur 3 Jahre, in denen die Zuwanderung weniger als 16‘000 Personen betragen hat. Die Initiative steht also nicht für eine Einschränkung, sondern für ein regelrechtes Abwürgen der Zuwanderung. Es gilt zu berücksichtigen, dass pro Jahr rund 9000 Personen über den Familiennachzug von Schweizer Bürgerinnen und Bürgern in die Schweiz kommen. Weiter nimmt die Schweiz Personen aus Kriegs- und Krisengebiete auf und gewährt ihnen Schutz. Dies entspricht den internationalen Verträgen aus dem Asyl- und Flüchtlingswesen und insbesondere der humanitären Tradition der Schweiz. Das Potenzial, das dem Arbeitsmarkt in Form von Fachkräften zur Verfügung steht, wird sehr stark eingeschränkt. Die Wirtschaft ist auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen, um Wirtschaftswachstum und Wohlstand für uns alle zu erarbeiten. Ganze Branchen funktionieren heute nur durch den Einsatz von ausländischen Arbeitskräften. So leisten die ausländischen Arbeitskräfte zum Beispiel mehr als die Hälfte des Arbeitsvolumens im Gastgewerbe und rund einen Drittel im Gesundheitswesen oder in der Industrie.

Sozialwerke werden geschädigt

Ecopop gefährdet die Finanzierung unserer Sozialwerke: Der Beitrag der Migrantinnen und Migranten an die Sozialwerke ist erheblich: Sie bezahlen 27% der AHV-Beiträge, beziehen aber nur 18% der Leistungen. Ohne Zuwanderung wäre die AHV seit 1992 defizitär. Ecopop gefährdet die Finanzierung der AHV gleich doppelt: durch verkleinertes Wirtschaftswachstum und durch eine starre Begrenzung von ausländischen Arbeitskräften und ihren Finanzierungsbeiträgen. Mit Ecopop fehlen der AHV bis 2030 rund 3 Milliarden Franken, welche in der einen oder anderen Form von den Arbeitnehmenden kompensiert werden müssen. Ausserdem verstärkt eine starre Begrenzung der Zuwanderung, wie sie die Ecopop-Initiative fordert, den Fachkräftemangel. Es ist absehbar, dass der Druck auf die Erhöhung des Rentenalters zunehmen wird, damit die verbleibenden Arbeitskräfte der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt länger zur Verfügung stehen.

Ecopop gefährdet Beziehungen zur EU

Die Ecopop-Initiative kollidiert mit den bilateralen Verträgen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union. Bereit nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative befindet sich die Beziehung zwischen der Schweiz und der EU an einem schwierigen Punkt. Eine Annahme der Ecopop-Initiative mit ihrer starren Begrenzung der Zuwanderung würde den bilateralen Weg endgültig scheitern lassen und die Schweiz in die Isolation führen. Die Bilateralen Verträge sind für die Schweiz aber von hoher Wichtigkeit. Sie ermöglichen eine hohe wirtschaftliche Verflechtung zwischen der Schweiz und der Europäischen Union. So gehen 60% der schweizerischen Exporte in den EU-Raum und gar 80% der Importe stammen von dort. Rund ein Drittel unserer Arbeitsplätze hängt von unseren wirtschaftlichen Beziehungen mit der EU ab. Geregelte Beziehungen zu unserem wichtigsten Nachbarn sind also in unser aller Interesse.

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2014 10 27 Medienservice Ecopop d.docx 22 KB

27. Oktober 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Nein zu Ecopop am 30. November 2014

Die Ecopop-Initiative „Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundla-gen“ verlangt eine Sicherstellung der natürlichen Lebensgrundlagen in der Schweiz. Um dieses grundsätzlich richtige Ziel zu erreichen, werden zwei Instrumente vorgeschlagen. Neben der Forderung, dass 10% der Mittel der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in die freiwillige Familienplanung fliessen sollen, steht eine Beschränkung der Zuwanderung in der Schweiz im Zentrum. Die jährliche Zuwanderung soll auf 0.2% beschränkt werden. Die Initiative macht die Einwanderung zur Hauptursache von Umweltbelastung und Kulturlandverlust. Sie lässt dabei völlig ausser Acht, dass nicht die Anzahl Personen an sich, sondern vor allem der Pro-Kopf-Verbrauch eine Belastung der natürlichen Lebensgrundlagen darstellt. So werden Eingewanderte zu Sündenböcken gemacht, anstatt dass sie als wichtige Fachkräfte für unseren Arbeitsmarkt und Stützen unseres Wohlstandes anerkannt werden. mehr

Mit der starren Beschränkung der Zuwanderung wird sich der Fachkräftemangel in der Schweiz verstärken. Damit gefährdet Ecopop Wohlstand und Arbeitsplätze in der Schweiz. Die Arbeitnehmenden wären in Zukunft noch vermehrt mit Grenzgängern und Kurzaufenthaltern konfrontiert – damit steigt der Druck auf die Arbeitsbedingungen und die Löhne in der Schweiz, anstatt dass sie über einen Ausbau der flankierenden Massnahmen besser geschützt werden.

Während die Masseneinwanderungsinitiative die Personenfreizügigkeit und die bilateralen Verträge mit der Europäischen Union vor Probleme stellt, wäre die Ecopop-Initiative mit den Bilateralen si-cherlich nicht kompatibel. Deren starre Obergrenze für die jährliche Zuwanderung von 0.2% führt unweigerlich zum Bruch mit der EU. Ein Ende der Bilateralen würde die Schweiz in praktisch allen Bereichen isolieren.

Die Initiative liefert keinen Lösungsansatz, wie über eine konsistentere Raumplanung, eine gesteigerte Energieeffizienz, den verbesserten Schutz des Kulturlandes, ein nachhaltigeres Konsumverhalten oder eine effizientere Mobilität ein effektiverer Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen erreicht werden könnte. Für Travail.Suisse ist klar, dass die Initiative mit der Beschränkung der Zuwanderung viel zu kurz greift und für die Arbeitnehmenden in der Schweiz negative Auswirkungen hat. Eine starre Obergrenze für die jährliche Zuwanderung von 0.2% ist wirtschaftlich gefährlich und führt die Schweiz in eine Sackgasse:

• Sie gefährdet den Wirtschaftsstandort und den Arbeitsmarkt in der Schweiz.
• Sie bringt eine Zunahme von Grenzgängern und Kurzaufenthaltern („Saisonniers“) auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt.
• Sie fördert prekäre Arbeitsverhältnisse und erhöht so den Druck auf die Löhne und Arbeitsbedingungen sämtlicher Arbeitnehmenden in der Schweiz.
• Sie verstärkt den Fachkräftemangel (z.B. im Gesundheitswesen, Schule und Bildungswesen, öffentlicher Verkehr etc.) und beeinträchtigt so die Lebensqualität aller Einwohner/innen.
• Sie führt zu steigender Arbeitsbelastung für alle Arbeitnehmenden der Schweiz und erhöht den Druck zur Erhöhung des Rentenalters.
• Sie steht im Widerspruch zu den Bilateralen Verträgen, führt zum Bruch mit der Europäischen Union und führt die Schweiz in die Isolation.

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21. Oktober 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Ältere Arbeitnehmende: Dequalifizierungen vorbeugen

Arbeitnehmende im Alter zwischen 50 und 65 Jahren sind in den Fokus der nationalen Politik gerückt. Einerseits sehen Politikerinnen und Politiker in den älteren Arbeitnehmenden ein grosses Potenzial, das zur Bekämpfung des Fachkräftemangels eingesetzt werden kann. Andererseits ist man aber beunruhigt über die erhöhte Langzeitarbeitslosigkeit der älteren Arbeitnehmenden und fragt sich, wie diese besser wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Lösungen werden insbesondere von der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik erwartet. Aus Sicht von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist das zu kurzsichtig. Von zunehmender Bedeutung ist vor allem, eine fundierte bildungspolitische Diskussion über die älteren Arbeitnehmenden zu führen. mehr

Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmende, Anreize für Betriebe, ältere Arbeitnehmende länger zu beschäftigen, Diskriminierungsverbot bei Stellenausschreibungen, Einarbeitungszuschüsse für ältere Arbeitnehmende, altersgerechte Arbeitsbedingungen, altersunabhängige Pensionskassenbeiträge: Das alles sind Lösungsvorschläge, welche die Politik bereithält, um die Situation der 50- bis 65-Jährigen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Sie leisten sicherlich einen wichtigen Beitrag, um die Erschwernisse, welchen die älteren Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt sind, abzubauen. Aber eines darf nicht übersehen werden: Eine Stelle behält oder erhält ein älterer Arbeitnehmender nur, wenn er oder sie über die notwendigen und vom Arbeitsmarkt verlangten Kompetenzen verfügt. Was dies bedeutet, wird in der Politik kaum diskutiert, geschweige denn konkretisiert. Die bildungspolitische Diskussion wird bis heute kaum geführt.

Wenig bildungspolitische Vorstösse – ohne Konsequenzen

Bisher hat sich das Parlament aus bildungspolitischer Sicht nur wenig mit den älteren Arbeitnehmenden auseinandergesetzt. Vorstösse diesbezüglich wurden einerseits von CVP-Nationalrat Martin Candinas (2013) und andererseits von SP-Nationalrätin Bea Heim (2014) eingereicht. Candinas forderte den Bundesrat auf, „(…) zu prüfen, was aus bildungspolitischer Sicht unternommen werden muss, damit das Risiko von Dequalifizierungen von älteren Arbeitnehmenden minimiert wird und Weiterbildungsangebote geschaffen werden, die den Bedürfnissen der älteren Arbeitnehmenden entsprechen“. Der Bundesrat wie auch der Nationalrat haben zwar dieses Postulat angenommen. Passiert ist bisher aber nichts.

Der Blick auf die 40 bis 50-Jährigen

Sollen die älteren Arbeitnehmenden besser im Arbeitsmarkt integriert bleiben und auch angesichts des Fachkräftemangels eine gewichtigere Rolle spielen, so ist alles zu unternehmen, damit sie ihre Beschäftigungsfähigkeit behalten und ausbauen können. Dies bedingt einerseits, dass sie im Alter aufgrund von Dequalifizierungen nicht in berufliche Sackgassen geraten, so dass sie trotz freien Stellen nicht angestellt werden, und andererseits, dass sie sich die neuen, notwendigen Kompetenzen frühzeitig aneignen und sich so als wichtige Leistungsträger ausweisen und bewähren können. Bildungspolitische Massnahmen zugunsten der älteren Arbeitnehmenden können dabei nicht erst bei den 50- oder 55-Jährigen ansetzen. Eine Bildungspolitik zugunsten der älteren Arbeitnehmenden muss spätestens in der Mitte des Arbeitslebens beginnen, das heisst kurz nach dem 40. Lebensjahr.

Beispiel 1:
Horizontale Karrieren, die von Personen mit körperlich anspruchsvollen Berufen ins Auge gefasst werden müssen, damit sie trotz körperlichen Gebrechen im Arbeitsmarkt bleiben können, dürfen nicht erst nach 50 angepackt werden. Solche Wechsel müssen frühzeitig und längerfristig geplant werden, damit sie gelingen.

Beispiel 2:
Ebenso müssen Personen, die im Verlaufe ihres Berufslebens das Berufsfeld geändert haben, frühzeitig damit beginnen, ihre neuerworbenen Kompetenzen zu dokumentieren, Fehlendes zu ergänzen und auf einen neuerlichen Berufsabschluss hinzuarbeiten. Erfahrungen in einem Beruf genügen bei einem Stellenwechsel oft nicht. In diesem Fall ist es häufig notwendig und hilfreich, wenn man nicht nur auf die lange Berufserfahrung, sondern auch auf einen erreichten Berufsabschluss hinweisen kann.

Beide Beispiele zeigen, dass gerade bei der Auseinandersetzung mit den älteren Arbeitnehmenden der Blick schon auf die 40- bis 50-Jährigen gerichtet werden muss, um der potenziellen Dequalifizierung von älteren Arbeitnehmenden frühzeitig vorzubeugen. Und sie zeigen, dass die Bildungspolitik heute über keine Massnahmen verfügt, welche die 40- bis 50-Jährigen motiviert, in diese Qualifizierungsprozesse einzusteigen. Da ist die Bildungspolitik heute und in Zukufnt gefordert.

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13. Oktober 2014, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon