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Medienmitteilungen 2015

Flächendeckende Nullrunden verhindert – Lohnerhöhungen zwischen 0.5 und 1 Prozent

Die diesjährigen Lohnverhandlungen waren schwierig und anspruchsvoll. Priorität hatte die Verhinderung von flächendeckenden Nullrunden unter dem Vorwand der Frankenstärke. Auch wenn Nullrunden im Gewerbe und in der Industrie verbreitet sind, kommen die Arbeitnehmen-den in der Schweiz mehrheitlich in den Genuss von Lohnerhöhungen. Diese sind allerdings sehr bescheiden und liegen mehrheitlich zwischen 0.5 und 1 Prozent. Travail.Suisse, der un-abhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, beurteilt die Ergebnisse der Lohnrunde für die Arbeitnehmenden als ungenügend. mehr

Mit der immer noch hängigen Umsetzung von Artikel 121a der Bundesverfassung einerseits und der starken Überbewertung des Frankens nach dem Entscheid der Nationalbank von Anfang Jahr ande-rerseits fanden die diesjährigen Lohnverhandlungen unter äusserst anspruchsvollen Voraussetzun-gen statt. Nach dem SNB-Entscheid wurden wirtschaftliche Horrorszenarien an die Wand gemalt und Vertreter der Arbeitgeber forderten Erhöhungen der Arbeitszeiten und Lohnsenkungen. Für Travail.Suisse und die angeschlossenen Verbände Syna, Hotel & Gastro Union und transfair hatte deshalb die Verhinderung von flächendeckenden Nullrunden unter dem Vorwand des überbewerte-ten Frankens Priorität.

Zähe Verhandlungen mit ungenügenden Resultaten
Die Verhandlungen zur Lohnrunde 2016 verliefen sehr schwierig. In diversen Branchen und Betrieben konnte zwischen den Sozialpartnern keine Einigung über die Lohnmassnahmen erzielt werden – dies betrifft mehr und mehr auch Unternehmen aus den Branchen des Service public (z.B. BLS AG, Groupe e, local.ch u.a.m.). Travail.Suisse ruft die Arbeitgeber auf, insbesondere in den Lohnver-handlungen wieder vermehrt Hand zu einer gelebten Sozialpartnerschaft zu bieten.

Viele Arbeitnehmende werden auf das nächste Jahr keine oder nur geringfügige Lohnerhöhungen erhalten. Mit der Begründung der unsicheren Zukunft treten viele Unternehmen deutlich auf die Lohnbremse. Immerhin konnte vermieden werden, dass es mit dem Vorwand der Frankenstärke zu flächendeckenden Nullrunden für die Arbeitnehmenden gekommen ist. Neben etlichen Nullrunden (vor allem in Gewerbe und Industrie, aber auch beim Bundespersonal) werden den Arbeitnehmenden mehrheitlich bescheidene Lohnerhöhungen zugestanden. Das Gros der Abschlüsse liegt dabei zwi-schen 0.5 und 1 Prozent, was aus Sicht von Travail.Suisse ungenügend ist.

Kaum Fortschritte bei den Frauenlöhnen und dem Vaterschaftsurlaub
Die Arbeitgeber waren auch in diesem Jahr nicht bereit, bei der Gleichstellung der Frauenlöhne einen besonderen Effort zu leisten. Travail.Suisse unterstützt daher die politische Lösungsfindung. Die Vorschläge des Bundesrates sind zwingend umzusetzen, müssen allerdings noch mit griffigen Mas-snahmen im Bereich der Kontrollen und Sanktionen ergänzt werden, um das Ziel der Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern wirklich zu erreichen.

Auch in Bezug auf den Vaterschaftsurlaub konnten nur ungenügende Fortschritte erzielt werden. Mit Ausnahme des neuen GAV der Post (neu 10 statt 2 Tage), des erstmaligen GAV der Spitäler beider Basel (neu 10 Tage), von Aldi (neu 10 statt 5 Tage) und der SZU (neu 10 statt 2 Tage) konnten keine Verbesserungen erzielt werden. Es verbleiben zuviele Arbeitnehmende beim gesetzlichen Minimum von einem Tag Vaterschaftsurlaub – gleichviel wie für einen Wohnungswechsel. Travail.Suisse ist entschlossen, dem Anliegen nach einem gesetzlichen Vaterschaftsurlaub mit einer Volksinitiative zum Durchbruch zu verhelfen.

Für mehr Informationen:
•Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse,
Tel. 076 412 30 53
•Arno Kerst, Präsident Syna,
Tel. 079 598 67 70
•Eric Dubuis, Mitglied der Geschäftsleitung und Sekretär Romandie Hotel & Gastro Union,
Tel. 079 290 76 26
•Stefan Müller-Altermatt, Nationalrat und Präsident des Personalverbands transfair,
Tel. 076 332 15 26

Anhang Grösse

2015 12 21 TravailSuisse MK Lohnergebnisse 2016 Redetext G Fischer d.pdf 177 KB

2015 12 21 Syna MK Lohnergebnisse 2016 Redetext A-Kerst d DEF.pdf 155 KB

2015 12 21 Hotel Gastro Union MK Lohnergebnisse Redetext Eric Dubuis d.pdf 165 KB

2015 12 15 transfair MK Lohnresultate 2016 Redetext Stefan Müller d.pdf 73 KB

21. Dezember 2015, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Jetzt braucht es Lösungen für die Probleme auf dem Arbeitsmarkt

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, ist erfreut über die heutige Ankündigung des Bundesrates, zusätzliche Massnahmen für den besseren Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen zu prüfen. Endlich scheint auch der Bundesrat zur Einsicht gekommen zu sein, dass die Umsetzung von Artikel 121a der Bundesverfassung mit zusätzlichen Massnahmen begleitet werden muss. Es ist unabdingbar, dass rasch Lösungen präsentiert werden, um diese noch in die Botschaft zur Umsetzung von Artikel 121a integrieren zu können. mehr

Die Ankündigung des Bundesrates von vorletzter Woche, eine Schutzklausel einzuführen, birgt grosse Risiken für den Wirtschaftsstandort Schweiz und bedroht die Situation der Arbeitnehmenden. Endlich hat auch der Bundesrat erkannt, dass es Massnahmen zum besseren Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen braucht. Travail.Suisse wird sich mit aller Kraft für eine Optimierung der flankierenden Massnahmen einsetzen.

Auch im Rahmen der Fachkräfteinitiative wurden richtige Entscheide gefällt. Für Travail.Suisse ist zudem klar, dass die Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt verbessert, die Arbeitsmarktpartizipation der Frauen über eine Vereinfachung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie erhöht und der Verbleib von älteren Arbeitnehmenden im Arbeitsmarkt gesichert werden muss. Travail.Suisse wird sich in den Gesprächen mit dem Bundesrat weiterhin für eine Sonderfinanzierung der Weiterbildung der älteren Arbeitnehmenden einsetzen und in den Arbeitsgruppen aktiv mitarbeiten. Nur wenn wirksame Massnahmen beschlossen werden, kann Travail.Suisse am Fachkräftegipfel im September 2016 die Massnahmen sozialpartnerschaftlich mittragen.

Rasche Massnahmen zum Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen

Der Bundesrat hat sich viel Zeit gelassen, umso entscheidender ist jetzt ein rasches Vorgehen.„Die Massnahmen zum besseren Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen müssen zwingend in die Botschaft zur Umsetzung von Artikel 121a der Bundesverfassung integriert werden. Das ist eine Herausforderung für alle Beteiligten“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse. Die Botschaft ist bereits für Ende März angekündigt, weshalb es jetzt rasch konkrete Lösungen braucht. Travail.Suisse begrüsst, dass der Bundesrat endlich die Weichen gestellt hat; gefordert sind jetzt aber insbesondere auch die Arbeitgeber. Travail.Suisse fordert diese auf, Hand zu bieten für Lösungen der Probleme auf dem Arbeitsmarkt und weitere Verbesserungen zum Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen. Nur mit effektiven Massnahmen wird es gelingen, die Bevölkerung weiterhin vom bilateralen Weg mit der europäischen Union zu überzeugen.

Für mehr Informationen :
Adrian Wüthrich, Präsident, Tel. 079 287 04 93

18. Dezember 2015, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

Bürgerliche noch nicht in der Realität des Fachkräftemangels angekommen

Heute hat es der Nationalrat abgelehnt, die Befristung der erfolgreichen Anstossfinanzierung für familienergänzende Betreuungsplätze aufzuheben. Das ist sehr kurzsichtig. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels wären verlässliche und planbare Betreuungsstrukturen zentral. mehr

Heute muss das Parlament alle vier Jahre neu beschliessen, ob es das Bundesprogramm zur Anstossfinanzierung für familienergänzende Betreuungsplätze weiterführen will. Das Programm hat fast 50‘000 neue Betreuungsplätze geschaffen und ist somit eine Erfolgsgeschichte. Es ist deshalb unverständlich und kurzsichtig, wenn nun alle von Fachkräfteinitiative und mehr Einbindung der Mütter in den Arbeitsmarkt reden, gleichzeitig aber auf Verbesserungen bei der familienexternen Betreuung verzichtet wird. Eine solche Verbesserung wäre die vom Kanton Solothurn verlangte Aufhebung der Befristung des Bundesprogramms gewesen. Damit bleiben die Perspektiven für eine verbesserte familienexterne Betreuung unsicher.

Für mehr Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, Tel. 079 777 24 69

18. Dezember 2015, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Nein zu einer Unternehmenssteuerreform ohne Gegenfinanzierung durch die Wirtschaft

Der Ständerat diskutiert heute über die Unternehmenssteuerreform III. So wie diese Reform von der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK-S) aufgegleist worden ist, hätte sie für den Bund Steuerausfälle von rund 1,3 Milliarden Franken zur Folge. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert eine Gegenfinanzierung durch die Wirtschaft. Es ist nicht an der Bevölkerung, für die Steuergeschenke an die grossen Unternehmen zu büssen, indem sie einen massiven Leistungsabbau in Kauf nehmen muss. mehr

Travail.Suisse erwartet vom Ständerat, dass er die Steuerausfälle der Unternehmenssteuerreform III für den Bund genauer unter die Lupe nimmt. Es ist nicht akzeptabel, dass die massiven Steuerausfälle mit strukturellen Überschüssen kompensiert werden sollen, oder anders gesagt, dass auf Kosten des Service public mehr als eine Milliarde Franken bei den Leistungen eingespart wird.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Kantone sollten auch die Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform III auf die Kantone genauer prüfen. Tatsächlich wird diese Reform zu Steuerausfällen in Milliardenhöhe führen, indem sie viele Kantone dazu veranlassen wird, die Steuersätze für die Unternehmen drastisch zu senken. Wenn der Kantonsanteil an der direkten Bundessteuer noch erhöht wird, wie die Kommission dies vorsieht, werden die Kantone ihre Steuersätze zusätzlich senken. Um einen ruinösen Steuerwettbewerb zu verhindern, fordert Travail.Suisse, dass parallel zur Unternehmenssteuerreform in der ganzen Schweiz ein Mindestsatz für die Gewinnsteuer eingeführt wird. Um die Steuerausfälle zu begrenzen, muss dieser Satz nahe bei 17 Prozent liegen. Mit einem solchen Satz, der unter dem nationalen Durchschnitt liegt, würden die Schweizer Unternehmen insgesamt begünstigt. Zudem bliebe die Schweiz damit für die Ansiedelung von ausländischen Unternehmen attraktiv, da der Satz immer noch weit unter jenem der Nachbarstaaten liegt. Kommt hinzu, dass die Schweiz im Standortwettbewerb noch über zahlreiche andere Trümpfe verfügt, wie zum Beispiel das hohe Bildungsniveau, die Qualität der Infrastruktur, die effiziente Verwaltung, die Lebensqualität oder die Sozialpartnerschaft.

Vorschlag einer Gegenfinanzierung

Um den Grossteil der Verluste von 1,3 Milliarden Franken für den Bund zu kompensieren, schlagen wir eine moderate Erhöhung des Bundessteuersatzes für Unternehmen von 8.5 auf 10.5 Prozent (+ 700 bis 800 Millionen Franken) und die Wiedereinführung einer Kapitalgewinnsteuer (+ 300 Millionen Franken) vor, wie dies der Bundesrat in seinem Entwurf vorgesehen hatte. Es sei daran erinnert, dass die Bundessteuersatz für Unternehmen 2002 von 9.8 auf 8.5 Prozent gesenkt worden war.

Für mehr Informationen:
Denis Torche, Leiter Finanz- und Steuerpolitik, Tel. 031 370 21 11 oder 079 846 35 19

14. Dezember 2015, Denis Torche, Leiter Steuer- und Finanzpolitik Drucker-icon

Vaterschaftsurlaub: Travail.Suisse bereitet Volksinitiative vor

Der Vorstand von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, hat an seiner Sitzung vom 9. Dezember 2015 ohne Gegenstimme beschlossen, die Arbeiten zur Lancierung einer Volksinitiative für einen bezahlten Vaterschaftsurlaub an die Hand zu nehmen. Über die Lancierung entscheiden wird die Delegiertenversammlung Ende April 2016. mehr

Der Vorstand von Travail.Suisse hat nach der gescheiterten parlamentarischen Initiative für einen bezahlten Vaterschaftsurlaub von 10 Tagen von Nationalrat Candinas über das weitere Vorgehen entschieden, damit dem Anliegen für einen angemessenen Vaterschaftsurlaubs zum Durchbruch verholfen werden kann. Der Vorstand von Travail.Suisse stellt fest, dass im Parlament keine Mehrheit für das breit getragene Anliegen aus der Bevölkerung besteht. Bereits vor dem Vorstoss Candinas scheiterten mehrere Anläufe dazu im Parlament. Das Ergreifen einer Volksinitiative ist deshalb der logische Schritt. Die Stimmberechtigten müssen darüber entscheiden können. Mit einer Volksinitiative hat die Bevölkerung die Möglichkeit, dem Anliegen endlich zum Durchbruch zu verhelfen.

Der Vaterschaftsurlaub ist ein echtes Bedürfnis: Das hat unter anderem die repräsentative Umfrage gezeigt, die Travail.Suisse im Spätsommer dieses Jahres durchgeführt hat. 80 Prozent der Stimmberechtigten sind dafür, dass Väter nach der Geburt eines eigenen Kindes einen gesetzlichen Anspruch auf einen bezahlten Vaterschaftsurlaub haben. Heute wird den meisten Vätern höchstens ein freier Tag gewährt. Nur wenige Unternehmen sehen einen Urlaub von 10 Tagen vor. Und ganz rar sind jene, die einen echten Vaterschaftsurlaub von mindestens 20 Arbeitstagen anbieten.

Der Vorstand von Travail.Suisse will deshalb eine Volksinitiative lancieren. Er hat die Geschäftsleitung mit der Vorbereitung einer Volksinitiative für einen Vaterschaftsurlaub von 20 Arbeitstagen beauftragt. Gleichzeitig werden die 11 Mitgliedsverbände von Travail.Suisse eingeladen, die Volksinitiative zu unterstützen. Parallel werden weitere Verbände und Organisationen ausserhalb von Travail.Suisse für eine Unterstützung der Volksinitiative angefragt. Es ist das erklärte Ziel von Travail.Suisse, mehrere Organisationen aus der Zivilgesellschaft in einer breiten Allianz vereinen zu können. Zusammen mit diesen Organisationen soll die Initiative dann Anfang Mai 2016 gestartet werden. Definitiv über die Lancierung der Initiative zum Vaterschaftsurlaub entscheiden wird die Delegiertenversammlung von Travail.Suisse Ende April des nächsten Jahres.

Für weitere Informationen:
Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, 031 370 21 11 oder 079 287 04 93

10. Dezember 2015, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon