Kongress von Travail.Suisse vom 15. Dezember 2007: Travail.Suisse auf Erfolgskurs

Ansprache von Hugo Fasel, Nationalrat, Präsident
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen
Geschätzte Gäste

Vor fünf Jahren haben wir Travail.Suisse gegründet. In kürzester Zeit haben wir uns einen starken Platz in der Politlandschaft Schweiz und innerhalb der Arbeitnehmeroganisationen erarbeiten können. Wir haben bewiesen, dass wir Initiativen starten und erfolgreich umsetzen können, und wir haben gezeigt, dass wir referendumsfähig sind. Travail.Suisse weiss sich Gehör zu verschaffen. Als zweitgrösste Dachorganisation mit rund 180'000 Mitgliedern haben wir unseren An-spruch, ein wirtschaftlicher Spitzenverband zu sein, eindeutig eingelöst. Travail.Suisse ist ein voller Erfolg.

Pluralismus.
Mit der Gründung von Travail.Suisse hatten sich die Mitgliederverbände ganz bewusst für den Pluralismus innerhalb der Arbeitnehmendenbewegung entschieden. Es war das klare Bekenntnis, die Breite der Interessen der Arbeitnehmenden nicht auf eine einzige Organisation zu reduzieren, sondern eine zweite starke Dachorganisation der Arbeitnehmenden in die Politlandschaft zu setzen. Und es war auch das Bekenntnis zu Ideenwettbe-werb, zu eigenständigen Positionen und zu Themenführerschaft. Die Umsetzung ist uns gelungen: Kinderzulagen, Managerlöhne, der Schwerpunkt „Schwangerschaft und Beruf“, die Berufsbildung, Rentenklau u.a. sind beste Beispiele dafür.

Sozialpartnerschaft. Travail.Suisse hat sich in den Statuten für klare Werte entschieden, für die Sozialpartnerschaft und für die christliche Sozialethik. Es ist uns gelungen, diese in konkrete Politik umzusetzen. Wir haben uns in der Familienpolitik einen Namen gemacht. Wir setzen uns dafür ein, dass alle Menschen in unserer Gesellschaft einen Platz finden. Wir tun dies in der Ausländerpolitik, im Kampf gegen Lohndumping, oder im Engagement für ein flexibles Rentenalter für kleinere und mittlere Einkommen.

Unsere Verbände haben aber auch gezeigt, dass sie mit andern Organisationen kooperieren können und wollen, wenn es um gemeinsame Anliegen der Arbeitnehmenden geht; so beispielsweise zuletzt im Bausektor.

Wachstum. Seit der Gründung im Jahre 2002 haben wir unsere Position ständig ausbauen können. Travail.Suisse ist attraktiv: Der Schweizerische Verband der Fachhochschuldozierenden (FH-CH), die Association des Assistants en Information Documentaire (AAID), der Verband Schweizerischer Polizeibeamter (VSPB), der Personalverband der Bundeskriminal-polizei (PV BKP), die Association romande des logopédistes diplômés (ARLD), Berufsbil-dung Schweiz (BCH), sie alle sind in den letzten Jahren zu uns gestossen und geben Tra-vail.Suisse zusätzlichen Punch und Charme.

Erfolge. Wer selbständig auftreten und wahrgenommen werden will, braucht Erfolge. Tra-vail.Suisse hat mit der Initiative für faire Kinderzulagen einen Grosserfolg landen können. In sozialpolitisch schwierigen Zeiten ist es uns gelungen, ein gesamtschweizerisches Familienzulagengesetz durchzusetzen und nach einer tollen Kampagne das Referendum gegen den Gewerbeverband klar und deutlich zu gewinnen. Es ist uns aber auch gelungen, in andern Politikbereichen Akzente zu setzen, so u.a. in der Einkommenspolitik. Am Beispiel der Ma-nagerlöhne haben wir die neue Ausbeutung thematisiert und eine breite Debatte auslösen können.


Die nächsten Etappen stehen an: Lebensqualität zuerst!


Travail.Suisse bleibt nicht stehen; wir haben für die nächsten vier Jahre klare Ziele. Das Grundlagenpapier, das wir heute dem Kongress vorlegen, ist während eineinhalb Jahren vorbereitet worden. In einem breiten Vernehmlassungsverfahren haben die Verbände dazu Stellung genommen und Anpassungen vorgenommen. Heute können wir ein Politikprogramm verabschieden, das breit abgestützt und von allen Verbänden getragen wird. Der Vorstand hat es einstimmig gutgeheissen. Travail.Suisse ist bereit!

Vier Themen stehen im Vordergrund; wir wollen neue Akzente setzen, Akzente für mehr Lebensqualität!

1. Initiative „6 Wochen Ferien für alle“
Die Belastung der Arbeitnehmenden hat in den letzten Jahren ständig zugenommen. „Burn out“ heisst das Stichwort. Das Bedürfnis nach Ausspannen, Zurücklehnen und Atem holen, ist gross. Die Raststätten an der Berufsautobahn müssen ausgebaut werden. Im Zentrum des heutigen Kongresses steht deshalb die Lancierung der Volksinitiative „6 Wochen Ferien für alle“.

2. Obligatorische Weiterbildung
Die raschen Veränderungen in der Berufswelt können nur bewältigt werden, wenn die Ar-beitnehmenden ihr Wissen regelmässig erneuern können. Das schafft Sicherheit am Arbeitsplatz. Weiterbildung ist aber auch die Basis für innovative Leistungen des Faktors Arbeit. Heute haben sehr viele Arbeitnehmende wenig oder gar keinen Zugang zu Weiterbildung. Travail.Suisse verlangt deshalb, dass im neuen Weiterbildungsgesetz ein Obligatorium von drei Tagen Weiterbildung pro Jahr verankert wird.

3. Alternative Energien schaffen Arbeitsplätze
Travail.Suisse setzt einen klaren Akzent bei der Energie- und Klimapolitik. Wir stehen vor epochalen Entscheidungen, die für den Arbeitsplatz Schweiz von zentralster Bedeutung sind: Die mutige und engagierte Förderung alternativer Energien und der Energieeffizienz wird Tausende neuer Arbeitsplätze schaffen. Die alternativen Energien stellen weltweit den grössten Zukunftsmarkt dar. Diese Chance darf die innovative Schweiz nicht verpassen. Der Bund muss die substantielle Unterstützung von Gebäudesanierungen und die Anschubfinanzierung für neue Technologien konsequent vorantreiben. Arbeitsplätze schaffen und Klima schützen, diese beiden Anliegen gehören zusammen.

4. Vaterschaftsurlaub
Immer mehr Männer wollen sich in der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder engagieren. Es braucht dringend entsprechende Anpassungen in der Arbeitswelt, den Vaterschaftsurlaub. Eine erste Hürde hat der Vaterschaftsurlaub im Nationalrat genommen. Der Ständerat stockt. Wir werden uns konsequent dafür einsetzen, dass ein Vaterschaftsurlaub von mindestens 20 Tagen gesetzlich verankert wird. Nach dem Erfolg der Kinderzulagen verlangt Travail.Suisse einen nächsten Schritt auf dem Weg zu einer zeitgemässen Familienpolitik.
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15.12.2007, Hugo Fasel